Nicht immer ist alles neue besser / warum darf ich nichts testen?

Am Sonntag kam ich vom täglichen Schwimmen aus dem Freibad und stelle fest das mein MP3 Player aus der Fahrradtasche verschwunden ist. Ich habe mich ziemlich drüber geärgert. Den Player (Creative Zen 100) habe ich seit vielen Jahren, ich habe ihn 2011 gekauft. Weil er so alt ist, das Display verkratzt, dachte ich eigentlich immer der wird nicht geklaut. Schließlich hat heute jeder ein Handy oder Smartphone und hört damit Musik.

Im letzten Jahr habe ich ja weil der Akku langsam nachlässt er auch ab und zu mal abgestürzt ist nach einer Alternative umgeschaut. Das Ergebnis war ernüchternd. Der Verkaufsschlager bei Amazon ein AGPTrek ist schwer zu bedienen, vor allem kommt man nicht schnell an einen bestimmten Titel ran. Beim Zen kann man mit den Pfeiltasten zwischen einer alphabetischen Liste aller Titel wechseln und eine Liste mit dem Alphabet, wo man viel schneller zwischen den Anfangsbuchstaben wechseln kann. Nach wenigen Monaten gingen erst die Tasten nicht (wahrscheinlich weil ich hunderte Mal draufgedrückt hatte um an einem Titel zu kommen) und dann streikte der ganze Player. Ersatz war ein Intenso. Der ist noch beschränkter, die Shuffle Funktion ist unbrauchbar (nach wenigen Titeln wiederholt sich alles, egal ob man 100 oder 500 Titel auf dem Player hat) und auch hier nach 6 Monaten geht die Einschalt/Vorspultaste nicht mehr. Ebenfalls nach wenigen Monaten schon Technikschrott.

So habe ich am Sonntag/Montag versucht alte Create Zen bei E-Bay zu steigern. Mehr als 30 Euro wollte ich wegen der Akkuproblematik nicht ausgeben, wurde aber zweimal überboten, dabei hat er neu um die 34 Euro gekostet. Offensichtlich wissen auch andere den Player zu schätzen.

Bei der Suche nach Alternativen bei neuen Playern fand ich nichts brauchbares. Ich schaue bei Amazon dann gerne die negativen Bewertungen durch. Und wenn ich da schon was von schlechter Bedienung lese oder das ein Gerät schnell kaputt geht, ist es draußen. Mein Zen hat schon mehrere Stürze überstanden und dabei ist auch schon mehrmals das Gehäuse aufgesprungen. Wiederzusammensetzen und er geht wieder. Schließlich habe ich dem Bereich den ich für ein neues Gerät ausgeben wollte (50 Euro) nichts gefunden.

Am Dienstag habe ich es dann mal im Bad versucht. Meine Überlegung: So einen alten Player klaut kein Erwachsener oder Jugendlicher. Ohne Ladekabel ist er bald nutzlos, man sieht wie alt er ist und heute hat wie schon gesagt jeder ein Handy. Das kann nur ein Kind gewesen sein und vielleicht haben die Eltern das gemerkt und den Player abgegeben. Ich hatte Glück. Er war tatsächlich da. Nach Auskunft der Kassiererin meinte es ein Badegast zu gut und wollte ihn vor Diebstahl „schützen“ indem er ihn bei der Kasse abgibt. Das ich (und ich schätze die meisten anderen) dann eher davon ausgehen das er gestohlen sein könnte, hat er wohl nicht bedacht.

Aber das leitet mich zu meinem Thema über. Wir sind es eigentlich gewohnt das Produkte immer besser werden. Zumindest wenn wir das gleiche Preissegment betrachten. Vor allem bei Elektronik wo die Bausteine immer billiger werden. Trotzdem ist das schon der dritte Fall wo das nicht so ist. Der erste ist meine Digitalkamera. Als meine erste Canon 1S kaputt war habe ich mir eine neue gekauft – mit 5 anstatt 3 MP. Ergebnis: viel unschärfere Fotos, viel lichtunempfindlicher. Ich habe dann bei Ebay eine gerauchte Canon 1S erstanden und die benutze ich immer noch. Da ich mich auch für Astronomie interessiere weis ich: je mehr Pixel um so schlimmer ist das Rauschen und desto geringer die Lichtempfindlichkeit. Als ich vor zwei Jahren dann mal Lust hatte, mir wieder eine Spiegelreflex zuzulegen habe ich denn auch keine neue gekauft, sondern für 120 Euro eine EOS 300D mit Zoomobjektiv (18-125 mm). Die 6 Megapixel reichen mir vollkommen aus.

