Das absehbare Ende eines Projektes

Brasilien hat angekündigt, dass sie aus dem gemeinsamen Projekt mit der Ukraine aussteigen will. Ziel dessen war es am Alcanta-Weltraumzentrum die Zyklon zu starten. Ankündigungen dafür gab es seit einem Jahrzehnt, doch getan hat sich nichts. Zuerst war noch von der originalen Zyklon die Rede, später hat man eine modernisierte Version, die Zyklon 4 vorgesehen. Doch es ging nicht voran.

Ein Grund soll sein, dass man damit kein Geld verdient. Brasilien will aber weiterhin eine eigene Trägerrakete entwickeln. Ihre VLS wurde ja aufgegeben nachdem sie vor einem Teststart am Boden explodierte und dabei viele Personen verletzt und getötet wurden. Nun entwickelt man zusammen mit der DLR ein 75-kN Triebwerk L-75.

Nun ich stand dem schon immer etwas skeptisch gegenüber. Von der geographischen Lage liegt es noch näher am Äquator als Kourou, doch das – Nachteil 1 – spielte keine rolle, denn die Zyklon ist zu leistungsschwach für geostationäre Satelliten man wollte Satelliten in den niedrigen Erdorbit bringen und da gibt es eigentlich wenige Starts. Selbst SpaceX zog sich aus dem Sektor zurück weil er finanziell nicht attraktiv genug war (Falcon 1e). Das könnte sich mit den LEO-Konstellationen ändern doch die beiden größten Anbieter werden sicher ihre eigenen Träger nehmen denn hinter ihnen stecken die Finanziers von SpaceX und Statolaunch.

Der zweite Grund, warum ich skeptisch war ist das die Zyklon veraltet war und die Produktion auslief. Die Ukraine selbst hat als Alternative die neuere Dnepr, die ebenfalls auf einer ICBM beruht. Es macht wenig Sinn dies Zyklon aus den Sechziger Jahren zu nutzen, stattdessen hätte man die Dnepr nehmen können.

Der dritte Grund ist das man bei einem bilateralen Projekt sicher auch eine finanzielle Beteiligung der Ukraine erwartet wurde und diese hat nicht erst seit letzten Jahr eine Finanzkrise.

Aufgeben tut man die Pläne für eine eigene Trägerrakete nicht. Nun denkt man wieder an eine Rakete mit meist festen Stufen die einige Hundert Kilo transportieren kann. In der letzten Stufe will man ein Triebwerk L-75 einbauen das man zusammen mit dem DLR entwickelt. Ein Papier zu dem Triebwerk zeigt das es eine vorwiegend brasilianische Handschrift trägt. So setzt es Ethanol/LOX ein, weil Brasilien Ethanol großtechnisch herstellt – logisch, aber man verschenkt Performance.

Was die DLR-Beteiligung an dem Triebwerk soll verstehe ich noch weniger. Wir haben für ein Ethanol/LOX Triebwerk keine Verwendung. Wenn dann für ein Kerosin/LOX Triebwerk, und das auch nur wenn man die anderen ESA-staaten überzeugen kann. Ein Triebwerk in dieser Schubklasse könnte die Zefiro 9A Stufe und das AVUM in der Vega ersetzen. Als man eine Studie dafür machte, bracht das aber kaum zusätzliche Nutzlast – die Zefiro 9A hat schon einen hohen spezifischen Impuls und keine kleine Leermasse. Basis dafür war das Aestus II mit 33 kN Schub aber höherem spezifischem Impuls als dieses Triebwerk. Ich würde eher annehmen dass die Lösung mit dem 75 kN Triebwerk noch ungünstiger ist. Zudem ist der Treibstoff für das Aestus II besser lagerbar, wichtig für Vega Missionen in sonnensynchrone Orbits und mehrfach Aussetzungen.

Die Motivation für das Ersetzen der Oberstufe war es das ukrainische Triebwerk im AVUM; zu ersetzen. Das war eigentlich der Hebel mit dem das DLR überhaupt an dem Projekt beteiligt werden kann, denn ansonsten ist die Vega durchoptimiert und die festen Treibstoffe in den unteren Stufen sind nicht Kernkompetenz der deutschen Raumfahrt Industrie. Insgesamt also mehr Fragen als Antworten.

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