Das etwas andere Arbeitszeitkonzept

Ich arbeite ja derzeit wieder bei einer Firma und programmiere dort. Das mache auch recht gut oder um einen Mitarbeiter dort zu zitieren: „Bernd programmiert schneller als ich Pflichtenhefte schreiben kann“. Aber es ist auch recht anstrengend. Abends bin ich richtig fertig und wenn ich dann was mache, dann nur ein kleines Spielchen oder ich lege mich aufs Sofa und lasse mich berieseln und warte bis ein Kätzchen auf mich drauf hüpft, was derzeit sehr wahrscheinlich ist, da einer meiner Katzen wieder eine Intensivkuschelhase hat.

Es macht mir viel Spaß, zumal ich auch die Rückmeldung habe, dass mein seit 2001 gepflegtes Programm dort fleißig im Einsatz ist und auch genutzt wird. Aber es ist eben sehr anstrengend. Und das bringt mich zu meinem heutigen Thema: Arbeitszeit. Bei uns in Deutschland haben wir so um die 3 Millionen Arbeitslose und von den ALG-II Empfängern wollen ja auch einige arbeiten. Nicht zu vergessen die die aus der Statistik rausfallen wie die in Altersteilzeit befindlichen, die bei Umschulungen etc.

Auf der anderen Seite arbeitet der größte Teil der Bevölkerung 40 Stunden die Woche, viele sogar mehr. Dann bleibt in der Woche kaum Freizeit, wenn man noch die Zeit für die Fahrt zur Arbeit hinzurechnet und dann ist man eben meistens fertig. Es wird erwartet, dass man Vollzeit arbeitet. Teilzweitarbeit wie sie auch viele Alleinerziehende oder die Elternteile einer Familie die Kinder betreuen wünschen würden sind die Ausnahme. Warum also anstatt diesem propagierten Grundeinkommen ein anderes Konzept. Das der weniger Arbeitszeit für alle, dafür Vollbeschäftigung.

Nun ja es wird nie Vollbeschäftigung geben, weil es immer Stellen gibt, die nicht besetzt werden und Leute was suchen wo gerade eben keine Stellen vorhanden sind so z.B. bei den so beliebten Studienfächern Biologie, Philosophie und Germanistik. Aber von denen die Arbeit suchen, könnten die meisten auch Arbeit haben, wenn alle weniger arbeiten könnten. Genauso könnte man anstatt Ganztageskrippenplätze anzubieten, auch besser die Kinder von den Eltern betreuen lassen, wenn es möglich wäre, dass ein Elternteil eben nur halbtags abreitet.

Der Staat könnte ganz einfach die Rahmenbedingungen schaffen indem er das Steuersystem ändert. Es ist heute orientiert an dem Verdienst. Warum es nicht zumindest teilweise oder total auf die Arbeitszeit umstellen. Mein Vorschlag: Pro Arbeitsstunde pro Woche 1% Steuersatz. Also wer 20 Stunden arbeitet – 20 % Steuersatz. Wer 40 Stunden abreitet – 40% Steuersatz (entsprechend 50% mehr Lohn verglichen mit 20 Stunden). Anstatt allen Vergünstigungen beim Steuerrecht und Zuschüssen für Kinder gäbe es für Ehepaare die Regelung, dass die Stunden zusammengelegt werden können – Wenn ein Ehepartner also daheim ist, kann der andere seine Stunden mit übernehmen und zahlt bei 40 Stunden in der Woche auch nur 20% Steuer. Anstatt Kindergeld gäbe es 5 Arbeitsstunden pro Woche für das Ehepaar ohne Besteuerung. Workaholics werden viel Geld zahlen und wer nicht arbeitet, aber es könnte, bekommt eine Arbeit für 20 Stunden pro Woche angeboten, für die Allgemeinheit mit entsprechender Bezahlung. Bei Ablehnung gibt es eben dann nur Waren und Gemeinschaftsunterkunft in der Sozial-WG und Kleider aus der Altkleidersammlung. Denn anders als einige Blogleser meine ich dass der Staat sich zwar um alle kümmern sollte, die aus verschiedenen Gründen nicht arbeiten können, aber er nicht die soziale Hängematte ist für die die meinen auf Kosten der Allgemeinheit arbeiten zu müssen. Das bedeutet, dass diese eben auch mit Sanktionen rechnen müssen oder in diesem Falle: einem Lebensstil der das Studenten heute zugemutet wird, aber Harz-IV Empfängern nicht.

