Wenn’s teuer sein soll: macht’s bemannt!

Kurz vor Neujahr scheiterte eine EVA bei der die Astronauten/Kosmonauten Kameras von Urthecast installieren wollten aber scheiterten. Über die Kameras gibt es wenige Informationen, aber im Bild Modus sollen sie 40  km breite Streifen mit einer Auflösung von 5 m (entspricht 8000 Pixeln Breite) und Videos von 4K Auflösung mit 60 s Dauer erstellen können (entspricht auf der Erde einer Flugstrecke von rund 400 km).

so und nun das ketzerische. Ich rechne mal als Spaß aus, was das so kostete.

Da haben wir erst mal die ISS Kosten, die betragen 2013:

  • 3049,1 Millionen seitens der NASA
  • die ESA machte 2011 der Posten „Human Spaceflight2 15% des Budgets von 4409 Millionen Euro aus, also 661 Millionen Euro
  • Japan ist noch stärker als die ESA an der ISS beteiligt (12,3 zu 8,3%) also kann man auch hier von 661 Millionen Euro+ ausgehen.
  • Russland ist schwer zu schätzen, doch alleine drei Progress.Raumschiffe und vier Sojus Kapseln haben einen Wert, wenn die NASA sie bucht, von 954 Millionen Dollar, die Hälfte davon soll auf US-Services entfallen, die bezahlt werden. Die Kosten für die missionszentrale müssen unbekannt bleiben.

Macht zusammen: 5310 Millionen Dollar für den ISS Betrieb ohne Haushaltstricksereien (so läuft das COTS Programm nicht als Unterprunkt des ISS Haushalts…)

So und das teilen wir mal durch 8 Arbeitsstunden bei 6 Arbeitstagen pro Woche und 6 Astronauten und 52 Wochen im Jahr. Macht pro Stunde runde 354.600 Dollar.

So für die vergebliche Installation haben die Astronauten rund 8 Stunden gebraucht. Jeweils 2-3 Stunden vorher und nachher müssen sie sich akklimatisieren (reine Sauerstoffatmosphäre in den Druckanzügen von reduziertem Druck), gehen wir mal von 5 Stunden aus, dann sind das bei 2 Astronauten 26 Arbeitsstunden die 9,2 Millionen Dollar kosten.

Die Kameras werden noch mit einer Progress transportiert. Das ist recht preiswert und kostet bei 25 Kilo Gewicht rund 500.000 Dollar. Sagen wir mal roundabout 10 Millionen Dollar für den Spaß.

Gegenrechnung: Plantelabs will 28 Satelliten für 13,3 Millionen Dollar als Sekundärnutzlast starten. einer (Dove 2) umkreist seit dem 18.4. die Erde und hat schon Aufnahmen zur Erde gefunkt. Jeder der 28 Satelliten wird eine Auflösung von 3-5 m haben, also besser als die Kamera an Bord der ISS.

Also wir können eine Kamera an Bord der ISS haben, die nach Ausgaben von 9,2 Millionen Dollar noch nicht installiert ist (weiterer Weltraumspaziergang mit weiteren Kosten nötig) oder 28 Satelliten mit derselben Auflösung für 13,3 Millionen Dollar. Ein gutes Beispiel wie bemannte Raumfahrt teuer ist, selbst wenn man den Satelliten einspart und nur noch das Instrument bauen muss. Und die ersten beiden arbeiten schon (sanders als die Kameras. Hier ein kleiner Bildbeweis:

http://planetlabs.files.wordpress.com/2013/12/dove-2-pic-3.jpg

Die Rechnung hat auch andere Aspekte. So kostet ein 10 Minütiger Post eines ISS Astronauten auf seinem Twittter oder Facebook Account schon knapp 60.000 Dollar, und ich vermute das Video von Hadfield („Space Oddity“) dürfte das bei diesen Preisen pro Arbeitsstunde das mit Abstand teuerste je produzierte Musikvideo sein….

10 thoughts on “Wenn’s teuer sein soll: macht’s bemannt!

  1. Grundsätzlich stimmt das natürlich schon.
    Udn eigentlich will ich ja nur zum „teuersten Musikvideo“ was sagen.
    Das kostete 1995 7 millionen dollar (heutiger wert über 10 millionen).
    Wenn er das Video während der Arbeitszeit gedreht hätte, hätte er über 30h Drehzeit haben müssen.
    In der Freizeit wäre es gratis gewesen.
    Es ist also bei weitem nicht das teuerste Musikvideo aller Zeiten.

  2. Man sollte dazu auch die zeitliche Entwicklung berücksichtigen. In den 1960er Jahren, als Weltraumfahrt jederman geläufig war, befand sich die Automationstechnologie noch in den Kinderschuhen, und bemannte Systeme waren in der Regel zuverlässiger und leistungsfähiger als unbemannte: Eine menschliche Crew konnte selbst bei unvorhergesehnenen Ereignissen eingreifen, und bei einem nicht-tödlichen Fehlschlag wie z.B. Gemini 8) würde sie mehr und wertvollere Daten liefern als eine automatische Telemetrie.
    Damals konnte eine Crew sogar Kosten sparen! Man vergleiche etwa die unbemannte Atlas mit der bemannten X-15 — im Vergleich zur X-15 war die Atlas zwar betankt deutlich schwerer, aber leer ein wenig leichter. Dennoch war sie teurer, und hatte mehr Fehlstarts vorzuweisen!

