Tiere

Zwei Beiträge haben mich auf mein heutiges Thema gebracht. Da gab es zum einen einen Beitrag von Quarks und Co zum Thema „Können Tiere denken?“. Wie der Titel des Beitrags schon sagt ging es darum, ob Tiere Verhaltensweisen zeigen die wir als „intelligent“ verstehen oder bei denen wir logisches Denken unterstellen. Es gab da einige Versuche. Vögel mussten Schlösser in der richtigen Reihenfolge öffnen um an Futter zu kommen. Ein Orang-Utan kam nur mit Werkzeug an Futter und ein Schimpanse konnte Zahlen, also abstrakte Symbole auf einem Bildschirm in die richtige Reihenfolge bringen. Was mich erstaunt hat, ist das vor allem Vögel, die ja vom Körper bedingt kein sehr großes Gehirn aufweisen können, bei diesen Versuchen ziemlich gut abschnitten.

Was mich aber eigentlich interessiert kam nicht in dem Beitrag. Mich interessiert nicht ob Tiere logisch denken können, Werkzeuge benutzen oder planvoll handeln. Mich interessiert ob sie über Instinkte herausgehende tiefere Gefühle haben, wie Zuneigung, Vertrauen. Eine Stufe höher ist, ob sie ein Bewusstsein haben und ab welcher Evolutionsstufe das auftritt und zuletzt ob sie sich des Lebens bewusst sind, das sie also irgendwann einmal sterben müssen. Zumindest Elstern scheinen sich selbst als Individuum zu erkennen. In einem Versuch wurde eine Elster mit einem Farbfleck markiert, und zwar an einer Stelle die es selbst nicht sehen kann. Im Spiegel erkannte sie sich und machte den Fleck weg.

Ich kann mir bei meinen Katzen nicht vorstellen, dass sie nu bei mir bleiben, nur weil sie gut gefüttert werden, zumal sie oft genug wollen das ich mich hinlege, aber kein Futter. Ich denke die meisten Säugetiere haben so etwas wie Gefühle die über die niedrigsten wie Angst oder Ärger hinausgehen.

Das zweite war eine Dokumentation von 37 Grad. Es ging, das habe ich aber leider erst nach dem Anschalten gemerkt um die Herkunft von Leder und Pelzen in Kleidung. Ich meide normalerweise Dokumentationen wo Grausamkeiten an Tieren gezeigt werden, weil ich mich da enorm aufrege und das nicht nur kurzfristig. Seit ich mal gesehen habe wie auf einem chinesischen Markt Haustiere zum Essen feilgeboten wurden und in einer philippinischen Küche eine Katze bei lebendigem Leib gehäutet und in heißes Wasser geworfen wurde ist für mich auf jeden Fall die chinesische und asiatische Küche erledigt. In meinem persönlichen Wertesystem sind Kulturen die Katzen und Hunde essen auf der zweitniedrigsten Stufe der Zivilisation angekommen. Die unterste ist der Kannibalismus. Da kann mir auch keiner mit mehrtausendjähriger Geschichte, chinesischer Mauer oder der Erfindung des Papiers kommen.

In dem Film ging es erst um Kühe, die in Indien von Pakistanis den ahnungslosen Indern abgekauft werden und dann bis zu 2000 km nach Pakistan gekarrt werden. Ds klappt weil die Kühe in Indien nicht geschlachtet werden dürfen und so relativ preiswert sind (60 Euro). Dort werden sie dann geschächtet, was schon brutal ist und ein erneuter Beweis, dass man im Islam wohl nicht fähig ist sich von einer wortwörtlichen Auslegung des Korans  zu lösen. Mag sein, dass dies vor 1500 Jahren eine humane Art der Schlachtung ist, heute ist sie es nicht mehr. Dem Beitrag ging es aber mehr um die Arbeitet die dann das Leder gewinnen und dabei Chromsalzen und anderen giftigen Chemikalien ausgesetzt sind.

Noch erschreckender war aber der zweite Teilbeitrag, der sich mit den Pelzbesätzen beschäftigt die man in Jacken oder Kapuzen am Rand findet. Ich war mit den meisten befragten Interviewten der Meinung das wäre Webpelz, schließlich ist Pelz bei uns inzwischen geächtet. Aber das ist es nicht. Es ist Pelz von Marderhunden, die in China (wo auch sonst?) in großen Stückzahlen gezüchtet werden. Besonders grausam war dann die Szene von einem Pelzmarkt. Dort wurden die lebenden Tiere verkauft und beim Verkauf dann mit Schlägen auf den Kopf getötet. Manche nicht mal richtig, denn sie bewegten sich noch. Wie verroht muss man sein, dass man dann wenigstens nicht noch das Tier vom Leid erlöst? Keiner der Hunde die dorthin gekarrt wurden, kam mit dem Leben davon. Die die nicht verkauft wurden, wurden trotzdem geschlagen und einfach liegen gelassen. Und das alles für eine modische Verzierung die viele nicht mal wollen.

