Marihuana könnte (fast) so billig wie Küchenkräuter sein,

Das war (ohne das „fast“) das Resümee, eines Artikels, den ich mal gelesen habe, leider finde ich die URL nicht mehr aber er war nicht aus einem mehr oder weniger zuverlässigen Forum, sondern soweit ich mich erinnere vom Fokus oder Stern.

Das klingt verwegen, soll doch nach Medienberichten und Wertschätzungen für beschlagnahmtes Marihuana der Straßenpreis für Marihuana bei etwa 8 bis 10 Euro pro Gramm liegen. Erstaunlicherweise ist auch der Preis dort gleich geblieben, wo Marihuanakonsum legalisiert ist und Ländern die mit staatlicher Überwachung den Stoff verkaufen.

Nun ändert sich ja langsam etwas, auch bei uns. Zumindest für medizinische Zwecke ist der Anbau inzwischen erlaubt. Der Verkauf von Präparaten mit CBD – das Kürzel steht für Cannabidiol, ebenfalls ein Cannaboid, das zusammen mit dem bekannteren THC (Tetrahydrocannabiol) in Hanf vorkommt, ist sogar erlaubt, da er CBD nicht psychoaktiv ist, aber eine Reihe der positiven medizinischen Eigenschaften von THC aufweist. THC ist das Hauptcannaboid von Hanf, der für den Drogenkonsum gezüchtet wurde und eis, ist die primär rauschbildende Substanz unter den Cannboiden.

Ich denke das ist eine gute Gelegenheit mal zu orakeln, wie Cannabis angebaut werden könnte und wie viel es mal kostet.

Zuerst mal die Situation, wie sie heute ist. Da Cannabisanbau illegal ist und das keine Ordnungswidrigkeit, sondern ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz ist, verteuert das die Gewinnung enorm. Hanf an sich ist eine ziemlich genügsame Pflanze. Dank langer Pfahlwurzeln kommt er gut mit Trockenheit zurecht, er wächst auch unter schlechten klimatischen Bedingungen, eine Unterart sogar in Sibirien und früher wurde Hanf auch weit angebaut vor allem um aus den Fasern belastbare Stoffe und Seile zu gewinnen (ich habe von meinem Vater noch Obstsäcke aus Hanffasern im Keller) und das Öl zu gewinnen, das sehr reich an essenziellen Fettsäuren uns sekundären Pflanzeninhaltsstoffen ist.

Hanf wird für die Zwecke auch angebaut und Hanföl und Hanffasern bzw. Produkte wie Taschen kann man kaufen und Hanfsamen sind nicht richtig teuer – als Bioware kosten ein Pfund etwa 5 Euro, als Vogelfutter kosten 20 kg sogar weniger als 37 Euro, also unter 2 Euro pro Kilo. Das sind natürlich Samen aus THC-armen Hanf, dem sogenannten Nutzhanf, anderer darf gar nicht in den freien Verkauf. Wie teuer die Illegalität etwas verteuert, zeigt sich darin das bei holländischen Händlern von Samen von THC-reichen Sorten 5 Samen (ja Samen nicht Kilogramm) zwischen 25 und 100 Euro kosten. Dabei wiegen 5 Samen nicht mal ein Gramm.

Doch man darf annehmen, das ein Betrieb der selbst Marihuanahanf für den Verkauf züchtet sich auch sie Samen selbst heranzieht. Der Faktor Samenkosten fällt weg. Doch warum Marihuana auch bei legalem Verkauf teuer ist, zeigt ein Besuch in einem Betrieb in Colorado den ich mal im Fernsehen sah. Dort werden Hanfpflanzen einzeln in Töpfen erst mal wie beim illegalen Anbau in einer Halle aufgezogen. Das geht nur unter Kunstlicht. Weiß man, das die Sonne im Sommer zur Mittagszeit etwa 1.000 Watt Strahlungsleistung pro Quadratmeter abgibt, dann ist klar, dass man dafür sehr viel Strom braucht. Illegaler Anbau in Growboxen benötigt nach Berichten einschlägiger Foren auch ziemlich viel Strom, eine 1 m² große Grow-Box die ich bei Amazon fand hat eine Lampe mit 600 Watt Leistung. Das sind bei 14 Stunden Betrieb pro Tag, einer Vegetationsperiode von 120 Tagen (4 Monaten) über 1000 kWh, mit Stromkosten über 300 Euro. Der Vorteil dieser Haltung ist natürlich, dass so mehrere Ernten pro Jahr möglich sind. Ein großes Gewächshaus, das zumindest die Stromkosten stark reduzieren würde, erlaubt dann nur eine Ernte pro Jahr und man ist von der Sonne abhängig und kann nicht definierte Bedingungen vorgeben und auch die Blütenbildung steuern – die erfolgt bei Hanf in der Natur durch die abnehmende Tageslänge, kann sich aber, wenn wir wie dieses Jahr noch einen goldenen September haben, verzögern oder bei einem verregneten Sommer vorziehen. Mit einem Gewächshaus wäre man von der Sonne abhängig, es gäbe nur eine Ernte pro Jahr, aber dafür wären die Investitionen in Halle und die Folgekosten für Strom geringer. Wenn Hand tatsächlich mal so billig wir Küchenkräuter wird, könnte man ihn sogar im Freiland anbauen wie heute den Nutzhanf, denn man müsste nicht befürchten, das die Pflanzen von Konsumenten geplündert werden, wenn der Aufwand dafür verglichen mit den Kosten für die fertige Ware einfach zu hoch ist – das ist genauso wie bei Obst und Gemüse, da könnte im Prinzip auch jeder Spaziergänger sich bedienen und das tun eben doch die wenigsten.

