Spin-offs

Wie die meisten Leute die sich mit dem Raumfahrt beschäftigen ärgere ich mich, wenn diese in Reden oder Beiträgen durch Spin-offs gerechtfertigt wird. Zwei der wohl bekanntesten Beispiele sind die Teflonpfanne und die Mikroelektronik.

Teflon als Material war schon lange vor dem Beginn der Raumfahrt bekannt. Es wurde 1938 entdeckt und 1941 patentiert. Bis man es in der Raumfahrt einsetzte, war es schon im breiten Einsatz, vornehmlich als Überzug für Apperaturen und Röhren die aggressive Säuren wie Flusssäuren verarbeiteten, die Glas und viele Metalle angreift. Es gab auch die Anwendung als Schmiermittel, doch in geringem Maße, denn es ist sehr weich und kratzempfindlich. Sofern man die Wahl hat, schmiert man besser auf der Erde mit einem flüssigen Schmiermittel. Im Weltraum geht dies  nicht und man belegte Lager mit Polytetrafluorethylen – so der chemische Name von Teflon. Ich denke irgend jemand wurde wohl mal gefragt, was das für ein Stoff ist, und der hat dann wohl die beschichteten Pfannen (die es schon Mitte der 50 er Jahre im Handel gab) erwähnt, als eine Anwendung des Materials die auch der Endverbraucher kennt.

Teflon wird in der Raumfahrt und auf der Erde auch anders eingesetzt, so bestehen isolierende Schichten von Raumfahrzeugen und Raumanzügen aus dem Material und auf der Erde sind auf Textilien dünne Schichten dafür verantwortlich, dass sie wasserabweisend sind.

Das gleich kann man von dem Apollo Computer sagen, der ja nach einigen Behauptungen der Vorläufer der Mikroelektronik war. Natürlich waren in den 60 er Jahren Computer auf der Erde meistens groß. Aber nicht alle. Die Firma DEC begann mit kleinen Modellen – der PDP Serie. Diese waren eben auch in der Leistung beschränkt. Sie zielten damit auf einen Markt der von IBM und Co nicht abgedeckt wurde. Der Apollo Computer war weder technisch besonders auf Kleinheit getrimmt, z.B. indem er die neusten Technologen einsetzte, noch war er der erste – schon vorher gab es den Gemini Computer, und dieser basierte wiederum auf dem Polaris Rechner. Die erste Forderung nach einem kleinen Rechner kam von der Steuerung dieser Raketen. Dabei waren die Anforderungen weitaus größer als bei der bemannten Raumfahrt wo die Raumschiffe Tonnen wogen.

Mit der heutigen Mikroelektronik haben beide nichts gemeinsam, den sowohl die integrierten Schaltunge,n wie auch Mikroprozessor kamen in beiden nicht zum Einsatz, beides wurde erst Jahre nach dem Polar bzw. Apollo Rechner erfunden. (Die Raumfahrt ist zwar insgesamt sehr innovativ, aber nicht immer und nicht immer in allen Bereichen. Gerade in der bemannten Raumfahrt gilt oft das Gegenteil: Man greift lieber auf bewährtes und erprobtes zurück. Man möge sich einmal informieren welches der schnellste weltraumqualifizierte Prozessor ist und wie schnell er im Vergleich zu einem Athlon 64 oder einem Intel Quadcore ist…)

Ich halte es für generell falsch Grundlagenforschung, und dazu gehört die Raumfahrt – über irgendwelche praktische Anwendungen zu rechtfertigen. Es gibt immer wieder Glücksfälle, in denen man sehr schnell eine praktische Anwendung findet – ein Beispiel bekam dieses Jahr den Nobelpreis für Physik, wo ein Magnetischer Effekt zur Leistungssteigerung bei Festplatten beitrug. Doch das ist nicht der Sinn der Grundlagenforschung. Weiterhin gibt es Gebiete, in die man seit Jahrzehnten Milliarden hineingesteckt hat und die keinerlei parktische Anwendung hervorbrachten. Als Paradebeispiel mag hier die Teilchenforschung genannt sein. Die Grundlagenforschung ist der Boden der Forschung, beschreitet Neuland und zeigt Wege, auf denen dann die Anwendungsforschung aufbaut. Wer nur die letztere betreibt, ist in der Forschung, was China in der Wirtschaft ist: Ein Profiteur und Nachahmer, der immer auf andere angewiesen ist, auf deren Ergebnissen er aufbauen kann. Und ähnlich wie China nur mit Nachahmungen auf Dauer keinen Erfolg hat, kann man es sich auch nicht leisten die Grundlagenforschung zu vernachlässigen.

