Eine absehbare Entscheidung…

… war die Verkündigung der „Gewinner“ der CCdev Ausschreibung. Schlicht und einfach weil Boeing und SpaceX schon vorher die meisten Mittel bekommen haben. Eine Überraschung wäre es eher geworden wenn Sierra Nevada einen Auftrag bekommen hätte oder sich die NASA nur für einen entschieden hätte. nun sind es eben zwei Kapseln. Das klingt zwar nicht gerade technologisch modern, verglichen mit dem Raumgleiter von Sierra Nevada, aber es geht ja um „Space-Taxis“ und nicht um technologische Durchbrüche, sondern einige Leute sicher zur ISS zu bringen und wieder zurück und mehr nicht. Wenn dann noch die Kapseln wiederverwendet werden können und das soll ja bei beiden Systemen der Fall sein, hat ein Gleiter sicher auch keine Kostenvorteile.

Das es zwei Unternehmen sind, das war nach den bisherigen Runden auch klar. Ich habe ja schon geschrieben, dass ich das nicht für sinnvoll halte, einfach weil es zu wenig Flüge gibt. Wenn man die Argumentation bringt, das Konkurrenz es billiger macht, dann frage ich mich warum man das nicht in anderen Raumfahrtprojekten auch so macht z.B. bei Wetter oder GPS Satelliten oder auch anderen Projekten vor allem im Militär, wo man ja auch von einem Anbieter abhängig ist – die USA leisten sich ja auch nicht mehrere Produzenten von Kampfpanzer und mehrere Hersteller von Truppentransportern etc.

Irgendwie scheine ich auch nicht die Bedeutung mitzubekommen „Today’s announcement sets the stage for what promises to be the most ambitious and exciting chapter in the history of NASA and human spaceflight,“ said NASA Administrator Charles Bolden.  Also das ambitionierteste und aufregendste Kapitel in der Geschichte der NASA und der bemannten Raumfahrt? Also da fielen mir sicher andere Dinge ein. Aber Boulden meint ja auch in der „großartigsten“ Nation zu leben. Ich möchte dort nicht leben. So großartig finde ich die USA nicht.

Zudem scheint er irgendwie an einen Geldregen zu glauben. Bis 2017 sollen die Jungfernflüge stattfinden, dafür braucht die NASA 6,8 Milliarden Dollar. Bisher hat sie in vier Jahren gerade mal 2 Milliarden bekommen, eine Milliarde weniger als sie haben wollte. Warum sollte sich daran was ändern? Selbst wenn das Geld fließt, so glaube ich angesichts der bisherigen Verzögerungen nicht dran, dass es in drei Jahren soweit ist.

Interessant wird eher sein wie sich das für den ISS-Betrieb auswirkt. Da Russland ja auch seine Sojus modernisiert und bestimmt nicht auf Starts verzichtet wird bei 7 Astronauten pro Taxi die Besatzung auf 10 erhöht werden. Dazu braucht man vielleicht einige Installationen (eigene Wohnmodule gibt es ja keine, aber Racks mit Schlafkabinen kann man noch hochschicken) vor allem aber auch erheblich mehr Versorgungsgüter. Eine Planung dafür gibt es nicht, zumal nun ja das ATV wegfällt und damit 7 t Fracht pro Jahr von den USA transportiert werden müssen. Dann braucht man mehr Geld für die Versorgung. Pro Sitz wird der Transport zwar billiger sein, doch da man sieben anstatt einen bis zwei Astronauten pro Flug startet, wird auch der Transport absolut teurer.

Von den 6,8 Milliarden bekommt SpaceX 2,6 und Boeing 4,2. Das ist das was die Unternehmen haben wollten. SpaceX bekam durch das COTS Programm ja schon 500 Millionen Dollar, die man zu den Mitteln als Vorentwicklungskosten hinzuzählen kann. Zudem sammeln sie mit jedem CRS Flug Erfahrungen die sie in die Entwicklung einbringen können. Klar das sie so billiger sind. Sie werden aber auch billiger sein wollen, denn es könnte ja sein, das man bei zwei gleich teuren Kapseln sich dann doch nur für eine Kapsel und einen Gleiter entscheidet und da hat Boeing durch seine jahrzehntellange Erfahrung die besseren Karten. Wenn man dann im Geschäft ist kann man die Preise erhöhen, so zahlt die USAF für den Start von DSCOVR 96 Millionen Dollar, deutlich mehr als die „Internetpreise“.

