Kann man Krieg noch bezahlen?

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Als ich über die Genauigkeit, mit der man die Bahn korrigieren kann sprach, habe ich auch Munition und Bomben angesprochen, die heute gelenkt wird. Ich habe dann nach Beispielen für die Genauigkeit gesucht, aber zuerst nichts gefunden. Das Thema hat mich aber nicht losgelassen und ich habe weiter gesucht. Man lernt wie immer etwas dazu. Neu für mich war, dass Schiffsartellerie wieder mehr zum Einsatz kommen soll. Zum einen machen neuere Munitionstypen es möglich, die Reichweite zu steigern: Konventionelle Geschütze mit normaler Munition wie die 155 mm Kanone der Panzerhaubitze erreichen 40 km bei 12-40 m Genauigkeit – in etwa dieselbe Reichweite wie die großkalibrigen Geschütze im zweiten Weltkrieg bei höherer Präzision. Bei der Trennung in Sprengkopf und Sprengladung gibt es eine Reichweitensteigerung auf 60-70 km und mit zusätzlichem Raketenantrieben und Steuerflossen (zum Gleiten) soll ein amerikanisches System bis zu 160 km Reichweite erreichen. (Letzteres ist aber nur auf großen Schiffen mit mehr als 10000 t Wasserverdrängung einsetzbar)  Wahrscheinlich ist noch mehr möglich mit Gleitflügeln. Ich denke da an das Projekt der Wehrmacht die A-4 mit Flügeln auszurüsten und damit die Reichweite auf 600 km zu steigern. Gegenüber den heutigen Steuerflossen wären dies dann echte Flügel. Die Granate erreicht dann das Ziel allerdings nicht mehr mit Überschallgeschwindigkeit.

Bei der Recherche stieß ich auf einen Artikel, in dem stand, dass nun einige Armeen beginnen ihre Schiffsgeschütze im 127 mm bis 155 mm Kaliber umzurüsten. Schiffe sollen mit den neuen Geschützen auch Landziele angegriffen werden. Das gehöre zur neuen Strategie der Armeen. Immerhin – mit 160 km Reichweite würde ein solches System (LRLAP) bei vielen Ländern einen großen Teil der Landfläche abdecken.

Das Dumme nur – und das zeigte sich schon im Irakkrieg – das ganze wird recht teuer. Eine M982 Excelsior 155 mm Artelleriegranate (57 km Reichweite, 10 m Treffergenauigkeit) kostet 40-80.000 Dollar. Ich weiß nicht wie viel eine normale Artelleriegranate kostet, aber ich denke diese Präzisionswaffe wahrscheinlich 10 mal teuer ist als eine konventionelle Granate. Die Panzerhaubitze 2000 erreicht ja auch schon normaler Munition 40 km Reichweite mit 12-40 m Genauigkeit (je nach Quelle).

Der Irakkrieg wurde ja schon recht teuer und es ist anzunehmen, das zukünftige Kriege noch viel teurer werden. Man muss nur die Kosten für neue Kampflugzeuge sich ansehen. Als die Bundeswehr sich  Anfang der 60 er Jahre Starfighter kaufte waren es noch 916 Stück zum Preis von 5-6 Millionen DM pro Stück. Von der Tornado waren es nur noch 324 Stück zu einem Preis von 60 Millionen DM pro Stück und beim Eurofighter sind es 148 Stück für je 85.9 Millionen Euro.

Selbst das US Militär (bei dem das Geld lockerer sitzt) hat einige extrem teure Projekte gestoppt, so die B-1B, B-2, F-117 und F-22. Bei allen reduzierte man die geplante Stückzahl gravierend. Von der F-22, mit 190 Millionen Dollar, das teuerste Jagdflugzeug der Welt leistet sich selbst die US Air Force nur noch 175 anstatt geplanter 800 Maschinen. Krieg zu führen wird mit den moderneren Waffen recht teuer, auch wenn die Verluste bei dem Angreifer drastisch sinken. (Nicht bei den Angegriffenen und noch schlimmer: Die Anzahl der Ziviltoten steigt laufend an: Im zweiten Weltkrieg waren noch 50 % der Toten Zivilisten, in Vietnam 70 % und im letzten Irakkrieg waren es 90 %).

Auf der einen Seite haben wir also immer ausgeklügelte Waffen mit immer höheren Kosten. Auf der anderen Seite scheint das Militär nicht mehr Fähig zu sein, auch nur grundlegende Pflichten zu erfüllen: Sie haben es sicher gehört: Die deutsche Fregatte Mecklenburg-Vorpommern hat einen Angriff von Piraten auf das Kreuzfahrtschiff Astor verhindert. Mit zwei Warnschüssen wurden die Piraten vertrieben. Der Golf von Aden, aber auch die ganze Region um Somalia ist heute ja nicht mehr für die Schifffahrt sicher, aber nicht die einzige Zone auf den Weltmeeren wo dem so ist. Auch in indonesischen Gewässern rund um die Straße von Malakka tummeln sich Piraten. Seit einigen Jahren partollieren nun dort Kriegsschiffe, aber das Piratentum ist nicht gelöst. Wie auch? Bei uns wird darüber diskutiert ob die Bundeswehr entführte Flugzeuge abschießen darf und dort greifen bewaffnete Gruppen eines fremden Landes ein unter deutscher Flagge fahrendes Schiff an, mit deutschen Passagieren an Bord und bekommen gerade mal einen Warnschuss? Eh Leute tickt noch richtig? Wofür haben wir die Bundeswehr? Bei Piraten gibt es keine Warnschüsse, da wird gleich versenkt! Das wäre auch endlich mal ein Szenario, wo dieses neue Brennstoffzellen U-Boot nützlich ist, denn natürlich können die Piraten in ihren Schnellbooten eine Fregatte von einem Handelsschiff unterscheiden und werden schnell das Weite suchen. Ein U-Boot das sich da auf die Lauer legt oder einem Schiff folgt, das als Köder dient, wäre da viel praktischer.

Aber zurück zum Hauptthema: Ich befürchte meine Hoffnung, dass die teuren Waffen mal zu einer Abrüstung führen können, sind vergebens. Denn inzwischen arbeitet man ja schon an unbemannten Waffen und da kann man sich durchaus Verluste leisten. Drohnen mit ferngelenkten Raketen an Bord gibt es schon. Das US Militär sponsert die Entwicklung autonomer Fahrzeuge die ihren Weg alleine finden, und bei diesen gab es gute Fortschritte in der Entwicklung. Vor allem aber senken diese Waffen die Hemmschwelle einen Konflikt zu beginnen immer weiter ab. Was ist das was jede Regierung bei einem Krieg fürchtet? Nicht die Kosten, sondern die negative Publicity durch eigene Opfer. Wenn man diese durch solche Waffen senken kann, so ist man um so schneller bereit einen Konflikt anzufangen.

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