Das Europa der nationalen Eigenmächtigkeiten

Heute ein sehr langer Blog: Ich habe gerade im Konzept das Epilog meines Buchs über europäische Träger Teil 2 fertiggestellt und will euch den nicht vorenthalten.

Beginnend mit der Fortentwicklung der Ariane 5 begann der Konsens, der in der ESA für größere Projekte notwendig ist, zu bröckeln. Die Entwicklung von Ariane und Vega unter­scheidet sich von anderen ESA Projekten in zwei Dingen:

Mit der Rakete selbst ist es alleine nicht getan – es gibt auch den Bedarf für den Unterhalt des CSG, auch wenn die Entwicklung abgeschlossen ist. Weiterhin muss der Träger ver­änderten Marktbedingungen angepasst werden: siehe das Ariane Evolution Programm.

Wenn die Rakete erfolgreich fliegt, so bedeutet dies aber auch gesicherte Arbeitsplätze in der Produktion. Jedes andere ESA Projekt kostet nur Steuergeld. Die Entwicklung einer Träger­rakete kann dagegen auch Steuereinnahmen bescheren.

Nicht umsonst sind daher die Franzosen bei der Entwicklung der Ariane 1 bis 5 die treibende Nation gewesen, denn damit kamen auch bei der Produktion entsprechend der Beteiligung bei der Entwicklung Aufträge zurück. Bei der wesentlich kostspieligeren Entwicklung der Ariane 5 gab es die Gelegenheit, die deutsche Beteiligung zu erhöhen und auch technologisch wichtige Teile zu entwickeln und zu fertigen. So wurde MBB von SEP angeboten, das Vulcain Triebwerk gemeinsam zu entwickeln. Doch weder die deutsche Regierung, noch die deutschen Firmen waren bereit, Geld für Vorstudien auszugeben. Für Deutschland war damals – wie noch heute, die bemannte Raumfahrt wichtiger.

So produziert bei der ersten Generation der Ariane 5 Deutschland die Hülsen der Feststoff­booster und die dritte Stufe – erstmals weitgehend eine ganze Stufe. Bei Ariane 1-4 waren es nur Komponenten und der Zusammenbau der Stufe, aber z.B. nicht das Triebwerk.

Während bei der Entwicklung der Ariane 5 die Abstimmung zwischen den Ländern noch ge­lang, gab es danach zunehmend Probleme. Den Anfang machte 1999 die neue, von der SPD und den Grünen gebildete Regierung, in der Bundesrepublik. Sie blockierte die Weiter­entwicklung der Ariane 5, indem die Mittel für eine Steigerung der Leistung der EPS-Stufe nicht zur Verfügung gestellt wurden. Die Lösung bestand darin, gleich die ECS-A Stufe zu entwickeln und diese in Deutschland integrieren zu lassen. Allerdings kommt nun schon das Triebwerk der ESC-A aus Frankreich.

Die nationalen Interessen blockieren zunehmend die Weiterentwicklung der Trägerraketen. Seit 2003 ruht der Ausbau der Ariane. Die ESA-Ministerratstreffen in Berlin (2005) und in Den Haag (2008) brachten keine Beschlüsse zur Wiederaufnahme der Entwicklung. Es gibt zwar Mittel für die ESC-B-Oberstufe, doch nur in einem so geringen Maße, dass die Fluger­probung des Vinci Triebwerks auf niedriger Stufe weitergehen kann und die Fixkosten, die zwangsläufig anfallen, abgedeckt werden. In der Summe ist dies erheblich teuere als eine konsequente Entwicklung. So kostet das „Post ESC-A Programm“, also die Entwicklung der ESC-B Oberstufe von 2009-2011 die ESA 340 Millionen Dollar – ohne dass dafür Hardware gebaut wird. Im wesentlichen wird das Geld in den Fixkosten und einem „Proposal“ für die nächste Ministerratssitzung verbraten.

Frankreich scheint nach einem offenen Brief von Fredrik Engström, dem ehemaligen Leiter des Direktorats für Trägerraketenentwicklung, an einer überkommenen Management­struktur festhalten zu wollen. Dabei hätten die anderen beteiligten Staaten kaum Mit­spracherechte. Im weiteren scheinen auch durch Frankreich die Mittel für die Weiter­entwicklung der Vinci Stufe blockiert zu werden. Da nach wie vor Frankreich drauf besteht das Triebwerk zu bauen, weil es neue Technologien verspricht, bedeutet das eine Blockade der Weiterentwicklung der Ariane.