Wie teuer es am Ende wird wird sich zeigen, wenn es weiter solche Verzögerungen gibt dann wird es eher noch teurer. Eventuell hat auch der Kongress eine andere Meinung und will nur einen Anbieter, angesichts dessen, dass er bisher nie das Geld bewilligt hat das die NASA wollte kann das durchaus sein. Die Frage ist dann auch wie die Beförderung verläuft. Beauftragt die NASA beide Anbieter oder nur den billigeren? 2017 wissen wir mehr.

Noch was in eigener Sache. Ich habe vor einigen Wochen das Cache Plugin für den Blog ausgewechselt und die Posteinstellungen geändert. Wer schon mal kommentiert hat sollte keinen Unterschied merken. Andere sollten nicht sofort die aktuelle Version der Seite sehen und vor allem ihre Kommentare müssen freigeschaltet werden. Seitdem gibt es kaum noch Kommentare. Wenn also jemand seinen vermisst möge er mir das per mail bl at bernd-leitenberger.de mitteilen, dann versuche ich das wieder zu ändern. Eine absehbare Entscheidung…

15 thoughts on “Eine absehbare Entscheidung…

  1. Die für mich logischste Begründung für 2 verschiedene Hersteller ist, dass man nie wieder in die Verlegenheit kommen will, eine Zeit lang kein System zu haben, wenn mal eine Besatzung eine „major malfunction“ erlebt.
    Dann wäre man wieder auf die Russen angewiesen, um die dann vermutlich grössere Besatzung der ISS zu versorgen. Nachdem man derart viel Kritik daran hat einstecken müssen, schlägt das Pendel jetzt mal wieder in die andere Richtung mit eigener Sicherung „koste es was es wolle“ aus.

    Oder man legt die Latte besonders hoch, damit der Congress was zum kürzen hat und dann immer noch genügend Mittel für einen gesicherten Betrieb hat.

    Und irgendwie steht Boeing mit seinem fast doppelt so hohen Preis für gleiche Leistung auch ein bisschen doof da. Vielleicht wollte man denen auch mal einen kleine Seitenhieb verpassen, damit die Öffentlichkeit mal darauf gestoßen wird, wie hier mangels Markt protektioniert werden kann.
    Man kann aus verschiedenen Gründen nicht ohne Boeing, aber vielleicht fühlt sich bei der NASA auch mal jemand angesichts mancher Zwänge auf den Schlips getreten?
    Grob gesagt muss die NASA sich mit dem Congress um die Milliarden prügeln, die Boeing mehr haben will.

  2. Im Prinzip braucht man kein zweites System wenn das erste sicher ist. Die Sojus hat ja auch kein Backup. Ein vvergleich mit dem Shuttle ist nicht sinnvoll, weil dieser niemals die Sicherheit einer Kapsel bot.

    Bei den Kosten muss man wie schon gesagt dazurechnen das SpaceX schon die Dragonentwicklung finanzier bekommen hat und nun nur noch upgraden muss. Das sind die erwähnten 500 Millionen die die Firma schon bekommen hat, das reduziert dann die Differenz auf ein Viertel. Boeing wird mit seiner Erfahrung aber auch Puffer für Verzögerungen oder Probleme einkalkuliert haben.

    Umgekehrt wird ein Schuh draus: niemand muss man bei der NASA von Boeing überzeugen, aber SpaceX ist nicht so beliebt. Zeitüberschreitungen, offene Kritik an NASA-Programmen oder des DoD, Vertuschen von Problemen. Das macht einen nicht beliebt.Auf der anderen Seite wird die Öffentlichkeit eines der beiden Newcomer bei den Gewinnern sehen wollen und nach den Erfahrungen mit dem Space shuttle wird das sicher nicht SNC sein.

  3. Ob die neuen Systeme wirklich sicher sind, ist ja noch nicht erwiesen. Alle Raketen und Kapseln dafür müssen noch entwickelt, oder zumindest modifiziert („man-rated“) werden.
    Die Sojuz fliegt ja „schon immer“. Die hat einerseits einen historischen Bonus, andererseits waren/sind die Russen vielleicht auch etwas anders eingestellt, wenn es mal ein Desaster gibt.

    Auch die Shuttles waren „sicher“, bis es doch mal zum Desaster kam.

