Ein Weltraummärchen

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Gestern hat die ESA überraschend den Ausstieg aus der ISS angekündigt. Direktorin des Bereichs „Human Spaceflight“, Simonetta Di Pippo sagte: „Durch die Reduzierung der Stammbesatzung haben wir schon vorher einen schlechten Stand gehabt und nur noch die Chance alle zwei Jahre einen Astronauten zur ISS zu entsenden. Die Probleme durch das Grounden der Sojus schlagen nun schon auf die weitere Missionsplanung durch. Wir sehen nun die Probleme der ISS durch den Wegfall des Hauptversorgers. Auf der anderen Seite ist das Interesse an Columbus schon vor dem Start bei der Industrie gleich Null gewesen und selbst Universitätsinstitute wollten sich nicht beteiligen, obwohl wir ihre Experimente umsonst eingebaut hätten. So waren wir gezwungen eigene Experimente zu entwickeln, damit dies niemanden auffällt. Das hat zusätzliche Mittel erforderlich gemacht. Die ISS Beteiligung hat den europäischen Steuerzahler bis jetzt schon 8,5 Milliarden Euro gekostet.“

Nun kam Paolo Nespoli zurück, und was wirklich Aufsehen erregte, waren die Fotos die er nach dem Ablegen von der ISS machte, die also mit seinem Aufenthalt gar nichts zu tun haben. Auf der anderen Seite kostet uns die ISS rund 400 Millionen Euro pro Jahr. Derselbe Betrag kommt nochmal dazu durch einen ATV Transport jedes Jahr, der genauso viel kostet. Das ist viel Geld für ein Projekt, dass niemand mehr bemerkt.

So wird André Kuipers nächster Aufenthalt der letzte eines ESA Astronauten an Bord der ISS sein. Er wird dort auch nicht mehr forschen, sondern vor allem Filme drehen. Die Fotos und Filme sind sowieso das einzige was man wahrnimmt. Bisher entfielen 15 Minuten pro Tag auf diese Tätigkeiten, nun werden es acht Stunden sein. Die Ergebnisse werden wir dann in den nächsten Jahren schrittweise veröffentlichen und ich denke niemand wird den Unterschied bemerken und es wird genauso sein, als würden wir weitere die ISS betreiben.

Wir sind diesen Schritt dem europäischen Steuerzahler schuldig, der derzeit wenige Verständnis für Prestigeprojekte hat, wenn ganze Staaten vor dem Bankrott stehen und Hunderte von Milliarden für Rettungsschirme benötigt werden.“

Was wird mit dem eingesparten Geld passieren? Profitiert, nun davon auch der Steuerzähler? Der Direktor der ESA Jean-Jacques Dordain ergänzte:

„“Nein, aber wir werden damit endlich Projekte umsetzen können, die schon lange nicht vorwärts kommen. So wird nun die Ariane 5 ME endlich umgesetzt werden. Auch hier haben wir Fortschritte zu vermelden. EADS Astrium LV in Bremens Konzept der ESC-B war lange Zeit zu schwer. Als wir ankündigten, die Fertigung nach Frankreich zu vergeben, setzte Astrium Bremen in einem neuen Entwurf nun neue Legierungen, Verbundwerkstoffe und Druckstabilisierung ein und konnte so die Leermasse um 2 t senken. Somit wird die Ariane 5 ME wesentlich leistungsfähiger sein und keine Subventionen mehr erfordern.

Neue Aufträge wird sie auch bekommen, wir haben nun die Einführung von Galileo verschoben, den Auftrag für die zweiten 12 Satelliten an Starsem gestrichen und die Satelliten werden mit der Ariane 5 ME gestartet werden. Deren Entwicklung wird nun beschleunigt werden, sodass sie schon 2015 ihren ersten Einsatz hat. Wir möchten auch ein neues Trägerprojekt ankündigen, dass wir mit den ISS Mitteln finanzieren wollen. Die neue Rakete „Ariga“ wird aus einem Booster der Ariane 5 bestehen, der eine Vega huckepack trägt. Aufgrund der einfachen technischen Konzeption soll sie schon in drei Jahren zur Verfügung stehen und die Sojus für polare Starts ersetzen. Zeitgleich werden wir die Zuschüsse an Starsem einstellen. Die Firma darf weiter die Sojus vom CSG aus starten, doch wird sie sich genauso wie die ESA und CNES an den Fixkosten beteiligen müssen.

Die ISS war so teuer, dass wir nun durch die eingesparten Mittel auch an die Umsetzung von Exomars denken können. Wir hätten es sonst einstellen müssen. Weitere ESA Projekte die lange nicht über das Planungsstadium heraus kamen, wie Gaia oder das eines Europa oder Titanorbiters werden nun auch in den nächsten Jahren auf den Weg gebracht. Wir sind nun dafür nicht mehr auf die Zusammenarbeit mit der NASA angewiesen.“

Sein Resümee lautet: „Wir wollen zurück zu den Wurzeln der ESA. Die ESA wurde erfolgreich mit ihren Trägern und ihren wissenschaftlichen Missionen. Sie haben ihr weltweite Anerkennung eingebracht und unseren Ruf als Hochtechnologieregion mitbegründet. Wir haben den Fehler gemacht in ein Feld zu investieren, dass seine beste Zeit hinter sich hat, das heute jeder nur noch als ein Relikt des letzten Jahrtausends betrachtet: die bemannte Raumfahrt. Doch wir sind anders als andere Staaten noch fähig unsere Fehler zu korrigieren anstatt weiteres Geld zu verbrennen“.

Charles Boulden befragt zu den Entwicklungen bedauerte den Ausstieg Europas. Doch sei die Versorgung der ISS bis 2015 gesichert, da Jean-Jacques Dordain zugesagt habe die schon bestellten ATV weiterhin zu starten. „Danach dachten müssen wir sowieso die Versorgung neu regeln. Ich hoffe bis dahin können OSC und SpaceX die Lücke schließen, aber die rund 7 t pro Jahr fehlen uns, das bedeutet 3-4 zusätzliche Flüge pro Jahr und auch eine viel größere organisatorische Belastung als durch den Schwertransporter der ESA“. Die Roskosmos war wie die NASA schon vor der Presseankündigung unterrichtet worden und begrüßte dies. „Das eröffnet uns wieder Touristen zur ISS zu bringen. Wie stehen auch in Verhandlungen mit der ESA das Columbuslabor für diesen Zweck zu mieten. Die Nutzung von Swesda gestaltete sich durch den NASA Zuschuss immer schwierig und so haben wir endlich eine rechtlich einwandfreie Lösung um Touristen auf der ISS zu beherbergen.“

5 thoughts on “Ein Weltraummärchen

  1. Das ist die Idee: Wenn sich etwas nicht mehr lohnt, einfach Touristen rein. Das Prinzip wäre ja auch auf der Erde anwendbar: Die Truppen aus Irak und Afghanistan abziehen, und dafür Touristen hinschicken. Noch mehr Schaden anrichten geht nicht.

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