Wie groß ist der Markt für Weltraumtourismus?

Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Für echte Weltraumtouristen, also welche die in einen Orbit gelangten gab es erst wenige Fluggelegenheiten, die noch dazu sehr viel teurer wurden. Gerade wurde bekannt dass nun Sarah Brightman ihr Training für ihren Trip zur ISS aufnimmt. Dies wird sie und eine Investorengruppe 50 Millionen Dollar kosten. Die ersten Touristen flogen noch für 20 Millionen Dollar zur ISS. Bisher gab es nur acht Flüge seit 2001. Seit 2009 gab es keinen mehr. Continue reading „Wie groß ist der Markt für Weltraumtourismus?“

Ist die bemannte Raumfahrt ein Geschäftsmodell?

In einigen der Kommentare zu einem der letzten Blogs wurde vorgeschlagen doch anstatt der ISS entweder eine große Raumstation (dazu komme ich später zurück) oder das ganze privat zu machen. Es gibt derzeit soweit ich weiß nur eine Firma die bemannte Raumfahrt privat vorhat, das ist Bigelow mit den aufblasbaren Modulen. Unabhängig von der technischen Umsetzung ist für jede Firma ein Geschäftsmodell wichtig, das bedeutet: rechnet es sich?

Zuerst einmal eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation. In der gesamten Raumfahrt gibt es nur ein Geschäftsfeld, dass komplett ohne staatliche Unterstützung auskommt: das ist der Start von Kommunikationssatelliten jeder Art, egal ob niedrig fliegende Systeme wie Iridium, mittelhohe wie O3B oder die breite Palette der geostationären Satelliten. Alle anderen kommerziellen Projekte sind zumindest teilweise auf staatliche Unterstützung angewiesen. Fotoaufklärer auf NSA und Co, welche die meisten Bilder abnimmt, bei manchen Satelliten sogar alle und dann sie nur noch in reduzierter Auflösung weiter in den freien Verkauf abgibt. Launch Service Provider werden zumindest bei der Entwicklung von staatlichen Stellen unterstützt. Daneben buchen diese auch Starts. Der einzige LSP, der weniger als 50% Staatsanteil an den Aufträgen hat, ist Arianespace. Bisher wurde auch keine Rakete rein privat entwickelt, SpaceX war z.B. bis zum Abschluss des COTS Programms zu 85% von der NASA und USAF finanziert und die CRS Flüge machen mehr als die Hälfte ihres Auftragspolsters aus. Continue reading „Ist die bemannte Raumfahrt ein Geschäftsmodell?“

Weltraum-Tourismus for the Masses

Mit dem Weltraumtourismus ist das so eine Sache. Da gibt es zum einen seit Jahrzehnten Pläne von Hotels in der Umlaufbahn, zur Zeit der Mondlandung war man so optimistisch, das Reisebüros sogar Reservierungen für Mondreisen annahmen. Praktisch ist es aber so, dass die derzeit einzigen Möglichkeiten entweder ein suborbitaler Hopser von einer Viertelstunde Dauer mit SpaceShip Two oder ein Flug an Bord einer Sojus sind. Das erste dauert nur kurz, ist mit 200.000 Dollar aber noch bezahlbar, wenn auch nicht für Jedermann. Die letzten Touristen mussten dagegen 25 Millionen für einen Trip auf der Sojus aufbringen, intensives Training auf sich nehmen. Das ist nur was für Superreiche. Bedenkt man wie viel mehr die NASA in den letzten Jahren für einen Sitz zahlen musste, so wird es wahrscheinlich noch erheblich teurer. Sarah Brightman zahlte 2012 rund 50 Millionen Dollar.