    Bei den Amerikanern hat immer alles gleich eine patriotisch-politische Dimension. Sollte ein einziger amerikanischer Astronaut ums Leben kommen, wird man erst mal wieder alles stoppen, eine Kommission bilden, etc.
    Das wird früher oder später passieren.
    Und Zeit kosten.

    Auch hat man der NASA nun so oft vorgeworfen, beim Shuttle kein Backup gehabt zu haben, dass man da diesmal die Gelegenheit nutzt, um es besser zu machen.

    Und wie gesagt, es kann auch ein politischen Spiel mit dem Congress sein. Wenn der nicht das nötige Geld bereit stellt, kann die NASA ihre Hände in Unschuld waschen und hat dann immer noch wenigstens ein funktionierendes und voll finanziertes System.

    Bei Boeing weis man, was man hat. Ja. Hohe Preise und verspätete Termine. Der Ruf ist so gut auch wieder nicht. Auch dort hat es Ausfälle gegeben.

    Das SpaceX bei der NASA auch nicht beliebt ist, stimmt natürlich. Aber mit ihren Dumping-Preisen und guter PR kommt man nicht an ihnen vorbei, solange die Raketen tatsächlich fliegen und die Ware bei der ISS ankommt. Hätte es eine der Falcons in diesem Jahr zerbröselt, hätte es sicher auch Probleme mit der Berücksichtigung bei dem jetzigen Wettbewerb gegeben. Aber in letzter Zeit läuft es bei SpaceX gut. Zumindest was die ISS-Flüge betrifft.

    Die öffentliche Meinung spielt da sicher auch eine Rolle. Lautsprecher Musk hätte sicher eine entsprechende Kampagne los getreten, wenn der Auftrag zum jetzt bekannten Boeing-Preis und vielleicht noch mehr für den nächsten Wettbewerber (die nächsten in der Liste müssen ja noch teurer gewesen sein) an SpaceX vorbei gegangen wäre.

    Vielleicht erfährt man irgendwann noch mal, was denn z. B. der Dreamchaser gekostet hätte. Die Wiederverwendbarkeit ist dort zwar kein Alleinstellungsmerkmal mehr, aber vielleicht doch der sehr viel geringere Aufwand, bzw. die höhere Flexibilität bei der Landung. Aber vielleicht waren diese Fähigkeiten den Mehrpreis nicht wert?

    Das SpaceX bereits viel Geld für die initiale Entwicklung der Kapsel bekommen hat, stimmt natürlich. Andererseits hat auch Boeing die eigene Kapsel bisher nicht komplett aus eigenen Mitteln finanziert.
    Und selbst wenn man SpaceX’s Vorschuss mit einbezieht, sind sie immer noch sehr viel preiswerter als Boeing. Bemerkenswert, wenn man berücksichtigt, dass SpaceX (wie die anderen Newcomer auch) alles from scratch neu entwickeln muss, ja sogar erst mal das Personal dafür aufbauen muss, während Boeing schon auf einen riesigen Fundus an Leuten und Erfahrungen zurück greifen kann.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass SpaceX alle diese Starts irgendwie unter Selbstkosten verkauft. Das geht vielleicht für ein paar Starts, um überhaupt in den Markt zu kommen. Aber bei so vielen?
    Irgendwann muss Musk seinen Partnern auch mal einen Geschäftsbericht zeigen.

    Nachforderungen dürften nicht so einfach durchsetzbar sein, da es ja einen potenten Wettbewerber gibt, der nur auf eine Schwäche wartet. Man kann also schlecht eine „alternativlose“ Situation aufbauen.
    Abgesehen davon, dass das den Nimbus des „nicht korrupten“ Saubermanns böse beschädigen würde.

    Ich vermute, Musk will Steve Jobs als „kontroverses, aber visionäres Genie“ beerben.

    Letztlich ist aber alles Spekulation. Es gibt einfach zu viele politische Einflussgrößen:

    – enorme Mengen öffentlicher Gelder, die aber eigentlich nicht da sind
    – das Geld wird für Dinge ausgegeben, die nicht jedem in der Bevölkerung als gerade jetzt notwendig erscheinen, solange gleichzeitig viele Leute finanziell auf dem Zahnfleisch gehen
    – Politiker, die für ihre Wiederwahl ihre Heimatstaaten öffentlichkeitswirksam fördern, insbesondere mit Geld, das sie selbst nicht besorgen müssen
    – Großkonzerne, die auf Gewinnmaximierung aus sind
    – Träumer, die lieber heute als morgen zum Mars wollen
    – Egozentriker
    – Bürokraten
    etc.

