(Without rush) And the pace back East

Etwas überrascht hat mich die Meldung schon. Aber die Überraschung wäre am 7. November 2017 noch größer gewesen, wo das Ereignis stattfinden soll, zum 100-sten Jahrestag der russischen Oktoberrevolution. Das Datum hat geschichtliche Bedeutung und so wurde z.B. Sputnik 2 mit der Hündin Laika bewusst zu diesem Datum  gestartet. Knapp verfehlt hatte das Datum ein Zond Flug am 22.11.1967, der wegen technischer Verzögerungen verschoben wurde und als erste Sonde den Mond umrunden und zur erde zurückkehren sollte. Die Sonde ging dann aber trotzdem bei einem Fehlstart verloren.

Mit der Ukrainekrise hat Putin Russland einen nationalen Kurs verordnet. Die Militärausgaben wurden gesteigert und inzwischen wird auch unverhohlen an Ereignisse aus der kommunistischen Vergangenheit erinnert, als Russland noch den USA die Stirn bieten konnte. So soll es wieder kommen.

Auch die Raumfahrt profitiert davon. Nachdem der Ausbau der Angara und des neuen Kosmodroms Wostotschny über Jahre hinweg stockte wird nun beides zielstrebig verfolgt. Die ersten Anlagen in Wostotschny sind fertiggestellt und mit einem Sojusstart auch eingeweiht. Nach langem Stillstand gibt es seit diesem Jahr die erste Anschubfinanzierung für die kryogenen Oberstufen der Angara und das URM-3 ebenfalls mit LOX/LH2 als Treibstoff. Auch der Bau neuer Module für die ISS ist beschlossen. Sie werden später (ab 2028) der Kern einer eigenen russischen Raumstation werden. Bis dahin wird auch ein neues Raumschiff, das die Sojus ablösen soll, entwickelt sein.

Das größte Projekt ist aber das Gegenstück der SLS, die nun nach einer Indiskretion bekannt wurde. Sie soll wie schon gesagt am 7.11.2017 ihren Jungfernflug absolvieren. Die Nutzlast steht noch nicht fest. Putin will wohl eine Sojus mit einer zusätzlichen Stufe zum Mond schicken und dort in einen Orbit einbremsen. Nach vier Tagen soll sie wieder zur Erde zurückkehren und nach 12 Tagen landen. Er wird diesen Wunsch wohl durchsetzen können. Die Sojus wird dazu mit einer Fregat-Oberstufe kombiniert die für das Einbremsen und Verlassen des Mondorbits zuständig ist. Noch auf starken Widerstand steht Putins Wunsch, dass dieser erste Einsatz schon bemannt sein soll. Die Raketenexperten plädieren aber für den ersten Flug für einen unbemannten Einsatz, auch wenn die Sojus ihr Rettungssystem SAS mitbringt. Ein nicht namentlich genannter Wissenschaftler lies sich zur Äußerung hinreisen „Die einzigen Menschen die ich beim Jungfernflug starten lassen würde wären Putin und Medwedew“. Eine Woche später hatte er seinen Schreibtisch geräumt.

Über die Rakete gibt es noch wenige Details. Man weiß nur, das die erste Stufe 24, die zweite sechs, die dritte ein Triebwerk einsetzt. „Wir haben das SpaceX-Prinzip übernommen und perfektioniert“. da die Entwicklung erst nach der Krim-Annektierung 2014 begann, halten viele Experten es aber für unwahrscheinlich, dass man die komplette Rakete neu entwickelt hat. Als Triebwerke kommen eigentlich nur die RD-191 in Frage. Bei einem Bodenschub von 1.922 kN hat die Rakete einen Startschub von 46.120 kN. Bei einem Schub/Gewichtsverhältnis von 1,2 entspricht dies einer Startmasse von maximal 3700 t. Man wird wegen der Übernahme des Konzepts der Engine-Out Capability aber wahrscheinlich eine leichtere Rakete starten. Doch schon das Gewicht und die Abmessungen sind nicht bekannt.

/Lenin-Booster.jpgDoch man kann sich dem Thema auch anders nähern. Wie gesagt reicht die Zeit von knapp 4 Jahren nicht aus um die Rakete komplett neu zu entwickeln. Nun gab es schon in den Siebzigern ein Nachfolgeprojekt der N-1 das bald wieder eingestellt wurde. Gluschko wollte sein RD-270 in der Vulkan einsetzen, als Nachfolge der N-1. Die Mittel bekam er nicht, so baute der die N-1 um und installierte die RD-270 Triebwerke. Um sich bei der Führung einzuschleimen nannte er die neue Rakete „Lenin“. Mockups wurden von Aufklärungssatelliten fotografiert und tauchten dann auch in Lehrbüchern aus dieser Zeit auf. Ich habe einen Scann aus dem Buch „Weltraunfahrt“ von Steinhof/Zimmer aus dem Jahr 1978 beigelegt. Dieses erschien in mehreren Auflagen, in der vorherigen von 1973 ist die Lenin noch nicht vorhanden. Vieles spricht dafür, dass man die Stufen der Lenin übernommen hat. Dank des höheren Schubs (das RD-270 hatte einen von 1560 kN) konnte ,man aber die Triebwerkszahl reduzieren und man hat in der dritten Stufe nun ein einzelnes Schwenkbares Triebwerk installiert.

Die „Lenin“ wird nur eine Rakete einer Familie sein. Schon vorher wird die „Breschnew“ ihren Jungfernflug absolvieren. Sie entspricht den beiden oberen Stufen der Lenin mit einer zusätzlichen Oberstufe, anfangs ein URM-2 der Angara, später die KVRM sein. Sie soll 25 bis 30 t in den LEO und mit der Breeze M 7-8 t in den GTO, später mit der KVRM 4 t in den GEO transportieren. Mit ihr wird auch der schwerere Nachfolger der Sojus zu den Weltraumstationen ISS und dem russischen Nachfolger gestartet.  Die Nutzlast der Lenin wird auf 150 t geschätzt. Dann gibt es noch die kleinere Variante der „Chruschtschow“, die verwendet nur die letzte Stufe, ergänzt um ein URM-2 und die Fregat Oberstufe und soll 6 t in den Orbit bringen. Sie wird die Sojus ersetzen, wenn man die Leistung der beiden oberen Stufen durch verlängerte Tanks gesteigert hat. Zusammen mit der Angara wird man dann auch die anderen russischen Träger ausmustern können. In allen Erststufen werden dann nur noch RD-191 eingesetzt, was eine hohe Stückzahl ergeben soll.

Meiner Ansicht nach sollte man skeptisch sein. In den letzten Jahren gab es so viele russische Raketenprojekte die großspurig angekündigt wurden und nie umgesetzt wurden. Andererseits sind die Fortschritte bei Wostotschny nachweisbar. Sie können aber auch nichts mit der „Lenin“ zu tun haben. Schlussendlich wird man erst mehr wissen, wenn der 7.11.2017 gekommen ist.

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