Die SpaceX Aprilnachlese

Ja so viel gibt es nicht zu schreiben. Die Starts für Starlink nehmen an Fahrt auf, in einem Monat vier Stück am 4, 11, 21 und 24 März 2021, aber das verwundert ja nicht bei einer Firma die „den Wettbewerb dominiert“ – wenn der Wettbewerb nur aus ihr selbst besteht, braucht man natürlich auch keine Kunden und hat so genügend Ressourcen das eigene Netz schneller fertigzustellen. Bei der Einstufung des „Wertes“ von SpaceX hat das Netz den höchsten Anteil, das derzeitige und zukünftige Launchgeschäft (mit Starship/Superheavy) macht nur einen kleinen Bruchteil aus. Auch nach Musks eigenen Ankündigungen steckt darin das meiste Geld und sollte das ein Flop werden, dann war es das mit der Firma. Sie sind nun mit über 1.300 Satelliten nahe an der Grenze, wo das Netz in Betrieb gehen kann, das sollen 1.384 Satelliten sein. Schon seit Monaten können Betatester sich bewerben. Dann wird sich sehr bald zeigen, ob es genügend Kunden für den Service gibt. Inzwischen können US-Bürger sich schon mal für Starlink registrieren.

Dann haben sie wieder mal einen Prototypen hochgejagt, ich erspare mir weitere Kommentare, da bei SpaceX Fans es sowieso egal ist, wie viele Explosionen es sind. Die glauben tatsächlich, dass man heute, 80 Jahre nach dem ersten Start einer A-4, als man nichts über Raketen wusste und in Peenemünde fast alles erst mit viel Versuch und Irrtum entwickeln musste, was heute eingesetzt wird, man immer noch alles ausprobieren muss. Klar, in den USA kann man nicht Raumfahrttechnik oder „Rocket Science“ studieren. Es gibt auch keine Computer, in denen man alles simulieren könnte, oder für Tests Windkanäle und Prüfstände. Und natürlich findet man in den ganzen USA keinen, der jemals an einer Rakete gearbeitet hat. Da kommen solche Fehlschläge vor, anders als bei den Raketenbauern in Peenemünde bei der schon die dritte A-4 ein voller Erfolg war. Sarkasmus beiseite, warum SpaceX allerdings, nachdem man weniger Probleme bei der Falcon 9 Erprobung hatte (wir erinnern uns auch hier wurde die Landung mit der Grashopper erprobt) und die Landung der Falcon 9 meistens klappt (diesen Monat ging wieder eine Stufe durch Triebwerksausfall durch Materialermüdung bei der Landung verloren) nun so scheitert gibt mir ein Rätsel auf. Ich vermute, alle die qualifiziert sind und bei der Falcon 9 das Konzept erarbeitet haben, haben die Firma inzwischen wieder verlassen, dürfen sie bei Musk zwar viel arbeiten, werden aber soweit man weiß nicht besonders geschätzt und mit einer ominösen Vision von Marskolonisierung, für die die Firma bisher nichts unternommen hat, kann man die Leute auch nicht ewig bei der Stange halten.

Unbill droht inzwischen durch die Politik. Nachdem SpaceX beim ersten Test in gro0ßen Höhen nicht eine Freigabe der FAA (nötig wegen des Risikos für die Bevölkerung und Sperrung des Luftraums) gewartet hat, muss ein FASA Inspektor bei jedem Test vor Ort sein. Das verzögerte diesen schon um einen Tag. Inzwischen findet auch die Politik, das sich die FAA nicht von SpaceX auf der Nase herumtanzen lassen soll.

Was Musk beunruhigen wird, ist aber ein Bericht des Geheimdienstes. Demnach soll Starlink in das Visier von Nordkoreas Regime gerückt sein. Dort soll man an Plänen arbeiten, das Netz zu stören oder besser zu zerstören. Nordkorea ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Es begann mal als kommunistisches Land, ist jetzt aber eine Erbdiktatur, inzwischen ist der Enkel des ersten Führers Kim Il Sung am Ruder. Die Führung schottet ihr Volk von der Außenwelt ab und pflegt ein Bild, in dem die USA der Feind an sich sind. Das wird schon Kindern eingetrichtert und das erstreckt sich nicht nur auf die USA, sondern alle, die irgendwie mit den USA verbündet sind oder gute Beziehungen haben. Das Regime hält sich durch mehrere Maßnahmen an der Macht. Zum einen durch ein enorm großes Militär. Die nordkoreanische Volksarmee hat 1,3 Millionen aktive Soldaten und ist mit Reservisten 4,7 Millionen groß. Dabei hat Nordkorea nur 25 Millionen Einwohner. Übertragen auf die BRD entspräche das rund 4 Millionen aktiven Soldaten. Entsprechend gibt Nordkorea auch mehr als 25 Prozent seines Bruttosozialprodukts für das Militär aus. Bei uns hat die Politik das 2,0 % Ziel ausgegeben und davon sind wir noch weit entfernt. Dann gibt es das in Diktaturen probate Mittel des Konzentrationslagers, wobei man in Nordkorea eine neue Variante „erfunden“ hat: die Sippenhaft. Wenn jemand verdächtig ist, wird seine ganze Familie inhaftiert. Ein probates Mittel für die Kontrolle innerhalb der Familie, dorthin kommen Spione und Blockwarts ja selten.

