Jetzt können die Astronauten an Bord der ISS kommen….

… und zwar dank des ATV. Gestern koppelte es erfolgreich an die ISS an, was sogar der Tagesschau einen Beitrag wert war. Vieles was dort gesagt wurde war richtig: Das das ATV das bislang leistungsfähigste Gefährt seiner Art ist und Europa damit ein wichtiger Partner in der ISS.

Ja man kann es sogar deutlicher formulieren. Die ISS wäre ohne das ATV nicht lebensfähig. Das zeigt folgende Tabelle. Sie zeigt die noch geplanten Flüge von Transportmaterial zur ISS. 

  ATV HTV Progress Space Shuttle  
Startmasse: 20750 kg 16500 kg   105000 kg  
Fracht im Druckmodul 1500-5500 kg 4500 kg 1800 kg 4700 kg  
Fracht ohne Druckausgleich 0-940 kg 1500 kg 420 kg    
Treibstoffe für die ISS 0-4700 kg   1700 kg    
Reboost Kapazität 0-4700 kg   220 kg 11300 kg  
Fracht gesamt 12367 kg 6000 kg 2537 kg 16000 kg  
Startkosten 350 Mill. €     550 Mill. $  
Flugrate: 5 7 29 0  

Zur Erklärung: Bei allen Transportsystemen ist die Aufteilung der Fracht weitgehend variabel. Es gibt jedoch eine maximale Masse die transportiert werden kann. So kann das ATV bis zu 7667 kg Fracht transportieren (typisch 6 t) und mit dem Treibstoff zum Anheben der Station maximal 12.3 t zur ISS. Das Space Shuttle kann im MPLM maximal 4.7 t Fracht transportieren  Der große Laderaum nützt für den Frachttransport nichts. Aber das Shuttle kann die Station anheben. Es ist dafür aber nicht besonders gut geeignet, weil es selbst 105 t wiegt und so 1/4 des Treibstoff verloren gehen weil ISS und Space Shuttle so um 105 t schwerer sind und das Shuttle mehr Treibstoff zur Landung braucht.

Die Basis für diese Vereinbarungen sind internationale Abkommen. Als man die ISS 1995 konzipierte legte man einen Schlüssel fest: Jeder Partner beteiligt sich an der ISS mit Hardware und bekommt im Gegenzug Forschungskapazität und Gelegenheiten Astronauten zur ISS zu schicken. Weiterhin hat er sich entsprechend bei den Betriebskosten zu beteiligen. Europa hat an der ISS einen Anteil von 8.3 %. Das ist weniger als Japan (12 %). Entsprechend ist die Beteiligung an Hardware auch geringer. Es ist Columbus als Forschungsmodul und dazu kommt noch das Kopplungsmodul Harmony (Node 2), die Beobachtungsplattform Cupola und verschiedenes Equipment wie ein Roboterarm für das russische Modul und die Computerausrüstung für eines der russischen Module. Italien ist national noch über die 3 MPLM Module für den Space Shuttle Leonardo, Raffaelo und Donatello beteiligt.

Das gleiche gilt für den Transport von Fracht. Mit dem ATV bezahlt Europa seinen Anteil an den Betriebskosten. Und da fällt mir etwas auf. Die Zahlen oben geben die NASA Planungen für die ISS bis 2014 vor. In dieser Zeit sollen folgende Frachtteile transportiert werden:

  • Russland: 73500 kg
  • Europa: 62000 kg
  • Japan 42000 kg
  • USA 0 kg

Das korrespondiert nicht besonders mit der Beteiligung an der Station. (Die USA haben natürlich einen Sonderstatus, denn z.B. kommen sie alleine für die Kosten für die Datenübertragung auf) Japan hat eine 50 % höhere Beteiligung als die ESA und transportiert nur 2/3 der Fracht. Die Verteilung der Ressourcen und damit der Kosten beträgt:

Partner Anteil
NASDA 76.5 %
JAXA 12.8 %
ESA 8.3 %
CSA 2.3 %

Russland ist in der Tabelle nicht enthalten. Ursprünglich sollte Russland einen großen Anteil an der Station haben, doch dies hat sich geändert. erst kauften die USA Sarja als erstes Modul, dann finanzierten sie weitgehend das zweite Modul Sewsda und zuletzt bezahlten sie noch für die Sojus und Progressflüge. Zwei eigene Module von Russland wurden dagegen gestrichen. Der finanzielle Aufwand Russlands dürfte daher heute kleiner als der der ESA sein.

In jedem Falle transportieren wir 50 % mehr als Japan bei einer 50 % geringeren Beteiligung. Man kann aufgrund der bekannten Kosten für einen ATV Start von 345 Millionen Euro sogar die Gesamtstationskosten zurückberechnen: Sie müssen dann bei etwa 4500 Millionen Dollar liegen – leider deckt sich das nicht mit dem was die NASA in ihrem Haushaltsentwurf stehen hat. Demnach bringt Europa 2-3 mal mehr ein als es sollte, bei Japan liegt der Anteil dagegen im Soll. Die Frage ist nun: Bezahlt die NASA die ATV Flüge? Denn ohne sie geht es nicht. Das ATV transportier 35 % der Nutzlast der Station (es könnte sogar noch mehr sein – Die ESA hat ursprünglich 9 Ariane 5 dafür geordert, dich die Verzögerung beim Bau der ISS und das beschlossene Ende 2016/7 hat dazu geführt, dass nun nur noch von 5 Flügen die Rede ist.

Aber ohne die Flüge kann man eine 6 Mann Besatzung nicht aufrecht erhalten. Ich hoffe aber, dass die ESA nun nachbehandelt hinsichtlich der Ressourcenverteilung.

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