Bei der Entwicklung der Vega, welche von Italien vorgeschlagen worden war, zeigte sich ebenfalls der fehlende Konsens. Bei vielen europäischen Nationen gab es kein Interesse an einer neuen Trägerrakete in diesem Segment, weil die ESA und die europäischen Staaten bisher auf russische Trägersysteme zurückgegriffen hatten (Rockot und Dnepr).

Die italienische Vertretung drohte deshalb damit, aus der Ariane 5 Weiterentwicklung aus­zusteigen und die Vega als nationales Projekt durchzuführen. Mit der Leistungssteigerung und der Einführung neuer Technologien bei der ersten Stufe konnte Italien dann aber schließlich Frankreich überzeugen, und die Vega wurde so zum ESA-Projekt. Allerdings musste auf eine deutsche Beteiligung verzichtet werden. Deutschland war zu dieser Zeit der zweitgrößte Beitragszahler der ESA. Warum diese Entscheidung – ist doch die Vega Entwicklung um den Faktor zehnmal preiswerter als die der Ariane und liegt in der Größen­ordnung eines mittelgroßen Forschungssatelliten. Nun, Astrium LV, ein deutscher Ableger von EADS/Astrium, der aus der DASA hervorging, ist zu 51 % an der Vermarktung der Rockot beteiligt. So hoch ist der Anteil von Astrium LV an dem Anbieter Eurockot. Für Astrium LV ist die Vega natürlich eine Konkurrenz, denn viele Nutzlasten der Rockot kamen von Europa.

Der Autor stellt sich nur folgende Frage: Ist es Aufgabe der deutschen Raumfahrtagentur DLR die privatwirtschaftlichen Interessen einer Firma zu vertreten? Meiner Ansicht nach ist es die Aufgabe der DLR die Forschung und Technologie in Deutschland zu fördern. Dies geht am besten, indem sich deutsche Firmen an neuen Projekten beteiligen, in denen diese Technologien entwickelt werden. Astrium LV verdient zwar an der Rockot. Aber sie wird in Russland gefertigt und gestartet. Astrium LV ist nichts weiter als ein Dienstleister, der russische Startservices verkauft.

Was sind die Folgen? Avio produziert die P80FW Booster in Italien. Die Fertigungsanlagen sind aber nicht für die Vega ausgelegt. Sie sind ausgelegt für die Produktion der Ariane 5 Booster. Was wird wohl passieren, wenn in einigen Jahren die Ariane 5 weiter in der Leistung gesteigert werden muss und der Übergang auf Graphitepoxidwerkstoffe für die Booster 1000 bis 1500 kg mehr Nutzlast verspricht? Ich wage zu prognostizieren, dass dann die Booster dort gefertigt werden, wo es schon entsprechende Anlagen gibt, also in Italien.

Als Folge dürften bei MT Aerospace rund 50 % des Umsatzes und die Hälfte der Beteiligung Deutschlands an der Ariane 5 wegfallen. Dabei hatte MT Aerospace im Jahre 2001-2003 die Technologie im kleinen Maße erprobt, wollte aber die Investitionen nicht tätigen. Aus Sicht der Firma verständlich. Avio finanziert ja auch nicht die Investitionen selbst, sondern be­kommt die Mittel dafür aus der Vega Entwicklung. Nur war eben Italien so schlau zu er­kennen, dass die Vega nicht nur einfach „eine neue Rakete“ ist, sondern die Aneignung der Technologie Wettbewerbsvorteile bei der Ariane Fertigung verspricht.

Was tut nun die DLR? Im Jahre 2008 ist die Entwicklung der Vega spürbar bei der Vergabe von Aufträgen. Die ESA hat für die meisten neuen Nutzlasten die Vega vorgesehen. Auf der anderen Seite hat Russland die Preise für Startleistungen erhöht. Auf gut Deutsch: Das Geschäft mit der Rockot ist für EADS Astrum am Abflauen. Was macht nun die DLR? Sie vergibt an eben diese Firma den Auftrag zu untersuchen, ob eine Oberstufe auf Basis der Technologie des Aestus und Vinci Triebwerks die Nutzlast steigert. Wer sich die Leermassen der Stufen anschaut, dem dürfe klar sein, dass der Ersatz des Zefiro 9 Antriebs durch eine etwa gleich große Stufe mit dem Aestus oder Vinci Triebwerk die Nutzlast nicht steigert – das war übrigens auch das Ergebnis der Studie, die allerdings nicht einige Minuten des Nachdenkens, sondern 500.000 Euro kostete.