Es geht weiter im Bericht mit der Ernte. Die Cannaboide stecken in den weiblichen Blüten. Die sind, wie man leicht durch eine Bildersuche feststellen kann, inmitten von vielen kleinen Blättern. In dem Betrieb waren also fünf Mitarbeiter nur damit beschäftigt, die kleinen Blätter von den Blütenständen wegzuschneiden. Es gab auch eine Maschine so eine Art rotierende Trommel mit Öffnungen, an der außen Messer die Blätter abrasierten, doch diese Maschine wurde nur für „preiswerte“ Sorten eingesetzt. Klar ist das so ein händischer Prozess natürlich die Ware stark verteuert. Billig wird ein Produkt, wenn man es möglichst ohne Menschen automatisch anbauen kann.

Ich habe mir mal Gedanken gemacht und meine Vision entworfen, wie Hanf angebaut werden könnte, wenn es vollständig legalisiert wäre, also nicht mit Einschränkungen, wie staatlicher Verkauf oder maximal n Pflanzen pro Person.

Man würde Hanf wie heute Nutzhanf auf dem Feld anbauen. Gedanken um Vandalismus und Ernte durch Konsumenten müsste man sich ja bei einem niedrigen Preis des Marihuanas nicht machen. Das Problem von Hanf ist, das er zweihäusig ist. Das heilst Samen bilden entweder eine weibliche oder männliche Pflanze. Die Männchen sind aber unerwünscht. Aus zwei Gründen. Zum einen sind sie arm an THC, aber auch anderen Cannaboiden. Zum anderen befruchten sie die Weibchen, die dann keine weiteren Blüten mehr bilden, sondern Samen. Es gibt mehrere Lösungen für das Problem. Zum einen gibt es spezielle feminsierte Samen. Sie entstehen, wenn eine Pflanze Stress ausgesetzt wird und dann intersexuell wird. Diese Samen bringen nur Weibchen hervor. Der zweite Lösungsansatz sind Stecklinge aus weiblichen Pflanzen. Hat mich gewundert, als ich drauf stieß, weil Hanf nur eine einjährige Pflanze ist, man also annehmen sollte, das die Stecklinge dann nicht alt werden. Die einfachste Möglichkeit ist es, einfach zur Blütezeit durch die Felder zu gehen und jede männliche Pflanze herauszureißen – die Pollensäcke sieht man einige Wochen vor der Pollenbildung, hat also genügend Zeit und als Nebeneffekt hat die weibliche Pflanze so auch noch mehr Platz für mehr Blüten.

Aufzucht, Bewässerung und Ähnliches unterscheiden sich dann nicht von normalen Nutzpflanzen. Man wird dann zwar nicht die Menge an Blüten pro Pflanze bekommen wie bei der Aufzucht im Topf in der Halle unter optimalen Bedingungen, doch dafür hat man viel mehr Pflanzen und bewirtschaftet ganze Äcker damit.

