Explodiert, bevor es losging – Explosionen nach dem Abheben

So, weiter gehts mit den spektakulären Fehlstarts die schon an der Startrampe endeten. Kriterium war wie schon gesagt das dies zumindest so erfolgte das die Startrampe dabei beschädigt wurde. Das war z. B. beim Sojus Start von 2002 der Fall, obwohl die Rakete schon 20 s lang brannte und durch die Wolkendecke gestoßen war. Aber ein Booster fiel nach 8 s ab und auf die Startrampe. So gehört dazu nicht der vielleicht größte Unfall in der Raumfahrt, der Fehlstart einer Langer Marsch 3 mit einem Intelsat , die am 15.2.1999 in ein nahe liegendes Dorf abstürzte. Je nach Quelle soll es bis zu 500 Tote gegeben haben. Alle beiden Teile findet ihr auch auf der Website.

Explosionen nach dem Abheben

26.1.1957 die erste Thor Mittelstreckenrakete hatte gerade abgehoben, als das Triebwerk ausfiel und die Thor zurückfiel und explodierte. Die Rampe 17B war jedoch nicht stark beschädigt und im April 1957 wieder verfügbar. Die Ursache wurde erst später klar, als man bei Aufnahmen entdeckte, wie die Mannschaft einen Sauerstofffilter durch eine sandige Gegend schleppten, ohne das er versiegelt war. Dadurch blockierten Fremdkörper die Treibstoffventile.

3.10.1957: Der fünfte Thor Test fand diesmal von der Nachbarrampe LC 17A vom Cape aus statt. Erneut schaltete das Triebwerk nahezu sofort nach dem Abheben ab und die Rakete fiel auf die Rampe zurück. Ursache war das sich ein Ventil zum Gasgenerator nicht geöffnet hatte. Der Schaden war gering, schon 21 Tage später fand der nächste Test einer Thor von A7A aus statt.

6.12.1957: die erste live übertragene Explosion: Die Vanguard sollte ihren ersten Satelliten starten, als nach 1 s das Triebwerk ausfiel und sie aus 2 m Höhe auf die Startrampe zurückfiel. Der Satellit wurde neben dem Pad gefunden – er sandte sogar Daten. Das Presseecho war verheerend, wobei sich die Blätter darin überboten, „nik“ an ein Wort anzuhängen, so war vom Exlodenik, Flopnik und Kaputtnik die Rede.

19.4.1958. Pad 17B ist die erste Startrampe, die hier dreimal auftaucht. Die Thor 105 hob ab, und das Triebwerk fiel unmittelbar nach dem Abheben aus. Diesmal war die Ursache eine gebrochene Treibstoffleitung. Zwei Monate dauerten die Reparaturarbeiten.

14.8.1959: Eine Titan I, Nr. B-5 hob von der Startrampe LC 19 vom Cape ab, doch vorzeitig, bevor alle Verbindungen zum Boden gekappt waren. Nach 2,87 s wurde dann eine noch nicht abgetrennte Verbindungsleitung durchrissen und die fehlende Erdung führte zum vorzeitigen Brennschluss der Triebwerke. Die Rampe LC19 wurde schwer beschädigt und war 6 Monate lang außer Betrieb.

11.3.1960: Die nächste, von einer Atlas zerstörte, Rampe war das Nachbarpad LC 13. Die Atlas 51D hob ab, doch als sie gerade mal 2 m über dem Boden war, hatte das Boostertriebwerk B2 eine Verbrennungsinstabilität und durch den absinkenden Schub fiel sie auf die Startrampe zurück. Die Explosion zerstörte LC 13 und die Reparatur dauerte sieben Monate. Es gibt auch Berichte, dass sie durch den Sicherheitsoffizier gesprengt wurde.

16.4.1960: Luna E-3 Nr.2: Eine Schwestersonde der Luna 3 Sonde startete mit einer Luna (8K72, Seriennummer 9). Die Booster entwickelten nur 75 % des Schubs und gemäß ihrer Auslegung lösen sich die Verbindungen, wenn der Schub unterhalb der Hauptstufe ist. Die vier Booster fielen ab und die Zentralstufe fiel nach 10 s auf das Pad 1. Nach einem Monat fand aber schon der nächste Start statt.

