Der überflüssigste Preis / Steve Jobs

 241 total views,  2 views today

Als ich mit meinem ersten Studium anfing, gab es gleich in der ersten Woche ein Ereignis. In einem MPI Institut, einen Steinwurf entfernt von der Uni, bekam ein Doktor den Physik-Nobelpreis und zwar, das ist heute schon eine Ausnahme, alleine und als noch recht junger Forscher. Natürlich wurde uns in der Experimentalphysikvorlesung versucht zu vermitteln, worum es ging, doch da dies einen Bereich berührte, der in der Schule nicht vermittelt wurde, habe ich davon nichts verstanden. Immerhin, fiebere ich seitdem in der ersten Oktoberwoche, wer diesmal den Nobelpreis bekommt und für was. Früher war das auch deswegen interessant, weil noch mehr Deutsche darunter waren, auch weil die Forschung mehr gefördert wurde.

Nur ein Nobelpreis interessiert mich nicht und ich halte ihn für überflüssig. Es ist der Wirtschaftsnobelpreis. Ich kenne sicher nicht alle Forscher die einen Physik- oder Chemienobelpreis bekommen haben und auch nicht alle Leistungen wofür er vergeben wurde, doch ich denke ich kann sicher ein Dutzend Nobelpreisträger benennen und auch genauso viele Leistungen. Ich denke, wenn man jemand die Liste aller Nobelpreisträger vorliegt und ihre Leistungen, dann finden auch nicht so mit der Materie vertraute etliche Personen oder zumindest Dinge die heute unseren Alltag prägen oder die Menschheit voran gebracht haben, wie z.B. Erfindung der integrierten Schaltung, Relativitätstheorie, Aufklärung der Struktur der DNA, Entdeckung der Röntgenstrahlen oder Viren und Bakterien.

Ich kenne aber keinen Träger eines Wirtschaftsnobelpreises und auch keine Leistung welche wirklich etwas brachte. 100 Jahre lang wird der Wirtschaftsnobelpreis verliehen. Hat es etwas gebracht? Ist Wirtschaft daher besser planbar, berechenbar oder regelbar? Ehrlich gesagt, habe ich das Gefühl, es wird immer schlimmer. Kurse gehen hoch und runter, egal ob es Aufträge und Gewinne gibt oder nicht oder die Firma etwas mit den Banken zu tun, hat die in der Krise sind. Regulatorien greifen nicht. Man sollte annehmen, dass 100 Jahren Wirtschaftsforschung uns hier weiter gebracht haben.

Mein Vorschlag: abschaffen und durch einen neuen ersetzen, z.B. den alternativen Nobelpreis. Was fehlt isst ja gerade ein Preis für Personen die etwas für die Umwelt und Natur getan haben. Der Friedensnobelpreis ist ja stark auf die Menschen zentriert.

Dann ist Steve Jobs gestorben und die ARD hat eine Sondersendung wegen ihm gebracht. Glaubt man der, so ist ein Genie gestorben. Am pikantesten: der Reporter fragte Steve Wozniak, ob man Jobs mit Edison oder Einstein vergleichen könnte … Also das entbehrt nicht einer gewissen Situationskomik und vielleicht zeigt es, wie vorinformiert die Reporter sind. Wer sich auskennt, der weis, das Wozniak den Apple I alleine entwickelte und den Apple II weitgehend alleine. Jobs stieß erst dazu, als es darum ging den Apple I zu vermarkten und beim Apple II stammt die Gehäuseform von ihm.

Steve Jobs ist nicht der geniale Erfinder und auch kein Entdecker. Das war auch dann die Antwort von Wozniak. Er ist der Manager, der weis, was wichtig für ein Produkt ist, was die Leute wollen. Und er setzt diese Visionen mit Beharrlichkeit gegen alle Widerstände durch. Beim Apple III war er für das Gehäusedesign verantwortlich und danach hatte die Fertigung Probleme die Platinen so eng zu bestücken, was zu hohen Ausfallraten führte. Vielleicht trifft der Ausdruck Visionär es recht gut. Zumal Jobs dafür bekannt war, die Leute solange anzutreiben bis die Vision auch umgesetzt war. Ob er nun für jedes Detail am Produkt verantwortlich war? Ich denke nicht. Ich glaube die Vorgaben sind wohl eher in der Form „Ich will einen Computer den man mit dem Bildschirm bedienen kann, ohne Tastatur, leicht und dünn“ und dann hat er wohl einfach alles abgewiesen, was zu wenig schick, zu umständlich oder zu klobig war bis das iPad raus kam.

