Die Corona Simulation und Impfwahnsinn

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Ich habe gestern ein kleines Programm geschrieben, weil ich mir selbst über einiges im Klaren sein wollte. Derzeit ist ja viel vom Impfen die Rede, dazu im zweiten Teil des Blogs mehr. In England sinken die Fallzahlen und Wuschelkopf Boris Johnson hat schon für Ende Juni die Aufhebung aller Einschränkungen angekündigt. Der Grund dafür ist, das in England schon mehr als ein Viertel der Bevölkerung geimpft sind und die Fallzahlen nicht mehr ansteigen. Nun wird immer gesagt, das die „Herdenimmunität“ bei einem Wert von 1 – 1/ Reproduktionswert erreicht ist, also bei dem geschätzten Reproduktionswert von 3 bis 4 beim Coronavirus, wenn etwa 70 % der Bevölkerung (genau: zwischen 66,7 und 74 %) geimpft sind. Da sind ein Viertel der Bevölkerung schon deutlich weniger, und das soll schon ausreichen?

Ich wollte die Epidemie mal selbst simulieren und habe mich darangesetzt, das zu modellieren. Natürlich bin ich kein Mediziner und ich habe so was noch nicht gemacht, aber probieren kann man es ja mal.

Mein Modell ist sehr einfach. Ich habe alle 82 Millionen Einwohner der Bundesrepublik durch ein Array in zwei Dimensionen mit etwa 9000 Elementen in jeder Achse symbolisiert (9000² = 81 Millionen). Auf die habe ich nun zuerst die schon infizierten und die Neuinfektionen zufällig verteilt. Jeder neu infizierte hat als Element eines Arays acht direkte Nachbarn: links, rechts, oben, unten und die vier Eckwerte. Unten diesen werden je nach Reproduktionsrate nun Personen ermittelt, die nun auch den Status neu infiziert bekommen, wenn sie vorher kein Virus hatten. Sind sie schon mal infiziert oder geimpft, dann natürlich nicht, aber sie zählen auch für die Reproduktionsrate.

Da sowohl Inkubationszeit 7 Tage dauert, wie auch die Inzidenz auf 7 Tage bezogen wird, verläuft die Simulation im Wochenrhythmus, wobei in der Simulation in Übereinstimmung mit der Quarantänedauer jemand als zwei Wochen lang infektiös angesehen wird.

Die geimpften werden ebenfalls per Zufall ermittelt, wobei wenn schon jemand infiziert war, er natürlich nicht geimpft wird.

Das Modell ist natürlich sehr simpel. Denn Menschen bewegen sich und stecken nicht nur die an mit denen sie täglich zusammen sind wie Familie oder Arbeitskollegen, also im Array die direkten Nachbarn. Das jemand sehr viele ansteckt ist im Modell nicht vorgesehen. Solche „Super-Spreader“ Ereignisse sind z.B. Besuche in Tirol oder Demos von Coronaleugnern. Ebenso nicht, das jemand niemanden anderen ansteckt, weil er sich an die Quarantänebedingen penibel hält. Enn Tatbestand kann man aber über den R-Wert modellieren. Ich denke es ist trotzdem ein gutes Modell für den Einstieg und auch um die Dynamik zu modellieren. Die Startbedingungen beim ersten Aufruf sind die momentanen Fallzahlen bzw. Impfvorgaben die Merkel angekündigt hat. Der standardmäßige R-Wert von 3,5 ist der der vorliegen würde, wenn wir gar nichts tun würden. Das sieht dann so aus:

Woche Neuinfektionen Infizierte Geimpfte Unbelastet 7 Tages Inzidenz
1: 59.831 2.402.000 830.090 78.719.215 511
2: 124.052 2.429.215 1.889.787 77.568.082 1.058,8
3: 189.461 2.490.380 3.177.785 76.153.510 1.617,1
4: 249.828 2.588.951 4.692.225 74.480.132 2.132,4
5: 303.275 2.721.141 6.430.635 72.556.085 2.588,6
6: 347.008 2.884.420 8.389.875 70.389.833 2.961,9
7: 379.464 3.072.985 10.566.208 67.992.479 3.238,9
8: 401.322 3.280.407 12.955.279 65.374.128 3.425,5
9: 411.705 3.501.392 15.552.294 62.545.745 3.514,1
10: 411.227 3.729.283 18.351.646 59.518.980 3.510,0
11: 399.872 3.958.264 21.347.408 56.305.592 3.413,1
12: 377.561 4.182.513 24.532.968 52.918.094 3.222,6
13: 345.376 4.396.273 27.901.208 49.368.279 2.947,9
14: 306.564 4.593.458 31.444.543 45.666.571 2.616,7
15: 262.265 4.770.022 35.154.913 41.823.936 2.238,5
16: 214.360 4.923.239 39.023.828 37.849.709 1.829,7
17: 165.889 5.050.530 43.042.385 33.752.332 1.415,9
18: 120.318 5.150.991 47.201.124 29.538.703 1.027,0
19: 80.980 5.225.405 51.490.263 25.214.488 691
20: 48.967 5.276.991 55.899.737 20.785.441 418
21: 25.812 5.309.458 60.419.122 16.256.744 220
22: 11.432 5.327.423 65.037.675 11.634.606 98
23: 3.878 5.335.867 69.744.270 6.927.121 33
24: 844 5.338.993 74.527.736 2.143.563 7
25: 83 5.339.759 76.654.075 17.219 1
26: 9 5.339.837 76.654.075 17.215 0
27: 7 5.339.842 76.654.075 17.212 0
28: 6 5.339.846 76.654.075 17.209 0
29: 6 5.339.849 76.654.075 17.206 0
30: 4 5.339.852 76.654.075 17.205 0