Vor allem funktioniert das Regime wie jede Diktatur durch Propaganda oder besser Informationsverhinderung. In Nordkorea erfahren die Leute nur die offizielle Meinung der Partei oder Regierung. Früher konnten dort gebaute Fernseher nur die Frequenzen der Regierungssender empfangen. Seit die beiden Nachbarstaaten Südkorea und China aber ihr Fernsehen auf digitales Format umgestellt haben, ist das nicht mal mehr nötig, denn die analogen Röhrenfernseher können mit dem DVB-Signal nichts anfangen. Internet gibt es nur für wenige privilegierte auf Linie befindliche Parteigenossen. Reisen dürfen auch die wenigsten, auch wenn es an der Grenze zu China eine Wirtschaftszone gibt, bei der Nordkoreaner nach China als Fremdarbeiter tagsüber dürfen. Damit sie auch wiederkommen, erwartet ihre Familie beim Wegbleiben ein Aufenthalt im Lager.

Wir können uns nicht vorstellen, wie es ist, wenn man von der Geburt bis zum Tod – die meisten Nordkoreaner wurden ja geboren nach dem zweiten Weltkrieg, als Kim Il Sung sein Regime etablierte, nur eine, offizielle Meinung hört. Ein nicht ganz korrekter, aber in die Richtung gehender Vergleich sind die Blasen die Verschwörungstheoretiker um sich bauen. Nur ist diese Abschottung dort freiwillig. Man sucht also nur nach Nachrichten, die einem in den Kram passen und ignoriert andere. Genauso werden dort andere Meinungen als „feindlich“ oder Bestandteil der Verschwörung angesehen. Als im Web aktive Person habe ich da schon etliche Emails bekommen wo man sieht, dass es den Schreibern nicht um die Wahrheit geht. Um wie viel schlimmer muss der Einfluss sein, wenn man nicht mal die Möglichkeit hat, eine andere Meinung zu hören und alle von der Kindergärtnerin, über Lehrer, Vorgesetzte im Militär und Betrieb dieselbe Ansicht wiedergeben. Es gab ja nach Ende des Dritten Reiches und der DDR noch Leute die Jahrzehnte später meinten dort wäre es viel besser gewesen. Dabei gab es in beiden Systemen viel mehr Möglichkeiten auch an eine andere Meinung zu kommen.

Was hat das nun mit Starlink zu tun? Nun Internet und damit natürlich der freie Zugang zu Informationen, ist in Nordkorea reglementiert. Ausländische Besucher müssen ihre Emails sogar vor dem Verschicken „prüfen“ lassen. Wie bei China kann die Regierung den Zugang relativ einfach über die Knoten die ins Ausland führen kontrollieren und Server mit missliebigen Informationen einfach blockieren. Entsprechend hilflos versuchen südkoreanische Aktivisten auch Nordkorea zu infiltrieren, indem sie USB-Sticks ins Land schmuggeln oder an Ballonen Flugzettel über die Grenze treiben lassen.

Das Abschotten von der Außenwelt geht mit Starlink nicht. Zwar gibt es schon Internet per Satellit. Doch das sind geostationäre Satelliten. Damit diese Daten über die Entfernung von rund 40.000 km empfangen können und umgekehrt man auf auch Daten senden kann braucht man eine 60 bis 90 cm große Parabolrichtantenne, wie die meisten sie vom Satellitenfernsehen kennen. Sie muss genau auf den Satelliten ausgerichtet sein, sondern hat man keinen Empfang. Damit ist ein Internetempfang aber für jeden sichtbar. Die Antenne fällt auf, die benutzten Frequenzbänder können Mauern nicht passieren, die Antennen müssen also im Freien platziert werden – jeder kennt ja den Schüsselwald in unseren Wohngebieten. Kurz, die Technik hat verhindert, dass man so Internet in Nordkorea nutzen konnte, sofern man nicht sich mit seiner Familie in einem Lager wiederfinden wollte.