  4. Die 2 Kapseln zu nehmen, ist IMO eine gute Wahl. Die beiden Haupt-Argumente hat HansSpace schon geliefert.

    1. Der Fail-Over

    „Dass man nie wieder in die Verlegenheit kommen will, eine Zeit lang kein System zu haben, wenn mal eine Besatzung eine ‚major malfunction‘ erlebt.“

    2. Druck auf die Kosten und Termine zu bringen

    „Und irgendwie steht Boeing mit seinem fast doppelt so hohen Preis für gleiche Leistung auch ein bisschen doof da.“

    SpaceX ist jetzt wohl für ne gewisse Zeit abgesichert und daran werden auch Fehlstarts nicht so schnell was ändern.

    Auch bei der ESA steht nun wohl ein Strategiewechsel betreffs Aufragsvergabe an Privat an. Wobei das bei den Europäern wegen der vorhersehbaren Rücksichtnahmen auf nationale Interessen größere Gefahren birgt. Grüße.

  5. Im Nachhinein ist immer alles absehbar… 🙂 Ich bin enttäuscht, zu sehen, dass Boeing und nicht SNC das Rennen gemacht hat, auch wenn die Begründung der „Erfahrung“ sicher nachvollziehbar ist. Die NASA hat hier offenbar Erfahrung gegenüber Innovation bevorzugt, und das ist nun einfach mit einem relativ hohen Preis verbunden. Wo sie die zusätzlich nötigen Milliarden auftreiben will, ist fraglich.

    Gründe für zwei Systeme wurden ja schon genannt: Verlässlichkeit bei einem Ausfall (es muss sich ja nicht zwingend um einen Unfall handeln – es reicht, wenn man ein Sicherheitsproblem entdeckt, das zu einem temporären Grounding führt) und Alternativen als Absicherung gegen überhöhte Preise (und ja, natürlich gibt es in den USA verschiedene Hersteller für, sagen wir, Kampfflugzeuge, Radpanzer etc., die in Konkurrenz zueinander stehen). Ausserdem scheint es mir sinnvoll zu sein, verschiedene Firmen mit ähnlichem Knowhow aufzubauen – das reduziert ganz allgemein Abhängigkeiten. So hat z.B. SNC nicht ausgeschlossen, dass sie für eine nächste Runde der Commercial Resupply Services für die ISS mit dem Dream Chaser (in der unbemannten Version) mitbieten könnten. Das Geld, das die NASA in SNC investiert hat, könnte sich also z.B. indirekt so auszahlen, dass des für die nächste CRS-Runde mehr Mitbieter gibt, und damit insgesamt geringere Kosten anfallen.

    Die Besatzung der ISS wird nicht auf 10 Personen erhöht, soviel ist klar. Allenfalls von 6 auf 7 (gemäss der Pressekonferenz am Mittwoch Abend).

    Wenn man bei SpaceX die 500 Mio dazurechnet, die sie schon im Rahmen von CCDev erhalten haben, sollte man nicht vergessen, auch bei Boeing die 600 Mio, die sie schon erhalten haben, dazuzurechnen… Aber natürlich hat SpaceX einen Erfahrungs-Vorsprung durch die Dragon, die „nur noch“ upgradet werden muss. Aber da der Bau einer Kapsel nach Bernd ja ohnehin ein Klacks und nicht weiter schwierig ist, muss man sich – gerade bei all der Erfahrung – schon wundern, warum Boeing so viel teurer ist…

    Es ist gut zu sehen, dass SpaceX* weiterhin vorne mitmischt und „im Spiel“ bleibt. Die NASA Gelder werden ihnen helfen, nicht nur Dragon V2, sondern auch die anderen Projekte (von F9R über FH bis zu Raptor und BFR/MCT) weiter zu betreiben. Und das ist vielleicht die beste Nachricht hier.

