Weltraum-Tourismus for the Masses

Mit dem Weltraumtourismus ist das so eine Sache. Da gibt es zum einen seit Jahrzehnten Pläne von Hotels in der Umlaufbahn, zur Zeit der Mondlandung war man so optimistisch, das Reisebüros sogar Reservierungen für Mondreisen annahmen. Praktisch ist es aber so, dass die derzeit einzigen Möglichkeiten entweder ein suborbitaler Hopser von einer Viertelstunde Dauer mit SpaceShip Two oder ein Flug an Bord einer Sojus sind. Das erste dauert nur kurz, ist mit 200.000 Dollar aber noch bezahlbar, wenn auch nicht für Jedermann. Die letzten Touristen mussten dagegen 25 Millionen für einen Trip auf der Sojus aufbringen, intensives Training auf sich nehmen. Das ist nur was für Superreiche. Bedenkt man wie viel mehr die NASA in den letzten Jahren für einen Sitz zahlen musste, so wird es wahrscheinlich noch erheblich teurer. Sarah Brightman zahlte 2012 rund 50 Millionen Dollar.

Was fehlt ist die finanzielle Mitte dazwischen und auch in der Dauer dazwischen. Diesen Markt will nun SpaceTravel angehen, die letztes Jahr gegründete Firma hat am Donnerstag angekündigt schon 2017 den ersten Orbitalstart durchzuführen. Das besondere ist das sowohl Ticketpreis wie auch Dauer zwischen den Extremen liegen. Das Konzept setzt auf geringes Risiko, indem man schon vorhandenes nimmt.

Die Firma hat von Kasachstan das Flugmodell OK 1.02 der Buran erworben. Dieses ist zu 95-97% fertiggestellt worden. Sie hat eine Anzahlung geleistet und wird es 2015, wenn die Hälfte des Verkaufspreises von 20 Millionen Dollar geleistet wurde, in die USA transportieren. Dort wird das Innere des Orbiters umgebaut. Die Inneneinrichtungen im Middeck weichen zwei Toiletten und einer Kombüse, der Nutzlastraum wird mit einer Druckkabine gefüllt und nicht mehr geöffnet. In diese Kabine werden Sitzplätze in zwei Decks eingebaut wie man es auch vom Flugzeug kennt. Die Mitte bleibt frei. Geplant sind 23 Reihen im Abstand von 80 cm mit je vier Sitzplätzen pro Reihe und Deck. Das sind zusammen 184 Sitzplätze. Im Rumpf wird es Fenster geben und tatsächlich will die Firma Personen wie im Flugzeug transportieren – ohne Weltraumanzug, mit Sitzplatz und Gurten. Im Orbit angekommen werden die Sitze umgeklappt und am Boden fixiert und die Fluggäste können die Schwerelosigkeit und den Ausblick durch das Fenster genießen. In derer Mitte gibt es dazu am meisten Platz rund 2 m breite, 18 m Länge und 4,60 m Höhe. Aber sie können auch über die Decks schweben, zum Fenster raussehen oder anderes tun. Wie im Flugzeug ist der Platz aber begrenzt. Es gibt etwa 1,5 m³ Raum pro Person.

Im Cockpit istd er Platz für die beiden Piloten und die beiden Stewardessen. Die letztere haben als Hauptaufgabe in der Kombüse die fertigen Essen aufzuwärmen. Sehr lange dauert der Aufenthalt nicht, denn die Ressourcen sind begrenzt und der Platz auch. Geplant ist derzeit nur ein Trip über einen Tag. Die Buran wird von Vandenberg aus starten und einen Tag und eine Erdrotation später in der Edwards Air Force Base landen. Diese hat die längste Landepiste der Welt und war auch schon Space Shuttle Landeplatz. Von dort aus sind die Wege kurz zum neuen Startplatz.

Doch wie soll die Fähre in den Orbit? SpaceTravel hat sich an die einzige Firma gewandt, die in der kurzen Zeit die dazu nötige Trägerrakete entwickeln kann: SpaceX. SpaceX wird bis 2017 eine Falcon Superheavy bauen, die im Prinzip das Konzept der Falcon Heavy verwendet, nur nicht mit drei Boostern, sondern sieben. Sechs Booster, in einem Ring um die Zentralstufe angeordnet, bilden die erste Stufe, die Zentralstufe die zweite, eine Oberstufe gibt es nicht. Bedingt durch die Engine-Out Capability wird die Falcon Super Heavy noch sicherer als die Falcon Heavy sein – es dürfen in der ersten Stufe bis zu vier Triebwerke direkt nach dem Start ausfallen, später sogar noch mehr und auch die zweite Stufe hat nun eine Engine-Out capability. SpaceX wird nur die Startkosten berechnen, da man sich mit der Falcon Superheavy auch bei der NASA bewirbt und sie als SLS Alternative anbietet.

