Allenthalben neue Raketen und Triebwerke

… werden derzeit entwickelt. Den Eindruck habe zumindest ich gewonnen. In Russland wechseln sich die Projekte ja schneller ab, als man darüber berichten kann. So wurde nach Jewgenis Angaben Ende 2015 die Angara 5V oder 5W beschlossen, also mit einem zentralen URM das LH2 als Treibstoff nutzt (natürlich damit was neu entwickelt wird, nicht von den RD-0120 angetrieben). Doch die ist (ebenfalls nach Jewgenis Angaben) schon Anfang 2016 wieder Geschichte. Von den verschiedenen Angara 7 Versionen oder den sechs verschiedenen KTVK-Stufen mit (natürlich) dem neuen RD-0146 Triebwerk (es wäre ja zu einfach gewesen, das existierende RD-56 zu nehmen) gar nicht zu reden. Dafür wird nun ja die Sojus 5 gebaut. Na ja warten wir mal ab ….

In den USA hat die Ukrainekrise auch ein Umdenken ausgelöst. Vorher hat man sich wenig Gedanken gemacht das die Antares und Atlas russische Triebwerke einsetzen. Dann schlug die Reaktion ins Gegenteil um. Ein Bann wurde für die RD-180 verhängt. Die NK-33 von Aerojet lagern ja schon seit langem in den USA. Netterweise vom Kongress unter der Leitung von McCain beschlossen (der Typ wollte 2008 mal Präsident werden!) betrifft der Bann nur die militärischen Einsätze. Orbital konnte also während des Banns also problemlos einen Vertrag mit Energomasch über die Lieferung von RD-181 (= 2 x RD-193) abschließen, den Orbital bewirbt sich nicht um DoD Aufträge. Ja das ist möglich im Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten. Aber so haben es die USA doch Russland wirklich gezeigt! Man hat einem Triebwerkshersteller die Profite etwas gekürzt, dafür hat man aber keine Raketen zur Verfügung um eigene nationale oder militärische Satelliten zu starten. Als ULA dann bei einer Air Force Ausschreibung sich gar nicht mehr beteiligen wollte, weil die verfügbaren Rd-180 nicht mehr für den zusätzlichen Start reichen dämmerte wohl, das man sich da ins Knie geschossen hat. Zugegeben, man hätte auch schlauerweise mit dem Beginn des Embargos mehr Delta 4 produzieren können, auch wenn das teurerer als die Atlas ist. (Ein Embargo muss man sich auch selbst leisten können) Doch noch schlauerweise hat man in etwa gleichzeitig bei ULA beschlossen deren Produktion einzustellen. Das ist übrigens noch nicht zu Ende. Nachdem man den Bann kurzzeitig gehoben hat, feuert McCain nun weiter und will als Vorsitzender des entsprechenden Ausschusses den Bann erneut durchsetzen “a complete and indefinite restriction on [Russian President Vladimir] Putin’s rocket engines”. Ja der gute Putin hat nichts anderes zu tun als persönlich die RD-180 zusammenzubauen. Hätte ich dem nicht zugetraut, die haben eine 100% Erfolgsquote. Mann haben wir Glück gehabt, das der nicht Präsident geworden ist.

Nun ist das Embargo wieder weitgehend aufgehoben. Es hat aber zum Umdenken geführt. ULA will die Vulcan entwickeln. Sie soll die Atlas ablösen und ein US-Triebwerk in der ersten Stufe einsetzen. Derzeit favorisiert ULA eines von Blue Origin anstatt Aerojet, die ja inzwischen Rocketdyne übernommen haben und damit Hersteller fast aller Triebwerke mit flüssigen Treibstoffen sind welche die USA jemals produzierten.