Zur Grundlagenforschung gehört die Raumfahrt, die natürlich auch andere Aspekte hat. Sie erweitert unser Weltbild und manchmal lernen wir mehr über unseren Planeten wenn wir andere Planeten erforschen. Man kann vielleicht über die Ausgaben und vor allem deren Verteilung zwischen den Projekten debattieren, aber sicher nicht über die Notwendigkeit selbst.

Spin-offs gibt es natürlich, so entstanden CCD Chips die Röntgenstrahlen detektieren können, aus Chips die man für Röntgenstrahlensatelliten entwickelte. Sehr viel öfter hat aber die Raumfahrt nur Entwicklungen, die es gab aufgegriffen und weitergeführt oder die Forschung dort finanziert. Die meisten Beispiele kommen dabei vor allem aus dem militärischen Bereich der Raumfahrt. CCD’s waren kaum erfunden, als militärische Satelliten sie einsetzten, nach immer mehr Pixelelementen fragten und als schließlich das Licht während der Belichtungszeit nicht mehr ausreichte, die TDI Technik erfand (mehrere CCD Zeilen werden synchron zur Bewegung ausgelesen, Ein Detail des Bodens, wird zuerst von einem Pixel in Zeile 1, dann Zeile 2 und so weiter bis zur letzten Zeile detektiert, danach werden die Pixel jeder Zeile aufsummiert und ergeben einen Pixelwert der ein viel geringeres Rauschen aufweist. Man wendet dies bei militärischen Satelliten an, bei denen bei einer Bewegung von 7000 m/s für eine Auflösung von 0.7 m nur 1/10000 Sekunde Belichtungszeit zur Verfügung steht – zu wenig für ein rauschfreies Bild).

Natürlich gibt es auch andere Gründe für die Raumfahrt – die menschliche Neugier. Man will wissen wie es woanders aussieht, verstehen wie Dinge und die Natur funktioniert. Es gibt durchaus praktische Anwendungen, nicht nur für jeden persönlich wie Satellitenfernsehen, sondern auch für eine Volkswirtschaft wie bei der Wettervorhersage. Bei bestimmten Teilaspekten geht es auch um das Bestreben unabhängig zu sein oder nationales Renomee. Das ist keine Schande, nur sollte man Columbus nicht mit der Teflonpfanne und dem CD-Spieler rechtfertigen. Dies nur als Tipp für Frau Merkel die sicher nach dem Start von Columbus wieder eine Rede über das Raumlabor halten wird.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. der K

    Ich höre nebenher gerade den ISS Funkverkehr und komme nicht drum herum dort ab und zu Alpha zu hören. Peggy, ich glaube, sie ist zur Zeit die ISS-Chefin, meldete sich wiederholt mit Alpha, wenn sie Houston anfunkt, und vizeversa. Heisst die ISS NASA-intern immernoch so? Das war mir bis heute nicht bewusst.

  2. der K

    und schon wieder:
    „Helms lived and worked onboard the International Space Station as a member of the second crew to inhabit the International Space Station Alpha.“ (http://www.jsc.nasa.gov/Bios/htmlbios/helms.html) Der Text ist allerdings auch schon fast 6 Jahre alt.

  3. Bernd Leitenberger

    Nun ja, wenn die NASA schreibt, dass nun die Station international wird, dann war sie es wohl vorher nicht. Aus NASA Sicht stimmt das ja auch den für Swesda und Zarja hat man bezahlt, ebenso für die Sojus Flüge (und Russland wird 500 Millionen Dollar für weitere Flüge von 2010-2015) bekommen. Für sie ist es eben noch Alpha…. Der Name ISS ist aber schon 1996/97 beschlossen worden.

  4. der K

    Aber selbst, wenn die USA die russischen Elemente als us-amerikanisch ansehen sollten (und die Russen samt ihrer zahlenden Gäste an Bord wohl ebenso), dann bleibt immernoch Canada. Zugegebenerweise liegt das ja aber auch ziemlich nah, und ist eventuell schon annektiert.
    Allerdings war ich der Meinung, dass Alpha ein Name ist, der bereits während der Planung der Raumstation verworfen wurde. Wie es auch sei, ich war überrascht.

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