Frankreich als treibende Kraft der Trägerentwicklung in Europa kann dagegen recht frei schalten, wahrscheinlich, weil es ohne Frankreich nicht geht. So fand der ESA Vorschlag für einen Träger aus Elementen der Vega und der Ariane 5 im Segment von etwa 5 t Nutzlast keinen Zuspruch bei Frankreich. Hier will Arianespace, welche an Starsem, dem Vermarkter der Sojus, beteiligt ist, keine Konkurrenz haben. Vielmehr sollten gemäß französischer Meinung die Wettbewerbsvorteile der Sojus verbessert werden. So beteiligt sich die ESA derzeit an der Finanzierung des Ausbaus des ELS Komplexes (Ensemble des Lancements Soyuz), damit die Sojus von dort starten kann. Von den 344 Millionen Euro, welche ELS kosten soll, stammen fast zwei Drittel (223 Millionen) von der ESA. Auf gut deutsch: Die ESA könnte aus den Stufen der Ariane 5 und Vega ohne Problem und höhere Kosten eine Trägerrakete zwischen der Ariane und Vega entwickeln. Als Folge würden sich die Produktionskosten durch Synergieeffekte für beide Träger erniedrigen. Stattdessen finanziert sie einen Startkomplex einer französischen Firma für einen russischen Träger! Als Folge steigen auch die Ausgaben für das CSG von 250 Millionen Euro zwischen 2006 und 2008 auf 391 Millionen für die Periode von 2009 bis 2013.

Es sollte nicht verschwiegen werden, dass diese nationalen Eigenmächtigkeiten auch in anderen ESA Programmen zunehmen. So ist Deutschland nicht am Exomars Programm beteiligt. Nach Ansicht des Autors zu Recht, denn läuft aus dem Kostenrahmen und erinnert mich an die amerikanischen Rover – ein europäisches Programm sollte aber nicht einfach nur ein anderes Programm kopieren, sondern sich auf die Ressourcen konzentrieren, die uns zur Verfügung stehen. Doch was macht nun die DLR? Sie präsentiert dem Kabinett den Vor­schlag für ein 1.5 Milliarden teures nationales Mond- und Marsprogramm! Also ein Konkurrenzprogramm zu einem europäischen Programm, das zu teuer wird.

Deutschland beteiligte sich in großem Stil an der bemannten Raumfahrt. Dazu gehört das deutsche Engagement beim Spacelab, bei den beiden deutschen Missionen D1 und D2, beim Raumstationsmodul Columbus und beim unbemannten ATV Frachter. Alle diese Projekte haben eine deutsche Beteiligung von 40 bis 53 %. In der Summe wurde von Deutschland genauso viel Geld in diesen Bereich investiert, wie Frankreich in die Ariane steckte. Was war aber der Nutzen für Deutschland und Frankreich? Im einen Fall gibt es etwa ein Dutzend Astronauten, die im All waren. Im anderen Fall sind es 200 Raketenstarts und ein Welt­marktanteil von über 50 %. Im einen Fall wurden Milliarden investiert und im anderen Fall wurden Milliarden eingenommen. Nun ist auch die ISS zu teuer geworden und ihre Zukunft ist nicht gesichert. Die Finanzierung der ISS steht bisher bis Ende 2015. Dann benötigt das Constellation Programm die Mittel, um eine Mondlandung bis 2020 zu ermöglichen. Zwar ist der Weiterbetrieb der ISS wünschenswert. Doch da das Constellation Programmen unter­finanziert ist, kann es durchaus sein, dass die USA sich aus der ISS Finanzierung zurück­ziehen.