Dafür hat man die Förderung von neuen Triebwerken beschlossen. Zuerst 2014 eine erste Charge, nun vor einer Woche ein neuer Kontrakt über 241 Millionen Dollar von der Air Force. Orbital bekommt 46,9 Millionen Dollar, erhöhbar auf 180 Millionen für die Entwicklung von drei Technologien für die Antares. Die Firma selbst kündigt einen neuen Feststoffantrieb für Booster an, eine Erweiterung des GEM-63XL und eine ausfahrbare Düse für das BE-3. Sie will selbst 31 Millionen (erweiterbar, wenn es weitere Gelder gibt, auf 124) eigenes Geld investieren. Das ist jetzt nicht das was ich erwartet hätte. Ich dachte dann eher man würde ein US-Triebwerk in der Antares einsetzen, es gäbe ja noch Aerojet die eines in der Größenklasse entwickeln.. So wird aber die Antares nach wie vor von den gefährlichen Triebwerken von Putin angetrieben.

SpaceX bekommt 33,6 Millionen (erweiterbar 61 Millionen) für Arbeit an der Raptor. Das will die Firma mit 67 (123 Millionen) eigenem Geld kombinieren. Was mich wundert ist das nach der Ankündigung das ist für “ cost investment with SpaceX for the development of a prototype of the Raptor engine for the upper stage of the Falcon 9 and Falcon Heavy launch vehicles.“. Da wurde doch mal die Raptor als Triebwerk für eine Rakete die 100 t zum Mars transportieren sollte angekündigt. Dann wurde sie mit nur 2,3 MN Schub genauer präzisisert, da hätte man schon einige Dutzend Raptoren für die Marsrakete gebraucht. Nun ist sie ein Oberstufentriebwerk für die Falcon 9. Die Oberstufe wiegt dort etwa 100 t. Dafür sind 2300 kN viel zu schubstark. Schon jetzt gibt es mit dem im Schub reduzierbaren Merlin Spitzenbelastungen von 6 g bei großen und 8,5 g bei kleinen Nutzlasten. Sie wird wohl wieder etwas kleiner werden. Nun ja die Raptoren waren auch die kleinsten Raubdinosaurier. Der Velociraptor ist ein etwa so groß wie ein großer Hund und auch in etwa so schwer.

Auch im Land der aufgehenden Sonne wird eine neue Rakete entwickelt. Die H-3 wird ein neues Haupttriebwerk erhalten und soll flexibler und billiger als die H-IIA sein. Bis 2020 soll die Entwicklung 1,35 Milliarden Euro kosten.

Ja und man kommt nicht umhin auch die Ariane 6 zu erwähnen. Sie fällt in der Reihe auf wie Gabriel bei den Mädels von GNTM. Nein nicht durch Intellekt sondern Körperumfang. Das dritte Konzept in eineinhalb Jahren setzt nun auf eine 5,4 m große Zentralstufe mit dem Vulcain 2. Darauf eine 5,4 m große Oberstufe mit dem Vinci und neue Booster mit der halben Masse der EAP dafür eben doppelt so viel. Und für diese Neuauflage der Ariane 5 ME (gleiche Oberstufe, in der Zentralstufe nur getrennte Tanks anstatt Integraltank, neue Booster als einziges neues) kostet 4 Milliarden Euro. Alleine der Booster fast 700 Millionen, mehr als die ganze Vega mit drei Stufen in der Entwicklung kostete. Wie bekommt Japan die H-3 mit neuem Triebwerk für ein Drittel hin? Meiner Ansicht nach sollte wie bei den USAF Aufträgen die Raumfahrtindustrie sich selbst beteiligen und zwar substantiell so in der Hälfte der Aufwendungen. Vielleicht haben sie auch dann Interesse dran die Aufwendungen bei Entwicklung und Einsatz zu senken. Derzeit kommt mir die europäische Industrie wie ein Selbstbedienungsladen vor. Vor allem wenn Arianespace trotz Marktstart (oder gerade deswegen?) von SpaceX seit zwei Jahren schwarze Zahlen schreibt und dieses Jahr Aufträge für 33 Träger an Land ziehen konnte (SpaceX 9). Also Ariane 5 läuft wozu eine Ariane 6 und warum ist sie so teuer?

