Vergleichen wir mal

Vergleiche sind doch heute so aktuell: ALDI vs LDL,  Nivea vs. No Name. Was also liegt näher mal zwei Raumfahrtfirmen zu vergleichen? Sinnvollerweise welche mit ähnlichen Produkten und da bietet es sich, nun da OSC sein COTS Programm abschließen wird an. Die beiden Konkurrenten zu vergleichen. Ich greife mal auf ein altes Stilmittel aus der Schulzeit zurück und führe mal einigen Tatsachen in Tabellenform auf:

SpaceX OSC
COTS Auftrag erhalten 18.8.2006 22.1.2008
Jungfernflug Trägerrakete 4.6.2010 21.4.2013
Abschluss COTS Programm Planung September 2009 Dezember 2010
Abschluss COTS Programm tatsächlich 31.6.2012 24.10.2013
Verzögerung 974 Tage 1089 Tagen
Ab Vertragsabschluss 2113 Tage 2163 Tage
Vertragsumfang COTS + Nachschläge 471 Millionen Dollar 388 Millionen Dollar
Vertragsumfang CRS 1,6 Milliarden Dollar 1,9 Milliarden Dollar
Anzahl Flüge 12 8
Nutzlast zur ISS beim COTS Flug 520 kg 700 kg
Nutzlast zur ISS durchschnittlich pro Flug 1.666 kg 2.500 kg
bei einer Nutzlast der Trägerrakete von 13.230 kg 5.600 kg
Nutzlastanteil: 12,6% 44,6%
Kosten eines Starts 59 Millionen Dollar 85 Millionen Dollar
Zusammenarbeit mit der NASA keine Test der Triebwerke am Stennis Testcenter
Informationspolitik Twitter Meldungen durch Elon Musk frei verfügbare Fact Sheets, Detailinformationen über NASA NTRS verfügbar
Verhalten bei Problemen Verschweigen oder von „Anomalies“ reden Pressemitteilung mit genauer Ursache und geplanten Aktionen
Einstufung seitens der NASA Firma muss drei Testflüge bis zum ersten Versorgungsflug durchführen Zwei Testflüge bis zum ersten Versorgungsflug

In vielen Parametern wie Zeitverzögerung oder Gesamtkosten für die NASA (CRS+COTS zusammengerechnet) sind die Unterschiede klein, im einstelligen Prozentbereich. Die Startkosten sind nominell bei SpaceX niedriger, allerdings liegen veröffentlichte Startkosten seitens der NASA/DoD deutlich höher bei 83 bzw. 97 Millionen Dollar. Da ist der Unterschied zu Orbital nicht mehr sehr groß, zumal die NASA sehr gut auch mit der Nutzlast der Antares auskommt. NASA und DoD werden wenn sie Nutzlasten im Bereich der Falcon 9 haben, weiterhin vornehmlich auf die Träger von ULA zurückgreifen. Gerade erst wurde wieder ein neuer Block an Trägern bestellt, sodass die nächsten Jahre kein Bedarf besteht.

Stattdessen dürften andere Parameter den Ausschlag geben. Bei den bisherigen Flügen fertigten NASA Mitarbeiter Fotos der Rakete und Dragon an und wollten diese – wie sonst selbstverständlich bei jedem Start auch wenn die Vorbereitungen nicht nur von NASA Personal durchgeführt waren, veröffentlichen. SpaceX untersagte dies. Erst 6 Monate später standen die Bilder bei Nasaimages. Anomalien werden verschweigen und dürfen auch nicht von der NASA veröffentlicht werden. Dann hat die NASA den Start von Jason-3 auf der Falcon 9 gebucht die beim Vertragsabschluss schon dreimal gestartet war, nun wechselt SpaceX aber einfach die Trägerrakete aus. So macht man sich nicht beim Hauptkunden beliebt. Die gesamte Geheimnistuerei, inklusive dem Verschweigen von Vorfällen bzw. das Verdonnern von NASA auch nichts darüber zu veröffentlichen ist in einer Organisation bei der Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiges Gebot ist, wohl auch nicht das womit man Vertrauen schafft.

