Darf man den Joghurtdeckel ablecken (Konservierungsstoffe)?

Ja, denn sie sind weder in Joghurt zulässig, noch nötig. Im Allgemeinen ist die Verwendung von Konservierungsstoffen in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen gehören Konservierungsstoffe zu den beim Verbraucher unbeliebtesten Zusatzstoffen. Bei vielen schwingt im Unterbewusstsein mit, dass damit Lebensmittel „geschönt“ werden sollen, also Lebensmittel, die nicht mehr lange haltbar sind, sollen so noch länger verkauft werden können. Das ist bei der industriellen Herstellung in der Regel nicht der Fall. (Schwarze Schafe wie beim Gammelfleischskandal gibt es überall, und dort wurden auch keine Konservierungsstoffe eingesetzt, sondern das Fleisch durcherhitzt, sodass man keine geruchlichen Veränderungen bemerkte).

Auch die Industrie verzichtet lieber auf Konservierungsstoffe, weil keiner von ihnen unproblematisch ist. Die meisten sind geschmacklich auffällig. Das ist inzwischen auch möglich, da die Herstellung noch steriler als vor wenigen Jahrzehnten ist. Es wird die Kontamination mit Mikroorganismen bei der Herstellung verhindert und dann das Produkt unter Schutzgasatmosphäre verpackt. Das erlaubt es, auf Konservierungsstoffe zu verzichten.

Selbst wenn, dann sind die eingesetzten Mengen an Konservierungsstoffen zu gering, um für den Menschen irgendwelche Auswirkungen zu haben. Sie reichern sich auch nicht an bestimmten Stellen wie dem Deckel an, sondern sind gleichmäßig in der Masse verteilt.

Es gibt aber zwei Konservierungsstoffe, die sollte man nicht verzehren. Das sind Stoffe, die auf die Rinde von Käse und Zitrusfrüchten aufgebracht werden, um den Schimmelbefall zu verhindern. Bei Käse ist es so, dass durch die Mikroorganismen die für die Reifung eingebracht werden, das Innere geschützt ist und wenn er Wasser verliert, wird er auch so fest, dass Pilze von außen kaum eindringen können. Sie können sich jedoch auf der Rinde ansetzen, und da Käse über Wochen reift, können sie sich dort vermehren. Dort kann daher das Antibiotikum Natamycin eingesetzt werden. Es wirkt gegen Pilze, nicht jedoch gegen Bakterien, beeinflusst also nicht die Mikroorganismen, welche die natürliche Bakterienflora bilden. Es darf maximal 5 mm tief in die Rinde eindringen, und diese 5 mm sollte man auch verwerfen. Da Natamycin auch als Antibiotika für die Behandlung von Pilzinfektionen der Haut und des Darms (Candida-Pilz) eingesetzt wird, sollte man sich auch dran halten, um Resistenzen vorzubeugen.

Der zweite Konservierungsstoff, der nicht dazu bestimmt ist, mitverzehrt zu werden ist Thiabendazol. Thiabendazol wird bei Zitrusfrüchten (Zitronen, Limonen, Limetten, Orangen) auf die Schale aufgetragen um den Befall mit Schimmelpilzen zu verhindern. Nur werden sie diesen anders als Natamycin nicht deklariert finden. Seit 1998 ist Thiabendazol kein Zusatzstoff mehr, sondern Fungizid. Das bedeutet, dass nun der Einsatz nicht mehr deklariert werden muss. Es hat sich aber beim Einsatz nichts geändert. Nach wie vor wird Thiabendazol mit Wachsen auf die Schale aufgebracht. Nur muss er nicht deklariert werden.

Da sich der Einsatz inzwischen herumgesprochen hat, ist die Nachfrage nach unbehandelten Zitronen und Limetten deutlich angestiegen, da hier die Schale für verschiedene Gebäcke, Getränke oder Desserts benötigt wird. Untersuchungen der Untersuchungsbehörden zeigen, dass es hier viele Früchte mit deutlichen Rückständen gibt. Es wird dann Thiabendazol zwar nicht über ein Wachsen nach der Ernte eingebracht, aber dann eben, während die Frucht noch reift. Der Effekt ist der gleiche. Es wandert ind die Schale ein und wirkt dort als Fungizid. Sicher vor dieser Praxis kann man eigentlich nur sein, wenn man Früchte aus biologisch/ökologischem Anbau kauft.