Tja und dann hat noch Blue Origin das hinbekommen was SpaceX seit Jahren versucht und wie das Evangelium anpreist: Ihr Gefährt startet, landet und startet erneut. Und nein, das sind nicht zwei Paar Stiefel. Die Abtrenngeschwindigkeiten und aerodynamische Belastung sind bei der Falcon 9 Erststufe und New Shepard fast gleich. Das kann man leicht sehen wenn man die SpaceX Angaben für Abtrenngeschwindigkeit mit der Geschwindigkeit vergleicht, die man braucht um 100 km Höhe zu erreichen.

25 thoughts on “Allenthalben neue Raketen und Triebwerke

  1. Blue Origins Gefährt hat aber eine viel höhere Leermasse. Das erlaubt nicht nur den Schwebeflug, sondern auch viel stabilere Strukturen. Daneben hat sie bei der Trennung eine Geschwindigkeit von beinahe 6000 Km/h während die New Shepard-Rakete 3.75 Mach erreicht. Leider steht dort nicht, in welcher Höhe dies geschieht, aber es wird wohl weit unter 100 Kilometern sein. Die direkte Vergleichbarkeit ist damit nicht gegeben.

  2. Nun ja da kann man auch andere Gesichtspunkte bringen. So ist ein größeres Gefährt einfacher zu lenken. Der Schwerpunkt liegt durch die Triebwerke ohne Nutzlast viel tiefer und weil nur ein Triebwerk arbeiten muss muss auch der Schub nicht so stark abgesenkt werden.

    Wesentlich ist die Geschwindigkeit mit in der die Atmosphäre eingetreten wird und die dürfte vergleichbar sein. Ich vermute die stufe wird noch auf etwa 100 km höhe steigen, eventuell weniger. Die 6000 km/h beziehen sich auf die Summe aus vertikaler und horizontaler Geschwindigkeit. Die Horizontale wird aber durch die Rakete wieder abgebaut sie muss ja zum Startort zurückfliegen.

  3. Mit der demonstrierten Wiederverwendung innerhalb von 2 Monaten ist Blue Origin dem Ziel des Weltraum(hüpfer)tourismus deutlich näher gekommen. Ich bin gespannt ob einer der nächsten Starts bemannt durchgeführt wird. Bisher gab es 3 Starts, der erste noch ohne Landung der Stufe, alle verliefen erfolgreich.

    Was interessant wird ist die nächste Entwicklungsstufe mit dem BE-4 Triebwerk das 2017 flugfertig seien soll. Die im Artikel angesprochene Alternative zum RD-180 für die Vulcan. Mit 555000lbf, Methan und Wiederverwendbarkeit grobe Größenordnung SSME.
    Mit einer solchen ersten Stufe wäre die Diskussion um die Falcon 9 Vergleichbarkeit dann auch vorbei. 😉
    Die heutige New Shepard wird zur Oberstufe und nicht mehr landen.

  4. Kleine Korrektur

    1) Angara-A5W hat keinen zentralen URM mit LH2, sondern eine URM-2W Oberstufe mit RD-0150, gegenwärtig werden Varianten des Triebwerks untersucht. Damit ist die Verwendung des RD-0120 reiner Unsinn.

    2) Der RD-56 entstand schon ab Anfang 1962, später Modernisierung für Beschleunigungsstufen Wichr (Proton), Storm (Groza Rakete), Smertsch (Energija), danach RD-56M für GSLV, für heute nicht mehr optimal ist einfach zu schwach und zu schwer, hat keine progresive Lösungen.

  5. Zitat „von RD-181 (= 2 x RD-193)“

    RD-181 wurde in Weltrekordzeit entwickelt, ist die Exportvariante des RD-193 von Sojus-2, alle haben somit nur eine Brennkammer.

  6. Bezugnehmend auf FKP 2016-25 Dokumente, folgende wissenschaftliche-technische Arbeiten (OKR-Forsaz) sind vorgesehen:

    Technische Projektierung und Arbeiten an Triebwerken mit kleinen Schub die auf flüssigen und gasförmigen Kraftstoffkomponenten arbeiten und Produkte der Elektrolyse von Wasser bis 2035 zu erstellen. Für die Elektrolyse ist ein leistungsfähiges Kraftwerk vorgesehen. Die Arbeiten werden ab 2018 im Keldysch Zentrum gemacht.