Bei Starlink ist das anders. Es kommt mit elektronisch geschwenkten Antennen aus, die nicht in einem Außenbereich sein müssen. Musk will Terminals auch an Flugzeuglinien verkaufen, wo sie natürlich in den Druckkabinen der Flugzeuge angebracht werden. Damit könnte man eine Antenne verstecken und da sie elektronisch geschwenkt wird benötigt sie auch keine feste Ausrichtung und einen festen Standort, sondern könnte „wenn die Luft rein ist“ einfach aufgebaut werden. Ansonsten kann man sie verstrecken und braucht nur noch ein Notebook, ja könnte damit sogar jenseits jeder Ortschaft und jeder Überwachung ins Internet – zumindest so lange wie der Akku hält. Dem Regime dürfte klar sein, welche Folgen das hat. Was Nordkorea in jedem Falle verhindern will, ist das es ihr so geht wie der DDR. Nach Ansicht der Kims hat den Niedergang der DDR mitverursacht, dass die meisten Einwohner Westfernsehen sehen konnten und damit mitbekamen, wie es woanders aussieht. Weniger die politischen Botschaften der BRD waren relevant, sondern einfach was man über den Alltag sah. Was dort normal war bei Einrichtung, Autos, Konsumelektronik und was es in der DDR eben nicht gab. Bei Nordkorea ist dies noch extremer. Das Land pflegt einen Lebensstandard der Jahrzehnte hinter dem Südkoreas liegt. Autos sind selten und „private“ PKW gibt es gar nicht. Die meisten Personen arbeiten in der Landwirtschaft und dort auch noch meist von Hand, ohne Traktoren und Maschinen. Das Niveau der Elektronik für die Bevölkerung liegt bei dem, was bei uns vor Einführung der ersten Computer normal war. Wie groß muss der Kulturschock sein, wenn Nordkoreaner dann sehen, was in Südkorea heute normal ist. Südkorea ist wegen der gleichen Sprache die größte Bedrohung und nicht etwa westliche Medien, schlussendlich können die meisten Nordkoreaner keine einzige Fremdsprache. Niemand weis dies besser als Kim Yong-Un selbst, denn er war mehrere Jahre auf einem Schweizer Internat und kennt so den „Westen“ aus eigener Erfahrung.

Gemäß den Geheimdienstinformationen betrachtet die Führung Starlink als einen Versuch der Trump-Regierung (ob sich mit Biden da was ändert, ist nicht bekannt), die Führung von innen heraus zu schwächen oder gar zu stürzen, so wie dies im arabischen Frühling passierte. Ein Szenario, von dem man verständlicherweise Angst hat. Trump wurde dies zugetraut nachdem die Abrüstungsgespräche vor einigen Jahren geplatzt waren. Nordkorea scheint die Trennung zwischen dem Staat und einem von einer Firma aufgebauten Netz nicht geläufig zu sein. Das merkte schon zu Schröders Zeiten die deutsche Regierung, als Nordkoreaner als „Zeichen der Freundschaft“ ein von Thyssen stillgelegtes Stahlwerk von der deutschen Regierung geschenkt haben wollten. Das allerdings die US-Regierung die beiden neuen Netze OneWeb und Starlink unterstützt, zuletzt durch eine Anfrage an die beiden Unternehmen mit der Absicht Datenvolumen zu erwerben, macht die Sache nicht besser.

Untersuchungen ergaben, das Nordkorea nicht viel braucht, um das gesamte Netz zu zerstören. Ein Starlinksatellit muss nicht durch ein Killervehikel wie eine Rakete, die vom Erdboden aus gestartet wird, getroffen werden. Es reicht aus einen Satelliten in eine ähnliche Bahn zu befördern und dort zu sprengen, eine Fähigkeit, die Nordkorea hat, sie haben schon Satelliten selbst gestartet. Schneller würde es gehen wenn sie den Satelliten vor der Sprengung nahe eines Starlinksatelliten manövrieren. Optimieren kann man dies durch Schrapnells oder eine Seite die verstärkt ist, sodass die Trümmer bevorzugt in eine Richtung fliegen. Doch auch ohne diese Maßnahmen ist der Erfolg sicher. Simulationen zeigen, was passiert, wenn ein Satellit in einem Orbit des Starlinknetzes explodiert, z.B. durch eine eingebaute und per Funk ausgelöste Sprengladung. Ein Teil der Trümmer wird abgebremst und verglüht bald, der Rest erreicht eine elliptische Bahn mit einem hohen Apogäum. Die meisten Trümmer verbleiben nahe der ursprünglichen Bahnneigung, bei Starlink 53 Grad. Die Trümmer auf der elliptischen Bahn haben eine längere Umlaufdauer asls die Satrlink-Satelliten, sie kreuzen so die Bahn anderer Starlinksatelliten nach einigen Stunden oder Tagen, führen dort zu weiteren zerstörten Satelliten, die dann einen Lawineneffekt auslösen, das berühmt-berüchtigte Kesslersyndrom.

