Was nervt

Heute schaue ich in die Fernsehzeitung. Was kommt? Auf vier Kanälen das Duell der Kanzlerkandidaten, wahrscheinlich weil je ein Journalist von jedem Kanal dabei ist. Für mich wohl aber eher um sicher zu gehen, dass auf dem anderen Kanal nicht ein guter Spielfilm läuft und die Quoten in den Keller gehen. Das nervt! Ich habe meine Wahlentscheidung schon längst getroffen und will nicht von der Rumstreiterei belästigt werden, zumal das so formal läuft das es sich nicht besonders spannend anhört. Das war schon letztes mal so.

Es ist schon schlimm dass wir zwar jede Menge Talkshows haben, aber alle nur von Politikern bevölkert werden. Ich würde Politiker primär einmal keine Kompetenz in Sachen Wirtschaft, Naturwissenschaft und Technik zuweisen, das haben sie mehrfach unter Beweis gestellt. Trotzdem tauchen sie in Diskussionen über die Wirtschaftskrise, Pro/Contra Gentechnik und wie weit greifen Sperren und Vorratsdatenhaltung überhaupt zu Wort. Das liegt wohl daran, dass es irgendeine Vorschrift gibt, die es verbietet zu solchen Diskussionen nur einen Politiker einzuladen. Es müssen dann wahrscheinlich immer gleich je einer von den beiden großen und einer der kleinen Parteien eingeladen werden. Da Politiker in jahrelanger Fernsehpräsenz jeden Rest von guten Benehmen und Rücksichtnahme verlernt haben fangen sie dann auch an den andern Teilnehmern ins Wort zu fallen, ewig lang zu reden und nicht auf Fragen zu antworten, sondern ihr Wahlprogramm zu verkündigen. Warum also jetzt nochmal eine riesige Show?

Das ist nicht das einzige nervige. Wer einmal zappt wird feststellen, dass die Sender unterschiedlich laut sind warum? Ich rede hier nicht von Maximallautstärke – es ist klar, dass wenn in einem Spielfilm Granaten explodieren oder Rockgitarren aufheulen, aber das sind Extreme. Ein Gespräch sollte in jedem Kanal gleich laut sein und das ist technisch auch kein Problem. Mich wundert, dass noch kein Fernsehhersteller eine Taste „Normsound“ hat, in der die Sender automatisch mit der gleichen mittleren Lautstärke abgespielt werden. Der Fernseher braucht ja nur das Eingangssignal vermessen.

Das nächste ist die Werbung. Während sie bei den öffentlich rechtlichen immer weniger wird (hier könnte es durchaus mehr sein, wenn das Programm besser werden würde), wird es bei den privaten immer mehr. Die Werbeblöcke werden immer länger und unverschämter: Man meint es geht nach einem „Es geht gleich weiter“ Werbespot gleich weiter aber es kommen weitere 2 Minuten Werbung und anschließend noch Trailer für Sendungen die man auch ansehen kann. Die Werbung sollte auch für Computer leicht erkennbar sein – es fehlt das Sendung und die Lautstärke nimmt sofort zu. Das sind zwei Zeichen an denen man das Signal erkennen kann und eine Möglichkeit zu schneiden. Warum baut man nicht also so was in Fernseher ein, die bei Druck auf eine Taste das Fernsehprogramm zwischenspeichern und beim Druck auf eine andere Taste es wiedergeben – ohne Werbung. Es gibt Fernseher mit integriertem Festplattenrekorder, die können das bereits (zumindest das zeitversetzte wiedergeben). Doch das sind teure Geräte der gehobenen Leistungsklasse. Was ich wünsche ist eine Funktion die gerade ausreicht die Werbung auszublenden, so dass man weg gehen kann und später wiederkommen und alles ohne Werbung anzusehen. Dazu braucht man nicht viel Speicher. 1 MByte/s reichen für gutes PAL-Video bei MPEG4 Komprimierung. 4 GByte FLASH Speicher reichen so für mehr als eine Stunde und kosten heute nur ein paar Euro.

Es kommt übrigens noch besser: Wenn über Astra ab nächsten Jahr die Privatsender digital in höherer Auflösung ausstrahlt sind diese grundverschlüsselt. Zum Empfang braucht man nicht nur einen Receiver und das ganze kostet Geld. Vor allem: Der Receiver den man dazu bekommt erlaubt es nicht die Werbung zu überspringen!