14 thoughts on “Das etwas andere Arbeitszeitkonzept

  1. Ich weiß nicht, ob es eine so gute Idee ist Einkommensteuer an die Arbeitszeit anlehnen zu wollen.

    Mir würde eher vorschweben, einen Großteil der Steuern und Abgaben, die z.Z. über den Arbeitslohn eingezogen werden, auf andere Steuern zu verlagern:
    – Finanztransaktionen (Toblin Steuer, aber modifiziert, so daß Derivate höher besteuert werden als Einkauf/Verkauf von Waren)
    – Erbschaftssteuer
    – Steuern auf Energie bzw. Treibstoffe
    – Steuern auf Rohstoffe
    – Steuern auf Transport und Verkehr
    – wenn möglich Steuern auf die Erzeugung von Lärm

    Begleitend wären dann auch die Subventionen für die Fahrt zur Arbeit etc. einzustellen.

    z.B.
    bei Einkommen unter 50T Euro im Jahr sollten gar keine Steuern anfallen.
    bei Einkommen unter 200T Euro im Jahr sollte keine Einkommensteuererklärung erforderlich sein.

    Ziel ist hier Arbeit im Verhältnis zu Material wieder billiger zu machen.
    Pflegekosten und das Gesundheitswesen werden entlastet.
    Reparieren statt wegschmeißen lohnt wieder.
    Stichwort Dienstleistungsgesellschaft.

    Wenn für die untersten Einkommensgruppen gar keine Steuern und Abgaben mehr anfallen, hat man das Problem der Schwarzarbeit gleich miterledigt.

    Ich erwarte nicht, das damit das Problem der Arbeitslosigkeit komplett gelöst wird.
    Es gibt immer Personen, die versuchen ihre Arbeit auf Kosten der Kollegen zu minimieren. Die werden dann irgendwann entlassen oder gemobt.
    (Wie übersetzt man „he doesn’t pull his weight“ angemessen ins Deutsche? Ich habe noch keine wirklich gute Übersetzung gelesen.)

    Ich erwarte schon, daß damit Personen wieder eine bezahlte Beschäftigung finden können, die arbeiten wollen, aber nicht in der Lage sind selbstständig zu arbeiten, sondern die nur als 3., 4. oder 5. Mann in einer Kolonne arbeiten können.
    z.B. Kolonne von fünf Mann mit Spaten statt zwei Mann mit Minibagger.
    z.B. Kolonne von fünf Mann mit Besen statt zwei Mann mit Laubsauger.
    z.B. Kolonne von fünf Mann zum Eintragen von Baumaterial statt Kran oder Aufzug.

  2. Mir ist eine Vollzeitstelle als Admin (plus eine Woche Notdienst im Monat) auch zu heftig, und ich habe seit Oktober glücklicherweise auf eine 60% Stelle reduzieren können. Die Arbeitstage sind immer noch heftig, aber jetzt kann ich mich wieder regelmäßig ausschlafen.

    Als ich von 1992-1998 in Stuttgart gearbeitet habe; bin ich beinahe mal mit einem Gewerkschafter aneinander geraten. Er wollte unbedingt eine 36 Stunden Woche bei vollem Lohnausgleich erreichen. Ich wollte eine Möglichkeit die Arbeitszeit von 50% bis 100% zu varieren, bei einem festen Stundenlohn. Das war für Ihn gar nicht akzeptabel, da könne es ja passieren, daß man weniger Geld mit nach Hause nehme.

  3. Vor allem: Was nützt die 36-Stundenwoche auf dem Papier, wenn man in der Realität eher 50 arbeiten muß?

    Kann man einen Strick um den Hals wirklich als Hängematte bezeichnen? Da wird ständig über Fachkräftemangel gejammert, aber versuch mal mit 60 eine qualifizierte Arbeit zu kriegen. Und dafür daß dich keiner einstellt, mußt du natürlich bestraft werden. So sieht das doch in der Realität aus, da ändert auch die Dummschwätzerei von der sozialen Hängematte nichts dran.

  4. Ich denke, das übliche 40 Std. Arbeitszeitmodell ist dem Umstand geschuldet, dass Arbeit schwer aufzuteilen ist. Wenn ein Mitarbeiter 40 Std. in der Woche z.B. programmiert ist er wohl effektiver als 2 Leute mit 20 Std. , die sich dann abstimmen müßten was wie zu machen ist.