  7. Zur OKR-Forsaz, hier handelt sich um nichtkonventionelle Antriebssysteme für Beschleunigungsstufen, ausgehend von einer wissenschaftlichen Publikation ist damit ein Isp bis 750s möglich.

    Nun, ich lese gerade eine Info eines BBC Korrespondenten, das engliche Forscher einen Schritt beim durchbruch von metalischen Wasserstoff sind, dabei wurde ein Druck von ca. 350 Gigapascal erreicht. Als eine der Anwendungen von metallischen Wasserstoff wäre die Entwicklung von innovativen Brennstoff für Raketen, so der engliche Forscher Howie. In ferner Zukunft wäre mit so einen Treibstoff ein Isp von 1000s möglich.

    Noch zu Wasserstoff und die Welt der Quantenphysik, veröffentlicht in Journal of Mathematical Physics. Die Physiker haben entdeckt, dass die berühmte mathematische Konstante PI wiederspiegle alle mögliche Umlaufbahn der Elektron in einem Wasserstoffatom. Für die Forscher wie Tamar Friedmann von der University of Rochester (USA) ist die Verbindung von Physik und der Mathematik also der Zusammenhg zwischen der abstrakten Welt der Mathematik und der realen Welt der Physik eine Sensation.

  8. „RD-0146 Triebwerk (es wäre ja zu einfach gewesen, das existierende RD-56 zu nehmen“

    Nun, bei genauer Betrachtung für zukünftige Ansprüche ist der RD-0146 etwas fraglich, es gibt bei den Entwicklern einige Fragezeichen für die weitere Zukunft in Verbindung mit MOB, so zumindest eine interne Info die meine ältere Vermutung auch bestätigt hat. Bei Brennversuchen die alle erfolgreich waren, haben sich aber Abweichungen von den mathematischen Modellen bis 4% gezeigt.

    Ungeachtet der Kritik, ist der RD-0146 mit Laserzündung schon eine hervorragende Leistung, seine Turbine mit 125 000 U/min hat Rekordwerte.

  9. Einige Tatsachen:
    Das RD-56 funktioniert, es ist vorhanden und muss nicht entwickelt werden. Sowohl Triebwerksgewicht, wie auch spezifischer Impuls sind mit dem RD-0146 vergleichbar, nur der Schub ist etwas geringer, doch dafür kann man leicht zwei einsetzen, weil die Expanionsdüse kleiner ist. Wenn ich wie von der KTVK berichtet Finanzierungsschwierigkeiten habe, dann würde ich das wählen das verfügbar ist und nicht das was weitere Finanzmittel für die Entwicklung fordert. Russianspaceweb meldet keinerlei Fortschritte bei der Entwicklung des RD-0146 in den letzten Jahren.

  10. Bernd, dazu folgendes. Ob ein X oder Y Triebwerk zum Einsatz kommt, hängt nur vom Auftraggeber ab, das ist ein ganz normaler Vorgang im West oder im Osten.

    Zu RD-56:

    Schnee von gestern, dazu findet sich kein Auftraggeber geschweige den der NTS (Wissenschaftlicher technischer Rat der Konstrukteure), eine 1 zu 1 Übernahme ist nicht möglich, erfordert deutliche Veränderungen mit der Laserzündung. Technische Lösungen und Aggregate nicht zeitgemäss. Siehe die neue Sauerstoffpumpe (Fachpublikation) mit drei Kaskadensystem, senkt die Masse um 40% und wir haben den neuen RD-0146.

    Zu KVTK:

    Dazu gab es keine Finazprobleme, bis gestern waren nur hübsche Bilder und kein Auftraggeber und eine Vorplannung ist in nur 3 Monaten machbar. Alle Daten und Angaben haben somit mit Wirklichkeit wenig zu tun. Offizielle Arbeiten im Auftrag des Verteidigungsministerium erfolgen ab 2016, habe geschrieben.

