Der Brief der Woche an Paul Allen und Stratolaunch

Auch heute wieder ein Brief in meiner besonderen Form.

Lieber Paul Allen,

Ich schreibe ihnen einen Brief, damit sie sich freuen. Ihre Firma Stratolaunch hat gerade die jüngsten Pläne für ihre Raketenflotte vorgestellt. Die waren bisher ja wechselhaft und viel Informationen habt ihr auch nicht raus gerückt. Die erste Version wolltet ihr zusammen mit SpaceX entwickeln. Die Rakete sah aus wie eine gekürzte Block I Falcon 9, mit nur fünf anstatt neun Triebwerken in der ersten Stufe. Doch als das Geschäft bei SpaceX lief, lösten sie sich vom Deal, weil sie keine zwei Produktionslinien aufrechterhalten wollten. Nun ja, wir kennen ja inzwischen Elon Musk und wissen das er alles selbst machen will und Zusammenarbeit mit anderen Firmen sieht dieses Konzept nicht vor.

Dann kündigtet Stratolaunch an, das ATK in die Bresche springen würde. Das verwunderte noch mehr, hatte doch ATK keine Rakete im Portfolio die zu dem Trägerflugzeug passte. Dabei blieb es auch lange Zeit, nur einmal gab es noch eine Meldung das ihr RL10 Triebwerke, wohl für die Oberstufe gekauft habt.

Inzwischen ist das Trägerflugzeug fertig und absolviert seine ersten Testflüge und ihr stellt nun die endgültige Flotte vor. Gebaut werden die Raketen wie bisher von ATK. Nach einer Übergangsphase in der die Pegasus XL zum Einsatz kommt, folgt eine flotte aus drei Vehikeln. Das erste soll 2022 zur Verfügung stehen und 3.400 kg in den LEO bringen, das zweite mit drei anstatt einer Stufe als erster Stufe 6.000 kg. Dann schließlich ein Mini-Shuttle, das sich in der frühen Entwicklungsphase befindet.

Understatement ist nicht die Sache eures neuen Spezialisten, gut er kommt ja auch von SpaceX, da kann man das nicht erwarten:

“Whatever the payload, whatever the orbit, getting your satellite into space will soon be as easy as booking an airline flight.”

Unverständlicherweise sind die Reaktionen eher negativ. Die Pegasus XL wäre eine schlechte Wahl. Die hätte schon als sie noch von der NASA genutzt wurde zu wenige Nutzlasten bekommen. Die NASA hat in den letzten Jahren keine Flüge mehr gebucht, weil sie angeblich zu teuer wäre.

Vor allem sollt ihr Jahre an Zeit verloren zu haben. Denn während eurer Trägerflugzeug (größer als ein A380) nun fertig ist, müssen die Raketen erst noch entwickelt werden. 2011 wurde die Firma gegründet und in den letzten sieben Jahren hat sich in der Beziehung nichts getan.

Vor allem fragen sich die Kommentatoren, wofür ihr die Raketen eigentlich braucht denn die Nutzlast von 3.400 bis 6.000 kg in den LEO ist zu groß für die boomende Cubesat Industrie. Aber für die kommerziell wichtigen Kommunikationssatelliten ist es zu wenig. Übrig bleiben einige schwere Erdbeobachtungssatelliten. Doch ob sich dafür eine eigene Rakete und das riesige Trägerflugzeug lohnen?

Ich sage: Die Leute haben keine Ahnung sie sind verhaftet in dem herkömmlichen Denken. Es gibt einen Markt, dem bedient man. Es gibt Konkurrenz, man muss besser sein als sie. Aber Sie Paul Allen denken anders und haben dies zusammen mit Bill Gates ja auch schon beweisen. Sie entwickelten Microsoft-BASIC und es gab keinen Markt dafür. Sie haben den Markt erst geschaffen. Genauso, so bin ich mir sicher werden sie den Markt für die Nutzlasten ihres Flugzeugs erst schaffen. Die Leute haben die Skepsis ob ihr angesichts der vielen neuen Firmen und den beiden großen Blue Origin und SpaceX bestehen könnt. Aber auch hier weist Du wie es geht. Wenn es Konkurrenz gibt und die ein besseres Produkt habt, dann verschenkt ihr einfach Starts oder bietet sie unübertrefflich billig an. So habt ihr auch Netscape in den Konkurs getrieben. Klar das kostet ein bisschen Geld, aber Sie, Paul Allen können sich das als Multimilliardär leisten. Und wenn die Konkurrenz erst mal pleite ist, kann man sie günstig aufkaufen, in die eigene Flotte integrieren und dann natürlich die Preise kräftig erhöhen. Windows war auch mal billig solange niemand es kaufen wollte.

Das Sie die alten Muster schon verinnerlicht haben zeigt sich an der Raketenwahl. Die Pegasus XL als Träger – die gab es schon. So richtig reich wurden Sie mit DOS, auch ein Produkt das ihr zugekauft habt und das von jemanden anderem stammte. Ihr habt es nur verbessert und das schafft Stratolaunch sicher auch mit der Pegasus.

Nur in einem müssen sie sich geschlagen geben. In der Microsoft-Hochdisziplin, etwas ankündigen das nie oder nur verspätet erscheint, mit Features die es nie in das Produkt schaffen (Windows 7 mit sicherem Kernel etc.) wurde deine Firma längst von SpaceX und Elon Musk überholt.

Ich habe aber keinen Zweifel, das Stratolaunch die Zukunft gehört und wenn es doch nicht so klappt, hol doch Bill Gates als Marketing Manager hinzu, der dürfte nach seinem Ausstieg bei Microsoft sicher genug Zeit haben.

2 thoughts on “Der Brief der Woche an Paul Allen und Stratolaunch

  1. Also Bezos in die Pleite zu treiben, dafür reichen Paul Allen’s Milliarden nicht. Das geht nur, wenn man mehr hat als die Konkurrenz.

    Und Bill Gates über „New Space“:
    > Everybody’s got their own priorities. In terms of improving the state of humanity, I don’t see the direct connection. I guess it’s fun, because you shoot rockets up in the air. But it’s not an area that I’ll be putting money into.

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