Das Wichtigste ist es, die Ernte weitestgehend zu automatisieren und hier kann man auf eine Industrie zählen, die heute schon im großen Maßstab Extrakte und etherische Öle aus Pflanzen gewinnt und dafür Ginko, Lavendel, Johanniskraut oder Wein anpflanzt. Da werden nicht die Blüten, Blätter oder was man gerade braucht, aufwendig vom Rest der Pflanze getrennt. Da wird die ganze Pflanze abgemäht und fein gehäckselt. Das, was einen interessiert wird, mit einem geeigneten Lösungsmittel extrahiert und dieser Extrakt dann konzentriert. Im Falle von Hanf sind Cannaboide sehr lipophil, man würde sie also mit einem sehr unpolaren Lösungsmittel wie Benzin extrahieren. Das weiß man auch, den Haschisch ist im Prinzip so gewonnenes Harz als Lösungsmittel dient hier Butter. Selbst wenn man so zu viele Begleitstoffe mitextrahiert – jede Pflanze hat Wachse als Schutz auf den Blättern und verschiedene Stoffe wie Terpene und Saponine als Abwehr gegen Fraßfeinde, gibt es Möglichkeiten diese abzutrennen, zum Beispiel, indem man etwas polare Stoffe mit einem Lösungsmittel höherer Polarität wie Ether oder Aceton zuerst extrahiert und dann erst mit Benzin die Cannaboide, oder man schaltet doch einen Menschen vor, nur schneidet der eben die Blüten ab und damit ist der Großteil des Blattwerks außen vor. Das dauert bei einer Pflanze nur einen Bruchteil der Zeit die man benötigt, mit einer Schere jedes kleine Blättchen aus den Blüten zu entfernen. Andere Methoden der Reinigung wären das definierte Abkühlen und so fraktionierte Ausfällen von Stoffgruppen nach Schmelzpunkt, eine Technologie der Fettreinigung,

Will man weiter reinigen, z.B. auch um CBD von THC als Medikament abzutrennen oder THC als pharmazeutisches Mittel mit definierter Konzentration zu gewinnen, dann würde man die Benzin-Cannaboid-Lösung durch eine Chromatografiesäule in einzelne Fraktionen auftrennen. CBD und THC haben jeweils spezifische Wirkungen und sind als Medikamente erforscht. Nur benötigt man für ein Medikament natürlich auch eine verlässliche Angabe über den Wirkstoffgehalt. Das alles sind etablierte Verfahren. Nicht neu und im Großmaßstab schon durchgeführt. Was man erhält, ist im Prinzip so etwas wie Haschmich, nicht Marihuana. Also keine getrockneten Blüten, sondern ein Harzklumpen oder Pulver. Das kann man jedoch genauso rauchen oder in Plätzchen verbacken wie Marihuana.

Dann könnte THC wirklich so preiswert sein wie heute Pflanzenextrakte. 50 ml etherisches Öl kosten rund 20 Euro, Das sind 400 Euro pro Kilogramm. Ginkoextrakt gibt es ab 120 Euro/kg. Nur zum Vergleich. Bei 1 g Marihuana und 10 Euro Straßenpreis pro Gramm reden wir über 10.000 Euro pro Kilo. Ja, ich meine Marihuana könnte preiswerter sein, wenn auch nicht so preiswert wie Küchenkräuter. Das folgt alleine daraus, das man nur die fettlöslichen Teile der Blüten extrahiert, während es bei Ginko im Prinzip alle wasserlöslichen Teile der Pflanze sind auch etherische Öle in allen Pflanzenteilen enthalten sind. Eine konkrete Zahl kann ich nicht benennen, aber ich denke aber eine Reduktion um den Faktor 5 bis 10 sollte möglich sein. Natürlich wird es dazu nicht kommen, denn es wird reglementiert werden. Auch legale Drogen darf man ja nicht einfach so herstellen. Zwar kann jeder selbst Bier brauchen – sogar Aldi hatte so was im Angebot, wobei ich mich gefragt habe, wer fast 30 Euro für ein Set mit dem man nur 12 l Bier herstellen kann, zahlt – aber wer Schnaps brennt, muss Steuer bezahlen oder einen Teil davon abführen. Das alles führt zu einem kontrollierten Anbau der entsprechend teurer ist.

Es gibt übrigens eine Droge, die verboten ist, die aber anders als Hanf kann die Pflanze, aus der sie gewonnen wird, noch legal angebaut werden kann – Opium. Opium wird gewonnen, indem die Blütenknospen des Schlafmohns „Papaver Somniferum“) angeritzt werden und der Blütensaft trocknet. Das wiederholt man und kratzt das Harz, das vor allem Opium enthält, schließlich ab. Doch Schlafmohn ist als Blume bei uns immer noch frei verkäuflich, entsprechende Samen findet man in jeder besseren Samenhandlung. Es ist übrigens der gleiche Samen wie auf den Mohnbrötchen. Offenbar geht der Gesetzgeber davon aus, dass der Arbeitsaufwand viele Blüten täglich anzuritzen, so hoch ist, das dies nur arme Bauern in Afghanistan tun, wo inzwischen Mohn großflächig angebaut wird. (Man mag ja gegen die Taliban sagen was man will, aber da der Koran auch den Drogenanbau verbietet, gab es das unter den Taliban noch nicht, dafür wurden Menschen im Fußballstadium hingerichtet).

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