    Zu RD-0146 (RD-0146D und RD-0146DM)

    1) Ist schon eine Weltspitze, je nach Nutzlast kommt Wasserstoff oder Methan zum Einsatz, auch ein Novum in der Raumfahrt als auch mit der Laserzündung ein gewaltiger technischer Fortschritt.

    2) Bis 2012 erfolgten die Brennversuche ausschließlich der Datengewinnung (zu Deutsch = eruieren), wir nenen den Vorgang als этапа уточняющих испытаний (УтИ).

    3) Erst danach war es möglich den nächsten Schritt der Brennversuche zu machen, die Entwicklungstest (доводочных испытаний -ДИ), die erfogten ab Oktober 2013. Als Brennstoff wurde Wasserstoff und Methan verwendet, die Zündugen erfolgten schon mit dem Lasermodul. Danach kommt der nächster Schritt, ist schon fest mit Veränderungen eingeplant.

    4) Die Laserzündung (SLZ) vereinfacht radikal den Zündvorgang, senkt die Masse des Trägers (bei Sojus-2 um 150 kg), besonders in den Oberstufen eliminiert die SLZ alle erforderliche Kanäle, Ventile und Rohrleitungen für die Versorgung der Komponenten in dem Zünder, senkt die Kosten der Endsysteme um den Faktor 10 mal, belibige Anzahl der Zündungen.

    Zu KVSTK:

    Hier handelt sich um eine Beschleunigungsstufe mit etwa 75 Tonnen Startmasse mit zwei RD-0146 und einen max. Durchmesser von 6,6 Meter in Vorplannung. Hier war meine berechtigte Kritik und der Entwickler. Das ist aber Thema nach 2025. Möglich ist die Anwendung des RD-0150.

    Zu RD-0150:

    In Vorplannung mit 44 oder 90 Tonnen Schub, vorgesehen für Angara an der URM-2W. Optimal wären 90 Tonnen Schub, möglich wären aber auch zwei Varianten mit unterschiedlichen Schub, darunter für KVSTK (MOB) Stufe. Also abwarten.

  11. Dazu folgendes:

    1) Sojus-5 mit RD-0164 und ev. die neue Zenit mit RD-171 sind doch unterschiedliche Entwicklungen (OKR Feniks). Auch hier wird die altmodische Zündung bei den RD-171 durch Laserzündung ersetzt.

    2) Lasermodul mit eine Laserkerze hat eine Masse von etwa 1,5 -2 kg, bei der Sojus-2 kommen 32 oder 64 Lasermodule zum Einsatz. Der Serienpreis müsste bei etwa 500- 1000 Dollar liegen. Gegenwärtigt werden die Triebwerke der ersten Stufen mit einen pyrotechnischen System und in der zweiten Stufe mit recht komplexen Systemen mit viel Ventilen, Rohrleitungen und elektrischen Ausrüstung gezündet, somit ist der Preis schwer zu nennen.

    Mit dem Laser erreichen wir radikale Vereinfachung, die Kosten der Zündung werden 10 mal billiger, so die Info der Entwickler. Für die Zündung wird nur 6-8 g/s an Treibstoff verbraucht, der Zündvorgang dauert nur 0,2/0,5s.

  12. Zum technischen Verständnis: Treibstoffe müssen gezündet werden. Die meisten sind nicht selbstentzündlich. Dazu gibt es im Prinzip drei Methoden:

    – Injektion einer selbstentzündlichen Flüssigkeit, so z.B. bei der Saturn V und Falcon eingesetzt.

    – Ein Feststofftreibsatz entzündet den teeibstoff (bringt zugleich genügend Startgas für die Turbine)

    – Ein Zündfunke oder eine Zündfackel entzündet die Mischung, das ist wie bei einer überdimensionalen Zündkerze.

    Ich habe noch nie gehört das eine der Methoden besonders teuer wäre. Selbst wenn man Gewicht einspart dann reden wir von einigen Kilogramm in der Erststufe, das macht dann vielleicht 1 kilogramm bei der Nutzlast aus. Das ganze ist also für das Gesamtsystem genauso wichtig wie wenn man im Auto die Zündkerze auswechselt.