Angeblich soll ja der Mensch die Krönung der Schöpfung sein, bei solchen Bildern kann man daran zweifeln. Unabhängig davon dass man Tiere züchtet, weil man ihr Fleisch oder Fell braucht und sie deswegen töten muss, sollte man doch ein Mindestmaß an Mitgefühl mit der Kreatur mitbringen und sie nicht leiden lassen. Das scheint aber nirgendwo zu funktionieren. Weder bei uns (Viehtransporte) noch in Pakistan, noch in China. Es ist zu hoffen, dass zumindest bei den Pelzen die öffentliche Empörung die Hersteller zum Umdenken zwingt. Bei den normalen Pelzen klappte das ja auch und hier handelt es sich nur um Zierrat, auf den man verzichten kann oder durch Webpelz ersetzen kann.

13 thoughts on “Tiere

  1. Ich esse keine Katzen oder Hunde, aber ich sehe keinen Unterschied, zwischen Schweinen,Hunde, Kühen oder Katzen, wenn es um das moralische geht. Zufällig sind Katzen in Europa Haustiere. Wenn du Menschen verurteilst, die Katzen Essen, stellst du dich auf eine Stufe mit denen die „Schweinefresser“ als die schlimmste Kultur ansehen.
    Bei Tieren die süß schnurren, greift Moral. Da Fische oder Oktopusse keine Stimmbänder haben können diese nicht schreien, also hat keiner was dagegen, dass diese zum langsamen ersticken, lebend in die Laderäume der Schiffe wandern. Muscheln und Hummer werden bei lebendigem Leib gekocht, und wer eine Auster schlürft, isst diese bei lebendigem Leibe.

  2. Guter Beitrag,kay!

    Genau deshalb lebe ich vegan. Ich möchte nicht mehr am Tierleid zur Deckung menschlicher Gelüste, egal ob kulinarisch, modisch, oder sonst etwas mitverantwortlich sein. Allein 40-50 Millionen süsse gelbe männl. Küken werden in Deutschland jährlich vergast oder lebendig geschreddert um den Bedarf an Ei zu decken. Schächten ist grausam und verachtenswert, ohne Frage, aber auch bei den regulären, und veterinärmedizinisch überwachten Schlachtungen in großen Schlachtanlagen werden bis zu 750 Schweine pro Stunde automatisch betäubt. Zum fachgerechten Töten per „Entblutestich“ sind dann etwa fünf Sekunden Zeit. Bei Rindern sind es bis zu 80 Tiere in der Stunde und jeweils 45 Sekunden fürs Töten. Im vergangenen Jahr wurden in 5100 zugelassenen Betrieben mehr als 59 Millionen Schweine und 3,7 Millionen Rinder geschlachtet. Studien belegen, das mindestens 1% der Tiere nicht richtig betäubt werden und ihre Schlachtung live miterleben… das sind über fünfhunderttausend Tiere pro Jahr allein in Deutschland. … und kaum einen interessiert’s.

  3. Gruss aus der Schweiz, wo man z.T. auch Hunde isst.
    übrigens sind auch die anderen Tiere Haustiere. Ich kann verstehen das man gewisse lieber hat aber daraus auf eine primitive Kultur zu schliessen fände ich dann doch etwas krass.
    Es sollte doch eher darum gehen wie man die Tiere behandelt etc.
    Und da sind wir europäer nicht besser. 1% der Schweine sind nicht tot wenn sie mit kochendem Wasser übergossen werden (wegen der Borsten) und die sterben erst dann…
    (In den industriellen Metzgereien, weil man ja keine Zeit hat zum kontrollieren)

    Asien also einfach generell in einen Topf zu werfen wäre wohl etwas voreilig. Abgesehen davon das im grössten Teil von China kein Hund auf den Teller kommt, und die sich genauso aufregen wie die meisten Europäer wenn welche das machen…

  4. Moin,

    alter Witz:
    Amerikaner „Do you like dogs?“
    Chinese „No, I prefer cats. Dogs to greasy.“

    Zur Thematik Schlachthof es geht noch schlimmer: http://www.youtube.com/watch?v=4Ch8zL2_oWk „Working Man’s Death – Lions“ ( Die andern 3 Working Man’s Death sind auch sehenswert )

    > Gruss aus der Schweiz, wo man z.T. auch Hunde isst.

