Die schlechtesten Songs aller Zeiten / So wirds nichts mit Plastiksprengstoff

Als ich ein Lied im Radio hörte wurde mir klar, dass ich in dieser Rubrik schon einige Zeit nichts mehr hatte. Doch das heutige Lied gehört dazu, es ist „When the Rain beginns to Fall“ it Pia Zadora und Jemaine Jackson. Der letztere tut mir leid, weil er nichts dazu kann, auch nicht das Lied, aber Pia Zadora singt definitiv falsch, das geht schon mit ihrem ersten Einsatz los. In den USA kletterte das Lied nur auf Platz 54, bei uns wo auch Lieder wie „Schni-Schna-Schnappi“ auf Platz 1 kommen, natürlich Platz 1.

Immerhin hat Pia Zadora danach das Auftreten ohne Bekleidung in Filmen und das Singen aufgegeben und einen Millionär geheiratet. Den letzten Auftritt den ich vorn ihr wahrnahm war als Millionärsgattin, also sich selbst spielend in die Nackte Kanone 33 1/3. Allerdings habe ich Wikipedia entnommen, dass sie nun wieder angefangen hat zu singen.

Dann kam am Dienstag Abend „Mord mit Aussicht“, wo zwei Täter Keramiken sprengen. „Lausbuben“ mit Plastiksprengstoff und ein Attentäter mit TNT. Darauf entspann sich dieser Dialog:

Dumme Jungen Streiche mit Plastiksprengstoff“?

„Das sieht man heute im Internet“ – geht an den Computer und macht eine Website auf, dort steht:

„Die erforderlichen Chemikalien bekommt man in jeder Drogerie: Blondiercreme und Nagellackentferner“.

So so… Okay ich gebe gerne zu, dass ich nicht auswendig weiß, woraus Plastiksprengstoff besteht, ich hätte aber 100 Euro drauf gewettet das es ein hochnitrierter Aromat wie Trinitrotoluol (TNT) oder Piktrinsäure ist. Ein kurzer Griff in das Bücherregal bestätigt: Aromaten mit Gruppen mit einem +M Effekt können mit Nitriersäure (einem Gemisch hochkonzentrierter Salpetersäure und Schwefelsäure) quantitativ nitriert werden. Bei -I Effekten, wie sie bei der Piktrinsäure, die aus Benzoesäure hergestellt wird, sulfoniert man zuerst und tauscht dann durch Nitriersäure die Sulfatgruppen aus. Beide Synthesen sind keine Hexerei, aber die Chemikalien gibt es nicht in der Drogerie.

Das Nachschlagen in der Wikipedia bestätigt: Plastiksprengstoff enthält neben der Plastiziersubstanz als Sprengstoff Cyclotrimethylentrinitramin. Das ist eine nitrierte Triazinverbindung (andere Triazine sind die umweltrelevanten, weil schwer abbaubaren Atrazine, die als Herbizide eingesetzt werden). Es ist noch leichter nitrosierbar als Aromaten und man benötigt keine Nitriersäure, konzentrierte Salpetersäure reicht. Das Problem ist eher, dass es bei der Synthese leicht explodiert, weshalb man es in der industriellen Produktion aus Urotropin, einem Kondensationsprodukt von Formaldehyd und Ammoniak mit Ammoniumnitrat herstellt. Damit ist die Nitrosierung und die Temperatur besser steuerbar. Hexogen ist anders als TNT erst sicher zündbar, wenn es mit der Plastifizierungssubstanz vermischt ist. Isoliert ist es hochexplosiv. Das ist so ähnlich wie beim Nitroglycerin, dass schon durch starken Stoß explodiert und in Kieselgur gebunden den absolut sicheren Sprengstoff Dynamit bildet.

Kurzum: Für Laien ist Cyclotrimethylentrinitramin zu explosiv um es herstellen zu können. Doch dies geht auch nicht mit Substanzen aus der Drogerie. Ich vermute eher das etwas anderes gemeint ist: Nagellackentferner enthalten ein Lösungsmittel: Ethylacetat (Essigsäureethylether) oder Aceton, Blondiercreme Wasserstoffperoxid. Aus diesen Substanzen kann man tatsächlich einen Sprengstoff herstellen nämlich Acetonperoxid, darüber habe ich schon einen Blog geschrieben. Das ist der Sprengstoff, denn die Attentäter in der Londoner U-Bahn eingesetzt haben. Nur passt das nicht zu der Angabe. also wirklich schlecht recherchiert. Nun zumindest eines hat Acetonperoxid mit Cyclotrimethylentrinitramin (auch RDX oder Hexogen genannt) gemein: die Empfindlichkeit. Mit diesem Sprengstoff wären die Gegenstände schon explodiert wenn man sie abgesetzt hätte….

4 thoughts on “Die schlechtesten Songs aller Zeiten / So wirds nichts mit Plastiksprengstoff

  1. Also wirklich Bernd, in der Regel stimme ich in dieser Rubrik ja mit Deinen Meinungen überein, aber diesmal absolut nicht! – Das ist meiner Meinung nach eines der besten Lieder, die in den 80er Jahren produziert wurden.
    Und das mit Schni Schna Schnappi zu vergleichen geht ja auch nicht, weil da so runde 30 Jahre dazwischen liegen. Dann schon eher mit dem Ententanz von etwa 1980. Aber der ist wenigsten wieder so albern dass man sich darüber köstlich amüsieren kann, und deshalb eigentlich auch schon wieder gut.
    Aber wie wäre es denn zur Abwechslung mal mit den besten Liedern aller Zeiten?

    Und was die Sprengstoffe angeht, so glaube ich da eh nichts von dem, was man in diversen Filmen oder Serien dazu gezeigt bekommt. Meisst stimmt es eh nicht, und wenn doch, hat man auch nichts davon. Was soll man als Otto Normalverbraucher auch mit Sprengstoff anstellen?

  2. Die Frage war eher rhetorisch gemeint. – Ich weis natürlich, was man damit anfangen kann. Die Frage ist dann wohl eher, ob man das als Otto Normalverbraucher auch tun sollte, oder ob man die Anwendung nicht doch lieber den Fachleuten überlässt?

  3. Ich habe keinen Bedarf an Sprengstoff, komme also nie auf die Idee welchen zu beschaffen oder herzustellen. Als Kind hab ich mich natürlich für allerlei Unsinn interessiert. Schwarzpulver herzustellen wäre mir möglich gewesen, wir hatten das an der Schule in Chemieunterricht auch mal gemacht. Mir genügte aber die Warnung des Lehrers, dass sich das schon bei der Herstellung entzünden könnte, es nicht zu probieren. Nie käm ich auf die Idee mir unbekannte Substanzen aus dem Internet zu mir unbekannten Reaktionen zusammenzumischen. Ich hab nur 10 Finger und 2 Augen und die sollen mir doch bitte erhalten bleiben!

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