    Man hört in Russland aber nichts von dem Ersetzen schwerer alter Aluminiumlegierungen durch neue oder CFK-Werkstoffen. Zenit und angara haben relativ hohe Strukturfaktoren obwohl sie die modernsten russsischen Raketen sind. Das alles bringt viel mehr Nutzlast.

    Die Zenit wurde nachdem die Ukraine Ausland ist schon seit Mitte der Neunziger kaum noch eingesetzt. Nach der Ukrainekrise hat Roskosmos keine mehr bestellt und nur noch ein verbleibendes Exemplar zum starten. Zudem gibt es die Angara A2 mit derselben Nutzlast. Das alles macht keinen Sinn, warum nicht noch zwanzig weitere neue Raketen für dieselbe Nutzlast entwickeln, jede einmal einsetzen und dann eine neue entwickeln? Es geht ja nur um Entwicklungen nicht darum das auch mal was fertig wird….

  13. Zum Thema neue Trägerraketen und Wiederverwendbarkeit, ganz kurz:

    1) Heute gibt es zwei Varianten der Wiederverwendung, eine Senkrechte (F-9 = einfacher Lösung) und waagerechte Landung (amerikanische Patente, MRKN Konzept).

    2) Nach neuesten Informationen und umfangreichen Analysen ist die waagerechte Landung mit hohen Kosten verbunden, die Nutzlastkosten werden etwa 1,7 mal höher als die von Einweg Raketen sein. Somit ade MRKN.

    3) Im Rahmen der Avantgard/Flagman Entwicklungen (TSINMASCH) werden neue Lösungen gesucht, darunter mit raketendynamischer Abbremsung (F-9 Variante/Rossijanka), mit Fallschirmen und mit Flügeln. Danach kommt ein Technologie-Demonstrator zum Einsatz, danach im Auftrag von GK Roskosmos eine leichte Trägerrakete bis 1 Tonnen Nutzlast mit wiederverwenbarer 1 Stufe.

  14. Bei den aktuellen russischen Entwicklungen bin ich nicht 100 Prozent auf dem Laufenden, aber warum gibt es für den Bereich, den Sojus 5.2 und Angara 3 abdecken, noch ein drittes Modell? Das man zur Zündung eines nicht hypergolen Gemisches irgendeine Art von Zündung braucht, war mir schon klar, mich hat nur interessiert, was der Einsatz der Laserzündung letztendlich bringt. Danke für eure Antworten un Meinungen dazu.

  15. Dazu folgendes:

    1) OKR Feniks hat mit Angara der Militärs nichts zu tun.

    2) Es geht um einen Träger mit bestehenden Technologien und Startrampen und Kostengünstig mit einen Monoblock für:

    a) Ersatz für Zenit
    b) Baiterek für Kasachsten
    c) Sea Launch

    d) Träger für 40 Tonnen, 3 Zenit
    e) Träger für 75 Tonnen, 5 Zenit

    Damit wären mit zwei Starts auch Mondlandungen möglich, mit Angara-A5W sind vier Starts notwendig. Dazu gab es heute neue Infos aus der Raumfahrt.

  16. Zitat: Zenit und angara haben relativ hohe Strukturfaktoren obwohl sie die modernsten russsischen Raketen sind. Das alles bringt viel mehr Nutzlast.

    Nein, es sind keine modernsten Raketen, die haben nur die Militärs. Patentierte Materialien wo wir die Trockenmasse um 30% senken existieren erst seit einigen Jahren, aber noch kein Einzug in der Raumfahrt, kommen demnächst bei den Militärs zum Einsatz.

    Angara-A5 Startmasse war exakt : 763621 kg,
    davon 25766 kg Briz-M mit Nutzlast.