Die Einstellungen werden übrigens bei jedem Beenden abgelegt und beim nächsten Start restauriert.

Wenn jemand selbst experimentieren möchte, der kann das Programm hier herunterladen (32 Bit Windows).

Und nun zum nächsten, aber damit verbundenen Thema. Es geht um Impfchaos. Hört oder sieht man Nachrichten, so kommt man um das Thema gar nicht herum. Chaos, weil es drei Hauptstränge sind, die widersprüchlicher nicht sein könnten:

  • Wer wird zuerst geimpft und wer wird vorgezogen?
  • Warum geht das so schleppend, verglichen mit anderen Ländern?
  • Die Sache mit dem Impfstoff von Astrazeneca.

Punkt 1 zeigt, wie sich die Situation doch wandeln kann. Vor einigen Monaten, als die Fallzahlen niedrig waren und man gut mit leichten Einschränkungen durch den ansonsten normalen Alltag kam, wollten sich so wenige impfen lassen, das man nicht in den Schutz der Herdenimmunität gekommen wäre, wenn alles auf freiwilliger Basis ablaufen sollte. Seit Lockdown und Verfügbarkeit des Impfstoffes hat sich das geändert. Nun kann es vielen nicht schnell genug gehen und die Nachrichten berichten sogar über „Impfdrängler“. Personen, die meinen sie seien so wichtig, das sie nun schon dran kommen sollten, wo man noch nicht mal die Gruppe der über 80-Jährigen durchhat. Selbst die Parteien meinen, für die paar Personen nun ein eigenes Gesetz schmieden zu müssen. Ein typischer Fall von Aktionismuspolitik, die leider schon seit Jahren der Normalfall ist.(siehe Sondergesetze für Pädophile, Angehörige von terroristischen Organisationen, Überwachungsbefugnisse für solche Organisationen etc.) In einigen Monaten hat sich das Impfdränglerproblem von selbst gelöst, denn es müssen ja sowieso alle geimpft werden (oder zumindest die meisten). Vor allem drängen nun Standesvertreter verschiedener Berufsgruppen wie Ärzte, medizinisches Personal, Polizisten oder Lehrer darauf, dass ihre Gruppen vorgezogen werden. Leute: wir haben zu wenig Impfstoff, sind nicht mal mit der Gruppe, durch die hoch gefährdet ist und ihr habt nichts Besseres zu tun, als an euch zu denken? Dazu noch mehr beim dritten Punkt.