Was fehlt ist die finanzielle Mitte dazwischen und auch in der Dauer dazwischen. Diesen Markt will nun SpaceTravel angehen, die letztes Jahr gegründete Firma hat am Donnerstag angekündigt schon 2017 den ersten Orbitalstart durchzuführen. Das besondere ist das sowohl Ticketpreis wie auch Dauer zwischen den Extremen liegen. Das Konzept setzt auf geringes Risiko, indem man schon vorhandenes nimmt. Continue reading „Weltraum-Tourismus for the Masses“

Weltraumrourismus – suborbital

Gestern habe ich gerade noch das Ende einer Dokumentation auf ARTE gesehen über Weltraum-Tourismus, genauer gesagt die suborbitale Variante, wie bei Space Ship One. Der Beitrag war zweifellos etwas älter, weil von 2007 und 2008 gesprochen wurde als läge diese Daten in der Zukunft und die Prognosen, dass es heute 4-5 Unternehmen gibt, die Passagiere auf Parabelflüge gebracht haben ist noch nicht eingetreten. Aber nehmen wir mal an, es gäbe einen Markt – ginge es diese Hopser wirtschaftlich auszuführen? Ein Ticket soll zwischen 120.000 und 200.000 Dollar kosten, das klingt nach viel, doch wie ich seit ein paar Tagen weis, kostet eine Flugstunde im Eurofighter auch 38.000 Euro. Mal sehen wie dies wirtschaftlich klappt.

Spaceship One war ein Flugzeug mit Raketenantrieb. Das hat einige Vorteile und Nachteile. Der Hauptvorteil ist, dass die Landung recht einfach ist – es kann wie ein Segelflugzeug landen. Es hat genügend Flügelfläche, um nicht wie ein Space Shuttle als Stein vom Himmel zu fallen. Auf der anderen Seite ist der Start schwieriger: Das Trägerflugzeug dient nicht dazu, Spaceship One auf Höhe zu bringen oder die Startgeschwindigkeit zu erhöhen. Es dient nur dazu einen fliegenden Start mit dem Raketentriebwerk zu ermöglichen, der auf der Erde wohl schnell das Fahrwerk wegbrechen würde. Für Transporte viel wichtiger: Wie bei jedem Flugzeug ist die Kabine, also der Bereich wo die zahlende Kundschaft sitzt, klein im Vergleich zur Gesamtgröße des Flugzeugs. Das macht den Transport ineffektiv und teuer. Continue reading „Weltraumrourismus – suborbital“

Weltraumtourismus

Anousheh AnsariErst mal vielen Dank an die Fans der ISS für die zusätzlichen Werbeinnahmen in den letzten Tagen Morgen soll die erste weibliche Weltraumtourismus starten. Frau Anousheh Ansari, auch bekannt durch den Preis, den SpaceShip One letztes Jahr bekam für den ersten privaten Parabelflug. 20 Millionen USD zahlt sie für einen Trip an Bord einer Sojus Kapsel. Doch wie billig wird Weltraumtourismus werden ? Blicken wir einmal in eine ferne Zukunft. Nehmen wir an, Raumtransporter wie der Space Shuttle würden Touristen ins All transportieren. Was könnte das kosten ?

Nun zum einen haben wir natürlich das Hotel. Auch dieses müssen wir zuerst mal in den Orbit bringen. Sofern die Fertigung des Hotels nicht extrem teuer ist, stellt es aber keinen echten Kostenfaktor dar. Auf einem 50.0000 t Passagierdampfer mit 2000 Besatzungsmitgliedern beträgt die Wasserverdrängung pro Passagier 25 t, also 25 m. Ein Modul für die MIR Station wiegt etwa 20 t und bietet 100 m Raum bei normalerweise 2 Astronauten, d.h. selbst wenn die Passagiere 2 mal mehrRaum als auf einem Kreuzfahrtschiff haben (in der Realität natürlich wegen der Lebenserhaltungssysteme, Triebstoff, Energiegewinnung etc weniger) müssen wir pro Passagier nur 10 t in den Orbit bringen. Betreibt man das Hotel 10 Jahren lang bei 50 Flügen pro Jahr reduziert sich das auf 20 kg pro Passagier – Die Transportkosten für das Hotel sind also vernachlässigbar.