Deutschland brachte nun zur Ministerratskonferenz 2008 den Vorschlag ein, das ATV zu einem Transporter umzubauen, der auch Fracht zurückbringen kann. Dieser Vorstoß fand keine Mehrheit. Nach meiner Ansicht aus guten Gründen: Selbst wenn er beschlossen worden wäre, dauert eine solche Entwicklung einige Jahre und vielleicht stände ein solches ATV dann 2013/2014 zur Verfügung. Die Versorgungslücke entsteht aber nach dem Aus­mustern der Space Shuttles von 2010 bis 2014, wenn die ersten Orion Flüge zur ISS anstehen. Gerade dann, wenn der Frachttransporter benötigt wird, steht er nicht zur Verfolgung. Wenn er entwickelt ist, wird er aber nicht mehr gebraucht. Dieser Vorstoß hätte drei Jahre früher bei der Tagung 2005 erfolgen müssen, als die Ausmusterung der Space Shuttles schon offizielle NASA Politik war. Demgegenüber äußerte der DLR-Projektleiter für die ATV-Entwicklung mir gegenüber noch Ende 2008 die Hoffnung, dass dies nicht erfolgen würde. So beschloss die ESA nur eine Studie für ein wiederverwendbares ATV (Advanced Re-entry Vehicle ARV)– und dies auch nur, weil Deutschland den Löwenanteil der 21 Millionen Euro für diese Studie trägt. Vor 2016, also nach dem Zeitpunkt der geplanten Aufgabe der ISS, wird es nicht zur Verfügung stehen.

Seit zwei Ministerratskonferenzen stagniert die Weiterentwicklung der Ariane 5. Dabei ist diese nötiger denn je: Die Produktion der Ariane 5 erhält von 2005 bis 2009 insgesamt 960 Millionen Euro als Subvention im Rahmen des EGAS Programmes (European Guaranteed Access to Space). Damit kann die Rakete mit den Preisen der Konkurrenzmodelle Proton und Zenit mithalten. Im Rahmen dieses Programms zahlte die ESA von 2004 bis 2005 jährlich 192 Millionen Euro zur Reduktion der Fixkosten der Ariane 5 Produktion. Auf der einen Seite wird also die Produktion finanziell unterstützt, auf der andern werden aber Mittel für eine Erhöhung der Nutzlast und damit der Verbesserung der Wettbewerbssituation zurück­gehalten. Gleichzeitig zahlt die ESA 223 Millionen Euro für den Umbau des ELA-2 Komplexes für Sojus Starts, also für Träger, die nicht in Europa produziert werden und in direkter Konkurrenz zur Ariane 5 stehen. Das Geld wäre besser in die Entwicklung der ESC B Oberstufe investiert gewesen.

Auch die Raumfahrtindustrie schadete dem Programm in den letzten Jahren mehr, als das Sie nützte. Die von Arianespace geforderten Kostensenkungen in der Produktion konnten nicht erbracht werden. Kurz vor dem Ministerratstreffen 2005 in Berlin verlautbarten EADS Manager öffentlich in Interviews, die ESA benötige derzeit nicht die ESC-B Oberstufe und sollte stattdessen den Raumgleiter „Hopper“ entwickeln. Hopper sollte die Transportkosten für den niedrigen Erdorbit halbieren – jedoch weist er nur die Nutzlast einer Sojus auf und erreicht nicht den GTO-Orbit. Damit hätte Europa ein weiteres Trägersystem finanziert, für das es momentan keinen Markt gibt. Das mag der Raumfahrtindustrie (die heute fast nur noch aus EADS besteht) nützen, nicht jedoch der ESA. Pünktlich zur Ministerastkonferenz 2008, kamen dann von EADS Vorschläge für eine Nachfolgeversion der Ariane 5, die mit einem Triebwerk nach dem Hauptstromverfahren arbeitet und auch ohne Booster starten kann. Natürlich würde diese Entwicklung um einiges teurer als die seit 2003 ausgesetzten Erweiterungen der Ariane sein. Dafür reduziert sie aber auch die Nutzlast auf lediglich 6 t. Die Doppelstartfähigkeit geht verloren und große Satelliten könnten ebenfalls nicht gestartet werden. Eine Bereitschaft seitens Arianespace und EADS, aber selbst die wesentlich billigere ESC-B Entwicklung zu finanzieren, gibt es aber nicht. Dabei sollten beide Firmen ein Eigeninteresse daran haben, dass Ariane 5 konkurrenzfähig bleibt, insbesondere wenn nun auch Chinas Trägerraketen wieder westliche Satelliten starten können.

