162 Millionen für ein Gemälde

So viel hat Picassos Gemälde „die drei Frauen von Algier“ in dieser Woche erlöst. In den Nachrichten, so auch bei der FAZ sieht man da einen Trend zur Kapitalflucht in Kunst, auch weil andere Dinge wie Münzen in den letzten Jahren immer teurer wurden. Nun ist es ja so das der Wert jeden Gutes immer in Angebot und Nachfrage besteht. Gold, Silber und Edelsteine waren (und sind) so teuer weil sie selten sind. Allerdings nicht nur: es spielen immer auch wirtschaftliche Aspekte eine Rolle. Das sieht man am derzeitigen niedrigen Erdölpreis: Der bringt Russland, Venezuela und andere Staaten in Probleme, da diese hohe Förderkosten haben. Seltenheit hat immer auch etwas mit Kosten zu tun. Gold wird in Südafrika aus den tiefsten Bergwerken zu tun.

Ein anderer Vergleich: derzeit steigen in Deutschland die Immobilienpreise weil die Leute nun aufgrund der niedrigen Zinsen (sowohl für angelegtes wie aufgenommenes Geld) mehr bauen. Natürlich bedeutet eine größere Nachfrage, dass die Preise steigen. Ebenso haben einige Unternehmen in den letzten Jahren enorm an Wert zugelegt. Die Aktie von Apple z.B. über 100% in einem Jahr, aber auch der DAX als Leitiindex vieler Unternehmen in einem Jahr um 20%. Es fällt schwer zu glauben, dass diese Unternehmen in dieser kurzen Zeit so viel mehr Wert haben, sprich Kapital, Grundstücke, Maschinen haben.

Was Kunst, aber auch Antiquitäten von den Börsenkursen, Gold oder Immobilien unterscheidet, ist das der Wert den man vielen Dingen heute zuspricht, nichts mit dem Kapital und Arbeitseinsatz zur Schöpfung zu tun hat. Zumindest bei diesen Rekordsummern (ein handwerklich hergestellter Biedemeierstuhl hat heute einen Wert der durchaus in einem vernünftigen Verhältnis zum Arbeitsaufwand steht, den man trieb um ihn herzustellen). Was mich ja so erstaunt ist, das die Kunst die heute so Rekordsummen erzielt relativ moderne Kunst ist. Man kann nun zu der Schönheit stehen wie man will, aber seit etwa 150 Jahren ging der Arbeitsaufwand für das Erstellen eines Bildes doch drastisch zurück. An fast fotorealistischen Gemälden, wie sie vorher üblich waren, arbeiteten Künstler sicher sehr lange, mit dem Impressionismus begann eine Reduktion der Abbild und dem Wegbewegen von der Wiedergabe eines Gegenstandes so wie er ist, oder wie er sein sollte (romantische Gemälde die eine idealisierte Natur zeigen). Das Gemälde von Picasso besteht aus groben Pinselstrichen und monoton eingefärbten Flächen. Es geht durchaus noch arbeitssparender, wie Gemälde aus einer monotonen Farbfläche oder aus verschütteter Farbe. Im Falle von „Aktionskunst“ ist ein Bild in weniger als einer Minute fertig. Doch selbst Picasso hat im Laufe seines Lebens über 50.,000 Kunstwerke hinterlassen. Auch wenn vieles nur Skizzen sind, so kann in jedem nur wenig Arbeit stecken und das ist nun 161 Millionen Euro wert?

Natürlich nicht. Es gibt genügend unbekannte Künstler die ähnlich mahlen und die froh wären wenn sie 1620 Euro, also ein 1/100.000 der Summe für ein Gemälde erlösen würden und in China nachgemalt, gibt es das Gemälde sicher auch preiswerter. Bei 50.000 Kunstwerken von Picasso ist es nicht mal so selten, auch wenn es dieses Gemälde nur einmalig gibt, so gibt es vond em Künstler dagegen viele (anders als von Michelangelo von dem man nur wenige Bilder kennt die von ihm stammen).

Ich kann zumindest bei diesen extrem teuren Gemälden nicht sehen, warum es so teuer ist. Vor allem bei diesen Extremsummen kann ich nicht an die These, die ich in den Nachrichten gehört habe, das diese Gemälde nun „Geldanlagen“ seien glauben. Der springende Punkt ist doch der: Damit der Käufer einen Gewinn macht, muss er jemanden finden, der mehr für genau dieses Gemälde bezahlt. Also nicht für ein Picasso Gemälde sondern genau dieses – das ist ja das Problem. Es ist ein Unikum. Wenn viele meinen genau dieses Bild wäre einzigartig so kann die Rechnung aufgehen, bei so vielen Gemälden von Picasso denke ich das eher nicht. Es ist auch nicht das bekannteste von Picasso. Wenn jemand einen echten Picasso haben will, warum sollte er dieses kaufen und nicht ein anderes das vielleicht nur im einstelligen Millionenbereich liegt. Wer Kunst als Wertanlage sieht würde wohl eher viele Gemälde kaufen die im mittleren Preisbereich liegen. Sie sind leichter zu verkaufen und so streut man das Risiko. Viel eher wird das Bild bei einem vermögenden Privatsammler landen. Leute die sich einen eigenen Airbus 380 und eine Yacht im dreistelligen Millionenbereich leisten können können auch für ein Bild diese Summe ausgeben.

