Die Ampel löst nicht das Problem

Unter der „Ampel“ verstehe ich nicht ein Verkehrszeichen und auch keine Koalition aus drei Partien: Es ist eine neue Form der Nährwertkennzeichnung,. Damit sie verstehen was ich meine, hier eine kleine Einführung was bislang üblich ist. Es gibt zum einen die gesetzlich vorgeschriebene Nährwertkennzeichnung. Sie muss erfolgen wenn der Hersteller irgendwie Bezug auf den Nährwert nimmt, z.B. mit einer Aufmachung wie „reich an ungesättigten Fettsäuren“ oder „energiereduziert“. Was angegeben werden muss ist genau geregelt und abhängig vom ausgelobten Nährstoff. Alle angeben müssen pro 100 g erfolgen.

Seit 2008 findet man die GDA Kennzeichnung die einen, fünf oder acht Nährstoffe umfassen kann. Sie ist freiwillig und gibt den Gehalt und die Deckung des Tagesbedarfs pro Portion an. Neben der Problematik, dass es „den Tagesbedarf“ nicht gibt und er vom Gewicht und körperlichen Betätigung abhängt ist vor allem der Hauptkritikpunkt, dass die Portionen meist viel kleiner festgesetzt werden, als sie dem normalen Verzehrsverhalten entsprechen. Bei manchen Lebensmitteln die man eigentlich nur als ganzes zu sich nimmt, wie eine 0.33 l Flasche Limonade oder eine Pizza machen Angaben für eine halbe Flasche oder eine halbe Pizza keinen Sinn, sie sind völlig an der Wirklichkeit vorbei festgelegt, damit die Angaben besser aussehen.

Sind so die Portionen festgelegt, so findet man bei manchen Produkten die Angaben sogar mehrfach auf der Packung zu finden – ich habe einmal 3 Angaben gefunden, einmal den Energiegehalt vorne, einmal fünf Stoffe auf der Seitenfläche und die gesamte Liste dann noch in einer Spalte neben dem durch die Nährwertkennzeichnung vorgeschriebenen Angaben pro 100 g. Das verwirrt dann mehr als eine übersichtliche Tabelle.

Was soll nun die Ampel besser machen? Nun zum einen soll nun eine farbliche Kennzeichnung eine Information geben ob ein Nahrungsmittel viel oder wenig des Stoffes enthält. Der entsprechende Entwurf nennt hier Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz. Das wird nun von allen Verbraucherverbänden als tolle Lösung gefeiert. Es hat sich aber wohl keiner die Mühe gemacht die Vorschrift durchzulesen: Sie ist gedacht für Fertigmahlzeiten oder Produkte die als Mahlzeiten zubereitet werden und Getränke. Warum? Weil man in diesen Fällen die Portionsgröße festlegen kann auf die man sich bezieht. Eine Mahlzeit sollte eben nur einen bestimmten Anteil des Tagesenergeibedarfs umfassen. Bei Produkten die nicht als Mahlzeit sondern verteilt über den Tag gegessen werden, oder eine Packung für mehrere Mahlzeiten gut sein muss (z.B. Cornflakes) oder eben nur ein Teil einer Mahlzeit sind (praktisch alle Nahrungsmittel) hat man wieder das Problem eine Portionsgröße festzulegen.

Die Angabe pro 100 g mit einer farblichen Kodierung zu kennzeichnen greift auch zu kurz. Denn sie berücksichtigt nicht die richtigen Verzehrsmengen. Schokolade mag pro 100 g viel schlechter da stehen als Brötchen, aber man isst auch weniger Schokolade als Brötchen. Sobald wir aber anfangen irgendwelche Gehalte pro Portion farblich zu kodieren, sind wir wieder da wo die Mängel der GDA Kennzeichnung liegen.

Gibt es eine saubere Lösung? Die Ampel mag geeignet sein für ihren Verwendungszweck: Abgepackte Tiefkühlmahlzeiten, Essen zum selbst machen wie z.B. Spagetti-Gerichte oder verpackte Brote und Salate. Für das Groß der verpackten Lebensmittel die sich heute mit GDA Siegeln schmücken ist sie nicht anwendbar. Zu sehr unterscheiden sich Milch von Käse von der verzehrten Menge, zu wenig haben Schokolade und Vollkornbrot gemeinsam hinsichtlich ihrer Zusammensetzung. Geht es darum Nahrungsmittel absolut miteinander zu vergleichen? Nein es geht doch meistens darum ein Lebensmittel mit einer alternative zu vergleichen: Nehme ich das Vollkornbrot oder das Weißbrot? Kaufe ich Schokoladenkekse oder Kräcker? Nehme ich ein Sahneeis oder ein Fruchteis? Ich werde wohl nie einen Magerquark mit einem Schokoriegel vergleichen, aber vielleicht den Schokoriegel mit einem Müsliriegel und den Magerquark mit Frischkäse.

Ich meine es gibt eine universelle Lösung, aber keine die einem das Nachdenken erspart indem man nur auf Farben achten muss. Wir haben schon eine Regelung: Das Zutatenverzeichnis mit Angeben pro 100 g. Anstatt das hinten zu verstecken sollte es deutlich sichtbar auf die Vorderseite kommen und in großer Schrift. Zu den Angaben pro 100 g die einen Aufschluss über die Nährstoffdichte gibt sollte eine zweite Spalte kommen, mit den Angaben pro Verpackung. Das erlaubt es einem abzuschätzen wie viel man pro Portion zu sich nimmt, indem man einfach diese Angabe gedanklich durch die anzahl der Portionen teilt. Ja, das erfordert Nachdenken und sogar so komplizierte Mathematik. Doch unser Recht geht auch von dem „mündigen Verbraucher“ aus und nicht von der PISA Generation, die das Rechnen verlernt hat. Bei anderen Dingen, die ich hier noch thematisieren werde wie Färbung von Lebensmitteln wird sogar ein viel höherer Sachverstand beim Verbraucher vorausgesetzt.

Also: Das Zutatenverzeichnis deutlich sichtbar und ein wenig erweitert – und GDA Kennzeichnung und Ampel können verschwinden. Schließlich braucht man nur eine gute Kennzeichnung anstatt dreier halblebigen….

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