    *aehm* wie heißt das Gericht? War das Bündener Fleisch?

    ciao,Michael

  5. Werden in der Schweiz Hunde lebendig in einen Topf mit heißem Wasser geworfen? Darauf habe ich mich bezogen, auch die Zustände an dem „Pelzmarkt“ schreien zum Himmel. Es geht darum wie dort mit den Tieren umgegangen wird.

  6. Es ist natürlich kaum einzuschätzen, wie ein Hund, eine Katze oder ein Kaninchen „denken“. Aber sie sind innerhalb ihrer arttypischen Grenzen zu planvollem und vorausschauendem Handeln fähig. Ich kann mir auch vorstellen, dass ein Hund die ihm bekannten Worte im Traum „memoriert“.Wir haben ein Problem Denken als solches anzuerkennen, das nicht an Sprache gebunden ist. Tatsächlich laufen viele unserer Denkprozesse aber ebenfalls unbewußt und ohne das Medium Sprache ab. Das Bewußtsein der Endlichkeit unseres Lebens scheint mir aber eine menschliche Eigenheit zu sein. Das kann damit zusammenhängen, dass Menschen komplexe Informationen über ihren persönlichen Tod hinaus (z.B Schrift, Lieder, Geschichten)vermitteln können. Das gibt es bei Tieren so nicht. Natürlich werden auch z.B. bei Primaten bestimmte Fähigkeiten von den Elterntieren weitergegeben, aber nicht diese Menge komplexer und vor allem abstrakter Informationen wie beim Menschen. Damit hat der Tod im Leben von Tieren wohl auch keine Bedeutung.

  7. Der Mensch funktioniert nur dann, wenn er ehemals lebende Nahrung zu sich nimmt. Ob Pflanze oder Tier ist da egal.

    Moral ist etwas, dass man sich leisten können muss. Wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft, und können uns Humanismus und Moral leisten, und zeigen mit dem Finger auf andere. Dabei funktioniert unsere Gesellschaft nur dadurch, das wir die ausnutzen, auf die wir mit dem Finger zeigen.

    Wenn wir wirklich China, Afrika und Europa angleichen würden, würde uns das unseren Wohlstand kosten. Solche trivialen Themen wie Tierschutz, BioNahrung, Entwicklungshilfe wären jedem egal, wenn er nicht mehr satt ist, kein Auto mehr fährt, nur rudimentäre ärztliche versorgung hat und in seiner 70qm Wohnung mit 3 anderen Familien leben muss.
    Sloange wie man selbst nicht betroffen ist, kann man empört sein. Betrifft es einen selbt, dann schaltet man ganz schnell in den Egoistenmodus.
    Mir gefällt wie wahrscheinlich euch allen mein Lebensstandart, und mir ist bewusst, das das nur geht, weil in Bangladesch jemand meine Kleidung für 30 Cent am Tag Näht und in Brasilien jemand die Bananen für 50 cent am Tag Pflückt, und das unter schlimmen umständen. Aber nur dadurch können wir hier so leben wie wir leben, und uns hier Sorgen um Kätzchen in China und Kühe in Pakistan machen.

  8. Was das Schächten angeht, so denke ich nicht, dass das eine besonders grausame Art ist, Tiere umzubringen, vor allem verglichen mit den Kreissägen mit denen man Hühner enthauptet oder den Bolzenschussgeräten, die gerne mal von unerfahrenem Personal daneben angesetzt werden. Wenn ich Schächten richtig verstehe, dann durchtrennt man die Halsschlagader des Tieres. Der dadurch auftretende Abfall im Blutdruck sorgt dafür, dass das Opfer innerhalb weniger Sekunden das Bewusstsein verliert. Die auftretenden Zuckungen sind das Äquivalent eines epileptischen Anfalls, da im Gehirn quasi eine Resonanzkatastrophe auftritt und alle Neuronen sich beinahe gleichzeitig entladen. Davon bekommt das Tier aber schon gar nichts mehr mit – es spürt diese Dinge nicht.