Nun ja für mich ist die Diskussion eher theoretisch. Wie man bei dem letzten Allgemeinblog lesen konnte habe ich es nicht so mit Deko, dazu gehören auch Dinge die an der Wand hängen, also auch Bilder. Ich habe einige Astrofotos und viel leeren Platz. Drei Gemälde habe ich, aber die bekam ich bei einer Haushaltsauflösung als ich das Schlafzimmer und die Wohnzimmerwand übernahm hinzu. Der Künstler ist aber unbekannt und es sind Bilder von Landschaften im impressionistischen Stil die mir ganz gut gefallen. Ich habe jetzt noch mal nachgedacht und auch ein bisschen gestöbert, aber ich bin doch wohl eher der Typ der leeren weißen Wände. Ich habe zumindest nichts gefunden, ich nicht nach kurzer Zeit satt gesehen hätte.

3 thoughts on “162 Millionen für ein Gemälde

  1. Moin,

    „Nur ein toter Künstler ist ein guter Künstler“, diese Gefühl habe ich zumindest, wenn ich an die Künstlerdeponie Worpswede denke.

    Eine Freundin von mir hatte dort eine Kneipe. Bei ihrem letzten Umzug habe ich geholfen 2 Zimmer voll mit Bildern, Skizzen, Roman-Handschriften, usw zu schleppen. Die Kunstwerke von original Worpsweder Künstlern haben zumeist nur ein paar Bier gekostet. Der im Bauwagen oder Boot lebenden Hartz IV Künstler ist für Worpswede quasi das Markenzeichen der romantischen Armut im Teufelsmoor. Sobald jemand stirbt kommen dann langsam die Originale von den Dachböden, der Bauer hat nen neuen Traktor, und die Kneipe nen neuen Benz, weil in Worpswede ist noch kein Künstler verhungert oder verdurstet.

    Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen von Künstlern die zu Lebzeiten schon wohlhabend wurden. Gottfried Helnwein fällt mir da spontan ein, weil ich für Ihn mal eine Soundinstallation für eine Ausstellung programmiert habe.

    ciao,Michael

  2. Tja, es ist eine Kunst den Wert von Kunst zu bestimmen.

    Auch eine echte Gutenbergbibel ist sehr viel Geld wert, aber es ist kein materieller Wert.

    Eine Bibel heute ist aus besserem Papier, besserer Druckqualität etc, etc…

    Aber: Der Genius, der in der Erfindung und Gestaltung der Bibel steckt wird den Wert erhöhen, ebenso die Wertschätzung durch jemanden, der die Bibel „zu schätzen weiß“.

    Ich würde für einen Picasso nicht viel Geld ausgeben, jedenfalls weniger als
    z.B. für ein Objekt meines Hobbys.
    Andere sehen das genau konträr.

    Man kann sich darüber einfach trefflich (nicht) streiten.
    Die Hauptsache es gefällt demjenigen der es kauft!

  3. M.E. ist ein Hauptkriterium für den Preis eines Kunstwerks die mediale Aufmerksamkeit, die dieses erhält. Manchmal treibt sich das auch gegenseitig: Hat ein Gemälde einen Höchstpreis erreicht, schreibt natürlich Gott und die Welt darüber, und das Interesse an dem Bild steigt weiter. Dadurch besteht durchaus die Chance, dass das Bild in fünf oder zehn Jahren dann nochmals einen Rekord erzielt, sollte das Bild dann schon wieder unter den Hammer kommen. Oft reicht es sogar, wenn bei der „Wiederholungsversteigerung“ ein ähnliches Bild desselben Künstlers aufgerufen wird. Die diversen Sonnenblumen von Van Gogh oder die Schreie von Edvard Munch haben sich jeweils wunderbar gegenseitig hochgetrieben. Natürlich darf so eine Serie nicht zu viele Bilder enthalten. Und der Künstler darf nicht mehr leben oder muss zumindest glaubwürdig das Schaffen eingestellt haben. Wäre ja schlimm, wenn sich die Serie plötzlich einfach so vergrößert.

    Bei den Frauen von Algier ist sicherlich preistreibend, dass das Original von Eugène Delacroix seit deutlich über einem Jahrhundert prominent im Louvre hängt und immer wieder ob des angeblichen oder tatsächlichen Sexismus (es wurden ja Haremsfrauen portraitiert!) diskutiert worden ist. Das Original dürfte wie die Mona Lisa unverkäuflich sein, da kommt eine Neuinterpretation durch einen moderneren Künstler wie Picasso gerade recht.

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