In Memoriam Irene Cara – und wen ich überlebe

Weitestgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit starb am 25.11.2022 die Sängerin Irene Cara. Woran ist noch offen, schlussendlich war sie mit 60 bis 63 Jahren (genaues Geburtsdatum ist in der Diskussion) noch nicht so alt. Irene Cara kennen viele, und das obwohl sie nur zwei Hits hatte. Das liegt daran was das für Songs das waren. Sie spielte als Schauspielerin in dem Musikfilm „Fame“ von 1980 mit und sang den gleichnamigen Titelsong. Als Schauspielerin hatte sie auch in der Folge etliche Auftritte, aber keinen mehr in einem echten Blockbuster. Zwei Jahre später sang sie den Titelsong für Flashdance „What a Feeling“, der nun als Song überhaupt keinen Bezug zu der Story hatte, aber sehr prominent inszeniert wurde, weil er in einer Kernszene vorkommt: Die Stahlarbeiterin die nach Feierabend Tanzen übt, tanzt vor einer Jury und besteht nachdem sie zweimal anfangen muss.

Lieder aus Musikfilmen werden zu Hits, das war schon immer so. So aus Hair „Aquariums – let the Sunshine in“ oder „She’s like the Wind“ vom Film „Dirty Dancing“. Wer denkt nicht an „Grease“ (Your’re the one that i want“) oder den Film „Saturday Night Fever“ wo es gleich zwei populäre Auskopplungen gab: „Staying Alive“ und „Night Fever“. Und in den Achtzigern waren Musikfilme echte Kassenschlager.

Der Erfolg von Cara war Anfang der Achtziger Jahre angesiedelt und ich begann mich damals gerade für Musik zu interessieren. Damals konnte ich das Lied „What a Feeling“ nicht leiden. Der Grund war das ich damals Nena-Fan war und dieses Lied wie fest-betoniert auf Platz 1 der Hitparade blieb, die ich mir damals jeden Sonntag auf SWR3 und SDR3 anhörte und die Lieder auf Kassette aufnahm. Nenas „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“, von dem ich bis heute denke, dass er die bessere Musik hat, blieb immer auf Platz 2. Ebenso fand ich das Musikvideo, dass eben diese Vorstellungsszene zeigte und das damals in der einzigen Musiksendung für Videos, „Formel Eins“ lief nicht so toll. Wie Irene Cara aussah, wusste ich nicht, denn damals wurde eben nur dieses Video mit Jennifer McBeal gespielt. Erst Jahrzehnte später habe ich ein Originalvideo von ihr aus der Zeit gesehen und war überrascht, denn sie wäre wohl genau mein Typ gewesen.

Das war es aber auch schon, was man über Irene Cara sagen kann. Ich kenne sonst nur noch einen weiteren Song von ihr, der jedoch weitaus weniger erfolgreich war, als die beiden Songs zu den Musikfilmen. Das war „Why me“ von 1983. Das Video dazu ist grausig. Anstatt das man die Sängerin, die tanzt zeigt, kommen dauernd Überblendungen, vom Computer generiert. Mit dem Lied hat das gar nichts zu tun. Nebenbei merkt man bei Musikvideos wie doch die Zeit vergeht. Aus dem Film Flashdance wurde auch noch ein zweites Lied ausgekoppelt: Maniac. Frauen sie knapp bekleidet im Gegenlicht räkeln und über denen Wasser ausgeschüttet wird wären wohl heute undenkbar.

Irene Cara führt ihren Misserfolg nach den beiden Hits darauf zurück, dass sie ihr Musiklabel verklagte, weil sie jahrelang keinerlei Erlöse aus ihren Songs bekam. Andere Plattenfirmen nahmen sie aus eben diesem Grund nicht unter Vertrag und nach einigen Jahren, als der Rechtsstreit abgeschlossen war, war sie eben weitestgehend vergessen. Ich sehe das anders. Hört man sich alle drei Songs nacheinander an und konzentriert man sich nur auf Irenes Gesangpart, so merkt man das der sehr ähnlich klingt, sie also kein besonders großes Repertoire hatte. Das ist sicher ein Grund für den Misserfolg, denn viele andere schafften ja auch nach einigen Jahren, ja sogar Jahrzehnten ein Comeback. Sie legte 2001 das Lied „What a Feeling“ nochmals auf, diesmal mit DJ Bobo. An der Neuinterpretation ist nur ihr neu eingespielter Gesangspart hörenswert. Der Rest ist ein Beispiel, wie Menschen, die sich „DJ“ oder „Master of Ceremony“ nennen, ein Lied zugrunde richten indem sie rappen oder einen dumpfen Techno-Beat darunterlegen.

