Raketenmannia

Gestern habe ich die Korrektur der zweiten Auflage der Fotosafari durch den Raketenwald – da ich plane, das ich sie regelmäßig alle paar Jahre aktualisiere nun mit der Unterschrift „Edition 2019“ abgeschlossen. Es gab in den drei Jahren zehn neue Träger:

  • Electron

  • Falcon Heavy

  • KT-2

  • Kuaizhou-1A

  • Langer Marsch 5 +11

  • OS-M

  • Simorgh

  • SS-520

  • Zhuque-1

Zwei sind Träger für größere Satelliten (Langer Marsch und Falcon Heavy), ein weiterer ein nationaler Träger, doch die anderen sieben sind allesamt Träger für Kleinsatelliten:

Träger Maximale Nutzlast SSO Nutzlast
Electron 167 kg 150 kg
KT-2 400 kg
Kuaizhou-1A 430 kg 225 kg
Langer Marsch 11 700 kg 350 kg
OS-M 205 kg 73 kg
SS-520 20 kg
Zhuque-1 300 kg 200 kg

Das sind nur die, die schon geflogen sind. Vor allem aus China sind, nach dem die Regierung 2014 Firmen die Raketenentwicklung erlaubte, einige Firmen aktiv geworden. Zwei der Träger in der Liste stammen von ihnen. Insgesamt 10 Firmen arbeiten an Trägern für Kleinsatelliten. In den USA gibt es die Firefly Alpha und Launcher One und ebenso etliche Startups, die jedoch wenige Fortschritte aufweisen können.

Sicher ist der Markt derzeit am Boomen. Dazu gehören ja im Prinzip auch die Konstellationen an erdnahen Satelliten von SpaceX, Amazon und OneWeb.Doch gerade die zeigen das Problem: Es ist ja nun nicht so, das nur die Satelliten kleiner werden. Sie werden auch zahlreicher. Nehmen wir mal Oneweb, von denen gibt es die zuverlässigsten Zahlen. Onweb hat 21 Starts mit der Sojus und drei mit der Ariane 6 gebucht. Dazu kommen zwar noch 39 mit der LauncherOne – also mehr Starts als mit den größeren Modellen – doch die transportieren eben 39 Satelliten und die anderen Starts die restlichen 609.

Auch bei den kleineren Erderkundungssatelliten macht es die Masse – sie müssen ja einen Mehrwert bieten. Denn naturgemäß ist durch die kleinere Masse auch die Auflösung kleiner, weil das Teleskop kleiner sein muss. Sie gleichen das durch Aktualität aus. Mehr Satelliten überfliegen ein Gebiet öfters und die Daten sind so aktueller – das erschließt neue Einsatzgebiete. Vorher nützten die Bilder für die Verkehrsplanung, Erntevorhersage oder Waldschadensinventur. Wenn man wirklich viele Satelliten hat, damit kurze Revisit-Zeiten und die Daten in Echtzeit automatisch auswertet, kann man so Staus erkennen, Umweltsünder dingfest machen, Waldbrände lokalisieren.

Mehrere Satelliten eines Typs startet man aber besser zusammen mit einem Träger, als jedes Mal einen eigenen Start zu buchen. Dafür sind diese Träger aber meist schon zu klein. Sie haben sich auch schon auf die kleinsten Satelliten spezialisiert. Je nach Definition wird ja schon ein Satellit unter 500 kg als Kleinsatellit angesehen – meine persönliche ist es die, das die Masse unter 200 kg liegen sollte, das ist das Maximum, was größere Träger als Startgelegenheit für Sekundärnutzlasten anbieten. Für den SSO-Orbit sind da einige Träger schon nicht leistungsfähig genug und nur einer der obigen die könnte zwei dieser Kleinsatelliten transportieren. Die NL-520 eignet sich sogar nur für Cubesats.

Es verwundert daher nicht, wenn viele der Firmen schon Pläne für eine leistungsfähigere Version in Petto haben. Allerdings eben nur Pläne. Die muss man auch finanzieren. Daneben machen die schon etablierten Trägern, den kleinen Konkurrenz. Eine PSLV hat schon 104 Satelliten auf einmal gestartet. Mit der Vega-C wird auch ein neuer Dispenser eingeführt, der mehrere Mikrosatelliten und Cubesats erlaubt. Beide Träger haben 1.000 bis 2.000 kg Nutzlast, das erlaubt dann schon mehrere Kleinsatelliten pro Start.

Meine Prognose: Der Wettbewerb wird hart. Die besten Chancen sehe ich derzeit bei der Electron. Sie hat schon 5 Flüge hinter sich. Die beiden privat entwickelten chinesischen Träger OS-M und Zhuque-1 sind beide gescheitert. Besser sieht es bei den staatlichen oder halbstaatlichen wie KT-2, CZ-11 oder Kuaizhou aus. Doch die sind wahrscheinlich auf chinesische Nutzlasten beschränkt. Gerade bei den chinesischen Trägern wird es interessant sein zu sehen, ob die Exporteinschränkungen der USA für Elektronik von Satelliten auch für diese kommerziellen chinesischen Firmen gelten oder nur für die staatliche CGWIC. Wenn ja, dann dürfte sicher sein, das von diesen chinesischen Startups nicht viele übrig bleiben.

Was für mich als Autor problematisch ist: für alle diese neuen Träger gibt es kaum Fakten. Bei den chinesischen Trägern sind schon Abmessungen und Masse nur noch geschätzt. Der Trend, der eigentlich schon seit Jahren nach unten geht, hält an. Ich will nicht mal die Saturn ansprechen, wo es durch den NTRS wirklich viel Material gab, übrigens auch für die Presse deutlich technischer als heute. Man muss sich nur mal ansehen, was es von der ESA offiziell zu Ariane 1-4, Ariane 5 und Ariane 6 gibt. Auch hier der Trend dramatisch nach unten. Und da es eine Raumfahrtagentur ist, kann man auch nicht mit dem Argument kommen, es wären Firmengeheimnisse.

Stattdessen setzen die Agenturen eben auf Videos, doch die können schriftliche Informationen eben nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Für mich macht es den Job nur schwerer.

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