Eine Erfindung die ich nicht erkannt habe

Wenn man von den Anfängen der PC-Industrie spricht, so erwähnt fast jeder Beitrag die Erfindung des Mikroprozessors. Der erste verfügbare war der Intel 4004 der im November 1971 erschien. er war nicht der erste, Texas Instruments hatte das Prinzip vorher patentiert, ihr TMS 1000 Mikroprozessor erschien aber später auf dem Markt. Frei verfügbar war er erst ab 1974, doch schon 1972 verbaute ihn TI in ihren Taschenrechnern, sodass die Firma kommerzielle erheblich erfolgreicher als Intel die Erfindung umsetzte.

Ich sah das lange Zeit anders und habe in der ersten Auflage meines Buchs Computergeschichte(n) die „Erfindung des Mikroprozessors“ nicht als Erfindung bezeichnet und mich dabei auf den Erfinder Ted Hoff bezogen, der selbst sagte das die CPU nicht besonders leistungsfähig war und sich schlecht verkaufte. Man konnte durch eine Handvoll MSI-integrierter Schaltkreise einen zehn bis hundertmal schnellen Prozessor erstellen, vor allem im Systempreis war dieser dem 4004 haushoch überlegen – der Prozessor verlangsamte das System enorm, sparte am Gesamt System aber nur wenig Geld ein. Continue reading „Eine Erfindung die ich nicht erkannt habe“

In Memoriam: der erste Supercomputer

Es gab mal eine Zeit, da konnten „Computer Experten“ mehr als nur Windows neu installieren, Hacker den ganzen Tag programmierten, anstatt zu surfen und Informatikunterreicht nicht darin bestand Studenten Excel beizubringen. In diesen „good old days“, als man sich noch in die Benutzung eines Computers einarbeiten musste, las der Autor zum ersten Mal von einem „Supercomputer“. ein Supercomputer, das war damals eine Cray 1.

Mich fasziniere diese Maschine von Anfang an. Das fing schon mit dem Aussehen an. Er sah nicht wie ein Computer aus. Ein größerer Computer, so ab den Superiminis war damals ein Rechner eine große Kiste von Schrankform, eventuell vorne noch mit einigen Lichtern. Dazu kamen dann noch einige kleinere Schränke mit den so eindrucksvoll rotierenden Magnetbändern und einige Kommoden mit Wechselplatten. Continue reading „In Memoriam: der erste Supercomputer“

Technikgeschichte

Ich habe in den vergangen Tagen einen Aufsatz über die Cray 1 fertiggestellt und mal kurz überlegt, ob ich ihn nicht an dieser Stelle veröffentlichen sollte, doch da es 60 k sind, wäre das selbst bei mehreren Teilen für den Blog zu lang. Aber er hat mich zu meinem heutigen Thema gebracht: Technikgeschichte.

Wir Menschen lieben ja Geschichten. Nicht unbedingt Geschichte, aber Geschichten. Also nicht die Geschichte Englands im 16 Jahrhundert, aber vielleicht die von Heinrich dem VIII. Das haben auch die Fernsehsendungen erkannt. derzeit läuft im ZDF immer dienstags „Weltenbrandt“ über den ersten Weltkrieg, aber in jeder Sendung ziehen sich auch die Geschichten von zwei Prominenten durch. So in der ersten von Hitler und Montgomery, in der zweiten von Göring und Charles de Gaulle. Ich wette in der dritten sind dann Rommel und Winston Churchill dran. Auch sonst wenn es um Geschichte geht, geht es um Personen oder es kommen Zeitzeugen mit persönlichen Schilderungen zu Wort. Continue reading „Technikgeschichte“

Der Vektorrechner

Seymour Cray’s Beitrag zu den Computern war schon als ich mich in den Achtzigern dafür interessierte legendär. Cray war ursprünglich bei CDC (Control Data Corporation) für die Entwicklung der CD-6600 und 7600 verantwortlich, den schnellsten Computern ihrer Zeit und auch in ihrer Architektur richtungsweisend. Aber die Entwicklung war teuer und es kam zu Problemen als die CD 8600 sich als nicht entwerfbar entpuppte. Cray trennte sich von CDC einvernehmlich und gründete seine eigene Firma.

Schon das Erstling, die Cray 1 war 1976 ein ganz großer Wurf. Er war schneller als jeder andere Rechner seiner Zeit, und das nicht nur ein bisschen, sondern gleich viermal schneller. Er sah stylisch aus (und war auch noch als Sitzbank nutzbar). Der ganze Rechner war auf Geschwindigkeit ausgelegt. So kam die Form einer großen Garnrolle dadurch, dass die Verbindungslänge minimal sein sollte. Alle Kabel waren ein vielfaches von 30 cm lang. Kein Kabel dürfte länger als 72 Inch sein, da ein Signal  dann 12,5 ns brauchte – die Taktzeit des Rechners. Das führte auch zu dem kompakten Aufbau Continue reading „Der Vektorrechner“