Die Lösung für ein überflüssiges Problem: Ist Fleisch billiger als Katzenfutter?

Auf meinen heutigen Blog kam ich durch meine neue Katze, die ich seit 5 Wochen habe. Ich bin derzeit dabei festzustellen, was sie mag und was nicht. Wer Katzen hat, weiß: was die Tiere fressen ist nicht vorhersehbar. Das hat nichts mit der Marke des Katzenfutters zu tun, noch mit dem Preis. Wenn ihnen etwas nicht schmeckt, rümpfen sie nur die Nase und lassen das Futter liegen und schauen einen mit einem Ausdruck an, der so etwas aussagt wie „Was und das soll ich essen?“

Mir kam dabei in den Sinn, dass ich in einer Verbrauchersendung hörte, dass bei uns Fleisch oft billiger als Katzenfutter sei und als es in Real eine Werbung für Schweinbraten zu 3,40 € das Kilo gab, erinnerte mich das an die Aussage. Denn eine Katzenfutterportion hat so um die 85 bis 100 g je nach Marke und zumindest Markenfutter wie Sheba, Whiskas oder Felix kostet mehr als die 34 ct, die so 100 g Schweinebraten kosten würde.

Klar ist: Wer teures Futter kauft – es gibt außer den obigen Marken auch im Tierfachhandel deutlich teureres Katzenfutter – gibt mehr dafür aus als für frisches Fleisch. Ich will heute mal berechnen, wie teuer Katzenfutter sein will, um „äquivalent“ zu sein. Das mache ich an vier Beispielen fest:

  • Gemischtes Hackfleisch
  • Schweineschnitzel
  • Hühnerbrust
  • Putenschnitzel

Das dürfte einen Querschnitt abdecken. Rindfleisch habe ich außen vor gelassen, weil zum einen, weil das, was bezahlbar ist, wie Suppenfleisch meist alt und/oder fetthaltig ist und die Katzen es eher weniger gerne essen. Zum Zweiten ist mir noch keine Katze begegnet, die Rindfleisch gerne isst. Allerdings habe ich auch nur Erfahrung mit etwa einem halben Dutzend Katzen, das ist nicht repräsentativ. Man kann das Verfahren aber leicht auf andere Fleischsorten übertragen.

Der wichtigste Punkt ist: Man kann nicht das Gewicht 1:1 übertragen. 100 g Fleisch entsprechen nicht 100 g Feuchtfutter, erst recht nicht Trockenfutter.

Feuchtfutter hat einen relativ hohen Wassergehalt, einen höheren als Fleisch. Dadurch nährt es nicht so gut und die Katze braucht mehr Futter. Hier als erste Tabelle mal die analytischen Bestandteile der Fleischsorten und einiger Katzenfuttersorten die ich gerade im Schrank fand:

Art Eiweiß [%] Fett [%]
Schweineschnitzel 21,2 5,6
Hackfleisch gemischt 19,4 16,4
Hühnerbrust 22,8 1
Pute, Schnitzel 24,1 1
Coshida in Soße / Gelee 8,5 5
Sheba 8,5 / 10,5 5,5 / 4,5
Cachet in Soße 8 4
Purine One Trockenfutter 34 14
Cachet Trockenfutter 30 10

Man sieht: Die Zusammensetzung ist ähnlich, aber nicht identisch. Bei Feuchtfutter sind zwischen 4-5 % Fett und 8-9 % Protein enthalten. Trockenfutter ist nicht nur konzentrierter, sondern auch proteinreicher, bezogen auf den Fettgehalt. Hackfleisch ist unbeliebter als Schnitzel, obwohl es ja dieselbe Tierart ist, also ähnlich schmecken sollte und selbst mein Kater, der Schweinefleisch links liegen lässt, frisst gerne Hühnerfleisch. Meiner Vermutung nach schmeckt einer Katze ja ein Futter um so mehr je weniger Fett es enthält. So mochten bisher alle Katzen, die ich hatte, Hühnerfleisch lieber als Schweinefleisch, das ist auch bedeutend fettärmer und Trockenfutter mochten die meisten lieber, als Feuchtfutter.

Schon in der Tabelle fällt auf, dass normales Fleisch bedeutend mehr Protein enthält, fast so viel wie Trockenfutter. Der Fettgehalt ist stark vom Körperteil abhängig, von dem das Fleisch stammt. Schweinefleisch ist von Natur aus fettreicher als Geflügelfleisch und Hackfleisch, wofür man dann nicht nur mageres Fleisch vom Schinken nimmt, natürlich fettreicher als Schnitzel.

Damit man besser vergleich kann, sollte man die Gesamtenergiemenge berechnen, davon hängt, ab wie viel Futter die Katze täglich braucht. Dann relativiert sich einiges, auch der etwas bessere energetische Wert von Sheba – dort sind in einer Portion nämlich nur 85 anstatt 100 g drin. Also berechne ich in einem zweiten Schritt die Energie, nur auf Basis von Eiweiß und Fett, aber Kohlenhydrate enthalten die Produkte auch nicht:

Art Eiweiß [%] Fett [%] Energie [kJ]
Schweineschnitzel 21,2 5,6 573
Hackfleisch gemischt 19,4 16,4 980
Hühnerbrust 22,8 1 426
Pute, Schnitzel 24,1 1 448
Coshida in Soße / Gelee 8,5 5 340
Sheba 8,5 / 10,5 5,5 / 4,5 355 – 360 kJ
Cachet in Soße 8 4 293
Purine One Trockenfutter 34 14 1.129 kJ
Cachet Trockenfutter 30 10 905

Im Allgemeinen ist Feuchtfutter niedrig-kalorischer als Fleisch. Es enthält mindestens ein Viertel weniger Kalorien, bezogen auf Schweineschnitzel enthalten manche Sorten sogar nur die Hälfte der Kalorien. 200 g Feuchtfutter Coshida in Soße entsprechen also 100 g Schweinschnitzel.