    Unser Wohlstand beruht darauf, dass zunehmend Arbeit durch Kapital ersetzt wird. Durch die hohe und effiziente Automatisierung unserer Wirtschaft haben wir extrem niedrige Lohnstückkosten und sind dadurch international wettbewerbsfähig. Diejenigen aber, denen das Kapital gehört möchten ihren Gewinn natürlich nicht teilen.

    Wir stehen im internationalen Wettbewerb und das Kapital geht dahin, wo es optimal verzinst wird.

    Für Arbeitgeber ist menschliche Arbeit nach wie vor der dispositive Faktor. Vollzeitstelle und gegebenenfalls Überstunden, nur keine zusätzliche Verpflichtung eingehen und zusätzliche Leute einstellen….

    Das Steuersystem und das Rentensystem sind auf diese individuelle Vollzeitbeschäftigung ausgerichtet weil es die Realität ist.

    Der Arbeitnehmer wird nicht ausreichend an dem Effizienzvorteil beteiligt, Löhne und Gehälter müssten höher, Kapitalerträge geringer sein. Ist in einer Marktwirtschaft aber problematisch umzusetzen. Eine soziale Marktwirschaft haben wir schon lange nicht mehr.

    Verschärft werden die Probleme noch zusätzlich durch sog. „Zeitarbeit“. Der Arbeitnehmer erhält z.B. 8€ pro Stunde, der Arbeitgeber zahlt an den Verleiher 20 € pro Stunde. Von den 8 € werden so gut wie keine Einkommenssteuer und Rentenbeiträge gezahlt, die 12€ Differenz verschwinden im internationalen Finanzsystem. Als Rentner ist er dann auch noch auf Sozialhilfe angewiesen.
    Der Zeitarbeiter muss seine 40 Stunden in der Woche machen um überhaupt über die Runden zu kommen.

    Auch die soziale Dimension von Arbeit wird leider nicht ausreichend anerkannt weil sich niemand findet, der sie freiwillig bezahlt.
    Generell glaube ich aber auch, wir müssen „das Privileg“ Arbeit besser aufteilen.

    Privatisierung der Gewinne, sozialisierung der Verluste und das alles kreditfinanziert bis die Blase platzt. Willkommen in Euopa!

  5. Vielleicht ist das ja sogar so gewollt, daß die eine Hälfte der Bevölkerung abends kaputt und ausgepowert aufs Sofa fällt und zu nichts mehr den Kopf hat außer seichter Unterhaltung, während die andere Hälfte der Bevölkerung mit Behördenwillkür und sinnlosen „Maßnahmen“ systematisch demotiviert wird? Man stelle sich vor: Eine Bevölkerung, die frisch, entspannt und frohgemut ist … der Horror für die Klasse der Regierenden! Die könnten ja auf eigene Gedanken kommen!

    Ich hatte mal den Versuch gemacht, mit meinem Vater genau dieses Arbeitszeitmodell von erheblich mehr Teilzeitarbeit zu diskutieren. Hoffnungslos. Er gehört dieser Generation an, die in der Nachkriegszeit sozialisiert wurde und die jetzt das Sagen hat. Für diese Generation hat Arbeit keinen Spaß zu machen. Für die ist Arbeit etwas, wo man sich gefälligst aufzuopfern hat. Mein Vater hat mir zornig Sätze an den Kopf geworfen wie: „Du Faulpelz sollst gefälligst was arbeiten! Sonst kommst du noch auf dumme Gedanken! Warum soll es euch besser gehen als uns!“ Solange diese Einstellung zur Arbeit noch in den Köpfen der Entscheidungsebenen drin ist, dürfte sich da wenig ändern.

    Ich fürchte, da spielen also gewaltig die Themen Macht, Machterhalt und Machtdemonstration mit rein. Es geht im Arbeitsleben eben leider nicht nur darum, Produkte herzustellen oder Service anzubieten; im Arbeitsleben geht es zu einem erschreckend großen Teil darum, das Machtbedürfnis vieler Leute zu befriedigen. Wenn ich meine Untergebenen 50 Stunden in der Woche schuften lassen kann, dann befriedigt das mein Verlangen nach Macht erheblich besser als wenn sie nach 20 Stunden gehen um sich um ihren eigenen Kram zu kümmern.

