Die NASA im Schlingerkurs

Am Tag vor Weihnachten gab die NASA bekannt, dass sie an SpaceX und OSC zwei Aufträge für den Transport von Fracht zur ISS erteilt haben. An OSC einen über 1.9 Milliarden Dollar für 8 Flüge und an SpaceX einen über 1.6 Milliarden Dollar für 12 Flüge. Die Verlautbarung ist allerdings für mich etwas unverständlich gefasst:

"Both fixed-price indefinite delivery and indefinite quantity contracts take effect on January 1, 2009 and expire on December 31, 2016. SpaceX will make its first launch in December 2010, followed by OSC in October 2011."

Was soll das heißen? Es werden keine verbindlichen Starttermine und Mengen ausgemacht? Man könnte auch jeweils nur ein Kilo transportieren? Deutlicher wird folgender Passus:

"Each Commercial Resupply Services (CRS) contract plans for transporting a minimum of 20 tonnes of freight to the space station."

Wenn ich 20 t Fracht erwarte, sollte ich das auch in den Vertrag aufnehmen. Was ist davon zu halten? Erst mal wie realistisch ist das Transportieren dieser Menge für diesen Preis?

Ein ATV Flug kostet ungefähr 350 Millionen Euro, das sind etwa 500 Millionen Dollar. Für die 3.5 Milliarden, die beide Kontrakte umfassen, wären 7 ATV Flüge möglich. Das entspricht etwa 50 t Fracht – also mehr als die 40 t aus diesen Kontrakten. Allerdings: Es gibt das ATV schon. Beide Firmen müssen erst ein Raumschiff entwickeln und dazu noch eine Trägerrakete. Beides kostet Geld. Es kann Geld eingespart werden, da das ATV der komplexeste Transporter zur ISS ist. Er kann alleine andocken und ist mit zahlreichen Navigationssystemen ausgestattet, welche sich ergänzen und bei einem Ausfall eines Systems kann ein anderes übernehmen. Die Raumfahrzeuge von OSC und SpaceX werden wohl eher wie das HTV nur in den Nahbereich der ISS manövriert werden und dann vom Arm eingefangen werden. Das reduziert die Anforderungen. Andererseits sollen die Raumschiffe auch Fracht zur Erde zurückbringen. Das macht es wiederum etwas teurer und  reduziert durch die schwerere Kapsel die Nutzlast.

Auf der anderen Seite: Ein großer Transporter ist nicht viel teurer als ein kleiner. Das teure an dem Transporter ist die Elektronik, die Stromversorgung der Antrieb. Tanks für Treibstoff, Wasser sind preiswert, ebenso ist ein längerer Druckbehälter für die Fracht nicht viel teurer als ein kurzer. Beide Firmen haben aber nur Pläne für mittelgroße Trägerraketen. OSC Cygnus Raumschiff wird 2.3 t zur ISS bringen. Das Dragon von SpaceX 2500 kg. So errechnen sich pro Flug 237.5 Millionen Dollar für OSC und nur 133 Millionen für SpaceX. Das muss die Entwicklungskosten für die Raumkapsel und die Trägerrakete mit einschließen.

Es stellt sich hier die Frage ob dies so möglich ist. Zumindest von OSC kennt man ja die Preise ihrer Trägerraketen und entwickelter Satelliten. Sie liegen nicht niedriger als die von Boeing oder Lockheed und so ist schwer zu glauben, dass es gelingen wird zu diesem Preis profitabel zu arbeiten. Für 237.5 Millionen Dolalar bekommt man normalerweise gerade mal einen normalen Satelliten aber kein bemanntes Raumfahrzeug. Bei SpaceX ist der Preis noch niedriger. Diese Firma will ihre Falcon 9 für 37 Millionen Dollar verkaufen, was dann noch 95 Millionen für das Raumfahrzeug übrig lässt. Ob dies so durchführbar ist muss sich zeigen. Erst mal muss SpaceX beweisen, dass sie Raumfahrzeuge und Trägerraketen entwickeln kann. Derzeit ist nur ein Start von 4 einer viel kleineren und einfacheren Trägerrakete Erfolgreich verlaufen. Die Bergung der Stufen – das wichtigste Ziel zur Kostensenkung gelang noch gar nicht.

Wie bei den vergangenen Ausschreibungen gingen Lockheed und Boeing, die sich zu PlanetSpace zusammen geschlossen hatten, leer aus. Sie hatten sich den OSC/SpaceX Angeboten angepasst und boten nun einen selbst entwickelten Transporter mit einer neuen Version der Athena an, also kein Einsatz der großen Trägerraketen Atlas und Delta und des ATV und HTV wie noch bei der letzten Runde.

Das Problem ist, dass es sehr viele NASA Anforderungen gibt. Es geht nicht nur um die Versorgung der ISS – dafür könnte die NASA diese Dienstleistung bei Europa, Japan und Russland einkaufen. Es gibt ja schon 3 Systeme dafür. Es geht auch um US Unabhängigkeit, obwohl das in den letzten Jahren nicht so eng gesehen wurde. Von 2003-2005 gab es nur Sojus und Progress für die ISS Versorgung und von 2011-2014 wird es genauso so sein.

Vor allem aber geht es meiner Meinung nach um die Förderung von neuen Raumfahrtkonzernen. Davon sind ja nur noch zwei übrig geblieben: Boeing und Lockheed, die nun immer mehr beginnen zusammen zu arbeiten. Sie tun dies schon bei den Trägerraketen und treten hier gegenüber der NASA als nur eine Firma auf und auch bei dieser Ausschreibung war es wieder eine neue Firma, die von beiden Konzernen betrieben wurde. Es kann gut sein, dass man bei der NASA hier wieder gerne mehr Mitspieler hätte.

Ich wage mal eine Prognose wie es kommen wird: Beide Firmen werden zu dem Preis es nicht leisten können, eine Trägerrakete der Delta II Klasse zu entwickeln, dazu noch ein neues Raumschiff und dieses dann für diese niedrigen Preise pro Flug zu starten. Es wird teurer kommen. Da beide Firmen recht klein sind, können sie selbst nicht Geld zubuttern. Da die NASA ihre ISS Versorgung garantiert haben will, wird sie zuzahlen müssen. Die 3.5 Milliarden sind nur die erste Rate.

Dabei ist noch einiges offen: Zum Beispiel wie es mit Ares/Orion weitergeht. Nach verschiedenen inoffiziellen Meldungen wird Obama auch wegen der Rezension das Ares/Orion Programm gravierend zusammenstutzen. Der Ausflug zum Mond wird wahrscheinlich gestrichen oder um Jahre verschoben. Auch soll die Neuentwicklung der Ares eingestellt werden und auf Atlas und Delta zurückgegriffen werden. Das hatte die NASA ja wegen der Sicherheit immer abgelehnt, Seltsamerweise lässt sie aber ein Raumschiff, das an die ISS ankoppeln soll, von Neulingen entwickeln die eine Firma hat bislang maximal kleine Satelliten in der 100 kg Klasse entwickelt und die zweite hat noch gar nichts erfolgreich entwickelt. Auch unbemannte Raumschiffe müssen sicher sein. Man denke an die Kollision von Progress-M34 mit der Mir. Insgesamt schlingert die NASA derzeit sehr und es ist nicht offensichtlich wohin die Reise gehen soll.

Das Foto heute zeigt ein bewiesenermaßen sicheres Raumschiff: Die Apollo Kapsel.

Apollo 8 Liftoff

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