Gedanken zu CRS2

Es ist ja im Blog etwas ruhig geworden. Nein, ich bin nicht im Urlaub. Ich bin immer noch etwas gehandicapt von meinen Rückenschmerzen, auch wenn sie langsam besser werden. Die letzte Zeit habe aber auch so nicht viel gearbeitet und das an der zweiten Auflage des ISS-Buchs. Das alte ist gekündigt und seit gestern nicht mehr lieferbar. Die neue Auflage enthält ein Kapitel über die bisherigen Raumstationen, Ergänzungen die es an der ISS seit 2010 gab, eine Diskussion über die Forschung und den Sinn, aber eben auch ein großes Kapitel über die Versorgungssysteme.

Der Umfang ist so von 176 auf 252 Seiten angestiegen, der Preis aber nur moderat von 13,90 auf 15 Euro – der Druck ist in den letzten 5 Jahren billiger geworden. Dabei stolperte ich auch über dieses Dokument des Office of Inspector General über den Weiterbetrieb der ISS bis 2024 gestoßen. Dabei geht es auch um CRS2. Die Ausschreibung läuft seit längerem und eigentlich erwartete man schon die Bekanntgabe der Gewinner. Bei CRS2 will die NASA 14,25 bis 16,75 t Fracht im Druckmodul und 1,5 bis 4 t Fracht ohne Druckausgleich pro Jahr transportieren. Das ist deutlich mehr als bei CRS wo es 40 t in 4-5 Jahren sind. Das ist leicht zu erklären: Die ATV fallen weg und wenn mit CCDev es einen Astronauten gibt braucht der Sauerstoff, Wasser, Essen, Kleider. Zudem wird mit steigendem Alter immer mehr ausgetauscht werden.

Allerdings sollen es nicht mehr als 5 Missionen pro Jahr sein und es darf nicht mehr als 1-1,4 Milliarden Dollar kosten. wer Dreisatz beherrscht bemerkt – das geht mit Orbital und SpaceX nicht. Minimal sind es 15,75 t Fracht (Druck + ohne Druck addiert), maximal 20,75 t. Selbst die Minimalfracht erfordert 3,15 t Fracht pro Mission – das ist mehr als Dragon oder Cygnus transportieren können (die Dragon theoretisch, aber das Volumen reicht dafür nicht aus).

Noch interessanter ist die Preisgestaltung beim derzeitigen Vertrag zahlt die NASA 95.000 $/kg an Orbital und 80.000 $/kg an SpaceX. Nimmt man 1 Milliarde für die 15,75 t an und 1,4 für die 20,75 t so sind dies aber nur noch 63.400 bzw.67.400 $/kg, also deutlich weniger als jeder der beiden Partner heute erhält und da wurden die Verhandlungen 2008 geführt, unwahrscheinlich das es seitdem billiger wurde. Bei SpaceX hat man z.B. den Preis einer Falcon 9 von 2010 bis heute von 54 auf 61,2 Millionen Dollar erhöht. Das obige Dokument rechnet zumindest für die Zukunft mit 4% Steigerungen pro Jahr.

Vielleicht machen es die neuen Mitbewerber billiger, es haben sich sieben Firmen beworben. Öffentlich machten Boeing, Lockheed Martin und Sierra Nevada ihre Bewerbung öffentlich. Neue Transporter mögen mehr transportieren und so das 5-Misionen Kriterium einhalten doch da man erst die Transporter entwickeln muss wird man über den Vertrag die Entwicklungskosten mitfinanzieren müssen und das kostet auch Geld. Also billiger wird es nicht werden.

Ich denke die NASA ist nicht ganz glücklich über die Entscheidung der ESA ein Orion-Servicemodul zu entwickeln anstatt weitere ATV zu bauen. Die Fracht fehlt, der Ersatz ist teuer und derzeit ist das Modul auch im Zeitplan zurück und war beim letzten Review auch zu schwer. Vor allem transportiert ein ATV so viel Fracht wie derzeit vier Dragon oder drei Cygnus und er kann die Station anheben, das wird man in einigen Jahren wenn die Sonne aktiver wird brauchen. Daneben ist es billig: Ein ATV kompensiert zwei Jahre ESA-Beteiligung an der ISS, jedes Jahr wird mit 150 Millionen Euro berechnet. Die ESA kostet aber ein ATV 450 Millionen Euro, was immer noch billiger pro Kilogramm als SpaceX und Orbital ist (73.000 $/kg). Für die NASA wird CRS-1 sogar noch teurer, denn die 3,5 Milliarden Aufträge an die Wirtschaft sind ja nur der Teil den die NASA an Orbital und SpaceX zahlt. Da sie auch interne kosten hat weist das CRS-budget 4224 Millionen Dollar Ausgaben bis 2016 aus. Bei der NASA Rechnung sieht es für die Zukunft so aus: 14 bis 15 t Fracht mit zwei ATV wären in etwa so viel wie das Minimum und das sind der NASA 1 Milliarde Dollar bei einem US-Anbieter wert, aber nur 300 Millionen Euro wenn sie die ESA sie transportieren – gleichberechtigte Partnerschaft sieht anders aus.

Vielleicht hatte auch die ESA es satt sich immer ausnützen zu lassen. So wirds teuer für die NASA – das ISS Budget steigt von 3 auf 4 Milliarden im Jahr. Dabei rechnet der obige interne Rechnungshof nicht, damit dass dies ausreicht.

Die NASA ist aber auch so einer prekären Situation. Derzeit will der Kongress nur 900 bis 1000 der beantragten 1200 Millionen für CCDev bewilligen. Das Programm ist seit es auflegt wurde unterfinanziert. Als Folge hat sie erneut sechs Sitze bei Roskosmos für 2018/19 bestellt, die nun schon über 80 Millionen Dollar, insgesamt 491,6 Millionen kosten. Das geht anscheinend eher als die eigene Industrie zu fordern oder es muss nicht von einem Kongressausschuss bewilligt werden.

CCDev wird dann übrigens nicht billiger werden, obwohl ein Sitz weniger kostet – dafür werden mehr Astronauten transportiert, was die Einsparung aufhebt. 1,2 Milliarden sind für die ersten zwei Jahre geplant also 600 anstatt 491,7 Millionen Dollar pro Jahr. Aber es geht wenigstens an die eigene Industrie nicht nach Russland.

Wenn man das Förderargument bei CRS2 weiter nutzt so müsste man meiner Ansicht nach zwei Anbieter fördern: Sierra Nevada mit ihrer unbemannten Version des Dreamchaser um die Raumgleitertechnologie weiter zu fördern und Lockheed Martin mit ihrer Trennung von teurem Serviceteil und billigem Frachtmodul – nur das letzte geht bei jeder Mission verloren. Dagegen sind die bisherigen Transporter langweilig und sehr konventionell und SpaceX wird zudem in einem anderen Programm gefördert.

3 thoughts on “Gedanken zu CRS2

  1. Die Vergabe wurde auf Septeber verschoben und von Orbital soll bekanntgegeben worden sein, dass bereits ein Mitbewerber nähmlich Lockheed Martin aus dem Wettbewerb raus ist.

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