    *Natürlich sehen wir in diesem Artikel (und den Kommentaren) leider wieder mal ein paar typisch Bernd’sche Spitzen gegen SpaceX: Dass SpaceX bei der NASA irgendwie „nicht beliebt“ sein soll, ist Quatsch. Musk hat sich nie negativ über die NASA geäussert, im Gegenteil, er lobt sie bei jeder Gelegenheit und sagt, dass man es ohne sie nie geschafft hätte. Welche Kritik an NASA-Programmen meinst du konkret? Terminüberschreitungen – da wird die NASA sicher nicht mit Steinen im Glashaus um sich werfen wollen… Und das „Vertuschen von Problemen“ ist eine typisch Bernd’sche Schwarzmalerei. In die gleiche Kategorie gehen Dinge wie die höheren Kosten für DISCOVR, die einfach darauf zurückzuführen sind, dass die USAF auf ihren eigenen Protokollen beharrt, z.B. der vertikalen Integraton – wenn man eine Spezialausführung wünscht, kann man eben nicht auf den Katalogpreis hoffen. Musk hat das auch schon bei der Senatsanhörung zum „block buy“ betont und erklärt. Da wurde sicher nicht, wie bedeutungsschwanger angedeutet, der Preis geändert nachdem man im Geschäft war!

  6. Ich halte die Entscheidung für einen Fehler. Wozu braucht man zwei Systeme? Ein Anbieter hätte vollkommen genügt. Und da SpaceX schon die unbemannte Versorgung der ISS abgegriffen hat, wäre es nur fair gewesen, wenn Boeing die bemannte Versorgung übernimmt. Die Preise bei SpaceX sind doch eh Makulatur, am Ende wird man eine Falcon 9 auch nicht unter 100 Mio bekommen. Damit schrumpft der Preisvorteil auf ein Minimum. Statt dessen wirft man jetzt mal wieder Geld zum Fenster raus, Geld, was bei den unbemannten Programmen fehlt. Alle Planungen einer weiteren Flagship-Mission sind erst mal auf Eis gelegt worden, aber für zwei bemannte ISS-Zubringer, die sich am Ende nur gegenseitig die Flüge wegnehmen, ist Geld da? Unsinnig…

  7. Das mit den zwei Systemen zwecks Redundanz und Preisentwicklung ist nicht sonderlich sinnig.

    Im bemannten Bereich hatte man in den USA noch nie mehrere bemannte Systeme, funktioniert hat es trotzdem meistens. Das der Ansatz nicht zu niedrigeren Preisen führt haben die EELV Träger schon bewiesen, zwei Systeme für viel zu wenige Starts -> katastrophale Preissteigerung

    Wir reden hier im Moment von 2 Starts im Jahr, dafür 2 Systeme zu entwickeln und zu betreiben ist irrsinnig. Und dann gibt es noch das SLS mit Orion mit evtl. einem Start alle 2 Jahre.

    Nachdem es ein Jahrzehnt (Shuttle Ausmusterung wurde 2003 beschlossen) niemanden gestört hat das man keinen eigenen bemannten Zugang haben wird gibt es in Zukunft gleich 3 davon. Man gönnt sich ja sonst nichts 🙂

    Leider ist zu befürchten das die unbemannte Forschung zusammengestrichen wird um diese Sache zu finanzieren. Es wäre ja nicht das erste mal….

  8. Ich denke, es ist kurzsichtig, von nur ein paar einzelnen bemannten Flügen mit den zwei Kapseln (pro Jahr) auszugehen. Sicher, die ISS hat eine begrenzte Lebensdauer – wobei die gut bis in 2030er Jahre hinein verlängert werden könnte, was noch dutzende weitere Versorgungsflüge mit jeweils 4 Astronauten nach sich ziehen würde.

    Es wird weitere Kunden geben: Bigelow’s Raumstationen haben nur das Problem, dass es noch keine Kapsel gibt, mit der man sie regelmässig von amerikanischem Grund aus anfliegen könnte. Ich könnte mir z.B. eine Falcon Heavy mit Dragon V2 BA330-Wohn/Forschungs-Modul (20 Tonnen) sowie 4-5 Astronauten vorstellen, die im Orbit eine Art günstige „Shuttle“-artige Mission (z.B., zwei bis drei Wochen) durchführen, wobei das BA-Modul am Ende entweder abstürzt, für längere Zeit im Orbit gehalten wird (etwa für Langzeit-Experimente und einem späteren Rückholbesuch), oder vielleicht sogar zu einem grösseren Stations-Komplex hinzugefügt wird. An solchen kompakten Missionen (Kosten ca. 100-200 Mio Dollar?) könnten auch die Raumfahrtagenturen anderer Länder Interesse haben, so im Stil von: Qatar finanziert die erste arabische Weltraummission! Indien kauft eine Mission, um seine eigenen Astronauten für die eigenen (prestigeträchtigeren) Raummissionen zu trainieren. Frankreich hegt nochmals Ambitionen, als Weltraummacht anerkannt zu werden. Und so weiter. Auch für Weltraumtourismus könnte eine solche „integrierte“ Mission interessant sein. Eine Mondumrundung (Free return trajectory) mit einer Dragon V2 wäre sicher auch eine interessante Mission, die wohl auch deutlich günstiger zu haben wäre als die, an der Space Adventures und die Russen nun schon seit 10 Jahren oder so werkeln…