9.9.1960: Der Start des militärischen Satelliten SAMOS 3 von Point Arguello stand an. Die Atlas Agena B (106D / 2202) hatte gerade von der Startrampe LC 1-1 abgehoben, etwa 1 m, als eine nicht abgetrennte Leitung das Steuersystem zum umschalten auf externe Stromversorgung brachte, die aber schon abgetrennt war, mit der folge, dass die Triebwerke abgeschaltet wurden und die Rakete aus 1 m Höhe wieder auf die Rampe fiel und explodierte. Neun Wochen später wurde von derselben Rampe Samos 4 gestartet.

7.6.1961: Erneut scheitert eine Atlas, diesmal von der Vandenberg Air Force Base aus gestartet. Diesmal war es die erste operationale Atlas E, Nr. 27E. Auch hier war die Ursache eine Verbrennungsinstabilität in den Boostertriebwerken. Die Startrampe 476F war für neun Monate außer Betrieb.

9.4.1962: Nun erwischte es auch die Atlas Rampe 11 auf dem Cape. Die Atlas 11F hatte gerade abgehoben, als das zentrale Sustainertriebwerk explodierte und die ganze Rakete in einem Feuerball endete. Startrampe 11 benötigte drei Monate für die Reparatur.

1.6.1962: Start des militärischen Satelliten Zenit 2 mit einer Wostok. Die Rakete schaltete nach 1,8 s ab und schlug 300 m neben der Startrampe auf.

10.7.1963: Erneuter Start eines Zenit 2 Satelliten mit einer Wostok. Auch hier löst die Notabschaltung nach nur 1,5 s aus und die Startrampe wurde stark beschädigt. Es erfolgte der nächste Start nach 3 Monaten.

20.7.1963: Auch Feststoffraketen können versagen. Die Scout X-3A startete vom Pad 3A in Wallops Island. Schon nach 2,5 s in rund 70 m Höhe geriet die erste Stufe außer Kontrolle, die Rakete rotierte und Stufe 1 und 2 flogen weg, Stufe 3 und 4 direkt auf das Pad, wo sie verbrannten. Ursache waren „mangelhafte Fertigungsmethoden“ der ersten Stufe. Die Starts wurden zwei Monate ausgesetzt, in denen die ersten Stufen der Scout überprüft wurden.

2.3.1965: Die vierte Atlas Centaur (AC-5, es gibt keine AC-1) hob von der Rampe 36A ab, als nach 0,88 s das Ventil für die Haupttreibstoffzufuhr versagte und die Rakete auf die Startrampe zurückfiel und in einer Atompilz-artigen Explosion aufging. Der nächste Start von Rampe 36A fand erst nach 16 Monaten statt.

3.7.1969: Die wohl größte Bodenexplosion war die der N-1 Nr. 5L. Die zweite russische Mondrakete hatte gerade abgehoben als nach 10 s in 100 m Höhe 29 der 30 Triebwerke abgeschaltet wurden. Die Explosion zerstörte nicht nur die Rampe, die niemals wieder aufgebaut wurde, sondern auch die Nachbarrampe wurde schwer beschädigt. In Werkhallen und Hangars, noch bis zu 40 km von der Startrampe entfernt brachen durch den Winddruck die Fensterscheiben, Stücke der Rakete wurden noch in 11 km Entfernung gefunden, selbst große Brocken wie ein 400 kg schwerer Gasbehälter noch in 10 km Entfernung. Ursache war die Explosion der Turbopumpe von Triebwerk 8 eine Viertelsekunde vor dem Abheben. Die Rakete hob ab, doch die Splitter der Explosion hatten zahlreiche Treibstoffleitungen beschädigt. Es brach ein Brand aus und das Überwachungssystem KORD das die Triebwerke überwachte schaltete sie nach 10 s ab, weil die Parameter außerhalb der Vorgabe waren.

