Krimis im Wandel der Zeiten

Seit Anfang des Jahres wiederholt ZDF Neo Columbo, Gelegenheit für mich die Folgen nochmals anzuschauen. Columbo ist keine typische Fernsehserie, das zeigt schon das es 68 Folgen in dreißig Jahren gab. Mir gefällt vieles daran. Die Figur des Inspektors, die ja zumindest kleidungsmäßig auf Schimanski abfärbte, aber eben auch dass es nicht um das übliche Action-Spektakel mit Schießereien und Verfolgungsjagden handelt, das damals in US-Krimis üblich war. Die Filme sind auch sehr ruhig, während man heute ja wie ein Schießhund aufpassen muss, weil Action gefordert ist. Was mir auffiel ist das Columbo im klassischen Sinne niemals den Täter überführt. Er kann ihm nicht den Mord beweisen, es läuft meistens darauf hinaus, das er ihm Widersprüche aufzeigt oder Beweise findet, die ihn mit der Tat zusammenbringen. Der damit konfrontierte gibt auf, anstatt dass er es auf einen Indizienprozess ankommen lässt, denn er vielleicht sogar gewinnt, weil die Beweise oft sehr dünn sind. In einem Fall „Wein ist dicker als Blut“ fragt Columbo den Täter sogar „Werden sie gestehen?“ denn den Mord kann er ihm nicht nachweisen.

Krimis haben sich sehr gewandelt. Colombo ist der klassische Detektiv, fast könnte man sagen ein moderner Sherlock Holmes, der den Täter durch logisches Nachdenken, Beobachten und Verhören überführt. Technik spielt nur eine untergeordnete Rolle. Heute laufen um die Kommissare ganze Teams der Spurensicherung herum. Mit DNA Spuren wäre wohl jeder von Columbos Fällen schnell geklärt und die gab es eigentlich fast immer. Mich wundert dabei nur, dass die Kleiderordnung der SPUSI mit Ganzkörperanzügen und Überschuhen nicht für die Kommissare gelten. Die KTU darf keine Spuren hinterlassen und die Kommissare trampeln nur mit Latexhandschuhen durch den Tatort, das wäre als wenn man einer Elefantenherde Schuhe anzieht und hofft dass dadurch nichts zertrampelt wird.

Immerhin bildet es mehr die Wirklichkeit ab als früher. Oftmals brechen da Serien Dämme. Gerichtsmediziner gab es schon immer, doch in Krimis kamen sie erst vor als Quincy in den USA und „Der letzte Zeuge“ bei uns ein Erfolg wurden. Allerdings scheint es nicht möglich sein, das die Pathologen normale Menschen sind. Sie haben alle komische Marotten, Hobbys oder als Krönung kochen sie Tee in Erlenmeyerkolben neben den Leichen auf dem Bunsenbrenner. In meinem ganzen Chemiestudium habe ich das nie gesehen. Wenn man einen Kaffee oder Tee haben wollte ging man in die Cafeteria, zum Automaten oder in die Kaffeeküche. Niemals wäre es mir in den Sinn gekommen am Arbeitsplatz etwas zu essen oder zu trinken.

Die KTU ist bei uns noch nicht für eine dauerhafte Hauptrolle gut, aber ich denke das wird sich auch noch ändern dank des CSI Booms bei den Privaten.

Neu scheint auch die Nutzung der Technik zu sein, wobei zumindest in den Fernsehserien die Leute bei Computern und Handys Möglichkeiten haben, über die würde die NSA sich sicher freuen. In der SOKO Stuttgart kann man sogar anhand des Kohlendioxidgehalts der Luft feststellen wie viele Leute in einem raum waren – wers glaubt wird selig.

Die Zahl der Krimis ist ja in den letzten Jahren stark angewachsen. Dafür ist die klassische Fernsehserie fast ausgestorben. Leider wird die Landschaft immer mehr zur Einheitskost. Die Serien versprechen Lokalcolerit, aber halten das nicht. Weder in den Schauplätzen, noch mehr und das ist besonders ärgerlich, in der Sprache. Nehmen wir mal die Soko Stuttgart. Keiner der Hauptdarstellung spricht schwäbisch. Das ist auf zwei mehr oder weniger komische Nebenfiguren beschränkt. So könnte die Serie auch in Bielefeld oder Erfurt spielen. Klar für das deutschlandweite Programm wird es nicht möglich sein breiten Dialekt zu sprechen, aber dass man an der Klangfarbe merkt woher die Leute kommen doch sicherlich.

Das zweite ist das es doch recht langweilig ist, denn es geht immer um Mord. Als gäbe es keine anderen Verbrechen. Dabei macht die Dienstälteste Krimiserie, Großstadtrevier doch vor, dass dies nicht sein muss und auch Raub, Erpressung, Diebstahl, die vielen kleinen Delikte durchaus eine Story abgeben. Sehr oft stehen ja auch wie bei den Rosenheimcops die Fälle gar nicht im Vordergrund sondern irgendwelche Nebenhandlungen.

4 thoughts on “Krimis im Wandel der Zeiten

  1. Hallo Bernd,
    zum Thema Kohlendioxyd in der Luft, und daraus auf die Anzahl der Leute im Raum
    schließen:

    Was tatsächlich in der Erprobung ist, ist ein System, mit dem der Autofahrer auf Alkohol am Steuer beim vorbeifahren getestet wird.

    Ein Laser mit bestimmer Wellenlänge mißt durch die Seitenscheiben des Autos hindurch, der Strahl wird gegenüber reflektiert und fällt wieder durchs
    Auto durch auf einen Sensor, der zumindest grob den Alkoholgehalt in der Luft des
    Fahrzeugs meldet.

    Na dann Prost!

  2. Wow, der Alkohol-Blitzer! Künftig gilt dann nach der Disco: Fenster auf und Lüftung auf Maximum! Bei mehreren Insassen kann das System zudem sicher nicht erkennen, wer den Alkohol ausgeatmet hat…

  3. Dieser Alkohol-Blitzer kann ja noch nicht mal unterscheiden, ob der Alkoholgehalt der Luft aus einem Menschen oder direkt aus der Flasche kommt. Das kann also höchstens einen Verdacht liefern, der anschließend durch eine direkte Alkohol-Kontrolle bestätigt oder wiederlegt werden muß.
    Außerdem läßt sich der Spaß leicht sabotieren: Einfach eine Flasche Schnaps in die Meßstrecke kippen. (kann sogar aus dem fahrenden Auto passieren) Denkbar wäre auch eine Folie an den Scheiben, die die benutzte Wellenlänge blockiert.

  4. Hallo Elendsoft,
    Dein Vorschlag zur „Sabotierung“ des Alk-Lasers mittels Folie ist gut,
    so gut daß der deutsche Rechtstaat diese Folie so dermaßen verbietet und stigmatisiert,
    wie das normale Taschenmesser….

    Es braucht nur eine entsprechende Betroffenheitsgruppe laut genug sein.

    Voll kontrolierte Grüße

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