Bleiben die Startkosten für den Trip. Nehmen wir mal an, wir benutzen dazu ein Gefährt wie den Space Shuttle. Man kann an ihm kritisieren, was man will, der Nutzlastraum ist riesig und macht den größten Teil des Orbiters aus. Er hat einen Durchmesser von 4.6 m und eine Länge von 18.38 m. Das reicht für 2 Decks mit je 4 Sitzreihen in der Breite und 18 Sitzreihen in der Länge (weniger als bei einem Flugzeug, weil unsere Reisende Kontourensitze benutzen müssen). Das sind 144 Passagiere oder vielleicht einige wenig, denn man braucht natürlich auch Service Personal. Nehmen wir mal 120 Passagiere an. Jeder möge 100 kg wiegen und 20 kg Gepäck mitführen. Für 7 Tage brauchen wir auch noch etwa 20 kg Essen (Das Trinkwasser kann man recyceln, doch es lohnt sich nicht Nahrungsmittel im All anzubauen. Man braucht dafürviel Personal, zudem kann man die wenigsten Nahrungsmittel roh essen. Es ist ein langer Weg vom Getreide zum Brot und woher bekommt man die Steaks im All her ?

Allerdings braucht man noch eine Druckkabine in der Ladebucht. Das wiegt nach den Erfahrungen mit dem Spacelab etwa 15 t. Zusammen mit 144 Passagieren 140 kg sind das rund 35 t, also etwas mehr als heute die maximale Startnutzlast des Space Shuttles von 29.5 t. Ein etwas verbesserter Space Shuttle könnte das ohne Problem transportieren. Doch das Gefährt ist teuer. Der letzte der nachgebaut wurde, die Endeavour kostete 2 Milliarden US-$, und das ist 20 Jahre her. Doch nehmen wir mal an, dass wie ihn so billig bauen könnten wie ein Flugzeug, also für etwa 200 Millionen USD. Doch wie oft kann er ins All starten ? Nun da kann ich wenig Hoffnung machen. Der Space Shuttle ist zwar auf 100 Einsätze ausgelegt, doch das gilt nur die Zelle. Die meisten anderen Teile halten lange nicht so lange. Am wenigsten die Hitzeschutzkacheln, dann kommen die Triebwerke. Wenn man das alles auswechseln muss kommen natürlich Zusatzkosten zusammen. Doch nehmen wir an ein kompletter Orbiter würde wirklich 100 Einsätze absolvieren. Dann wären das 2 Millionen USD Abschreibung pro Flug oder 16700 Dollar pro Passagier – Noch zu finanzieren. Dazu käme noch der Tank und die Feststoffraketen. Das dürfte den Preis für ein Ticket auf 25000-30000 Dollar erhöhen. Es ist kein Ausweg Wasserstoff auch in der Unterstufe einzusetzen, dann diese muss dann 10 mal größer als der Orbiter sein und ist auch entsprechend teurer, also wird auch das Ticket entsprechend teurer.

Doch jetzt kommt der Hammer: Sie ärgern sich über ihre Heizölrechnung ? Tja um 100 t Space Shuttle und Nutzlast zu transportieren braucht man 2000 t Treibstoff oder für jeden Passagier etwa 17 t. Und der Großteil entfällt auf den teuren Feststofftreibstoff. Das folgende ist eine Teilübersicht der Treibstoffkosten des Space Shuttles von 1980:

Kosten [Mill. USD]
1004 t Feststofftreibstoff 4
750 t flüssiger Wasserstoff/Sauerstoff 0.38
10 t OMSTreibstoffe 0.01
Summe 4.39

Tja und diese Stoffe sind seitdem nicht billiger geworden. Grund dafür ist, dass man viel Energie zur Gewinnung braucht. Seit 1980 hat sich der Erdölpreis verdreifacht. Wenn man also 13 Millionen USD nur für die Treibstoffe annimmt, dann liegt man sicher nicht weit von den realen Kosten entfernt. Damit kostet ein Ticket ins All etwa 135000 USD.