Für jede Bahnhöhe gibt es eine Mindestzahl an Satelliten, ab der die Zerstörung exponentiell ansteigt und zur völligen Unnutzbarkeit erdnaher Orbits führt – nicht nur der Starlinksatelliten, sondern der Zerstörung aller erdnahen Satelliten. Das wäre das Ende der Raumfahrt für lange Zeit, doch da Nordkorea bisher nur drei Satelliten gestartet hat, dürfte dies für das Land kein Problem sein. Starlink hat schon lange die Mindestzahl an Satelliten für dieses Szenario überschritten. OneWeb wird die Zahl bei der ersten Ausbaustufe nicht erreichen – die Satelliten haben einen doppelt so hohen Orbit und es sind selbst im Endausbau nur die Hälfte der Satelliten, die Starlink schon jetzt im Orbit hat. Allerdings plant Oneweb eine zweite Ausbaustufe, mit der auch dieses Netz diese Anfälligkeit erreicht.

Wenns dazu kommt ist SpaceX als Firma Geschichte – die Raumfahrt, zumindest im erdnahen Raum aber dann auch.

16 thoughts on “Die SpaceX Aprilnachlese

  1. Wie ich in Youtube Video gesehen habe, ist die Star Link Antenne recht gross. Sie ist aber quadratisch und flach, muss aber auch draussen montiert werden. Allerdings fällt das Teil weniger auf als eine Parabol Antenne.

  2. Sehr geehrter Herr Leitenberger,
    glauben Sie den wirklich, dass die Explosionen der SN-x an der „Unfähigkeit“ der SpaceX Ingenieure liegt. Mir persönlich kommt es nämlich eher vor, dass die Ziele sehr ambitioniert sind und das auf den Weg dort hin erhebliche Schwierigkeiten auftauchen und die nur mit einem „Trial and Error“ Verfahren zu beheben sind.
    Glauben Sie EADS / Boing Ingenieure könnten ein Space Ship besser/schneller bauen?

    Lg
    David

    PS.
    Danke für ihren Blog/Homepage ich lese dies immer gerne.

    1. Auch wenn das Umschwenken ein neues Manöver ist, hat die Firma doch etliche Falcon 9 Erststufen gelandet. Haben sie eine andere Erklärung warum dies nun nicht mehr klappt? Warum ist das Raptor im Schub/Gewichtsverhältnis so viel schlechter als das Merlin?

      Wie ich im Blog schrieb. SpaceX muss nicht wie vor 100 Jahren bei Null anfangen. Die Physik bei der Landung ist bekannt. Man kann heute fast alles vorher simulieren oder im Windkanal erproben. Keine Raumfahrtfirma (und auch die meisten Firmen in anderen Sektoren) arbeiten heute nach einem Trial und Error Verfahren, das machen Amateure so, denen die Fachkenntnis fehlt.

      Wie würden sie denken, wenn sie in den Nachrichten über die Starship Landeversuche einfach mal den Firmennamen gegen „ula“ oder „Airbus“ austauschen würden. Wäre das Urteil dann noch dasselbe?

      1. Stimmt, die Landung von Raketenstufen ist inzwischen ein alter Hut. Deswegen führen die ULA und Airbus diese Landungen ja schon seit Jahren sehr erfolgreich mit ihren Raketen durch. Nur die Stümper von SpaceX kriegen es einfach nicht hin!

        Ach nee…

        1. Ja McDonnell Douglas hat das schon 1993 bis 1995 gemacht und nachdem man befand es lohnt sich nicht wurde das auch nie wiederholt.
          https://de.wikipedia.org/wiki/Delta_Clipper
          Es lohnt sich ja auch bei SpaceX nicht, denn die publizierten Preise für Starts sind auf der Webseite gleich geblieben, die bekannt gewordenen für Abschlüsse sogar angestiegen und beim CRS sind sie mit wiederverwendbarem Raumschiff und Trägerrakete der teuerste Anbieter.