  6. Klar ist das so gewollt, daß sich die einen totschuften, während die anderen nicht arbeiten dürfen. Ist schließlich ein gutes Geschäft. Wer macht schon pünktlich Feierabend, wenn angedroht wird bis zum Jahresende noch x Mitarbeiter zu entlassen? Also wird weitergearbeitet, so lange es geht. Da nie von Überstunden gesprochen wurde, werden auch keine bezahlt, die zusätzliche Arbeit wird aber trotzdem gemacht. Funktioniert besser als eine Sklavenpeitsche.

    Auch das mit der Leiharbeit läuft hierzulande geradezu kriminell. In anderen Ländern sind Leiharbeiter deutlich teurer als fest angestellte, und verdienen dadurch auch ordentlich. Durch die höheren Preise werden die auch nur dann eingesetzt, wenn wirklich ein kurzfristiger Engpaß überbrückt werden muß. Für den Normalbetrieb sind die einfach zu teuer, also werden bei längerfristigem Bedarf auch wieder Leute eingestellt.

    Hierzulande ist es umgedreht: Leiharbeiter sind billiger als festangestellte, und da die Verleiher auch Gewinn machen wollen, bekommen die Zeitarbeiter noch weniger. Statt wie es eingentlich sein sollte als Notlösung, werden Zeitarbeiter hierzulande als Dauerlösung eingestezt. Und wel sie billiger sind, werden sogar fest angestellte entlassen, von einer Zeitarbeitsfirma angeheuert und (natürlich für deutlich weniger Geld) an ihre alte Firma verliehen. Wenn es klappt sitzen sie dann sogar auf ihrem alten Arbeitsplatz.

    Daß so perverse Zustände erlaubt sind, ist der „Verdienst“ unserer ja ach so sozial tuenden Politiker. Hier könnten sie wirklich mal etwas für ihre Wähler tun, und die Wirtschaft würde das auch noch stärken. Aber dazu haben sie keine Zeit, ihr kindisches Machtgerangel ist ja viel wichtiger.

  7. Ist ein interessanter Vorschlag, aber Gerechtigkeit ist anders. Mit Deinem Vorschlag zahlt einer, der nur Geld zählt und verzockt keinen Beitrag für die Allgemeinheit, sondern ist nur Konsument der von anderen erarbeiteten Infrastrukturen. Beispiel Herr Merz mit einem Stundenlohn von €5000 für den Verkauf der West LB kommt prima mit 2% Steuern über die Runde, und der Leiharbeiter oder die Friseurin, die bei €4,50 mehrere Jobs machen muss zahlt dann locker 60 oder 70% Steuern. Menschen mit einkommen aus Vermögen zahlen dann sogar überhaupt nichts.

    Ich denke die Gründerväter unserer Republik haben schon gute Arbeit geleistet mit dem progressiven Steuersatz aufs Einkommen, mit einer Vermögenssteuer und einer Erbschaftssteuer. Ich denke es ist gerecht, wenn jemand bei einem Einkommen von über €100.000 (eventuelle Anpassung nötig) auch 50% Steuer bezahlt. Es wäre auch nur gerecht, dass er auch zu Zahlungen in die gesetzliche Krankenkasse und Renenversicherung verpflichtet ist. Deutschland ist eine Solidargemeinschaft in der die Bevorzugten durchaus für die Benachteiligten sorgen sollten. Es hat nach dem Krieg z.B. einen Lastenausgleich gegeben, bei dem die, die im Krieg ihr Eigentum verloren hatten, Geld für einen Neuanfang bekamen. Die Ungerechtigkeit kam dann, als bei der Wiedervereinigung plötzlich alte Rechte und Besitztümer wiederentdeckt und den alten Besitzern zurückgegeben wurden.

    Zur Schaffung von Arbeitsplätzen: Es gäbe genug Arbeit, aber solange Pflege und soziale Tätigkeit nicht anerkannt und entsprechend honoriert wird, sondern nur als Kostenfaktor gesehen wird sehe ich keine Chance. Es fehlt ein Umdenken.

    Bei Hartz4 sehe ich eine große Meinungsmache bezüglich der „Sozialen Hängematte“. Hier werden einfach unreflektiert Menschen ihrer Menschenwürde beraubt und plattgemacht. Ich denke das kommt daher, dass 90% der arbeitenden Bevölkerung ihre Arbeit nur sehr wiederwillig tut, und Menschen mit etwas mehr Zeit mit Neid und Missgunst verfolgt. Sehen wir an das andere Ende der Einkommensskala, da gibt es genug Menschen, die von Subventionen leben bzw. sich aufgrund von Machtverhältnissen mit unverhältnismäßigen Einnahmen versehen, die sich die Einnahmen selber bewilligen, oder nach selbstverschuldeten Verlusten vom Staat gerettet werden müssen.