Ich wage zu prophezeien, dass SpaceX daher auch in Zukunft nicht mit allzu vielen Regierungsaufträgen rechnen kann. Einige könnten es bei OSC sein, allerdings auch nicht viele, weil der Grund für das Ausmustern der Delta II war ja, das es zu wenige Nutzlasten für diesen Träger gab. Wie viel die NASA SpaceX zutraut zeigt sich darin, dass sie nach dem Fiasko mit JASON-3 lieber von Boeing noch einige Delta II aufkaufte, obwohl dann noch Extrakosten für die Wiederaufnahme der Produktion und der Inbetriebnahme der Startanlage zukamen.

Was bleibt, ist dass die Firmen die Nachrichtensatelliten starten eine neue preiswerte Startgelegenheit haben. Der Forschung wird’s nichts nützen, nur einige Firmen werden mehr Profit machen und eventuell machen andere Launch Services Provider Verluste. Da Arianespace in diesem Segment führend ist, wird ein Erfolg von SpaceX wohl am ehesten dieser Firma zum Nachteil werden. Unter diesem Gesichtspunkt kann ich vor allem bei europäischen im speziellen deutschen Raumfahrt Fans die Begeisterung für die Firma nicht nachvollziehen. Aber was soll man schon in einem Land von den Leuten erwarten, für die nur der Preis gilt und „Geiz ist Geil“ eine Nationalmentalität ist?

3 thoughts on “Vergleichen wir mal

  1. Ich schlage vor, in der Auflistung Space X und OSC zu vertauschen 🙂

    Im übrigen bin ich durchaus für den Erfolg von SpaceX und OSC…. damit diesen bräsigen Europäern und ULA mal ein bissle ein Feuerchen unter dem Hintern gemacht wird.
    Grade die Europäer haben doch mit Airbus und Ariane (1-4) bewiesen, dass sie es gerade mit High-Tech können, aber anscheinend blos unter Druck.

    LG
    Mike

  2. Auch die Firmen, die Nachrichtensatelliten starten, bzw. deren Versicherungen wollen Transparenz. So lange SpaceX nicht zu dieser bereit ist, werden sie sich um Aufträge bringen. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht schlimm, denn sie haben eh mehr Aufträge in ihrer Liste, als sie in den kommenden zwei, drei Jahren selbst unter positiven Annahmen (kein Fehlstart, kein Streik, kein Verlust von Startrampen etc. pp.) abarbeiten können.

    Positiv ist, dass es im Raketenmarkt nun mehr Konkurrenz gibt, insbesondere für solche Nutzlasten, für die die Proton einfach zu groß ist.

    Kai

  3. Generation Twitter / Facebook….

    Für Manche mag diese Art der Kommunikation moderner und aufregender sein, als die altmodischen und herkömmlichen Bulletins. Das würde auch die Oberflächlichkeit der Informationen und die Zufriedenheit der großen Fangemeinde mit diesen spärlichen Brocken erklären. Es ist halt ein Text wie „minor bobbles during test fire“ einfacher und mit weniger Nachdenken zu verstehen als etwas wie „A too-low pressure in the main fuel line feed during pre-cooling of the ignition subsystem led to a valve leakage rate being 2% too high than the specified value“.
    Für Betreiber von Kommunikationssatelliten wie SES ist ein Launchermarkt mit mehreren Anbietern natürlich von großem Interesse und Nutzen; so investiert man einen relativ kleinen und nicht dringenden Satelliten als Versuchsobjekt. Sollte es schiefgehen, hält sich der Schaden durchaus in Grenzen; geht alles gut, hat man eine weitere, preislich interessante Startoption gefunden. Daß der SES-8 nicht der Wichtigste Satellit in der SES Geschichte sein dürfte, sieht man ja an der Geduld, die SES bei dem Starttermin aufweist.
    Die Informationspolitik seitens Space-X zu den Kunden hin wird wohl – zwangsläufig – auch anders aussehen als der Öffentlichkeit gegenüber. Ich kann mir gut vorstellen, daß da der eine oder andere Resident vor Ort ist.
    Wenn Sich Space-X allerdings im Fehlerfalle anstellen sollte wie weiland die Chinesen, dann dürfte es für den weiteren Bestelleingang eher schlecht aussehen.

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