Sieben Wochen ohne Lügen

Zwischen Fastnacht und Ostern liegt ja traditionell die Fastenzeit. Früher wurde da ja noch richtig gefastet. Heute denkt man da eher an eine Einschränkung des Luxuses. Vor einigen Jahren habe ich mal probeweise auf Alkohol verzichtet, was für mich keine große Einschränkung war, weil ich eh wenig trinke. Deutlich schwerer wäre es auf Kaffee oder Süßigkeiten zu verzichten. Dieses Jahr hat die evangelische Kirche eine gute Idee, die ich umsetzen will: bis Ostern auf Lügen zu verzichten. Das will ich umsetzen.

Ich denke das Verzichten auf Lügen macht mir weniger Probleme als anderen. Wer den Blog hier dauerhaft liest, vor allem meine Meinungsartikel, ahnt das ich nicht gerade ein höfflicher Mensch bin. Ich sage auch sonst meist geradeaus meine Meinung, eine schlechte Eigenschaft, die ich von meinem Vater übernommen habe. Immerhin ist es noch meine Meinung, mein Vater hat immer so getan als wäre seine Meinung die Tatsache. Höflichkeit ist meiner Meinung ja die andere Medaillenseite der Lüge. Wenn man immer die Wahrheit oder sagen würde, was man denkt. Die Welt wäre voller Konflikte. Im Kleinen wie Großen. Man hat eine Ahnung davon, wenn ein Politiker wie Trump mal diese Regel zum größten Teil ignoriert und ausländische und inländische Politiker beschimpft.

Das zweite was mir die sieben Wochen ohne Lügen vereinfacht, ist, das ich alleine bin, und zwar gerne. Ohne viele Kontakte kommt man nicht in die Gefahr, lügen zu müssen. Trotzdem stand als Prüfung gestern meine Schwester vor der Haustür. Sie lässt sich selten blicken, weil Sie und mein Bruder seit Jahren verstritten sind und ich meine das mein Bruder recht hat. Natürlich hat sie auch auf ihn geschimpft und ich habe mich entschlossen, besser gar nichts dazu zu sagen. Wenn ich die Wahrheit gesagt hätte es hätte böse geendet. Denn Sie traute der Abrechnung meines Bruders über die Heizkosten eines 6-Familienhauses, dass sie gemeinsam geerbt haben, nicht und wollte den Heizungstank inspizieren, um festzustellen, wie groß er ist. Auf der Plakette konnte Sie aber die Angabe nicht finden. Sie ging dann in der Überzeugung der Tank fasst 340 Liter. Ich habe mir verkniffen zu sagen, das ich sie für nicht nur paranoid, sondern auch sehr dumm halte, und nur mal drauf verwiesen, dass der Tank 1,5 m hoch ist und einen Raum von mehreren Metern Breite und Länge ausfüllt und erheblich größer als mein Tank ist, dessen Volumen von 7.000 l, ich kenne. Ich habe nur drauf verwiesen, dass ich als Einzelperson 1500 bis 1600 l Heizöl im Jahr brauche, und es sich hier um ein 6-Famileinhaus handelt.

Meiner Ansicht nach entfallen die zwischen 80 und 200 Lügen, die man nach psychologischen Untersuchungen ja pro Tag von sich gibt, auf das sich selbst Anlügen. Ich hätte zumindest Probleme auf die nötige Konversationsdauer zu kommen. An manchen Tagen wechsele ich keinen Satz mit einem Menschen. Und das Leben geht nicht ohne Selbstanlügen, deswegen habe ich das auch ausgeblendet. Wenn ich diesen Blog schreibe, dann lüge ich mich selbst an, denn ich nehme an, dass sich eine größere Anzahl von Menschen dafür interessiert. Ich kann mir aber die Website Statistiken ansehen und da hat der ganze Blog (auch mit allen schon erschienen Artikeln) im Monat rund 23.000 bis 25.000 Aufrufe. Populäre Artikel schaffen im Jahr etwa 2.000. Das reicht noch nicht mal um ihn bei der VG-Wort für eine Vergütung einzureichen. Das gleiche kann man von den Büchern behaupten. Wenns gut läuft dann sind es 100 pro Jahr. Dafür würde woanders wohl niemand sich an die Tastatur setzen. Aber ich bilde mir ein, sie sind trotzdem wichtig. Sind sie auch, aber wahrscheinlich nur für mich. Die Selbst-Belügerei werde ich nicht abstellen, sonst müsstet ihr für sieben Wochen ohne Blog auskommen und das Erscheinen des Saturn-Buchs würde sich noch weiter verzögern.