Punkt 2, das das Impfen so schleppend vor sich geht – es sind nicht mal 5 % der Bevölkerung nach zwei Monaten geimpft, ist primär ein Versäumnis der EU. So gut der Ansatz ist, die Impfstoffe für ganz Europa zu bestellen – eine Pandemie macht ja auch nicht vor Ländergrenzen halt und so vielleicht bessere Bedingungen zu bekommen, hat die EU es doch versäumt auch dafür zu sorgen, dass man zumindest genauso schnell dran ist wie andere Länder. Ich kann Konzerne verstehen, die bei hochlaufender Produktion zuerst mal die Länder beliefern, die mehr zahlen oder wie Israel im Gegenzug alle Patientendaten zur Verfügung stellen, um den Impfstoff weiter zu entwickeln, denn das wird ja nicht das letzte SARS-Virus sein. Es ist ja schon das zweite SARS-Virus nach SARS-1 das 2002/3 schon für eine Epidemie in Asien sorgte, das dann jedoch so mutierte, dass es harmlos wurde. Für mich ist auch die Größe der EU ein Problem. Ein Hersteller kann ein Land wie England oder Israel bevorzugt beliefern, weil es eben nur einen Bruchteil der Einwohnerzahl der EU hat. Israel die am weitesten mit dem Impfen sind, haben nicht mal 9 Millionen Einwohner – bei uns sind alleine drei Bundesländer bevölkerungsreicher. In Israel hatten gestern 4,5 von 8,9 Millionen Einwohnern die erste Impfung und 3,2 Millionen die zweite Impfung erhalten. Da ist in wenigen Wochen die Herdenimmunität erreicht. Dann hätte ich für Israel einen tollen Vorschlag wie sie die Wirtschaft ankurbeln können: Impftourismus. Nicht nur das sie als erstes Land dann „corona-immun“ wären, was dazu führen würde, dass man dorthin wieder reisen dürfte, anders als in sonst fast jedes Land. Nein sie könnten auch Touristen mit einer Impfung locken und dann könnten doch alle Drängler, die es in Deutschland gibt nach Israel reisen, na ja zumindest fast alle, bis auf die Neonazis, aber wenn es von denen durch Corona einige weniger gäbe, wäre es auch nicht so schlimm. Wie es in der Praxis aber auch läuft und was die EU wohl unterschätzt hat, ist das nun neuer Nationalismus ausbricht. Die meisten Hersteller von Impfstoffen sitzen in den USA. Selbst der Biontech Impfstoff wird zwar in Deutschland entwickelt aber von Pfizer in den USA produziert und die USA impfen natürlich erst mal ihre eigene Bevölkerung und lassen keinen Export zu. Ich meine man sollte etwas daraus lernen und innerhalb Europa eine Infrastruktur aufbauen, mit der man bei der nächsten Pandemie schnell eine Produktion hochfahren kann, auch wenn diese in der Zwischenzeit nur Geld kostet und überdimensioniert ist. Ganz nutzlos ist sie nicht, man kann dort ja auch Grippeimpfstoff produzieren und da gibt es jedes Jahr auch eine Infektionswelle. In Produktionskapazitäten hätte man aber auch schon vor einem Jahr, als es zum ersten Lockdown kam, investieren können, denn das man sie irgendwann braucht, war ja klar, auch wenn nun der Impfstoff relativ früh zur Verfügung steht – vor einem Jahr glaubte Biontech, das er im Sommer 2021 zur Verfügung steht, da sind wir mit der Zuladdung Ende Dezember 2020 doch schon um einiges besser. Vielleicht hat die EU auch auf diesen Termin hingearbeitet dann würde das Chaos auch Sinn ergeben.

Punkt 3: Während es sonst Impfdrängler gibt, gibt es Ressentiments gegen den Impfstoff von Astrazeneca. Der sei nur zu „70 % wirksam“. Die Impfstoffe von Moderna / Biontech zu über 90 %. Stimmt auch. Aber damit ist gemeint, dass 70 % der geimpften keine Infektion bekommen und 30 % der geimpften eine Infektion mit stark abgemildertem Verlauf. Das ist schlechter als 94 oder 95 % wie bei den beiden oberen Impfstoffen, aber es ist, um Klassen besser als ernsthaft zu erkranken oder sogar zu sterben. Klar, jeder will den wirksamsten Impfstoff, vor allem wenn er von einer deutschen Firma entwickelt wurde. Aber das ist ein Luxusproblem, dass man angehen kann, wenn es mehr Impfstoff als Impfwillige gibt, was über Monate nicht der Fall sein dürfte. Jetzt geht es darum möglichst viele zu impfen, um das Gesundheitssystem zu entlasten und um möglichst schnell aus dem Lockdown herauszukommen. Auch ist es nicht so das der Impfstoff von Astrazeneca bei über 65-Jährigen unwirksam ist. Diese Altersgruppe war einfach nur zu 10 % Bestandteil der Studien, deswegen gibt es darüber noch keine verlässlichen Daten, die Gruppe ist zu klein. Aber die WHO hat ihn für alle Altersgruppen zugelassen und England hat seine hohe Impfquote vor allem mit diesem Impfstoff erreicht – und dort sinken die Fallzahlen trotz der nun vorherschenden „britischen Variante“ des Virus (ich warte ja noch auf die Tirolvariante und ich prognostiziere es wird auch noch eine kommen). So hat man bisher in Deutschland zu wenig mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft, der Großteil der gelieferten Menge ist noch nicht verimpft.

Mein Vorschlag: Impfdrängler sollten mit diesem Impfstoff geimpft werden. Richtet ein Portal für alle ein, die es nicht erwarten können und die werden dann mit Astrazeneca geimpft. Dann hat man zwei Probleme auf einen Schlag gelöst. Die Idee bestimmte Berufsgruppen mit diesem Impfstoff zu impfen, und dafür keine über 65-jährigen, halte ich für nicht so sinnvoll, denn sie löst das grundlegende Problem ja nicht, dass sich jede Berufsgruppe als besonders gefährdet ansieht. Wenn es aber eine Berufsgruppe gibt, die ich vorziehen würde, dann wäre es das Personal in Krankenhäusern das mit Coronapatienten direkt in Kontakt kommt und die in Altersheimen Senioren betreuen. Die Letzteren, weil wenn dort eine Infektion ausbricht, es leicht zu Toten kommen kann.

So viel von mir zum Impfchaos.