Schlingerkurs im Weltraum

Zur Zeit geht es drunter und drüber im bemannten Weltraumprogramm. Für alle die es nicht so verfolgen, eine kleine Zusammenfassung

Im Jahre 2004 verkündigt George W. Bush seine „Vision for Space“. Amerika solle zum Mond bis 2020 zurückkehren. In den folgenden Jahren zeigt sich dass dieses Programm unterfinanziert ist und kaum Fortschritte macht. Geplant war es vor allem durch Einsparungen zu finanzieren – Einstellung des Space Shuttleprogrammes bis 2009/10 und der ISS bis 2016. Doch das reichte nicht und nach Untersuchungen wird es bis zu doppelt so teuer wie geplant.

Barack Obama zieht im Februar die Notbremse. Das Programm wird eingestellt. Es gibt kein echtes Nachfolgeprogramm. Dafür wird nun die ISS mindestens bis 2020 betrieben und es wird die Privatwirtschaft beauftragt einen kommerziellen Crewtransport für die ISS zu entwickeln. Dafür sind in den nächsten Jahren Milliarden vorgesehen, ebenso wie für Vorarbeiten für spätere Expeditionen über den Erdorbit hinaus, wie Technologien und Triebwerksentwicklungen und unbemannte Erkundungsmissionen. (mehr …)

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Raumfahrträtsel 24

Es war einmal … der Wunschtraum aller Astronauten, die damals fast alle Testpiloten waren. Ein Gefährt, in dem sie nicht passive Passagiere waren, sondern das sie aktiv steuern könnten. So waren sie alle für dieses Gefährt, das sich „Space Shuttle“ nannte. Als es dann an die Planung ging, stellte sich heraus, dass es sehr komplex war und leistungsfähige Rechner zur Steuerung brauchte. Da kamen die Techniker auf die Idee, wenn das Ding schon weitgehend vom Computer gesteuert wird, es doch vollständig vom Computer steuern zu lassen. Dagegen waren die Astronauten. Sie bestanden darauf, einen manuellen Modus einzubauen. Die Astronauten träumten vom Shuttle, die perfekte fliegende Maschine, nicht aus einer im Meer treibenden Kapsel mit einem Korb herausgefischt werden, sondern nach der Landung heroisch eine Gangway herunter laufen (zusammengefasste Statements von Walt Cunningham und Michael Collins).

So kam es dann auch. Nun ja fast. Das Space Shuttle startet computergesteuert, es könnte computergesteuert seine Nutzlast aussetzen, es bremst computergesteuert ab, es findet der Wiedereintritt computergesteuert statt. Und dann, wenn das Shuttle in den Bereich, kommt in dem die aerodynamischen Kräfte wirksam werden, so in den letzten 5 Minuten, einer einwöchigen Mission. Dann darf der Testpilot an Bord seine Existenz beweisen und das Shuttle steuern. Darf, muss aber nicht, denn natürlich könnte das auch jetzt noch der Computer. (mehr …)

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Raumfahrträtsel 8

Jerry RossNun hat Julian doch das letzte Rätsel recht schnell geknackt. Ja an diesem Tag wurde Jerry Ross der erste Mensch der siebenmal im Weltraum war. Ich will das mal nutzen, um die ganze Sache mit dem bemannten NASA Programm genauer zu beleuchten. Zum einen ist auffällig bei den Shuttle Missionen wie stark dort die Astronauten im Vordergrund stehen. Ich habe mir mal das Missionskit für STS-132 als Beispiel genommen. Die Nutzlast macht sechs Seiten des Kits aus, die Biographie der Besatzung allerdings zehn Seiten. Mehr noch auch die anderen Seiten, welche die Mission beinhalten sind voll mit Schilderungen der Besatzung und ihrer Tätigkeiten und vor allem: vieler Fotos.

Wer also glaubt sich anhand der Missionskit über die ISS und ihre Fertigstellung zu informieren wird enttäuscht sein. Das war nicht immer so. Die Presskits der Apollo-Ära und von Gemini sind heute online verfügbar. Sie beinhalten auch Informationen zur Besatzung, aber im Verhältnis weitaus weniger als heute. Meiner Meinung nach ist dies kontraproduktiv, denn die Leute interessieren sich nicht so für die Astronauten. Ich denke die meisten haben Probleme ein paar der aktuellen Astronauten (wenn es nicht gerade Deutsche sind) namentlich zu nennen und seid mal ehrlich: Wer wusste ohne Nachschlagen dass Jerry Ross der erste war mit sieben Weltraumaufenthalten?