Dies zeigt recht deutlich das Dilemma, in dem sich Europa im Jahr 2009 befindet. Verbessert sich die Situation nicht rasch, so wird Ariane entweder massiv Marktanteile ver­lieren oder auf Dauer subventioniert werden müssen. Beides kann nicht im deutschen und europäischen Interesse sein. Aufgrund der nur alle drei Jahre stattfindenden Ministerrats­treffen, die über die Finanzen der ESA beschließen, wird vor 2012 jedoch keine Verbesserung eintreten.

5 thoughts on “Das Europa der nationalen Eigenmächtigkeiten

  1. „Prognosen sind ein schwieriges Geschäft, insbesonders wenn sie sich mit der Zukunft beschäftigen.“ Die ESA-Staaten und ihre gemeinsame Agentur hat auch keine Glaskugel und kann nur versuchen abzuschätzen, wohin die Raumfahrt sich entwickelt. Ob da die Leistungssteigerung durch eine ESC-B-Oberstufe ihre Entwicklungskosten wieder herein holen kann, ist genauso fraglich wie die Entwicklung der neuen Vega. Bei der Ariane 5 kann man fast schon traditionell damit rechnen, dass der Erststart der Ariane 5 ECB ein Misserfolg wird. Die Vega andererseits gilt unter Fans der Firma SpaceX bereits jetzt als Totgeburt. Aber falls nicht SpaceX mit der Falcon 1e, dann macht womöglich Orbital Science Corporation mit Pegasus oder Taurus das dicke Geschäft und Arianespace schaut in die Röhre. Andererseits ist die Ansicht, die bemannte Raumfahrt sei sinnlos, Ihre ganz persönliche, und die muss auch nicht stimmen. Ganz entgegen Ihrer Voraussagen ist die ISS, wenngleich in abgespeckter Form, nun fast fertig und einsatzbereit, und Industrie und Wissenschaft reißen sich um die wenigen Möglichkeiten, dort Experimente durchzuführen, auch und gerade solche, die nicht automatisiert werden können, sondern menschliche Betreuung benötigen.

    Chinas Chancen auf dem Gebiet der kommerziellen Satellitenstarts dürften sich übrigens keineswegs verbessert haben, wurde doch erst vor kurzem ein blitzsauberer Fehlstart hingelegt. Der Bau des ELS Komplexes (Ensemble des Lancements Soyuz) in Kourou ist meines Wissens übrigens eine vollständiger Neubau. Die alte Startrampe ELA-2 bleibt weiterhin stillgelegt, lediglich die noch ältere ELA-1 wurde für die Anforderungen der Vega umgebaut.

  2. Ach ja die SpaceX Fans, die nehmen an die Vega ist eine Totgeburt, wo doch die Falcon 1 so eine erfolgreiche Rakete ist und sich der Preis pro Kilo Nutzlast nur „unwesentlich“ geändert hat. ( 113 %)

    Ersetzen sie mal im Satz „Bei der Ariane 5 kann man fast schon traditionell damit rechnen, dass der Erststart der Ariane 5 ECB ein Misserfolg wird.“ Ariane durch Falcon und es macht auch noch Sinn.

    Die Vega ist niemals gedacht für das dicke Geschäft, dass weiss eigentlich jeder der sich mit Raumfahrt beschäftigt, dazu ist der Markt zu klein. Es ist ein nationaler Träger, genauso wie die USA mit der Minotaur / Taurus XL einen nationalen Träger haben.

    Ich mache keine Voraussagen über die ISS, ich weisse nur auf offizielle NASA Pläne die es seit 2005 gibt hin, die natürlich revidiert werden können. Es kann auch sein dass das Constellation Programm zusammengestrichen ist, da ist derzeit viel Bewegung. Und natürlich reist sich due Industrie um die wenigen Möglichkeiten dort Experimente durchzuführen – Welche denn? Ich kenne die Experimente an Bord von Raumsonden, aber kennt jemand die Experimente an Bord der ISS? Warum war die Industrie denn vorher gar nicht so intersssiert, als sie für die Experimente zahlen sollte?