Ich habe seit dem Tod von Whitney Houston eine etwas morbide Macke. Ich habe im Kopf eine Liste von verstorbenen Musikern, die ich gerne überleben möchte. Ob mir das gelingt, weiß ich natürlich nicht und eine reelle Chance habe ich nur bei Musikern, die leider viel zu früh verstarben. Es gibt natürlich jede Menge Musiker die früh verstarben, ich konzentriere mich nur auf die Musiker die Musik machten, die ich auch hörte, also die Achtziger Jahre prägten. Vorher interessierte ich mich nicht so sehr für Musik und danach nahm mein Interesse deutlich ab. Das ich mir die Todesdaten merkte, fing an mit Michael Jackson, der 2009 starb, und als 2012 Whitney Houston starb, war sie die erste, die ich einholen wollte – Houston war nur zwei Jahr älter als ich und einer meiner Lieblinge in der zweiten Hälfte der Achtziger. Ich überholte sie noch vor Michael Jackson, der zwar drei Jahre früher starb, aber sieben Jahre älter ist. Bei meinem nächsten Geburtstag habe ich Prince überholt, der 2016 starb und wie Michael Jackson 1959 geboren ist. Nun ist Irene Cara auf die Liste hinzugekommen. Allerdings ist ihr Geburtsjahr umstritten. Die meisten Quellen nennen 1959. Sie selbst gab in mehreren Publikationen 1959, 1961 und 1962 an, wobei die beiden letzten Angaben aus neuerer Zeit stammen, wo man dann sicher nicht mehr, die bei manchen jungen Frauen vorhandene Tendenz, sich jünger zu machen als man ist, anführen kann. Irene Cara hätte ich in maximal sechs Jahren eingeholt. Ein Jahr später wäre dann Donna Summer dran, die ungekrönte Disco Queen, die 2012 im Alter von 64 starb. Dazwischen wäre noch George Harrison anzusiedeln, der 2001 im Alter von 58 starb.

Viele andere Musiker wurden ja gottseidank alt, bzw. da ich mich ja nur auf Musiker konzentriere die aktuell waren als ich mich für Musik interessierte, leben sie meist noch alle. Eine Ausnahme wäre David Bowie, der 69 wurde. Aber bis dahin ist es noch über ein Jahrzehnt und ich rechne ehrlich gesagt nicht damit dass ich sehr alt werde. Ich habe den Familienstammbaum väterlicherseits bis Mitte des 18 Jahrhunderts und mütterlicherseits bis 1532. Keiner der Männer wurde sehr alt, nur die Frauen mütterlicherseits erreichten ein hohes Alter. Meine Mutter starb mit 90, meine Tante lebt noch und ist 96. Mein Vater ist mit 77 schon der älteste meiner männlichen Vorfahren und er selbst hat nie damit gerechnet, so alt zu werden. Nun war damals aber auch die medizinische Versorgung eine andere und auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln schlechter. Ich habe dahingehend „Glück“, denn ich habe einen fast 17 Jahre älteren Bruder und der lebt noch. Er ist sozusagen ein Prüfstein, was das Genmaterial, das ja zum Teil identisch ist wohl unter heutigen Umständen für eine Lebensdauer ermöglicht. Es kann auch recht schnell zu Ende sein. Mein Vater hatte Darmkrebs. Zwischen Diagnose und Tod lagen keine elf Monate. Aber das hält mich nicht ab weietr Plä#ne zu machen, obwohl es ja das wahre Sprichwort gibt: „Leben ist das was passiert während man Pläne macht“…

4 thoughts on “In Memoriam Irene Cara – und wen ich überlebe

  1. Bei dieser Gelegenheit möchte ich an die britische Musikerin Christine McVie erinnern, die leider am 30.11. von uns gegangen ist.

    Christine McVie war Keyboarderin und neben Stevie Nicks die zweite Sängerin der in den 1970ern und 1980ern bei mir sehr beliebten Band Fleetwood Mac.

    Mit dem Album „Rumours“, einem der meistverkauften Alben der Musikgeschichte, gelang Fleetwood Mac 1977 der große Durchbruch.

    McVie sang auf dem Album unter anderem den Hit „Don’t Stop“, ein Duett mit Sänger und Gitarrist Lindsay Buckingham.

    Die Stimme von McVie ist aber auch bekannt von den Hits „Little Lies“ und „Everywhere“ vom Album „Tango In The Night“ (1987).

    Aber gut, ist wahrscheinlich nicht der Musikgeschmack von euch jungen Leuten.

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