Bei der Werbung frage ich mich: Wann kommt der Kollaps? Seit ich Privatfernsehen kenne gibt es zwei Trends:

  • Es gibt immer mehr Werbung, die Blöcke werden immer länger und kommen immer häufiger
  • Sie wird immer penetranter Der Block fängt direkt nach Filmbeginn an oder 5 Minute vor Ende. Dann diese Maschen die suggerieren es würde gleich weiter gehen – dabei kommen nochmals einige Minuten Werbung.

Das führt dazu dass die Werbung immer weniger wahrgenommen wird. Die Leute umschalten oder ganz vom Fernseher weggehen, auch wenn sie vielleicht einige Minuten vom Programm verpassen. Es ist also auch für die Werbetreibenden kontraproduktiv. Ich schaue inzwischen Filme auf den Privaten nicht mehr direkt an, sondern lade sie vom OnlineTVRekorder herunter. Das kostet mich nichts und ich kann Werbung bequem überspringen. Ich prophezeie, dass sehr bald Geräte weit verbreitet sein werden, die es erlauben die Werbung zu überspringen – die Technik für das Aufzeichnen und Speichern von Fernsehen ist billig und man benötigt wie erläutert dazu nicht unbedingt eine Festplatte (selbst wenn würde ein kleines Modell reichen) und so wird sie bald von Festplattenrekorder in Fernseher, Satellitenreceiver und Set-Top Boxen wandern. Wenn das aber jeder hat, dann wird kaum noch einer Werbung anschauen und dieses ganze System wird kollabieren.

3 thoughts on “Was nervt

  1. Hallo Bernd.
    Ich glaube nicht dass es so kommt wie du prophezeist. Geräte die die Werbung automatisch rausschneiden gibts schon seit Jahren. Und nun wo das hochauflösende TV kommt wird versucht das Rausschneiden zu unterbinden. Das ist wie im Internet, ein Spiel zwischen Jäger und Gejagten. Ohne Adblock und Noscript braucht man inzwischen nichtmehr zu surfen. Spamfilter sind ganz normal… Trotzdem werden immer neue Möglichkeiten gefunden sowas zu umgehen und trotzdem Werbung einzublenden. Genau so wirds im TV kommen.
    Die Privaten Sender halte ich (für mich) fast obsolet. Dass die ÖR’s Werbung zeigen finde ich eine Fechheit! Man sollte meinen 7Mrd â

  2. In Spanien, wo praktisch nur die Marrokkaner und Chinesen Parabolantennen haben um Heimatfernsehen zu können, und wo es Kabelfernsehen anscheinend gar nicht gibt, gibt es nun nur noch TDT (Televisión Digital por Tierra glaube ich) also übersetzt etwa Digitales Erdgebundenes Fernsehen. Die Umstellzeit betrug einige Monate, ist mittlerweile aber vorbei und man kann nur noch mit einem speziellen Gerät zwischen Antenne und Fernseher das Fernsehprogramm empfangen. Neue Fernseher haben dies wohl integriert, ansonsten muss man es aber extra kaufen.
    Ich verzichte bereits seit über 10 Jahren aufs Fernsehen (bei mir zu Hause) und hätte gedacht, dass nun viele Menschen den Wandel ebenfalls nutzen würden um diesem kleinen Satan zu entsagen aber nein – sie kaufen das Gerät oder noch besser gleich nen neuen Fernseher und sind ausserdem zufrieden, dass alles so toll modern ist…

  3. @der K. – bei uns gibt es dass (nach wesentlich längerer Umstiegszeit) auch und heißt DVB-T. Der Vorteil ist dass es mehr Kanäle pro Frequenzband gibt, was aber z.B. hier im Großraum Stuttgart heißt das man nur mehr öffentlich-rechtliche empfangen kann, weil den Privaten die Investitionen zu hoch waren.

    @overlord: Ich habe prinzipiell nichts gegen Werbung. Nur eben sinnvoll: Das heißt zwischen zwei Sendungen und nicht als Unterbrechung und in einem sinnvollen Maß, also maximal 5 Minuten Länge. Das gibt auch Gelegenheit mal kur aufs Klo zu gehen, sich was zum Essen zu holen etc. Die längere Werbung verführt mich z.B. kurz am Computer Mails zu checken – und zack bin ich meist dauerhaft weg – ich kann mich nicht erinnern wann ich zum letzten Mal einen Spielfilm auf den Privaten komplett angeschaut habe.

    So nützt die Werbung aber gar nichts, wweil sie keiner mehr warhnimmt – es wird immer mehr und es beginnt ein Teufelskreis.
    Die Sache mit den verschwendeten Gebühren bei den Öffentlichen ist eine andere Sache, die ich auch mal wieder aufgreife.

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