  9. @Bynaus:
    Wenn Bigelow schlau ist platziert es ihre Raumstation auf einer ähnlichen Bahn wie die ISs. Dann setzt man zuerst drei Leute dort ab und fliegt mit 4 weiter zur ISS, analog bei der rückkehr. Bei einer Havarie kann die ISS ein Rettungsraumschiff rücbershcicken. Die Kosten könnte man sich teilen und beide höttenw as davon.

  10. Meiner Meinung nach will man bei der NASA mehr als nur zur ISS schippern, noch dazu blockiert das jedes Jahr sehr viel Geld und es kommt sehr wenig dabei rüber, neudeutsch, return of invest!
    Bloß wie soll den sowas gehen, die Russen wollen einen Haufen Geld bei jedem Start und zumindest ihre andern Träger machen nicht gerade gut von sich reden.
    SLS ist super teuer und hat kaum Ansätze um damit jemals günstig (nicht billig!) zu werden.
    Wenn politisch entschieden wird die ISS weiter zu betreiben und die Russen stellen den Support für die ISS ein, sitzen die USA ganz schnell auf dem Trocken.
    Da gilt es dann sicher zu stellen das es schnell und günstig einen Anschluss dafür gibt und ist denke da ist mehr von SpaceX den von Boeing zu erwarten. Vielleicht könnte Boeing schon schnell, aber günstig?
    Mit SpaceX bleiben zumindest VIELLEICHT mehr Mittel übrig um auch mit deren Hilfe außerhalb unserer Erdnähe zu kommen.
    Noch dazu sollte man sich mal anschauen wie weit sie in den 12 Jahren schon gekommen sind, ist es da den so zweifelhaft das ihnen die nächsten Schritte, F9H, F9R, F9HR nicht ebenso gelingen?
    Und nicht zu vergessen, da wird auch schon an der Raptor gearbeitet.

  11. Entscheidend ist nicht was die NASA will, sondern was sie darf. Und ohne Geld dürfen sie eben nicht. Das gilt übrigens auch für Spacex. Die tollsten Projekte nützen nichts, wenn Niemand da ist der sie bezahlt. Dann endet das statt auf dem Mars im Museum.

  12. Auch ich finde mit Backup besser als ohne. Sowohl Boeing als auch SpaceX setzen die Raketen, die Crews zur ISS fliegen sollen, auch auf zahlreichen anderen Missionen ein. Wenn da mal eine wegen falsch herum eingebauter Sensoren oder Programmierfehlern oder blockierter Sensor-Ports in einem großen Feuerball endet, dann ist das entsprechende System wahrscheinlich erstmal ein halbes Jahr gegroundet. Gut, wenn es dann ein anderes gibt.

    Schon bei CRS hat die NASA davon profitiert, dass sie auf zwei Anbieter setzt: Als SpaceX für das Upgrade ihrer Hauptrakete auf 1.1 ein halbes Jahr länger brauchte, als ursprünglich gedacht, konnten sie auf OSC zurückgreifen.

    Zwei Anbieter heißt auch, dass diese nicht so einfach die Preise für den kommerziellen Dienst hochschrauben können, wenn die NASA in fünf Jahren dann die nächste Tranche Starts nachkauft. Es kann ja immer sein, dass der Konkurrent deutlich günstiger anbietet, und der würde dann die Hauptzahl der Starts bekommen.

  13. Es gibt doch auch so Backup-Systeme. Man muß nur mal über den nationalen Tellerrand sehen. Als die Shuttle-Flotte längere Zeit nicht fliegen konnte hat sich das schon bewährt. Warum soll das plötzlich nicht mehr gehen?

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