          1. Preise sind ungleich Kosten. Habe ich damals zumindest im BWL-Studium gelernt. Die Differenz dieser beiden Größen ist die Marge und die dürfte durch die Wiederverwendung gestiegen sein. Falls dem nicht so ist, wäre es ja betriebswirtschaftlicher Unfug an der Wiederverwendung festzuhalten und viel sinnvoller, einfach für jeden Flug eine neue Rakete einzusetzen. Da dies nicht geschieht, wird sich die Wiederverwendung schon lohnen.

          2. Es sei denn natürlich, dass der Gewinn nicht direkt über die Starts der Raketen generiert wird, sondern über das Firmenimage. Die paar privaten Nutzlasten bringen SpaceX doch kaum was ein. Das meiste kommt über Regierungsprojekte und Investoren rein.
            So ist es doch bei Tesla auch, wo wegen der Aktionäre die Finanzen etwas besser bekannt sind. Mit dem Verkauf der Autos selbst wird meist nichts verdient sondern über Anleger und Zertifikatehandel.
            So wird die Zeit überbrückt, bis man sich am Markt voll etabliert hat und die Konkurrenz nicht mehr mithalten kann. Danach kann man die Preise anziehen.

  3. Ich glaube so ein Manöver ist einfach schwerer als erwartet, ich persönlich hätte mir ja nicht gedacht, dass man Raketen überhaupt sinnvoll wiederverwenden kann, da das Spaceshuttle nicht wirklich den Preis gesenkt hat. Ich dachte SpaceX versagt da genauso, wie die Leute mit dem Spaceshuttle, aber sie haben es irgendwie hinbekommen, zumindest für die Unterstufe.

    Und das Raptor Triebwerk, soll ja noch mehr auf wieder Verwendbarkeit getrimmt werden als das Merlin Triebwerk, vielleicht kostet das Gewicht.?

    Ich kann mir fast nicht vorstellen, dass SpaceX auf Simulationen oder andere moderne Fertigungstechniken, warum sollten sie auch?
    Sie fangen nicht bei Null an, das stimmt natürlich, aber ich sehe da eher, dass Simulationen doch noch nicht so weit sind, dass man auf den Bau von Testobjekten verzichten kann.

    Aber eines ist sicher, wenn das Spaceship wirklich so wird, wie SpaceX sich das vorstellt, dann ist es ein „Game changer“ und dann sollte die ESA sich eine kleine Flotte Spaceships kaufen und diese von CSG starten und auf die Ariane 7/next verzichten und vielleicht sogar auf die Ariane 6. Vielleicht bekommt man Rabatte, wenn man kauft, bevor es fertig ist, da man ja einen Teil des Risikos trägt.

    >> Wie würden sie denken, wenn sie in den Nachrichten über die Starship Landeversuche einfach mal den Firmennamen gegen „ula“ oder „Airbus“ austauschen würden. Wäre das Urteil dann noch dasselbe?

    Ich würde mich freuen wie ein kleines Kind, wenn Airbus anfängt Prototypen zu bauen wie Space X!
    Ich denke mir bei Airbus explodiert (außer den Kosten) zuwenig, da ich nicht glaube, dass Simulationen Testobjekte ersetzten, können aber vielleicht sehe ich das falsch.

    Wenn bei Airbus ein paar Prototypen eines Sänger /Raumtransporters/Skylon oder ähnliches explodieren, danach 6 Monate daran gearbeitet wird- warum es explodierte- dann der nächsten Versuch unternommen wird und so weiter. Dann würde ich das sehr gut finden. Besser als eine Ariane 6 zu entwickeln, die sich schwer tut gegen eine bereits fliegende Rakete wie die Falcon 9 zu konkurrieren.

    1. Ja mit dem Glauben ist das so eine Sache. Man kann an vieles Glauben, obs stimmt ist eine andere Sache.
      Tatsache ist das man heute praktisch alles simulieren kann. Nicht umsonst haben neue Raketen heute keine Erprobungsflüge mehr sondern starten gleich mit gebuchter Nutzlast. Es gibt keinen Grund Prototypen zu bauen.

      Sie erwähnten das Space Shuttle. Das betrat wirklich technisches Neuland, sowohl beim Aufstieg, aber auch bei der Landung. Trotzdem war sich die NASA so sicher das der Flg gelingen würde, das schon der erste bemannt war. Damals wurde schon mit Rechenmodellen gearbeitet und in Hochgeschwindigkeitswindkanälen simuliert. Und heute ist man in der Modellierung um Dimensionen weiter.