Ich denke das ist das absolute Minimum, bei den heutigen Preisen für Außentank und Feststoffraketen (vom Orbiter ganz zu schweigen) müsste man eher von der 10 fachen Summe ausgehen. Doch darum geht es mir nicht. Wie teuer eine Reise ist daran sind auf der Erde in erster Linie die Energiekosten schuld. Eine Concorde verbrauchte ein Vielfaches des Treibstoffes eines Jumbo Jets und war immer ein exklusives und teures Gefährt. Beim Start in den Weltraum kommen die extremen Materialbeanspruchen dazu. Ein Raumtransporter die beim Eintritt bis zu 1650 Grad Celsius aushalten muss wird eben nicht wie ein Flugzeug Tausende von Starts und Landungen absolvieren ohne dass man Teile austauscht, auch ein Einsatz über 20-30 Jahre mit mehreren Hundert Flügen pro Jahr ist illusorisch. Eine Reise ins Weltall wird immer teuer sein. Wie sollte es auch anders sein ?Wenn sie über den Atlantik fliegen so führt das Flugzeug etwa 20 % seiner Startmasse in Form von Treibstoff mit. Beim SpaceShuttle sind es 2000 %, also muss ein Ticket in etwa 100 mal teurer sein als ein Flug über den Atlantik – und genau das ist der Fall.

Als man noch optimistischer bei den Space Shuttle Startpreisen war, 1983 gab es eine Studie wie viel ein Flug ins All kosten würde bei einem Startpreis von 60-70 Millionen USD für einen Space Shuttle Flug (etwa ein Achtel der heutigen Kosten). Eine Firma rechnete vor, das eine Passagierkabine im Frachtraum etwa 75 Personen transportieren könnte und ein Ticket etwa 2-3 Millionen USD kosten würde. 350 Personen oder etwa 5 Flüge pro Jahr erwartete man für diesen Startpreis.

Was kostet es heute ? Nun in der Realität fliegt der Space Shuttle natürlich keine Passagiere. Er hat auch nicht die Ausrüstung um so viel Strom für die notwenigen Lebenserhaltungssysteme aufzubringen, aber tun wir mal so als wäre ein solcher Umbau möglich. Die NASA hat bei einer Senatsanhörung vor dem Bau der ISS angegeben, dass ein Flug zur ISS etwa 435 Millionen USD kostet, davon aber nur 83 Millionen auf den Start entfallen, der Rest sind Fixkosten. Das gilt für etwa 7-8 Flüge pro Jahr. Bei maximal 12 Flügen pro Jahr, die möglich wären würde sich der Start also verbilligen auf etwa 280-300 Millionen USD, oder etwa 2.5 Millionen USD pro Ticket. Ich denke ein neues System, das wesentlich weniger wartungsintensiv isst könnte diesen Preis halbieren, mehr sehe ich aber bei der heutigen Technologie nicht.

Bleibt noch die Gretchenfrage:Wenn der Autor das nötige Kleingeld hätte, würde er fliegen ?Ja und Nein. Ja, wenn ich wirklich so viel Geld hätte, das auch 20 Millionen USD nur ein Bruchteil davon wären, vielleicht so ab 100 Millionen USD. Wenn ich weniger hätte, vielleicht 21 Millionen würde ich eher 20 Millionen in eine Stiftung einbringen die ein Teleskop auf der Erde baut (dafür gibt es eines der 3 m Klasse, mit dem kann man schon einiges an Wissenschaft betreiben) und mit der restlichen Million immer noch gut leben. Wissenschaftsmäzen gibt es anders als in den USA bei uns ja nicht. Wenn dann wird lieber Geld für Kultur oder soziales ausgegeben – nichts dagegen, auch das ist wichtig, aber viele sehen die Förderung der Wissenschaft als eine Aufgabe des Staates und das ist falsch.