    Zwei von 10 Varianten der Angara von 1992 :

    1) Startmasse = 640 Tonnen, Nutzlast 26 Tonnen mit 11D122A
    2) Startmasse = 905 Tonnen, Nutzlast 25 Tonnen mit RD-180

  17. @ Aaron Kunz

    Zunächst, Roskosmos Budget beträgt etwa 1,6 Milliarden Euro pro Jahr, die Militärs hatten 81 Milliarden Dollar im Jahr 2015. Für 2016 sind 3,2 Billionen Rubel vorgesehen, Roskosmos erhält für die nächsten 10 Jahre nur 1,4 Billionen Rubel. Militärs bauen ständig neue hochmoderne Raketen, darunter volständig aus Verbundwerkstoffen darunter auch Schiffe (ohne Details, wäre hier zu umfagreich). Als Beispiel und nicht vollständig:

    – Die neue S-500 Prometej die auch Satelliten vernichtet, ähnlich dem Terminal High Altitude Area Defense, ist eine Weltspitze von Almaz-Antej.

    – RS-28

    – Sarmat, wird die leistungsstärkste Rakete der Welt, die IBR RS-20W Wojewoda ablösen.

    – Die Militärs erhielten 2015 etwa 50 neue Interkontinentale Raketen.

    In der Kirow Region wurde 2016 von Almaz-Antej erstmalig nach der Perestrojka ein absolut neues Werk für die Produktion von hochmodernen Raketenkomplexen der S-400 und S-500 Klasse eröffnet. Die Gesamtinvestitionen betragen mehr als 20 Miliarden Rubel, dort sollen bis 1800 Mitarbeiter an Raketen arbeiten. Die S-500 Systeme haben gegenwärtig kaum Analoge auf der Welt und neue Systeme sind in Vorbereitung.

    Möchte noch etwas über die russische Gazelle ergänzen. Die Rakete, schützt nur die russische Hauptstadt, ausgelegt bis 210 g Belastungen, die max. Geschwindigkeit von 5,5 km/s wird in 3 – 4 Sekunden erreicht, ist eines der größten Geheimnisse der russischen Raketenbauer. Der Start der Rakete aus dem Silo ist selbst aufgrund der extremer Beschleunigung für das menschliche Auge nicht sichtbar. In der Brennkammer erfogt auch keine normale Verbrennung, sondern eine kontrolierte Explosion.

    Beim Bau des Radiotechnisches Systems für die Gazelle, wurden 20000 km Kabel, 30000 Tonnen Metall und 50000 Tonnen Beton verbaut. Beim Bau waren bis 20000 Militärs beschäftigt. Ja, somit kein Vergleich zu Wostotschny mit 4000 Bauarbeiter und Roskosmos alten Trägerraketen.

  18. Also Waffensysteme. Ich habe nur nachgefragt, weil mir nicht klar war, ob mit militärischen Raketen evtl. auch die Angara gemeint sein könnte. Noch eine Frage: Ist die „Gazelle“ Teil des S500-Systems oder eine unabhängiges Projekt?

  19. Zunächst was hier kaum einer weiss, in der Sowjetunion wurden alle Raketen auch die zivilen wie die N1 von MO (Verteidigungsministerium) bestellt.

    Gazelle ist schon etwas älter, die Anzahl als auch deren Stationierung steht in den Vertägen zwischen USA und der Sowjetunion. Damit ist Moskau die einzige Stadt die so geschützt ist, die USA dagegen schützen ihre Silos mit atomaren Raketen vor feindlichen Angriffen.

    Das S-500 Komplex umfasst Raketen 40H6M, Antiraketen 77H6 und 77H6-H1 von MKB Fakel, das System kann 10 feindliche Raketen die sich mit einer V=7km/s bewegen auch gleichzeitig vernichten, darunter auch Marschflugkörper mit Hyperschallgeschwindigkeit. Einführung 2016. Eine Version ZRK S-500 kommt später auf den russischen Schiffen zum Einsatz.

    Die Militärs konnten mit Einführung neuer Trebstoffe die Reichweite ihrer Marschflugkörper um 500 km steigern. Neue Marschflugkörper mit einer Geschwindigkeit bis Mach 13 sind auch in der Entwicklung.´

  20. Gazelle ist ein Teil des PRO A-135 Systems, laut einen russischen Überläufer hat das System eine Treffgenauigkeit von 95%.