      Tatsache ist: Trial und error macht heute niemand, der etwas konstruiert. Es gibt immer die Möglichkeit das zu berechnen. das gilt nicht nur für die Raumfahrt sondern alle Maschinen, auch für Flugzeuge, Fahrzeuge, Schiffe. Würde eine andere Firma so verfahren, dann würden die meisten potenziellen Käufer das als mangelnde Kompetenz ansehen und Geldgeber wären nach einigen Explosionen abspringen.

      SpaceX verkauft meiner Ansicht nach Dilettantismus nach dem Programmiererspruch „Its not a bug its a feature“. Das bedeutet aber nicht das diese Vorgehensweise sinnvoll ist. Ich werde erinnert an die ersten Flüge der Falcon 1, von denen es – da von der USAF mitfinanziert Reporte über das Versagen gibt. Die lesen sich trotz der verharmlosenden Sprache wie eine Bestä#tigung der Unfähigkeit der beteiligten Ingenieure. Die Flüge scheiterten weil die Firma meinte auf Erfahrungen aus Jahrzehnten verzichten zu können. So Verwenden korrosionsfester Materialien, Prallblechen um Treibstoffschwappen zu verhindern oder Stufentrennungraketen um eine Kollision der stufen zu verhindern. Trial und error eben, erst mal weglassen, wenn die Mission scheitert nachbessern. Die Falcon 1 wurde nach fünf Flügen eingestellt.

      Warum ist die Firma nun wieder bei diesem Niveau angekommen, wenn sie doch eigentlich in den 13 Jahren seit dem ersten gelungenen Falcon 1 Flug doch eine Expertise im Raketenbau aufgebaut haben sollte?

      1. Dazu kommt, dass die meisten Unfälle nichts mit der Landung zu tun haben.
        Da sind Streben nicht richtig ausgelegt, es tritt Treibstoff aus und es kommt zu Materialversagen. Es explodieren Raketen nach der Landung, bei Betankungtests oder kippen im Hangar um.
        Das spricht eher dafür, dass allgemein übliche Konstruktion- und Sicherheitsregeln einfach ignoriert werden um Zeit und Geld einzusparen. Man kann nur hoffen, dass durch solche Nachlässigkeiten nicht mal ein bemannter Flug schief geht.
        Manchmal glaube ich fast, diese ganze SpaceShip-Geschichte ist eine riesen Show für Anleger und Investoren und die ganzen Explosionen sind beabsichtigt um zu zeigen wie schwer es doch ist und wie hart man arbeitet. Das ist wohl Quatsch, dann würde über die Unfälle berichtet und nicht einfach die Kamera ausgeschaltet. 🙂 Aber es ist auf jeden Fall kein Hinweis auf gute Konstruktionsarbeit, was meiner Meinung nach aber wohl nicht an den Fähigkeiten der Ingenieure liegt, sondern an irgendwelchen merkwürdigen Konstruktionsrichtlinien und dem Willen alles möglichst billig machen zu wollen.

        1. „Manchmal glaube ich fast, diese ganze SpaceShip-Geschichte ist eine riesen Show für Anleger und Investoren “

          Der Gedanke ist mir auch schon gekommen. Irgendwie kommt mir die ganze Vorgehensweise bei dem Starship (oder wie die Dinger im Laufe ihrer Präsentation so genannt werden) merkwürdig vor und scheint nicht so recht zu dem zu passen, was Space-X mit den Falcons so alles angestellt hat. Ja, da waren / sind auch die üblichen großkotzigen Töne und unhaltbare Versprechungen zu hören, aber trotz gewisser Hemdsärmeligkeiten (um das Wort Schlampereien zu vermeiden) ist die Entwicklung doch im Vergleich recht geradlinig und zielstrebig verlaufen.

          Im Gegensatz dazu die ganze Starship Geschichte. U-Turns wo man hinschaut, offensichtliches Gebastel bei der Fertigung, der Schwerpunkt scheint eindeutig auf der Show zu liegen. Irgendwas paßt dabei nicht.

          1. Ich denke das ganze ist auf zwei Seiten Show.
            Einmal die Anleger und Investoren und natuerlich die ‚Fans‘.

            Man macht mit der ganzen explosions show halt eine menge her, wo doch bei ULA und Ariane alles recht still ist.
            Wie oben von David und auch anderen beschrieben, guckt man sich halt besser einen fehlstart an, als Jahre auf ausgereifte Prototypen zu warten.
            Ausserdem verdienen da ja so Leute wie DailyAstronaut und etliche andere auch noch mit der Vermarktung der videos (Daily Astronaut ist hier sogar noch der bessere vertreter, zumindest verbretitet er auch eine Menge Grundlagenwissen waerend der shows)
            So wird man immer gerne viel ‚Show‘ machen um alle bei der Stange zu halten.