Die Falcon SuperHeavy hat mit einer Nutzlast von 127 t genügend Power um die Buran zu starten. Um den Startpreis zu drücken, werden nur schon geborgene Stufen eingesetzt. Elon Musk meinte dazu „This is a typical Win-win-Situation. We will get with the next Launches more and more of refurbished Stages and can use them and we can so demonstrate that they are as reliable as the new ones, and SpaceTravel gets a Trip for less than half the Price of a new Vehicle“. Konkret soll der Start nur 100 Millionen Dollar kosten und die erste Stufe mit sechs Boostern wird erneut verwendet solange es geht, mindestens zwei Einsätze sind geplant. Als Verlust gibt es nur die Oberstufe die auf der Zentralstufe sitzt.

Ein Flugticket kostet 1 Million Dollar, gestartet wird nur wenn mindesten 150 Sitzplätze verkauft sind, anfangs ist ein Flug pro Jahr geplant, der in den Sommermonaten wenn die meisten Ferien haben stattfindet. Denn anders als bei den Sojus Starts gibt es keine langjährige Ausbildung. Einen Tag vor dem Start gibt es eine theoretische Einführung sowie Übungen z.B. zur Benutzung der Toilette. Die ärztliche Untersuchung muss jeder Teilnehmer selbst vorher absolvieren und das Attest vorlegen. Einen Tag nach der Landung ist dann auch schon der Abreisetermin, sodass das ganze Abenteuer nur 4 Tage dauert.  Jede Person darf mit Gepäck 100 kg wiegen, jedes Kilogramm mehr kostet 10.000 Dollar extra, da dann Sitzplätze nicht genutzt werden können.

Die eintägigen Flüge sollen nur der Anfang sein. Sobald Bigelow seine Weltraumstation im Orbit hat sind auch besuche dieser geplant. Voraussetzung ist dass sich genügend Kunden für zwei Flüge innerhalb einiger Monate finden. Dann werden einige Passagiere beim ersten Flug in die Station wechseln und beim nächsten Flug abgeholt werden. Der Flugpreis seitens SpaceTravel ist dann doppelt so hoch, weil beim Rückflug kein Sitzplatz vergeben werden kann. Dazu kommen noch die Kosten für Bigelow, da die Personen Ressourcen wie Gase, essen und Wasser verbrauchen. Trotzdem wird ein Flug billiger als auf einer Sojus sein verspricht SpaceTravel.

Sollte das ganze klappen, dann könnte man wirklich von privater bemannter Raumfahrt sprechen und auch Bigelow endlich sein Geschäftskonzept umsetzen. Bigelow selbst kündigte an, dass die Falcon Super Heavy auch genutzt werden könnte eine noch größere Raumstation zu starten, welche nicht nur einige sondern Dutzende Astronauten aufnehmen könnte. doch will die Firma nachdem bisher es bisher her wenig Nachfrage gab mit deren Bau warten, bis die ersten Touristen die BA-.330 besuchen. Danach wird die BA-2100 mit 2100 m³ Innenvolumen kommen, die wahrscheinlich mit einer Falcon heavy gestartet wird.

13 thoughts on “Weltraum-Tourismus for the Masses

  1. Moim,

    ich habe gerade eine Fischvergiftung hinter mir, und kann mir bildhaft vorstellen, wenn von 150 Touristen die ersten 10 am Kotzen sind 😉

    ciao,Michael

  2. Ja das ist schon klar, bin mir der Rubrik bewusst 😉

    Aber auch solch ein Satireartikel kann doch durchaus auch technisch durchdacht sein. Ich verstehe nicht wie Bernd das gemeint hat – ein Falcon 9 Core mit sechs Cores drum herum. Wo soll dann der Buran hin? Oben drauf? Oder doch seitlich dran?

  3. Oben drauf, schließlich will SpaceX ihre super-Dracos als Rettungsturm einsetzen. Das ist nicht so ungewöhnlich auch Hermes sollte auf der Ariane 5 starten und die verkleinerten Buranmodelle wurden auch so gestartet

  4. Sieht sicher witzig aus, so ein fetter Buran oben drauf auf dem dünnen Raktchen 😀 Hermes war ja kleiner, der passte optisch besser auf die A5 🙂

  5. Man könnte ja die Unterstufe der Falcon9 v1.0 als dritte Stufe nehmen, die man auf den zentralen Core setzt, der die zweite Stufe darstellt. An diese dritte Stufe flanscht man dann seitlich die Buran dran.

    Aber ist natürlich alles Satire 😉

  6. Naja, aber letzendlich wäre der Buran ja nur mit der Zentralstufe verbunden da ja die sechs Boosterstufen dann abgesprengt werden müssten. Wäre jedenfalls eine sehr abenteuerliche Konstruktion. Aber es gibt ja die Superdracos als LAS, da kann ja nichts schief gehen 😀 😀

  7. Man kann auch an den äußeren Ring weitere Booster anmontieren, wenn die Rakete nicht breit genug ist. Ein weiterer Ring mit 6 auf Lücke angebrachten Boostern und schwupps ist das Konstrukt dann schon 18 m breit.

    Würde mich nicht wundern wenn in 1-2 Jahre SpaceX gegen die SLS prozessiert, es hätte eine Falcon Super Heavy als preiswerte alternative ….

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