Das verzögert sich sowieso noch etwas. Ich hatte am Montag einen Ausfall meiner Crucial SSD. Ich lasse zwar ein Backup der Festplatte und auch meiner Dateien laufen, aber die beiden Sicherungen waren vom 25 und 27.2 da sie nur wöchentlich erfolgen, ich habe also vier Tage verloren. Ich hatte noch Glück im Unglück, denn ich habe erst im Oktober auf diese SSD gewechselt. Vorher hatte ich eine Samsung 830 mit 240 GB, die wurde zu klein, dann bin ich mit dem Mini-Partition Tool umgezogen. Die Crucial hatte ich zwar schon seit August 2016, aber vorher nur genutzt um große, aber selten genutzte, Dateimengen dort unterzubringen wie Spiele oder Images für virtuelle Computer. Als primäre Platte nutzte ich sie erst als bei meiner Samsung SSD der feie Platz auf 60 GB gesunken war. Das war letzter Oktober. Ärgerlich ist es trotzdem. Denn intensiv genutzt wurde sie so erst seit einfugen Monaten und hätte ich sie sofort eingesetzt wäre der Ausfall noch während der Garantiezeit passiert. Gestern kam nun eine neue Samsung 860 EVO an, die hoffentlich so lange hält wie meine alte die seit 2012 ihren Dienst tut. Ich habe dazugelernt und daher auch bewusst nicht die billigere 960 genommen, die vier anstatt drei Bits pro Zelle speichert. Eine SSD mit 2 Bits pro Zelle gibt es ja anscheinend nicht mehr von den Markenherstellerin zu kaufen.

Immerhin: Glück im Unglück. Die alte 830 EVO hatte ich nicht gelöscht, sodass der Computer von ihr bootete. Ich bemerkte den Unterschied sogar anfangs nicht, stutze nur als ich ah das alle Artikel seit Oktober weg waren. Als ich dann auf die Datenträgerbezeichnung und Größe schaute, war dann alles klar. Immerhin: es ist beruhigend, das ich immer ein bootfähiges Ersatz-Windows habe und ich denke ich werde mein Programm Easybackup auch auf mehrere Backups und dafür kürzeren Zeiträumen umstellen.

Also für alle die große Chance: ihr habt sieben Wochen lang Zeit meine ehrliche Meinung zu allen Themen zu hören. Ich nehme mir aber die Freiheit heraus, nicht immer zu antworten. Eine Pause wird es in jedem Falle geben, nämlich am 1. April, ich denke den Grund muss ich dafür nicht nennen.

4 thoughts on “Sieben Wochen ohne Lügen

  1. Herr Leitenberger, ihre Aussage:

    „Wer den Blog hier dauerhaft liest, vor allem meine Meinungsartikel, ahnt das ich nicht gerade ein höfflicher Mensch bin. “

    Es wird den meisten ziemlich Wurst sein für was Sie sich selber halten. Viel wichtiger ist das Sie sich wenigstens an das halten was Sie von anderen verlangen.

  2. Meine zwei Euro-Cents:

    Ist denn das tägliche „Guten Morgen, na dann machs mal gut“ auch schon eine Lüge?
    Gerald: Man kann zumindest Bernd nicht vorwerfen, daß er andere Leute für Schwächen kritisiert die er selber hat (z.B. Orthografie; was manche seiner Kritiker durchaus gerne und oft tun).
    Bernd: Ich habe SSDs nur für das System und alle meine Daten auf langweiligen Magnetplatten. Natürlich mache ich auch da Sicherheitskopien (robocopy läßt grüßen). Mir ist auch schon mal eine SSD gestorben; seitdem mache ich immer wieder mal davon eine Spiegelung. Aber es ist interessant daß Dir eine crucial gestorben ist und keine Samsung. Ich glaube, meine nächste SSD in einem Puter wird dann wohl auch ein Sams. Das bißchen Mehrgeld ist imho gut angelegt.

    So, das waren jetzt drei Cents…

    1. Die Strategie habe ich auch. Bei mir stecken noch eine 3 TB und 2 TB (vom letzten Rechner, inzwischen 10 Jahre alt) nur für Daten, vor allem Videos drin. Zudem seit letzten Juli noch ein NAS für die Sicherung.

      Das interessante an der Crucial ist ja das sie im BIOS gar nicht mehr auftaucht, die Oberfläche beim Start aber einige Sekunden hängt, wahrscheinlich weil sie versucht sie zu ermitteln. Windows zeigt ein Laufwerk an, aber ohne Größenangabe fragt aber ob es den GUID oder MBR installieren soll.

      Ich hätte bei einer SSD eher auf Schreib-/Lesefehler getippt anstatt auf einen Ausfall der Controller logic.

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