Zurück zur Frage: Der Fragensteller hatte eigentlich die Mutmaßung, da in Joghurt keine Konservierungsstoffe die Hersteller diese auf die Deckel aufbringen. Doch weder ist das zulässig, noch sinnvoll. Joghurt ist durch die Bakterien selbst geschützt: die bei der Herstellung eingebrachten Milchsäurebakterien haben sich soweit vermehrt und den pH-Wert soweit abgesenkt, dass andere Bakterien sich nicht vermehren können. Selbst wenn Konservierungsstoffe auf dem Deckel wären, dann würden sie nur die Oberfläche schützen, denn der Inhalt ist ja schnittfest und wird nicht mehr durchgerührt.

4 thoughts on “Darf man den Joghurtdeckel ablecken (Konservierungsstoffe)?

  1. Sehr interessant, vor allem wenn man gerne Caipirinha trinkt, bei dem die Limetten inklusive Schale ins Glas wandern.
    Das mit dem Deckel beim Joghurt war aber anders gemeint: jemand hatte mir mal erzählt, dass Konservierungsstoffe im Joghurt nicht zulässig sind und deshalb die Hersteller diese an die Deckelunterseite sprühen würden. Das hielt ich schon damals für Unsinn, aber da ich das öfter als nur einmal gehört habe, hat sich dieses Gerücht ja vielleicht etwas weiter verbreitet, und Dein Buch könnte damit aufräumen.

  2. Deswegen sage ich ja immer zumindest die Fragesteller sollten sich bei den Artikeln melden. Sonst sind solche Missverständnisse nicht ausräumbar.

    Ist um eine Passage speziell zum Joghurt erweitert worden.

  3. Schöner Artikel, der mit einem weit verbreiteten Gerücht aufräumt.

    Drei kleine Ergänzungen (von einem leidenschaftlichen Deckel-Ablecker):
    * Es gibt eine gewisse Verletzungsgefahr beim Deckel-Ablecken: Der Aludeckel ist ja scharfkantig.
    * Wie sieht es mit den Klebstoffen aus, die den Alu-Deckel auf dem Plastikbecher halten? Auch ungefährlich?
    * Zur Konservierung wird Joghurt m.W. in der Regel erhitzt. Nicht ganz so hoch wie H-Milch, daher muss man Joghurt weiterhin kühlen, aber schon hoch genug, um die meisten Bakterien abzutöten, inklusive der meisten Bakterien der Joghurt-Kulturen. Das gilt insbesondere für die diversen gesüßten Frucht-Joghurts, jedoch in geringerem Maß für ungesüßten „sauren“ Milch-Joghurt. Stimmt das?

    Kai

  4. Also die ersten beiden Sachen haben definitiv nichts mit dem Kern der Frage zu tun. Die Klebstoffe für den Deckel unterliegen aber auch dem LMBG, da derr Deckel ein Bedarfgesgenstand ist, also einer der mit Lebensmitteln und/oder Haut und Schleimhaut in Beürhung kommt. Deise müssen also auch so beschaffen sein, dass da keine toxischen Stofe abgegeben werden.

    Normaler Joghurt wird aus pasteurisierter Milch hergestellt und die zugegebenen Startkulturen verhindern, dass sich andere Bakterien vermehren, dazu ist er recht sauer. Er ist so natürlich konserviert und bei tiefen Temperaturen können sich die Milchsäurebakterien auch nicht stark vermehren.

    Fruchtjoghurt muss schon wegen der Fruchtzugabe pasteurisiert werden, sonst würde der dort enthaltene Zucker weiter ergärt werden. Naturjoghurt wird nicht pasteurisiert, sonst würde das gesamte Eiweiß-Wassergerüst zerfallen und sich das Wasser abtrennen. Daher findet man bei Fruchtjoghurt oft auch zugesetzte Dickungsmittel wie Alginate.

    Auf der Website gibt es dazu auch einen Aufsatz:
    http://www.bernd-leitenberger.de/fermentierte-milcherzeugnisse.shtml
    Hier erst später, weil ich mehr Fragen bearbeite als ich Blogs veröffentlichen kann.

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