Weltraumtourismus im Klimacheck

Nachdem ich schon in meiner Dezembernachlese von SpaceX die Bilanz des Suborbitalhopsers durchgerechnet habe und nun wieder der Start einer Sojus mit zwei Weltraumtouristen ansteht, mache ich mich mal an die Kohlendioxidbilanz des Weltraumtourismus.

Zuerst einige Klarstellungen. Es geht nicht um die gesamte Klimabilanz des Flugs. Diese müsste auch den Effekt berücksichtigen, das die Emissionen nicht am Erdboden oder nahe dem Erdboden, sondern in unterschiedlichen Höhen entstehen. Weiterhin ist in der Bilanz auch nicht enthalten, wie viel Kohlendioxid benötigt wird, um die Raketen zu produzieren, die ja auch mehrstellige Millionenbeträge kosten. Auch bei den Raumschiffen geht ein Teil verloren, der vor dem Wiedereintritt abgetrennt wird, bei der Sojus ist das sogar der größte Teil und selbst bei der Wiederverwendung entstehen Emissionen für die Bergung und Reparatur. Continue reading „Weltraumtourismus im Klimacheck“

Weltraumtourismus

Nun ist ja Jeff Bezos geflogen – den Webcast fand ich eher uninformativ. Aus der Kapsel gab es überhaupt kein Video und die Kommentatorin mag zwar wahnsinnig begeistert gewesen sein, (obwohl dies der 16 Flug einer New Shepard ist) hat aber wenig erhellendes beigetragen. Nun ja, ich vermute Bezos bezahlt ihr den gleichen Hungerlohn, wie seinen Amazon Mitarbeitern, dafür bekommt man kein qualifiziertes Personal. Ich werde Bezos mal aufgrund der Daten des Videos einen Vorschlag für eine verbesserte Version seiner New Shepard in einem der nächsten Blogs unterbreiten. Außerdem muss ich mal Musk und SpaceX loben – sie haben zum einen einen besseren Kommentator, vor allem aber sind alle ihre Daten auch in den Webcasts metrische Angaben. Hier musste man von Meilen pro Stunde und Höhe in Fuß umrechnen. Dabei hätte ich mir gerade von Blue Origin, die ja Wert drauf legen, dass die Gipfelhöhe die Grenze überschreitet, die international akzeptiert ist, erwartet das man auch internationale Einheiten nimmt und keine provinzielle US-Einheiten. (für alle Schlaumeier: ja Myanmar ist der zweite Staat der noch dieses Einheitensystem verwendet, spielt in der Forschung und Technik aber jetzt nicht die erste Geige).
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Die Zahl für heute: 28 Millionen

Der Milliardär und Gründer von Amazon Jeff Bezos will am 12. Juli zusammen mit seinem Bruder ins All fliegen. Einen weiteren Sitzplatz versteigerte seine Firma Blue Origin. Nachdem die Gebote lange Zeit verhalten anstiegen und vor der letzten Runde 3,5 Millionen Dollar erreichten, hat nun in der letzten Phase der Versteigerung jemand für 28 Millionen Dollar den Flug ersteigert.
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Die SpaceX Märznachlese

Eigentlich wollte ich die Nachlese diesen Monat auslassen, gab es doch nichts wirklich Bemerkenswertes bis gestern.

Es gab nur drei Starts, alle mit Starlinksatelliten. (Der letzte gestern, eigentlich schon im März, aber ich will mal nicht so sein). Viel mehr Startabbrüche gab es, zuletzt zwei in Folge. Dann haben sie noch eine Stufe bei der Landung verloren, ein Triebwerk versagte wegen Materialermüdung. Beides – die Startabbrüche aufgrund technischer Fehler und die verlorene Stufe dürften ein Hinweis sein, wie oft SpaceX ihre erste Stufe erneut verwenden kann. Es sollen ja zehn Starts sein, die letzte Stufe versagte nach sechs Flügen. In der Praxis ist das aber relativ egal, da man die Hälfte der Produktionskosten ja schon mit einmaliger Wiederverwendung drin hat und die Bergung und Inspektion kosten auch jedes Mal und die senken die Marge auch. Wie sich zeigte war das Triebwerk schon beim Aufstieg beschädigt und schaltete sich vorzeitig ab. Da die Starlink Satelliten aber weit unterhalb der Maximalnutzlast lagen beeinflusste das nicht die Mission. Veröffentlicht hat man dies nicht, es wäre ohne den Verlust der Stufe niemals herausgekommen. Als Workaround wird es in Zukunft nun keine Videos der Landung mehr geben. Continue reading „Die SpaceX Märznachlese“

Die Dreistufen-Lösung für den Weltraumtourismus

Ein Geschäftszweig, der seit Langem auf seinen Durchbruch wartet, ist der Weltraumtourismus. Erste Mitfluggelegenheiten gab es erst während der Aufbauphase der ISS. Russland kündigte zwar an, die Mir für Touristen zu nutzen doch zu einer Umsetzung kam es nie. Solange die ISS nicht genügend Strom und Platz hatte, konnten nur zwei Astronauten auf ihr wohnen. Eine Sojus hat drei Sitze. Der Dritte wurde für Kurzbesuche genutzt oder für Touristen. Da üblicherweise die alte Besatzung erst nach der neuen zurückkehrte, waren so etwa 7 Tagesaufenthalte möglich. Das ende mit dem Vollausbau der ISS 2009. Bis dahin gab es in acht Jahren acht Flüge von sieben Personen (Charles Simony ist zweimal geflogen). Kurzum: Das ist ein Markt, der angebotsbegrenzt ist. Ich denke es gibt mehr Interessenten als Fluggelegenheiten. Schwer also diese Vorlage als Basis zu nehmen, ob sich das Ganze lohnt.

Nun wird der Weltraum ja schon kommerziell genutzt. Wenige Jahre nach Beginn der Raumfahrt gab es die ersten von Firmen finanzierten Kommunikationssatelliten. Seit der Jahrtausendwende ist die kommerzielle Erderkundung hinzugekommen und seit einigen Jahren auch der rein kommerzielle Start (das man mit schon existierenden und mehr oder weniger von anderen Institutionen finanzierten Raketen kommerzielle Starts durchführt, gab es schon vorher). Warum also nicht auch den Tourismus kommerzialisieren? Continue reading „Die Dreistufen-Lösung für den Weltraumtourismus“