            Trots alledem, muss auch ich sagen, dass auch ich immer noch hoffnung habe, dass so etwas wie das Starship irgendwann einmal doch zumindest ein teil erfolg wird (orbit mit weniger nutzlast als erhofft). Einfach weil die dimensionen dann eventuell wirklich neue schritte und missionen im weltraum ermoeglichen.

            Die Nasa hat hier auch die Steilvorlage fuer SpaceX gegeben, da SLS wirklich wie ein ‚wiederbelebungsversuch‘ fuer die Space Shuttle hersteller aussieht und dann kommt da der tuechtige Amerikanische Geschaeftsmann und bastelt Starship, das so viel mehr koennen soll.

            Bernd hat hier aber volkommen recht, wenn er sagt, das niemand mehr Prototypen mit etlichen fehlern baut.
            Nomralerweise wuerde so eine firma tatsaechlich sehr schnell investoren verlieren.
            Ingeneure berechnen und smulieren. Ich kenne das aus meinem taeglichen Leben.
            Bevor ich ein Solarsystem irgendwo aufsetzen kann, muessen bodenproben genommen werden und man simuliert die jaehrliche absackung etc., fuer verschiedene systeme, bis man sich auf das guenstigste, das den geforderten bedingungen entspricht auswaehlt.
            Dann erst baut man und erlebt dann auch nur wenig ueberraschungen (obwohl es die geben kann, muss man aber auch vorher mit berechenen = calculated risks, wie erdbeben, sturm, oder auch das der bauunternehmer abspringt etc.)

            SpaceX wird schon seine gruende (=Geld wo auch immer her)fuer das ganze haben. Ausserdem kann sich Musk dann eventuell elegant aus der affaire ziehen, wenn die frima doch versagt (von wegen man hat ja schon getestet und gute Vortschritte erzielt) und dann drehen die boesen Investoren den Hahn zu.

      2. Aus eigenem Erleben kann ich sagen: so einfach ist das mit dem simulieren nicht!

        Man kann tatsächlich heutzutage viel und ziemlich genau simulieren. Ohne Zweifel.
        Aber problematisch wird es, wenn es in Grenzbereiche geht, die bisher nicht so genau erforscht (bzw. für Simulationen aufbereitet) sind.

        In einem Projekt, wo ich Maschinenbaustudenten IT-mässig unterstützt habe, ging es nur darum, den Durchfluss von verschiedenen Flüssigkeiten durch ein etwas komplexeres Rohrsystem mit unterschiedlichen Ventilen, Durchmessern und Materialien zu simulieren. (industrielle Eismaschine mit integrierter Heizung für Sterilisation, etc.)
        Die Tücke lag im Detail.
        Beispiel Temperatur:
        — abhängig davon waren die Flüssigkeiten nicht mehr so flüssig oder hatten Gasblasen
        — Dichtungen nicht mehr dicht oder kontaminierten die Flüssigkeit
        — Rohre krumm (Dehnung an der falschen Stelle)
        — Material (Kunststoff) brüchig, bzw. nicht dauerhaft lebensmittelecht
        — unerwarteter Verschleiß

        Dummerweise lag für einige der zu simulierenden Materialkombinationen keine Basisdaten vor. Es hatte eben noch niemand mal real getestet (oder die Studies hatten diese Daten nicht gefunden)
        Besonders natürlich im Bereich von neuen Materialien (Faserverbund, Legierungen)
        Es gehörte aber auch gerade zum Lernzweck, die Limits von Simulationen zu hinterfragen und ggf zu verbessern.

        Insofern werden gerade dann, wenn man in diesen Grenzbereichen oder mit neuen Materialien arbeiten muss, sehr wohl Prototypen gebaut. Nur ist deren Versagen nicht immer so spektakulär wie eine abstürzende Rakete.
        So hat man ja auch die Booster des Shuttels / der SLS in der Wüste gezündet, obwohl das doch eigentlich auch nur dicke Rohre mit viel Brennpaste drin sind.
        Und soweit ich mich erinnern kann, waren diese Tests auch nicht immer 100% erfolgreich. Hätte man doch einfach vorher simulieren können?

        Davon ab:
        Prüfstände, in denen man so große Komponenten zuverlässig testen kann, gibt es nicht viele. Da investiert man auch viel Geld in die Miete oder gar erst den Bau solcher Anlagen.
        Die Prototypen, die SpaceX derzeit fliegen lässt, sind praktisch ihr eigener Prüfstand, mit dem auch das Wissen erarbeitet wird, mit dem man dann die Simulationen wieder füttern kann.