18.9.1980: Bei Routinearbeiten an einer Titan II in dem Raketensilo 374-7 fiel einem Arbeiter ein Steckschlüssel aus der Hand. Er traf nach 2,5 m Flug die Rakete, die daraufhin Treibstoff aus dem oberen Hydrazintank verlor. Es bildete sich bald ein toxischer Nebel und nach 30 Minuten wurde die Mannschaft aus dem Silo evakuiert, nach 90 Minuten auch Zivilisten aus der Umgebung. Einen Tag später sollten zwei Männer das Silo inspizieren. Sie öffneten nur die äußere Schleuse, da die Luft nach den Messwerten nicht atembar war. Sie warteten gerade auf weitere Instruktionen, als die Rakete explodierte. Der 740 t schwere Deckel wurde 61 m hoch in die Luft geschleudert und landete 200 m neben dem Silo, der W53 Sprengkopf 30 m daneben.21 Personen wurden verletzt. Der Abriss des Silos hätte 20 Millionen Dollar gekostet, eine Wiederherstellung sogar 225 Millionen Dollar. Die USAF hatte eine billigere Lösung – sie schüttete das Silo einfach zu.

15.5.1982: Explosion einer Sojus-U mit einem Zenit Spionagesatelliten.

26.9.1983: Die einzige bemannte Mission auf der Liste. 90 s vor dem Start von Sojus T10 entwich vor dem Abheben Treibstoff aus der Rakete der Feuer fing. Man aktivierte das Rettungssystem, doch die Kabel waren schon durchtrennt. Erst 20 s nach dem Entdecken des Brands gelang es das System durch Funkkommando zu aktivieren. Die Besatzung wurde durch den Fluchtturm gerettet und 4 km neben dem Pad geborgen. Kurz nach dem Auslösen des Fluchtturms explodierte die Rakete. Für mich seltsam an dem Vorfall ist, dass die Besatzung die Fluchtrakete nicht auslösen konnte.

18.4.1986: Eine Titan 34D mit dem letzten Hexagon Satelliten (Nr.20) hebt von der Vandenberg Air Force Base ab. Es ist die neunte Titan 34D und der erste Flug nach einem Fehlstart im letzten Jahr am 28.8.1985. Die Telemetrie ergab eine abnormale Situation 8,38 s nach dem Start. Ein Feststoffbooster explodierte 8,76 s nach dem Start. Die Treibwerke wurden 15,46 s nach dem Start abgeschaltet und die Selbstzerstörung nach 16.38 s ausgelöst. Das erfolgte in wenigen Hundert Metern Höhe sodass die brennenden Bruchstücke zahlreiche isolierte Feuer in einem Radius von 800 m verursachten. Daneben wurde auch die Rampe beschädigt und 57 Personen verletzt. Beide Rampen SLC 4E und 4W wurden beschädigt, vor allem aber andere Gebäude. der Schaden wurde im Untersuchungsbericht auf 70 Millionen Dollar geschätzt. Ursache war das sich ein Teil der Isolierung aus einem gummiartigen Material nahe der Verbindung von zwei Segmenten gelöst hatte und so die heißen Verbrennungsgase die Verbindung durchbrennen konnten. der synthetische Gummi verkohlte beim normalen Betrieb und der entstehende Überzug aus Graphit verhinderte eine Beschädigung der Stahlhülle. Die meisten Verletzten gab es durch die Abgaswolke nicht die Explosion. Seitdem wird mehr auf die Wetterbedingungen beim Start von Titan Raketen geachtet.

18.6.1987: Beim Start eines Resurs Satelliten mit einer Wostok wird die Startrampe 43/3 stark in Plessezk beschädigt. Der nächste Start fand erst nach 18 Monaten statt.

27.8.1988: Beim erneuten Start eines Resurs Satelliten fällt die Rakete 50 m vom Pad entfernt in den Wald und richtet beim Nachbarpad 43/4 in Plessezk großen Schaden an.

4.10.1990: Start von Tselina 2 mit einer Zenit fällt das Triebwerk RD-171 nach 2,44 s aus. Die Rampe 45 wurde vollständig zerstört und nie wieder aufgebaut.