    Seit den 80er Jahren sieht die Sache umgekehrt aus: Automationssysteme sind billig, selbst im Vergleich zu reinen Lebenserhaltungssystemen für eine Crew. Mit zunehemender Missionsdauer verschiebt sich das Gleichwewicht noch weiter weg: Bei Gemini und Apollo, oder Wostok und Sojuz waren oft Sekunden entscheidend über Erfolg oder Misserfolg einer Mission, die ISS befindet sich seit 15 Jahren in demselben Orbit.

  3. Kein einziger X-15-Flug führte in einen Erdorbit.

    Für die USA und die FAI gelten aber Flüge ab einer bestimmten Höhe als „Raumflug“, egal welche Geschwindigkeit dabei erreicht wird, und somit wurden im Rahmen des X-15 Programms einige „Raumflüge“ absolviert.

    Genau dort liegt die Krux der Space-Shuttle Entwicklung: Raumflug ist Raumflug, ob nun ein geostationärer Orbit erreicht wurde oder nur eine ballistische Bahn. Ich weiss nicht mehr wo ich diese Gegenüberstellung gesehen habe, zwischen der „Artist’s Impression“ aus den 70ern, wie ein Space Shuttle Orbiter überholt wird, und Photografien der richtigen „Orbiter Processing Facility“:

    Auf dem ersten Bild sieht man den Orbiter in einem Hangar, angehängt an eine „Nabelschnur“, ein Techniker ist gerade dabei, einen Computerterminal mit einer Schnittstelle im Fahrwerkschacht zu verbinden, ein anderer macht sich an der Abdeckung eines der drei Triebwerke zu schaffen. Zwei Arbeiter karren eine Art Leiter auf Rädern herbei, jemand ist gerade dabei, durch die Einstiegsluke zu klettern, und an der Wand sieht man diverse Ersatzteile, und überall stehen fahrbare Werkzeugboxen herum. Das ganze erinnert an eine vergrösserte Autowerkstatt.

    Auf dem anderen Bild ist der Orbiter fast vollständig von Gerüsten verdeckt und erinnert eher an eine Gebäude-renovierung; Flutlicht deutet an, dass 24-h Betrieb herrscht. Das ganze wirkt sehr teuer. Interviews mit den Angestellten verstärken dies noch: „Wir müssen jedes einzelne Teil durch und noch einmal durchprüfen“. Bis hin zur Nibelungensage: „Dies ist ein Teil des Hitzeschildes. Eine einzige verwundbare Stelle in dieser Rüstung wäre fatal“

    Dies würde sich dann leider als allzu wahr herausstellen.

  4. Du solltest mit deinem Vergleich von X-15 und Atlas bei SpacEx anfangen, die haben Bedarf an solch phantasievollen Leuten.

    Das legt natürlich enorme Sparpotenziale offen. so könnte man die eurofighter durch Cesssnas oder Ultra-Leichtkraftflugzeuge ersetzen – sind ja beides flugzeuge.

    Öffentliche Gebäude könnten durch Zelte ersetzt werden (sind ja beides Behausungen) und und und ….

  5. Die Rechnung für das Musikvideo ist unfair: soweit ich informiert bin, hat Herr Hadfield das in seiner Freizeit aufgenommen, mit einer Gitarre die eh schon vorhanden war zwecks Stressausgleichs der Besatzung.

  6. Google befragt liefert folgende Meldung:
    http://www.welt.de/vermischtes/article836335/Die-teuersten-Musikvideos-aller-Zeiten.html
    Das teuerste war das Video Scream von Janet und Micahel Jackson aus dem Jahr 1995.
    Michael Jackson ist auch in der Liste von Wilkipedia oft drinn:
    http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_most_expensive_music_videos
    Thriller hat übrigens nur 1 Million gekostet. Eines meiner Lieblingsvideos taucht nicht mal in der Liste auf, aber ihr solltet es trotzdem anschauen:
    http://www.youtube.com/watch?v=1pkVLqSaahk
    Und das wie ich finde für die damalige Zeit technisch anspruchsvollste Video auch:
    http://www.youtube.com/watch?v=Y_E0bvOPTRg

  7. Der X-15/Atlas Vergleich ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Es war die Nasa, die um 1970 tatsächlich derartige Überlegungen anstellte, welche dann letztendlich zu dem Space Shuttle führten, so wie wir ihn kennen. Nachzulesen in Eppenheimer „The Space Shuttle Decision“

    http://history.nasa.gov/SP-4221/contents.htm

    Und es ging ja noch weiter: „Nachdem der Space Shuttle einen Orbit erreicht, kann er alte Satelliten einsammeln, Defekte reparieren und neue aussetzen – nicht ohne sie zuvor im Weltraum zu testen“

    Abgesehen davon, dass Satelliten nur sehr, sehr selten kaputt gehen – und wenn, dann ist es meistens entweder die Stromversorgung oder die Lageregelung: beides macht eine Bergung enorm viel schwieriger als in Demo-Experimenten, denn ohne Strom kann man weder Transponder noch Navigationslichter benutzen, und ohne Lageregelung kann ein Satellit gefährlich taumeln, gibt es bekanntlich mehr als einen Orbit.

    Geostationäre Orbits konnte der Space Shuttle überhaupt nicht erreichen, hohe polare Orbits nur mit Mühe, dafür ohne Nuzlast.

    Und ja-nicht Space-X. Noch lieber ein Sozialbetrüger sein als ein Justin Bieber Pappkamarad an meiner Seite.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.