    Wie es mit china weitergeht ist noch offen. Ein Fehlstart ist noch kein Beinbruch, zumal der Satellit ja einen endgültigen Orbit erreicht, nur mit geringeren Reserven. Schließlich gab es vorher über 100 erfolgreiche Starts in Folge, aber das kann man ja ausblenden wenn man es nicht wahrhaben will.

    Steht bei mir oben irgendwas darüber das ELS aus dem Startplatz der ELA-1 oder ELA-2 entsteht?

  3. ELA-2, ich zitiere: „Gleichzeitig zahlt die ESA 223 Millionen Euro für den Umbau des ELA-2 Komplexes für Sojus Starts, also für Träger, die nicht in Europa produziert werden und in direkter Konkurrenz zur Ariane 5 stehen.“ Dieser Satz ist kaum misszuverstehen, nur stimmt die Aussage eben leider nicht.

    Zum Erfolg der ISS empfehle ich folgenden Artikel: http://spaceflightnow.com/shuttle/sts128/090907science/index.html

    Ob SpaceX Erfolg haben wird, darf wohl wirklich bezweifelt werden. Ließen sich die veröffentlichten Leistungsdaten und Preise halten, würde vermutlich selbst die ESA ihre Kleinsatelliten mit Falcons starten lassen. Immerhin hat die Falcon 1 zwei erfolgreiche Starts nach drei anfänglichen Fehlschlägen absolviert, und das ist immer noch mehr, als die Vega bislang vorweisen kann. Die Falcon 1e steht natürlich noch in den Startlöchern, daher kann bislang niemand etwas über ihre Zuverlässigkeit sagen. Es gibt aber eben auch OSC mit ihrer langen Erfahrung im Raketen- und Satellitenstart. Seit wann sind Sie denn eigentlich ein Fan der chinesischen Raumfahrt? In Ihren Artikeln hörte sich das noch ganz anders an. Aber gut, sei’s drum. Der Punkt, auf den ich im Zusammenhang mit der Ariane 5 ECB hinaus wollte, ist aber der, dass die Entwicklung viel Geld kosten wird, ohne das jemand sagen kann, dass sich dieses Geld auszahlen wird. Immer auf Teufel komm raus Neuentwicklungen durchzupeitschen hat sich bislang meistens nicht als zielführend erwiesen. Wenn jetzt die erste Ariane 5 ECB fehlstartet, wird vermutlich die gesamte Ariane-Flotte bis zur Klärung der Ursachen am Boden bleiben, selbst wenn bis dahin keine einzige ECS, GS oder ES Probleme zeigen sollte. Das durchschnittliche Gewicht der Satelliten soll in Zukunft sinken, das in der höchsten Gewichtsklasse dagegen steigen. Mit einer erprobten Rakete, deren Entwicklungskosten bezahlt sind, sollte man noch auf geraume Zeit bestehen können. Bevor man das Geld für die ECB ausgibt, sollte man meiner Meinung nach wirklich sicher sein, dass es notwendig sein wird. Oder wollen Sie die Ariane 5 „man-rated“ machen und in die europäische bemannte Raumfahrt einsteigen? Nein, davon halten Sie ja nichts, oder?

  4. Prognosen sind wirklich ein schwieriges Geschäft, das heißt allerdings nicht, dass man unbedingt planlos alles Mögliche Anfängt und dann wieder fallenlässt. Diese Vorgehensweise ist zwar für diejenigen Industrie interessant, die an Studien und viel Papier verdienen, allerdings bedarf es einer klaren Zielrichtung, wenn wirklich etwas aufgebaut werden soll. Die ESC-B und das VINCI Triebwerk waren allerdings die ganze Zeit über als notwendige Entwicklungsschritte erkennbar. Schon für das ATV hätte sie Vorteile gebracht genauso für ander Weiterentwicklungen. Im Zweifelsfall, wenn wirklich die Satelliten kleiner und leichter geworden wären, hatte es die Möglichkeit von Dreifach-Starts oder schwereren Zusatznutzlasten gegeben. Bei einem Hopper dagegen war auch schon abzusehen, dass die Finanzierung aus dem Ruder läuft, und das Projekt dann später wieder eingestellt wird, wie hermes. Ich stimme dem Blogauthor zu, dass viel Geld zum Fenster herausgeworfen wird, ohne klare Zielsetzung. Das gilt bei der Auswahl von Projekten genauso wie bei dem Ziel der Förderung von Europa als Technologiestandort.

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