20.12.2002: Eine Sojus-U hob mit dem Foton M1 Raumschiff zu einer von der ESA bezahlten Mission ab. Acht Sekunden nach dem Start löst sich ein Seitenbooster ab, da sein Triebwerk durch einen Fremdkörper in der Turbopumpe ausfiel, ohne den Schub stürzte die Sojus ab und schlug nach 20 s neben dem Pad auf. Der abgefallene Booster richtete geringen Schaden am Pad an. Es gab trotzdem ein Todesopfer: ein 20-jähriger Soldat beobachtete den Start aus geringer Distanz und wurde von der Explosion getötet.

30.1.2007: Eine SeaLaunch Zenit (SL24) hob mit dem Kommunikationssatelliten NSS-8 ab, explodierte nach Videoaufnahmen aber dabei. Da der Start kommerziell war, gab es nur wenige Details, doch nach unbestätigten russischen Quellen soll das Haupttriebwerk RD-171 nur 80 % des Schubs erreicht haben und die Rakete nur 8,5 cm abgehoben haben und dann nach rechts gekippt sein. Das Triebwerk scheint länger als die Rakete gearbeitet zu haben, denn von ihm empfing man noch 3,9 s nach dem Abheben Telemetrie. Der Fehlstart hatte große Auswirkungen auf das Geschäft von Sea Launch die keine neuen Aufträge gewinnen konnten und ein Jahr später Gläubigerschutz beantragen mussten.

28.10.2014: Antares. Eine Antares 130 (Nr. 5) hob mit dem Raumschiff SS Deke Slayton ab. Sie verlor unmittelbar nach dem Start an Schub und sank wieder herab und wurde noch vor dem Aufschlag durch den Sicherheitsoffizier gesprengt. So war es zwar eine beeindruckende Explosion, aber die Schäden am Pad 0A hielten sich in Grenzen. Sie kosteten „nur“ 20 Millionen Dollar, der Start dagegen 200 Millionen Dollar. Der Abschlussbericht der NASA konnte die genaue Ursache nicht klären, aber wahrscheinlich hat ein kleiner Fremdkörper die Turbopumpe eines Triebwerks zur Explosion gebracht. Schon vorher vielen die Triebwerke, die von der russischen Mondrakete N-1 stammten, bei Tests im Stennis Testcenter durch Probleme auf. Orbital machte dagegen die Russen für den Fehler verantwortlich die das Triebwerk im Jahr 2006 an die US-Firma Aerojet verkauften. Orbital Sciences wechselte das Triebwerk aus und setzt seitdem das RD-191 ein, eine Variante des RD-190 der Angara.

Loopings

Relativ selten, aber schön anzuschauen sind Starts, bei denen die Rakete vom Start weg die Kontrolle verliert. Sie macht dann meistens einen Looping. So geschehen bei dem Start einer Juno II am 16.7.1959 (Seriennummer AM-16). Ein Gleichstrom in Wechselstromkonverter versagte und die Rakete drehte sich vom Start weg und wurde nach 5,5 s gesprengt.

Denselben Effekt erhält man, wenn man Beschleunigungsvermögen verkehrt herum einbaut. So geschehen am 2.7.2013 bei einer Proton mit dem Glonass-M Satelliten Nr. 48. Obwohl diese schon vor dem Aufschlag auseinanderbrach und es genügend Zeit gab, sie zu sprengen erfolgte das nicht. Warum? Nun nach den vielen Explosionen von Raketen nahe des Pads wird das Selbstzerstörungssystem der Proton erst 30 s nach dem Start aktiv um eine Explosion über der Startrampe zu verhindern ….

4 thoughts on “Explodiert, bevor es losging – Explosionen nach dem Abheben

  1. Mir fällt noch ein Fehlstart ein, bei dem die Rampe stark in Mitleidenschaft gezogen wurde: Am 18. April 1986 explodierte eine Titan 34 D nur 5 Sekunden nach dem Start von Vandenberg und beschädigte das Pad SLC-4E erheblich!

  2. Da gabs auch noch einen schönen Fehlstart einer Delta mit einem GPS Satelliten an Bord (1997?). Zumindest der Parkplatz mit etlichen Autos drauf wurde ziemlich mitgenommen….

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