Das letzte Beispiel ist nicht aus dem Gebiet Elektronik, es ist mein elektrisches Rührgerät. Da habe ich seit den Achtzigern eines von Severin. Es funktioniert, auch wenn inzwischen zwei Plastikstege um die Rührbesen kaputt sind. Aber es ist schwer und wenn man es lange in der Hand halten muss, geht das schon in die Arme. Also kaufte ich mir Ende der Neunziger ein neues, das funktionierte einige Jahre dann war es kaputt. Seitdem ist das alte Rührgerät wieder in Betrieb. In einer Sendung habe ich mal gehört die neuen haben zum Antrieb der Besen Zahnräder aus Plastik die bald kaputt gehen und die alten welche aus Metall. Konnte auf meines zutreffen, zumindest erklärt es das Gewicht.

Während man das eine vielleicht noch verstehen kann, schließlich will man nach einigen Jahren ein neues Gerät verkaufen kann ich MP3-Player mit miserablen Bedienungskonzepten oder nicht richtiger Shuffle-Funktion nicht verstehen. Ich würde nach dem Reinfall nie wieder ein Gerät von AgpTrek oder Intenso kaufen. Dagegen wäre ich gerne bereit einen neuen Creative Player zu kaufen – leider fertigt die Firma keinen mehr.

Da ich inzwischen bei zahlreichen Amazon-Kritiken als letzte Zeile lese „Das Gerät wurde mir für Tests zur Verfügung gestellt ….“ frage ich mich: Warum kommt keine Firma auf mich als Tester zu? Da könnte ich mal viele MP3-Player  testen und der der wirklich gut ist, den würde ich dann auch gerne bezahlen (den Rest bekommt der Hersteller gerne zurückgeschickt). Ich höre am Tag etwa 1 Stunde Musik auf dem Player. (Gerne auch wasserdicht, denn ich schwimme viel). Etwa genauso lang fahre ich mir Fahrrad. Fahrräder könnte ich also auch testen. Mit Höhenunterschieden von 80 m in meiner Umgebung wäre auch das anspruchsvoll. Bei mehr als 7 Gängen könnte ich auch mal einen Versuch nach Esslingen machen. Die nächste Kreisstadt liegt zwar direkt vor meiner Haustür aber über 2 km Straße geht es 167 m runter ins Neckatal. Das war mir bisher immer zu steil. Gerne würde ich auch mal einen Tablett-PC testen  Vielleicht taugen die Dinger ja doch was. Ich glaube die besten Tests könnte ich bei Raumfahrtbüchern und Astronomie Büchern machen. Nur rechnet nicht mit Lobhudeleien, sondern einer ehrlichen Kritik. Aber wahrscheinlich muss man sich bei den Firmen melden und nicht umgekehrt. Dazu ist aber dann doch mein Ego zu groß. Schade, denn ich denke ich wäre ein guter Tester. (außer vielleicht wenn der Autor von mir abgeschrieben hat, da bin ich eigen).

Meiner Ansicht nach sollten so persönliche Tests schon fundiert sein oder von „Experten“ durchgeführt werden also Leuten die sich auskennen, anspruchsvoll sind oder Schwachstellen finden Mein Bruder wäre z.B. ideal geeignet die Benutzerfreundlichkeit und Sicherheit von Software zu testen. Obwohl er seit 23 Jahren einen Computer hat und seit 10 Jahren Internet hat er keine Ahnung davon. Er installiert jede Toolbar und jedes nervige Tool mit. Er fliegt auf jede „Ist Umsonst“ Masche rein und bekommt jeden Tag gefühlte 200 Spam-Mails weil er seine persönliche Adresse überall zum Anmelden nutzt. (eine von mir angelegte Wegwerfadresse hat er dagegen nie benutzt, wozu auch was neues lernen?) Jetzt ist es etwas besser aber eine Zeitlang durfte ich auch alle 6 Monate Viren vom Computer herunterputzen (trotz installiertem Virenschutz), mindestens dreimal hat er sich den BKA-Trojaner eingefangen, der den Rechner mit einem Sperbildschirm verriegelt. Also wenn eine Software Firma DAU-User Tests machen möchte, ich stelle gerne den Kontakt her.

Im Prinzip wären solche „Privattests“ sinnvoll, denn es erscheinen ja immer mehr Produkte und zwar in allen Bereichen. Die können Institutionen wie „Stiftung Warentest“ oder Zeitschriften gar nicht alle testen. Das merkte ich auch als ich dann mal über Google nach MP3-Player Tests sichte. Entweder es sind kommerzielle Seiten oder die Tests waren uralt oder gut schnitten nur Geräte über 100 Euro ab. An den letzten Test von MP3-Playern in der ct kann ich mich schon nicht mehr erinnern. Smartphones werden inzwischen in jeder Ausgabe getestet. Wenn das so weitergeht werde ich mir wohl noch ein Handy zulegen müssen – als MP3.Player. Wahrscheinlich wird das aber nicht ohne Sim-Karte gehen oder noch umständlicher zu bedienen sein.