  8. Ich habe mich nur auf die Einkommenssteuer bezogen. Ich habe nichts über andere Steuern gesagt. Gerecht sind aber auch Vorschläge wie von Buschmann nicht, denn dann muss fast keiner mehr Steuern zahlen (der letzte Freibetrag von 8000 Euro führt schon dazu, dass nur die Hälfte der Bevölkerung überhaupt Steuern zahlt).

    Ich habe auch eine dezidierte Meinung zu Vermögens- Kapitalertrag und Erbschaftsstuern. Die halte ich für in der derzeitigen Form für äußerst ungerecht, weil im Prinzip jeder bestraft wird, der selbst vorsorgt, Rücklagen bildet und sich nicht drauf verlässt, dass die staatliche Rente mal ausreicht. Jedes Einkommen sollte einmal besteuert werden, aber nicht viermal hintereinander (zuerst vom arbeitslohn, dann der Kapitalertrag, dann das Vermögen und wenn man stirbt noch das Erbe).

    Aber was kann man von einem Staat erwarten, der ja selbst nur Schulden macht …

  9. Erst einmal: Vermögensteuer in der derzeitigen Form? Die gibt es in Deutschland seit 1997 nicht mehr.

    Klar muß die Alterssicherung gewährleistet werden, nicht wie der jetzige Schwindel mit der Riesterrente. Man spart wie blöd, und wenn man arbeitslos wird krallt sich der Staat das Geld. Aber was spricht dagegen, ein Vermögen das diese Alterssicherung deutlich übersteigt zu besteuern?

    Bei der Mehrfachversteuerung fehlt auch noch die Mehrwertsteuer. Auch so eine Bürokratenlüge, das Geld ist ja dadurch weniger wert, nicht mehr. Nicht zu vergessen die verschiedenen Produktsteuern wie Salzsteuer, Tabaksteuer, Branntweinsteuer, Sektsteuer, Biersteuer.

    Also auch noch beim Geld ausgeben eine Mehrfachversteuerung.

  10. @Bernd
    1.) „Aber was kann man von einem Staat erwarten, der ja selbst nur Schulden macht“

    Das ist eine Aussage, die zwar sehr populär ist, aber die Wirklichkeit falsch darstellt. Der Staat stellt seinen (manchmal auch anderen) Bürgern Dienstleistungen und Infrastruktur zur Verfügung, die als Einzelpersonen nicht, oder nur für die oberen zehntausen zu organisieren sind. Ich denke da an Schulen, Krankenhäuser, Autobahnen, Gerichtswesen, Polizei, soziale Absicherung etc.. Diese Dienstleistungen kosten etwas, bzw. die Infrastruktur stellt einen Wert dar. Diese Leistungen werden durch Steuern bezahlt.

    Wenn also dann Politiker hingehen, und ihren Wählern versprechen: „Wir wollen Euer Geld nicht, sondern können alles viel billiger“, und deshalb die Steuern senken (Spitzensteuersatz gesenkt von 53% auf 35%), dann führt das dazu, dass Fehlbeträge im Haushalt auftreten, die über Schulden finanziert werden müssen.

    Also macht der Staat nicht nur Schulden, sondern der Fehler liegt darin, dass er sein Leistungen zu Dumpingpreisen zur Verfügung stellt.

    2.) Besteuerung von Vermögen
    Wiso gehst Du davon aus, dass das Vermögen der Reichen schon einmal, oder mehrmals versteuert worden ist?
    Beispiel: Lottogewinn 1Mio ohne Arbeit und ohne Einkommensteuer
    Beispiel: Erbschaft Firma für 50Mio ohne Arbeit und ohne Einkommensteuer.
    Beispiel: Einnahmen aus Aktienpaket 50.000 ohne Arbeit zur Abschlagssteuer von 25% unabhängig von weiteren Einnahmen.

    Es wird immer so getan, als ob Steuern eine Bestrafung für Leistungsträger ist. In Wirklichkeit sind unterschiedliche Steuersätze ein Ausgleich zwischen hart arbeitenden Menschen in benachteiligende Positionen, und hart arbeitenden Menschen in bevorzugenden Positionen.

