Raumfahrtwünsche an den Weihnachtsman

Ich habe mir mal überlegt, was ich zu Weihnachten denn besinnliches schreiben könnte, ohne das es zu sehr ins private abgleitet. Doch dann kam mir eine Idee: Meine Raumfahrt-Wünsche an den Weihnachtsmann.

Mein wichtigster Wunsch: ich wünsche mir mehr Planetenmissionen von ESA und NASA, und vor allem welche ins äußere Sonnensystem. 2013 wird von den beiden Raumfahrtagenturen nur MAVEN starten, ein schon um zwei Jahre verschobener Aerologie-Klimaorbiter zum Mars. Raumsonden von Indien und China sind für 2013 angekündigt, doch von denen erfährt man noch weniger als von denen der großen Agenturen und so sind die selbst für interessierte Laien wie mich uninteressant.

Der nächste Wunsch geht an EADS/ESA: Konstruiert eine ESC-B, auf die man als Ariane/Raumfahrtfan auch stolz sein kann, also bitte keine, die wie geplant eine Leermasse von 6-6,2 t hat, sondern eine die in den Regionen liegt die auch andere Nationen erreichen. Als Nebeneffekt sollte auch die Nutzlast ansteigen, was eigentlich ja Anreiz genug sein sollte. Das könnte dann ja dann vielleicht sogar noch die Ariane 6 überflüssig machen. Da die ESA die Stufe ja will, wegen ihrer Wiederzündbarkeit und der dadurch gewonnenen Flexibilität bei wissenschaftlichen Missionen (ich gebe das nur mal so weiter, ich habe selbst meine Zweifel, wie schlüssig diese Argumentation ist) sollte auch hier die Reduktion des Gewichts für noch mehr Flexibilität, vor allem für Planetensonden, wo die Nutzlast ja dann rapide abnimmt, gewünscht sein.

Bei der bemannten Raumfahrt wünsche ich mir nach vielen Jahren mit Hin- und Her eine Planungssicherheit. Die ESA will nun ja das Servicemodul für Orion entwickeln, mit einem engen Zeitplan, schlussendlich werkelt die NASA schon seit 7 Jahren an dem Vehikel rum (in der Zeit hat man in den Sechzigern das komplette Gemini-Programm von der Bewilligung bis zum letzten Flug durchgezogen!), doch wofür Orion denn nun gut sein soll, weiß noch keiner, denn zur ISS sollen ja andere Vehikel fliegen. Da gab es dieses Jahr die dritte Runde der CCDev Ausschreibung, in der sich die NASA wieder nicht auf einen Kontraktor einigen konnte, nun geht es weiter bis zum CDR, doch da dann 2014 über die eigentliche Entwicklung beschlossen wird, glaubt keiner mehr an einen Flug eines der Vehikel vor 2016.

Gleichzeitig wurde die NASA durch Kongressbeschluss zur Entwicklung der SLS verdonnert und was man mit SLS/Orion wohl wirklich machen kann, oder will (wo kommt das Geld dafür her) weiß noch keiner so richtig. Dabei ist noch nicht mal die Verlängerung des ISS Betriebs bis 2020 vertraglich ratifiziert und Nauka, das seit Jahren angekündigte zweite russische Modul, soll angeblich am 11.12.2013v ins All befördert werden. Da der Start sich schon um 4 Jahre verschoben hat, glaube ich eher an 2014, an die Pläne für drei weitere russische Module noch weniger. Folgt man den russischen Nachrichten, so entwickeln sie ja dauernd was neues, von neuen Triebwerken mit exotischen Treibstoffkombinationen bis hin zu Raumsonden. Nur werden ja nicht mal die seit Jahren laufenden Projekte wie eben Nauka, Angara oder Venera-D fertig. Dabei scheinen sie so knapp bei Kasse zu sein, dass die bei der NASA die Verlängerung der Aufenthaltsdauer an der ISS auf ein Jahr durchgesetzt haben, um mehr Touristen ins All zu befördern. Ihr wisst, ich halte sehr wenig von bemannter Raumfahrt, aber wenn man sie betreibt, dann wenigstens richtig und zielorientiert und konsequent.

Zuletzt mein größter Wunsch: mehr Fakten von SpaceX. Wenn man aufmerksam recherchiert merkt man ja einiges. So dass die veröffentlichten Startkosten für die NASA/DoD nicht zu denen auf der Webseite passen (JSAN 2014 für 83 Millionen Dollar, Deep Space Climate Observatory, ebenfalls 2014 für 97 Millionen Dollar und  Space Test Program 2 auf einer Falcon Heavy für 162 Millionen Dollar.  Das sind 79 und 26% mehr als auf der Website angegeben. So muss sich Arianespace, die dieses Jahr 50 erfolgreiche Flüge mit der Ariane 5 in Folge erreicht hat und sieben Starts mit 13 Nutzlasten absolviert hat keine Sorgen machen. Aber die meisten (inklusive der Medien) glauben ja dieser Firma alles, obwohl nur ein Blick auf ihr Launchmanifest zeigt, dass sie viel versprechen und wenig halten. Nach dem Internetrarchiv von Juli 2011 sollten bis Ende 2012 vier Resupplyflüge, der Start im Auftrag von MDA und der Jungfernstart der Falcon Heavy erfolgt sein – gerade mal ein Start aus dieser Liste ist erfolgt. Wer nicht mal für das nächste Jahr korrekt planen kann, der kann mir viel erzählen. Am besten ihr geht mal an die Börse, dann müsst ihr eine Bilanz vorlegen und wahrscheinlich wird er deswegen von Jahr zu Jahr verschoben. Tesla Motors, Musks zweites Unternehmen kommt ja auch dauernd in den Medien. Wer sich ihre Bilanz anschaut, der stellt aber fest, dass sie seit sie an der Börse sind, Verlust machen, 2011 bei 200 Millionen Dollar Einnahmen 250 Millionen Dollar mieße. Ich vermute bei SpaceX nichts anders oder den Einsatz des Schneeballsystems – mit den Vorauszahlungen bisherige Unternehmungen finanzieren. Das geht spätestens dann in die Hose, wenn jemand sein Vertragsausstiegsrecht in Anspruch nimmt. Es wird schon gemunkelt, SES wird abspringen, weil SpaceX nicht den fristgerechten Start einhalten kann, obwohl er schon vor zwei Jahren gebucht war. Arianespace wird ihn wohl einfach mit reinschieben können. Na ja eben der Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit….

Einen persönlichen Wunsch habe ich noch an den Raumfahrt-Weihnachtsmann: Dass der Abwärtstrend bei meinen Bücherverkäufen sich umkehrt und wieder das Niveau von 2010 erreicht, dann könnte ich mir den Ausstigesbeschluß auch nochmals überdenken.

Mit diesen Gedanken entlasse ich euch ins Weihnachtsfest, das zumindest bei mir nach der Wettervorhersage eher warm als weis werden wird. Da ihr über die Festtage sicher anderes zu tun habt als Blog zu lesen, gibt es dann am 27.sten Neues von mir.

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