Sicher Privatpersonen können nicht alles testen, aber sie können einen realitätsnahen Blick auf das Produkt werfen und seine Alltagstauglichkeit überprüfen. Nur sollte es dann auch ein reeler Test und kein Test in der Art „Ich bekomme was geschenkt und lobe es dafür über den Klee“ sein.

6 thoughts on “Nicht immer ist alles neue besser / warum darf ich nichts testen?

  1. Na es wird kein Hersteller auf Dich zugehen und Dir Produkte zum Testen geben, wenn Du im Vorfeld schon ankündigst, ein Produkt ggf. auch negativ zu bewerten. Die Hersteller suchen ja keine objektiven Tester sondern eher Jubelperser….

    Daß neue Produkte im ähnlichen Preissegment nicht besser sind als alte kann ich so universell nicht bestätigen. Wenn ich mir meine Fernsteuerungen für den Modellbau so ansehe become ich heute für das Geld deutlich mehr als noch vor 10 oder gar mehr Jahren. Wie es nach noch längerer Zeit aussieht kann ich nicht beurteilen; vielleicht schreibe ich kurz vor meinem Einsargen dann, ob meine MC32 nach langer Zeit noch genauso funktioniert wie Vaters gelbe Varioprop 🙂

  2. Mit einem Blog geht das heute nicht mehr:
    Du musst auf Youtube allerei Produkte testen, wobei du dem Zuschauer auch nocht Tipps gibst, wie man diese Geräte am besten benutzst. Wenn du 10000 Abonenten hast, dann werden dir die Firmen die Geräte schicken.
    Einer testet nur Kameras, hat angefangen als er eine Profikamera ausführlich testet, und ann einen einstündigen Film gemacht hat. Es folgten dann ein paar mehr, und er hatte sehr viele Zuschauer. Jetzt wird ihm das Zeug hinterher geworfen. Zusätzlich verdient Geld, wenn Ger¨te via seinem Blog verkauft werden.

  3. Hallo Thierry,

    also ich denke, Bernd wäre als Raketen-, Satelliten- oder Raumsondentester gut.
    Bloß ob er dann einen eigenen Startplatz bekommt für die Teststarts?

    Und welche Rakete er dann verkaufen kann, und welche er empfiehlt?

    Kaufen Sie NCC-1701, die Rakete mit der besten Leistung und maximalem Impuls bei minimalem Treibstoffverbrauch….

    Nix für ungut!
    Ralf mit Z!

  4. Ja solche Youtube-Promo Videos habe ich schon gesehen die strahlt inzwischen sogar RTL als Spots aus wenn man Videos aus ihrer Mediathek online ansehen will. Ganz besonders nervig ist eine frau die für Veet mit völlig übersteuertem Micro wirbt.

    Da ich nicht bildlich in der Öffentlichkeit erscheinen will scheidet das aus, sonst hätte ich schon die Blogs so gestalten können, das spart gegenüber dem Schreiben viel Zeit.

  5. Meine Freundin bekommt seit einigen Monaten Produkte zum Testen zugeschickt. Es fing damit an, dass sie bei Amazon.es jedesmal eine Meinung schrieb, wenn sie ein Produkt kaufte. Andere klickten dann ab und zu, dass sie ihre Meinung hilfreich fanden und so fing sie an in einer Rangliste aufzusteigen. Und als sie dann unter den Top 500 war kontaktiereten sie plötzlich Unternehmen und fragten sie ob sie nicht das ein oder andere Produkt testen wolle. Erst waren dies verschiedene Kabel oder Halterungen für Mobiltelefone, dann auch Objektive für Mobiltelefone und neuerdings sogar ein Föhn und ein Rasierapparat, den allerdings ich benutzte, da sie keinen Bart hat. In ihrem Fall ist es so, dass sie ehrlich sein und sowohl positive als auch negative Aspekte erwähnen soll.

  6. @Bernd: Es gibt auch genügend DuRohr Videos, bei denen niemand zu sehen, sondern allenfalls zu hören ist. Ich kann mich an manches Tutorial erinnern, bei dem nur das Objekt des Interesses zu sehen ist, allenfalls noch ein paar Finger oder eine (hilfreiche) Hand.
    Solange Du also keine nuschelnde und schwäbelnde Aussprache hast, trau Dich 🙂

    Vielleicht solltest Du eine Extra-Rubrik in Deinem Blog aufmachen: Produkttests von Bernd und seinen Besuchern?

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