Was mich selbst erstaunt hat, ist das das billige Cachet Trockenfutter sogar weniger Kalorien als Hackfleisch hat. Allerdings kostet es auch bloß 89 ct pro 400g Packung und dient bei mir der Fütterung der Igel, nicht der Katzen.

Basierend auf dem kann man bei bekanntem Preis des Katzenfutters berechnen, wie teuer Fleisch sein darf, damit man pro Energiegehalt gleich viel ausgibt. Man kommt zu folgender Tabelle:

Schnitzel Hackfleisch Hühnerbrust Putenschnitzel
Coshida in Soße / Gelee 1,68 2,88 1,25 1,31
Sheba 1,61 2,74 1,19 1,25
Cachet in Soße 1,93 3,34 1,45 1,53
Purine One Trockenfutter 0,51 0,86 0,37 0,40
Cachet Trockenfutter 0,63 1,08 0,47 0,5

Ablesebeispiel: Damit Hühnerbrust genauso teuer wie Cachet in Soße ist, darf sie den 1,45-fachen Preis pro 100 g kosten.

Nun ist der Preis für Katzenfutter sehr unterschiedlich. Hier findet man vor allem die Eigenmarken von Lidl und Aldi. Ich habe zwar auch Felix und Whiskas probiert, doch die schmecken meinen Katzen nicht besser. Einzige Ausnahme ist Sheba, auf die mein Kater abfährt. Da Sheba überall gleich viel kostet, nämlich 45 ct pro 85 g hier eine Berechnung des Äquivalenzpreises:

Kilogrammpreis = 1000 g / 85 g (Gewicht pro Dose) * Äquivalenzfaktor * 0,45 €/100 g

Man kommt auf:

Äquivalentpreis/kg für Sheba
Schnitzel 8,52 €/kg
Hackfleisch 14,55 €/kg
Hühnerbrust 6,30 €/kg
Putenschnitzel 6,61 €/kg

Für dieses Markenprodukt gilt in der Tat, das meistens Fleisch aus dem Discounter billiger ist als Sheba, wenn die Katze dieselbe Energiemenge aufnehmen soll. Selbst bei Trockenfutter ist dem teilweise so. Purina One kostet 3,29 €/400 g. Da ist Frischfleisch in der Regel teuer, nur Hackfleisch nicht. Durch den hohen Energiegehalt fährt man auch hier günstiger, solange das Hack nicht mehr als 8,95 €/kg kostet.

Das ist die eine Sache. Sollte man deswegen die Katzen nur noch mit Fleisch füttern? Meine persönliche Antwort: Nein. Es gibt zwei Gründe das eine ist, das dem Futter jede Menge Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt werden und die Katze so besser versorgt ist. Die Vitamine sind wahrscheinlich nicht so bedeutsam, da die Katze das Fleisch ja roh also ohne Vitaminverluste frisst. Mineralstoffe sind schon wichtiger. Die Katze frisst ja die Maus komplett. Damit auch Innereien, die viele Vitamine und Spurenelemente enthalten, Blut mit dem Gehalt an Eisen und Knochen mit dem Gehalt an Calcium und Phosphor. Meiner Ansicht nach ist pures Muskelfleisch für die Katze das gleiche wie bei uns Snacks oder Süßigkeiten. Dazwischen ganz gut, aber nicht als alleinige Ernährung.

Den zweiten Grund: Ich esse seit einigen Jahren relativ wenig Fleisch, einfach weil ich die Zustände in der Massentierhaltung schlimm finde und es hier in der Vorstadt kein Biofleisch zu kaufen gibt, aber auch schon früher nicht viel Fleisch gegessen habe. Da ist es natürlich kontraproduktiv, wenn man die Katzen mit viel Fleisch füttert. Das Katzenfutter wird aus Schlachtabfällen den berühmten „tierischen Nebenprodukten“ gemacht. Bevor der Rest des Tiers also auf aus den Müll wandert, wird der Rest wenigstens noch sinnvoll verwendet. Keine Regel ohne Ausnahme: Als meiner letzten, inzwischen verstorbenen Katze durch ihre Krebserkrankung der Appetit fehlte, bekam sie die letzten Monate nur noch Fleisch, was meinen Konsum von den üblichen 100 bis 200 g/Woche auf den bundesdeutschen Durchschnitt von 500 bis 600 g katapultierte. Ansonsten nehme ich meist die Packungen, die kurz vor dem Verfallsdatum sind. Wenn die nicht verkauft werden, wandern sie auf den Müll. Das geht weil ich dann jeweils 1 Tagesportionen in Alufolie packe und die dann einfriere.

Ach ja, bevor jemand einen Kommentar verfassen will: man darf Katzen Schweinefleisch verfüttern. Die Bedenken kamen wegen der Aujetzkyschen Krankheit. Die ist tödlich für Katzen und Hunde aber auch für Rinder. Schweinen und Wildschweine werden von ihr infiziert. Weil die Krankheit leicht über den Menschen über den Kontakt mit dem Kot übertragen wird und wie schon gesagt auch Rinder dran sterben die nun nicht so selten auf Bauernhöfen zu finden sind, hat man aber darauf geachtet, dass die Krankheit eingedämmt wurde und seit 2004 gilt Deutschland als Aujetzky-frei. Vereinzelt werden noch Wildschweine mit der Krankheit gefunden, doch die landen ja nicht im Kühlregal. Man darf also Schweinefleisch bedenkenlos an Katzen verfüttern.

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