    Ich sehe die Ausgestaltungsmöglichkeiten in dem nach Steuer zum Leben verbleibenden Einkommen. Daher sind auch Freibeträge sehr sinnvoll. Diese müssen natürlich der Inflation angepasst werden.

    @Andreas Buschmann
    Warum wieder zur Arbeit mit Spaten und Besen zurückkehren, wenn doch eine einfache Verkürzung der Arbeitszeit dasselbe Ergebnis hat? Es gibt noch genug andere Arbeit, die man bei entsprechender Bezahlung durchführen könnte, angefangen vom Gesundheits und Pflegebereich über Weiterbildung zu Forschung. Dabei immer bedenken, dass die Ausgaben des einen immer auch die Einnahmen des anderen darstellen. Jemand der gut verdient kann auch wieder mal im Restaurant essen und den Friseur bezahlen. Die ganze Sparwut zur Zeit führt doch nur dazu, dass keiner mehr Geld in der Tasche hat.

  11. Falsche Angaben sollte man vermeiden. Der Spitzensteuersatz beträgt 45% und nicht 35%.

    Und ja das Vermögen wurde schon mal besteuert, alle deine Beispiele bis auf den Lottogewinn sind nicht steuerfrei. Der Unterschied ist nur, dass bei Vermögen und Erbschaft in der Vergangenheit die Steuer bezahlt wurde. Gerade bei Firmen ist die Erbschaftssteuer ein gutes Mittel diese in den Ruin zu treiben, weil zwar die Firma den Wert hat aber nicht so viel flüssiges Kapital vorhanden ist.

    Aktiengewinne müssen besteuert werden, sie sind bei der Einkommensteuererklärung anzugeben. Aktienverluste dürfen aber nur begrenzt von der steuer abgezogen werden und Depotgebühren seit diesem Jahr gar nicht mehr. Also bei den Gewinnen immer dabei sein, die Verluste darf der Investor tragen.

  12. Daß die Erbschaftssteuer eine Firma in den Ruin treibt muß nicht sein. Das liegt letzten Endes nur an der dillettantischen Art, wie diese Steuer eingetrieben wird. Der Staat ist da sehr kurzsichtig und will unbedingt Bares sehen. Würde die Erbschaftssteuer in Form eines Firmenanteils geleistet, gäbe es keinerlei Probleme. Nur daß der Staat das Geld eben nicht sofort erhält. Auf diese Weise würden die Betriebe langfristig portionsweise verstaatlicht.

  13. @Bernd
    35% sorry mein Fehler. Genau ist 42% bei €52.882 bis
    €250.731 danach 45% konstant.

    Was ich ausdrücken möchte ist, dass der Mensch mit Einkommen gemäß Freibetrag monatlich €667 zum Leben hat, der mit „Reichensteuer“ hat zumindest €11.491 zum Leben. Es bleiben ihm also auch mit etwas höheren Steuerabzügen etwa 17 mal mehr Geld im Monat übrig.

    Weiterhin kann es sein, dass Erbe aus einkommensversteuertem Besitz stammt, aber es ist für den Erben kein eigener Verdienst. Also im Rahmen der Gerechtigkeit durchaus ein Grund für einen Ausgleich zu sorgen. €500.000 Freibetrag unabhängig von selbst bewohntem Wohneigentum sind auch nicht gerade wenig. Auch sind meines Erachtens 10 Jahre zinsfreie Stundung der Erbschaftssteuer genug Zeit, damit eine 23Mio € Firma eine 30% Erbschaftssteuer erwirtschaftet ohne in Konkurs zu gehen.

    Einnahmen aus Vermögen werden pauschal mit 25% Abgeltungssteuer belastet, und nicht mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz. Nur wenn der Einkommenssteursatz unter 25% liegt, kann man etwas zurückbekommen.

    Nun aber zurück zum Thema des Blog:
    Es muss möglich sein von seiner Arbeit zu leben, und da kommt dann der Stundenlohn ins Spiel. Die Steuern und Sozialabgaben sind zwar ein wesentlicher Teil, beruhen aber auf den Einkommen. Wenn es schon dabei hapert, dann bringen Steuer und Abgabenentlastungen gar nichts. Schon gar nicht, wenn wie in dem Artikel vorgeschlagen nicht das Einkommen sondern die Arbeitszeit besteuert werden soll.

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