Vergleichen wir mal….

Vergleiche sind toll. Es gibt ganze Vergleichsportale, wo man Dinge vergleichen kann oder erfahren kann, wo man etwas am günstigsten bekommt. Was man nicht vergleichen kann, sind Kosten in der Raumfahrt. Hier mal ein persönliches Vergleich.

  • Die ISS Beteiligung kostet die ESA jährlich 300 Millionen Euro. (Quelle)
  • Dazu kommt noch ein ATV Start pro Jahr. der letzte kostete 450 Millionen Euro. (Quelle)
  • Dafür darf die ESA alle zwei Jahre einen Astronauten für 180 Tage zur ISS schicken. Dort arbeitet die Crew von sechs Astronauten 160 Stunden pro Woche an Experimenten. (Quelle)
  • Ein kleiner Forschungssatellit, wie Cryosat 2 kostet 140 Millionen Euro. (Quelle)
  • Ein aus dem Ruder gelaufenes ambitioniertes Forschungsprojekt wie Exomars wurde 1 Mrd. Euro teuer. Es ist wahrscheinlich, dass es wegen der hohen Kosten eingestellt wird.

Also rechnen wir mal nach. Die ESA wird für den Aufenthalt eines Astronauten alle 2 Jahre rund 1500 Millionen Euro in diesem Zeitraum bezahlen. (zwei ATV mit je 450 Millionen Euro, 2 Jahre ISS Betrieb zu je 300 Millionen Euro). Er arbeitet dann pro Tag 26,7 Stunden pro Woche an Experimenten, oder in den 180 Tagen rund 686 Stunden. Eine Arbeitsstunde kostet den europäischen Steuerzahler also über 2 Millionen Euro.

Oder mal anders formuliert. 64 Arbeitsstunden, also zweieinhalb Wochen entsprechen dem ganzen Cryosatprojekt, Dieses wird 3,5 Jahre lang die Eisflächen beobachten und Daten für das Klima liefern. Für einen geringen Aufpreis ist es um weitere 2 Jahre verlängerbar. (Letzteres ist bei dem ISS Aufenthalt nicht möglich. Kommt die Ablösung, muss der ESA Astronaut zurück zur Erde).

Die ESA plant seit gut 10 Jahren an Exomars, immer ist es zu teuer. Einmal keinen Astronauten zur ISS schicken – und man hätte es finanziert. Dabei ist dies ein Programm, das die ESA maximal einmal in einem Jahrzehnt startet. Oder damit wäre auch die Erweiterung der Ariane 5 kein Problem, die seit 5 Jahren vor sich hergeschoben wird.  Auch hier: einmalige Kosten, doch den ISS Betrieb muss man jahraus, jahrein bezahlen.

Oder eine andere Sicht. Das ATV bringt rund 7,5 t Versorgungsgüter für 450 Millionen Euro zur Station. Ein Kilogramm kostet also 60.000 Euro. Der Mensch braucht 2 l Wasser pro Tag. Würde man es nur mit dem ATV transportieren, dann entspricht das Leertrinken einer 1,5 l Buddel also schon mal 90.0000 Euro. Aber die Astronauten sollten nicht zu viel trinken. Denn gehen sie zur Toilette und brauchen dafür 5 Minuten ihrer Arbeitszeit (in der Schwerelosigkeit geht es nicht ganz so schnell wie auf der Erde), dann kostet das auch 182.000 Euro … Unverständlich, dass man bei diesen Kosten noch Gimmicks zur ISS transportiert wie Mansukripte von Jules Verne beim ersten ATV oder Bilder von Alexander Shilov bei der im August verlorenen Progress. (Quelle). Bitte auch sehen was Shilow malt. Man sollte annehmen, dass man sich solche „Gewichts- und Kostenverschwendung“ vermeidet. Doch das ist nicht der Fall. Die Astronauten twittern auch von der Station, schreiben Blogs oder laden Bilder auf Facebook hoch. Wer selber einen Computer hat, der weiß wie man da die Zeit verbuttern kann. Und wenn das nur eine halbe Stunde am Tag kostet – dann ist diese PR über 180 Tage erheblich teurer als Cryosat 2 (180 zu 140 Millionen Euro).

Dabei ist das noch preiswert. Für die nächsten Jahre sollen die Kosten für die ISS auf 350 Millionen Euro pro Jahr ansteigen. Ab 2015 kommen zu den ATV Fertigungskosten für neue Exemplare auch noch die Kosten für eine Neuentwicklung/Anpassung dazu, da es zum einen keine Ersatzteile mehr für Nachbauten gibt und zum anderen die NASA nun weniger Treibstoff und mehr Fracht haben will.

Das man diese Kosten nicht mit der wissenschaftlichen Ernte begründen kann ist nicht neu. Sonst würde man ja auch forschen und nicht von der Station aus bloggen. Doch was gibt es zumindest für Europa an anderen Begründungen? Also wir sind kein Land das mit Flügen angestaubter Hardware den Eindruck erwecken will, man wäre noch eine Supermacht, noch sind wir eine Nation die zeigen will, dass sie sich es leisten kann, auch wenn die Staatsverschuldung explodiert und wir sind auch keine aufstrebende Industrienation, die von einer Diktatur ablenken will, damit dass die ein bemanntes Raumfahrtprogramm auflegen auf das die einfachen Bauern auf dem Land stolz sein können.

Das ist so ein bisschen wie auf der Toilette, „Wer hat den größten“. Aber es sagt nichts über die Menschen und ihren Erfolg im Leben aus. Die deutsche Industrie ist Exportweltmeister, auch wenn kein Astronaut im all herumturnt. Sie war es auch bevor man bemannte Raumfahrt betrieb. Sinnvoller ist sicherlich die unbemannte Raumfahrt, da sie viel mehr die Forschung und die Technologie fördert, von der unser Land, aber auch Europa lebt. Nicht scheinen, sondern sein. Überlassen wir den andern das Angeben.

3 thoughts on “Vergleichen wir mal….

  1. Die Frage ist zwar leicht Off Topic, aber da es auch im Artikel kurz vorkam: Was ist eigentlich das Tolle daran, das Deutschland Weltmeister im Exportieren ist? – Oder anders gefragt: Welchen persönlichen Nutzen hab ich davon? (Wenn man mal davon absieht, der wir momentan auch „nur“ Vizeweltmeister sind.)

  2. Da da meiste was Du konsumierst aus dem Ausland kommt, weil es in Deutschland produziert einfach zu teuer ist ist es nötig mindestens so viel zu exportieren wie zu importieren. Damit haben die Leute Beschäftigung und Einkommen. Länder die mehr importieren als zu exporiertieren wie den USA oder Griechenland geht es meistens schlecht.

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