    Nur, der Preis ist sehr hoch. Die feindliche Rakete wird mit einen nuklearen Sprengkopf von 10 kT zerstört, dabei wird bei der Explosion etwa 10% der Bewölkrung hingerichtet, durch den elektromagnetischer Impuls werden auch alle elektrische Systeme ausser Kraft gesetzt und durch Plutonium-239 etwa 200 km2 der Oberfläche radioaktiv verstrahlt.

  21. Wenn wir schon bei den Militärs sind, folgende Starts mit militärischen Raketen und Nutzlasten sind in den Jahren 2016-17 vorgesehen, die Info ist vom 29 Februar:

    1) 7 Starts von MBR RS-12 Topol
    2) 3 Starts von RS-24 Jars
    3) 1 Start von RS-26 Rubjesch
    4) 1 Start von RS-18 Stilet

    5) 5 Starts von RS-20B, hier bedarf noch eine Klärung mit den Militärs und Kosmotras.

    Der Generaldirektor von ZAO MKK Kosmotras A. Serkin erklärte, das die Starts von RS-20B (Dnepr) fortgesetzt werden, jeder Start bringt der Firma (eine geschlossene Aktiengesellschaft,) einen Gwewinn von 30 Millionen Dollar. Zu Fragen der Rentabilität ist aber schwer zu sagen, die Eigentümer geben keine Daten frei. Die Startzahl von 2-3 pro Jahr ist gering, da hat es militärische Gründe. Mit den technischen und rechtlichen Garantien der Vorbereitung wird wahrscheinlich Makajew beauftragt, da Juschmaschzawod die militärische Zusammenarbeit abbrach. Bis heute erfolgten 22 Starts mit 128 Nutzlasten.

    Bei Stilet endet die Dienszeit 2018, der letzte Start ist somit ein Test, erst danach folgt die Entscheidung über die weitere Starts nach 2018.

  22. Zum Thema neue Raketen und technische Möglichkeiten der russischen Militärs.

    Bei der alten RS-24 Rakete von 2007 mit 4 nuklearen Sprengköpfen haben wir eine gesamte Startmasse von 120 Tonnen. Bei der Weiterentwicklung, die RS-26, von 2011 mit neuesten Verbundwerkstoffen, Technologien und Feststofftreibstoffen haben wir eine Startmasse von 80 Tonnen, die 4 Sprengköpfe kommen auf 1,2 MT Sprengkraft.

    Die Besonderheit, die mobile RS-26 mit einer Reichweite von 11000 km fliegt auf einer sich ständig veränderbaren Flugbahn und veränderbaren Höhe, diese Einzigartigkeit der Bewegung einer Rakete gibt es in keine Arme der Welt. Laut einigen Experten, darüber hat ein Chinesischer Fernsehkanal kürzlich berichtet, ist die Rakete (fast) unzerstörbar. Die Sprengköpfe fliegen mit Hyperschall, auch deren Bahn ändert sich ständig, damit wird garantiert das ein Teil der Sprengköpfe ihr Ziel auch erreicht. Nach Meinung der Experten sind für die Vernichtung der Sprengköpfe etwa 50 Antiraketen SM-3 erforderlich, damit ist das amerikanische System wirkungslos (russische Wikipedija mit Quellenangabe). Der Start und die Beschleunigung sind sehr kurz, dauert nur 5 Minuten, damit ist die Ortung und Verfolgung der Sprengköpfe in Europa kaum möglich. Die Serienfertigung erfolgt ab 2016.

    Die neue Flüssigkeitsrakete Sarmat kann bis zu 10 Tonnen Nutzlast tragen, das wäre ein Weltrekord, darunter 8 und mehr individuelle Sprengköpfe, ein PRO Komplex für die Überwindung feindlicher Systeme als auch hohe Reserven für Bahnmanöver über den Nord- und Südpol.

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