    Außerdem ist das Argument natürlich historisch vorbelastet, da es z.B. auch die Nazis verwendet haben, um die „Barbarei“ der Juden herauszustellen und wie toll überlegen sie doch wären. Ich empfinde das zu großen Teilen als Heuchelei: wenn man gerne Gulasch isst, muss auch irgendjemand die Kuh irgendwie tot machen – die meisten Leute gehen sehr gerne zu Fastfoodketten, wollen aber bloß nicht damit in Berührung gebracht werden, wie es in einer Schlachtfabrik so aussieht: das ist eine Vogelstraußtaktik, die ich sehr traurig finde.

    1. Als Mensch hat man die Wahl, was und wie man isst. Diese Wahl hat eine Gottesanbeterin nicht, wenn sie ein Beutetier bei lebendigem Leib frisst. Das ist der Unterschied zwischen Intellekt und Instinkt – zwischen Mensch und Tier.

  9. Diese Diskussion ist ein gutes Beispiel zu welchen moralischen Blüten die moderne, arbeitsteilige Wohlstandsgesellschaft führt.

    Ich lasse jedem hier im Lande gerne die Wahl, was und wie er isst.
    Schön, daß wir diese Wahl haben!

    Was ich Kacke finde ist:

    a) die vermenschlichung der Tiere
    b) die Missachtung von Massenkonsumgütern (auch und gerade von Lebensmitteln)
    c) die moralische Überheblichkeit von Vegetariern/Veganern. 9 von 10 wären das nicht, wenn sie nicht gerade in dieser Gesellschaft leben würden.

    Stellt dieselben Fragen mal in einer wirklich ländlich (landwirtschaftlich) geprägten Gemeinde in diesem Staat: Die würden euch nicht mal verstehen. Hätten trotzdem aber eine wesentlch höhere Meinung von der Mitkreatur.

    Bernd

  10. Moral ist Luxus.
    Wer sichs leisten kann lebt sie, dem rest ists egal. Wir haben 7 Milliarden Menschen auf der Welt. Der aller größte Teil lebt nach anderen Moral- und Wertvorstellungen wie wir, und das in lezter Zeit immer erfolgreicher. China z.B. setzt alles daran das Volk/Staat voranzubringen, dass dabei andere Völker verlieren ist irrellevant. Im Wettbewerb der Systeme scheint der Chinesische Weg derzeit zu gewinnen. Bei uns denkt keiner nach was in 50Jahren ist, weil die BWLer nur bis 3 Jahre vorrausschauend denken. China sichert sich bereits jetzt die Ressourcen die Mittelfristig knapp werden (Rohstoffe oder landwirtschaftliche Flächen in Afrika)
    Moralisch waren die Römer den Babaren bis zuletzt überlegen, eine rellevanz hatte das in der Geschichte aber nicht.
    Auch wenn ich damit einen der unfähigsten Politiker deutschlands zitiere, hat der Ausdruck „spätrömische Dekadenz“ bei den Themen wie Tierschutz, Homeopatie, Sozialsysteme und Bionahrung seine Daseinsberechtigung.

  11. Also ich kenne keinen Vegetarier/Veganer, der sich „moralische Überheblichkeit“ heraushängen lassen würde. Meistens sind es doch die Fleischesser, die einem überempfindlichen Defensivreflex folgen und sich aggressiv gegen Vorwürfe verteidigen, die niemand gegen sie vorgebracht hat.

    Was das Argument mit den Raubtieren angeht: sicher, aber wer so argumentiert, sollte sich nicht wundern, auf einmal in anderen Belangen auch mit einem Wolf verglichen zu werden. Ernsthaft: wir Menschen besitzen die Fähigkeit zu reflektieren und über unsere Handlungen nachzudenken. Im Gegensatz zu allen anderen Spezies müssen wir keine Sklaven unserer Evolutionsgeschichte sein: wir können diese Entscheidung treffen. Und natürlich fällt es leichter, sich für eine vegetarische Lebensweise zu entscheiden, wenn man in einer Gesellschaft lebt, die wohlhabend genug ist, dass man sich ohne Fleisch ausgewogen und abwechslungsreich ernähren kann. Trotzdem sehe ich nicht, warum das falsch sein sollte: nur weil eine ethisch wünschenswerte (oder auf jeden Fall nicht verdammenswerte) Tat leicht fällt ist sie noch lange nicht geheuchelt. Ist das nicht gerade einer der Gründe, warum wir technischen Fortschritt gutheißen? Dass er uns in die Lage versetzt, achtsamer zu sein, als wir ohne ihn sein könnten?

    Also hackt mal nicht so auf den armen Vegetariern rum: die tun doch niemandem was.

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