        Dieser Mix aus „rapid Prototyping“ und Simulation kann sich durchaus rechnen.

        Zugegebenermaßen scheint mir Musk die Sache aber auch ein bisschen zu übertreiben.
        Die Aussage, der nächste Prototyp habe „hunderte Verbesserungen“, deutet schon darauf hin, dass da schon gebaut wird, bevor die Konstruktion / Simulation überhaupt fertig ist.

        Bleibt uns also nur, bei jedem Test auf ein doch sehr offenes Ergebnis zu setzen.

    2. Ich glaube der Fehler ist es, das Space Shuttle immer als Flop zu denken/darzustellen. Auch wenn es teuer war, war es doch ein beispielsloser Erfolg für die USA/NASA. Trotz weitgehend durchdachter Konstruktion sind einige Fehler im Betrieb aufgetaucht. Teilweise wurde dort offensichtlich aber auch gegen Einrede beteiligter Ingenieure gehandelt, wodurch es dann u.a. auch zu zwei Totalverlusten (1 x Start / 1 x Landung) gekommen ist. Entweder wurde durch den Betrieb klar, dass eine Weiterentwicklung nicht günstiger zu betreiben ist oder die USA wollten einfach aus den gewonnenen Erkenntnissen kein bemanntes Space Shuttle 2.0 entwickeln. Auch gegen die Space Shuttles gab es durchaus von Anfang an Widerstand in den politischen Gremien der USA. Ein Teil der Aufgaben übernimmt jetzt unbemannt die X37, ein quasi verkleinertes Space Shuttle. Die Space Shuttles waren in meinen Augen sehr erfolgreich, und davon ist SpaceX mit seinem Prototypenverschleiß im Trial-and-Error-Verfahren noch sehr weit entfernt, vielleicht auch unerreichbar weit entfernt. Die Space Shuttles waren durchdacht und trotzdem sind im Betrieb Fehler aufgetreten, die Idee per Trial-and-Error alle relevanten Fehler eines hochkomplexen Systems auch nur im Ansatz finden zu können, ist vermutlich der erste große Denkfehler beim Spaceship von SpaceX. Ob sich die Falcon 9 von SpaceX tatsächlich rechnet, kann man erst sehen, wenn wir sehen, ob Starlink finanziell funktioniert oder nicht. Das wird vermutlich noch 10 Jahre dauern. Aber egal, was ein Start mit einer Ariane im Vergleich zu einem Start mit einer Falcon 9 kostet, die Europäer sollten weiter auf ihre Ariane setzen. Die gibt es nur, weil die USA den Europäern den Zugang zum Weltraum mit Raketen „Made in USA“ verweigern wollten. So ähnlich wie jetzt mit dem Impfstoff: USA first, Europa nothing

      1. Ich oute mich auch mal eben, wider besseren Wissens, als Shuttle-Fan und vernachlässige dafür auch gerne mal wirtschaftliche Gesichtspunkte.
        Aber wenn man das Shuttle bewertet, darf man auch nicht außer Acht lassen, dass, zusätzlich zum wirtschaftlichen Misserfolg, auch 4/5 aller bei einem Raumflug ums Leben gekommenen Menschen auf das Konto des Projektes gehen. (Obwohl die Challenger-Katastrophe ja nicht direkt aus einem Konstruktionsfehler resultierte, sondern aus dem sträflichen Vernachlässigen der bestehenden Sicherheitsregeln)

  4. Ich will mal die Starship Sache außen vor lassen (denke diese wird sich so oder so erledigen-entweder wird es die Technik sein, oder das Geld bzw. äußere Umstände,…). Konkret habe ich die Sache mit Starlink sehr spannend gefuden. Auch falls das ein Aprilscherz war, wäre es nicht ganz abwägig. Jedoch mit der Zerstörung des ganzen Starlink-Systems, na ja, das will ich mal sehen ob die das wirklich hinbekommen würden??? Jedoch taucht in diesem Zusammenhang ein anderes Problem auf, welches ja im Artikel erwähnt wurde. Der Weltraummüll.
    Ich sehe, und da bin ich sicher nicht alleine, dies als größtes Problem an.
    Ja, Musk hatte seine Erfolge, doch wie die Geschichte lehrt sollte man es nicht übetreiben mit dem Größenwahn (egal ob in der Politik oder in der Wissenschaft oder eben in der Technik). Vieles , aber nicht alles ist möglich, aber wozu? Wenn die Menschen sich im Weltraum bzw. auf anderen Planeten so verhalten wie auf der Erde und im Erdorbit, na dann gute Nacht in unserem Sonnensystem.

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