Noch schlimmer: Man sollte meinen es gäbe davon viele. Schließlich flog ein Space Shuttle im Mittel sechs Mal pro Jahr, jeweils mit 6-7 Besatzungsmitgliedern. Das macht 36-42 Mann/Jahr. Zur Spitzenzeit der Apollo Ära gab es vier starts mit je drei Astronauten pro Jahr also 12 Mann/Jahr, weniger als ein Drittel. Man sollte also annehmen die Astronauten würden viel öfters fliegen, vor allem die Piloten die ja nicht auf eine spezielle Mission trainieren müssen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Schon Deke Slayton monierte dies in seinen Memoiren. Seiner Ansicht nach hätten alle Flüge mit 50 Astronauten durchgeführt werden können. Jeder wäre mindestens einmal pro Jahr geflogen. Missionspezialisten die ja vor allem das gleiche immer wieder machen müssten sogar 6-7 mal pro Jahr Doch schon 1980 hatte das Astronaut Office 100 Mitglieder Tendenz steigend. Was mich selbst wundert: Die Bezeichnung Missionsspezialist suggeriert ja dass sie für jede Mission eigens spezialisiert sein müssten. Im Vergleich zu den Piloten – das Shuttle steuern ist doch eigentlich immer der gleiche Job. Trotzdem sind alle Rekordhalter heute Missionsspezialisten. (mehr …)

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Er könnte noch fliegen – wenn er unbemannt gewesen wäre

Ja auf diesen Gedanken bin ich gekommen beim Space Shuttle. Nun die Diskussion ob er bemannt sein muss kann man sich schenken, unbemannt hätte es nicht das Geld für ihn gegeben. Doch die NASA hat auch mal weiter gedacht. Von den siebziger bis achtziger Jahre entwickelte Sie verschiedene Konzepte für ein unbemanntes System mit höherer Nutzlast. Das ging hin bis zu einem vergrößerten Tank, auf dem die Nutzlast saß mit den Triebwerken unter dem Tank und vier Feststoffboostern – Nutzlast 150 t.

Diese ersten Planungen in den siebziger Jahren wurden dann einige Jahre ad acta gelegt. Die NASA hatte nicht das Geld und erst mal galt es das Space Shuttle System zu der Startrate zu bringen die angestrebt war – 1986 waren 13-14 Starts geplant, später sogar bis zu 20 pro Jahr. Ob 20 realistisch gewesen wären ist offen. aber 1985 fanden neun Starts statt, wobei der letzte Orbiter (die Atlantis) erst am 3.10.1985 ihren Erstflug hatte. Weniger als zwei Monate später startete sie erneut – 13 Starts wären bei dem Tempo also durchaus nicht unrealistisch gewesen.

Nach Challenger war das illusorisch. Neben der eigentlichen Unglücksursache fand die Roger Kommission auch zahlreiche andere Mängel im Shuttle Management. So war es gang und gäbe die Orbiter zu „kannibalisieren“ – mangels Ersatzteilen wurde aus einem Orbiter etwas ausgebaut um einen anderen schnellstmöglich flugfähig zu bekommen. Alles nur um die Startrate schnell hoch zu treiben. (mehr …)

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Hätte man Skylab retten können?

Beim Suchen über Material über Skylab lese ich gerade auch in Matthias Gründers Buch „SOS im All„. Dort schreibt er das die NASA eine technisch mögliche Rettung von Skylab durch eine Sojus aus politischen Gründen abgelehnt haben. Mich wunderte nur, dass ich niemals sonst was davon gehört habe. Das verwundert auch nicht, denn anders als Gründer schreibt war es nicht technisch möglich.

Ich habe mich ja mit der Sojus schon für das ATV Buch beschäftigt und ein Problem der ersten Generation, die damals noch eingesetzt wurde, war der begrenzte Treibstoffvorrat. Bei Apollo-Sojus machte die Apollo fast alle Kurskorrekturen und später gab es noch im Saljut Programm das Problem, dass wenn eine Ankopplung nicht beim ersten oder zweiten Versuch klappte die Besatzung wegen Treibstoffmangel zur Erde zurückkehren hätte müssen. Nun wäre die Sojus durch den für das Apollo Sojus Testprojekt entwickelten Kopplungsadapter noch schwerer gewesen – da wäre schon das Ankoppeln schwierig, geschweige denn das viel Treibstoff für das Anheben der Station übrig geblieben wäre. (mehr …)

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