Warum auch nicht, das ist die Aufgabe eines CEO und weniger sich über die interne Technik auszulassen. (Was ihn z.B. von einem anderen CEO unterscheidet, der hier im Blog öfters erwähnt wird). Doch wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Apple stand immer in der Kritik, dass ihre Produkte zu wenig „grün“ wären, also viele umweltschädliche Stoffe enthalten. Erst in den letzten Jahren gab es da eine Besserung. Dann verkauft Apple ihre Produkte teuer – deutlich teurer als die Konkurrenz, lässt aber in China preiswert fertigen, wo in den Fabriken extrem schlechte Arbeitsbedingungen herrschten und die Selbstmordrate unter den Arbeitern hoch war.

Soweit ich das nach meinen Recherchen beurteilen kann, interessierten Jobs die Produkte mehr als die Menschen und das ist eigentlich traurig für einen Visionär.

So zum Schluss noch eine Frage für die schlauen Leser unter den Blogabbonennten. Könnt ihr aus den Angaben im ersten Absatz ableiten wann ich wo mein erstes Studium aufgenommen habe? Es sollte möglich sein, auch wenn man die Angabe auf meiner Website findet (aber wir sind ja hier nicht bei den Dünnbrettbohrern / Der PISA Generation)….

8 thoughts on “Der überflüssigste Preis / Steve Jobs

  1. Der Physik-Nobelpreis 1985 gieng an Klaus von Klitzing für die Entdeckung des quantisierten Hall Effektes.
    Tippe mal auf die Uni Sturgert (MPI = Max Planck Institut), Studienbeginn mit dem Wintersemester also dann 1985.
    Was die Vorlesung Experimeltalphysik mit dem ersten Semester Chemiestudium zu tun hat entzieht sich meiner Vorstellung (ebenso wie die Feinheiten des Hall Effektes).
    Aber mir gieng es ähnlich: in Esslingen an der FH im Aufbaustudium Informatik habe ich im Fach Elektrotechnik Berechnungen über die dotierung von Halbleitern anstellen müssen. Was das mit Informatik zu tun hatte, konnte ich nicht erkennen.
    Gruß
    Gerald

  2. Herzlichen Glückwunsch an Dich!
    Du liegst völlig richtig.
    Physik gehörte in den ersten beiden Semestern zum Pflichtprogramm. Im zweiten oder dritten gab es dann noch einen Kurs. Das Gemeine: Wir hatten Physik zusammen mit den Physikern und ich habe Null geblickt. Die Physiker hatten genauso bei uns eine Chemie Vorlesung und einen Kurs, aber einen speziell für Physiker, Geologen und andere Nicht-Chemiker in abgeschwächter form.

    Immerhin, das war (neben Botanik) das einzige Fach das ich im Grundstudium als weitgehend nutzlos für später erachtet habe. In der Hochschule Esslingen (ja sie ist aufgestiegen, das hat aber an den Lehrmethoden nichts geändert) war das viel schlimmer. Die ersten beiden Semester waren mit Elektrotechnik, Mathematik, Physik und Elektronik gefüllt. Es gab lediglich 6 stunden Informatik pro Semester und der Nutzen der anderen 24 Stunden war…? gleich Null.

  3. Die Frage ist doch, was die „Wirtschaftswissenschaften“ eigentlich mit Wissenschaft zu tun haben. Die bestehen doch aus 1 % Binsenweisheiten (Verkaufe nichts unterm Herstellungspreis, gib Niemanden einen Kredit der ihn nicht zurückzahlen kann), und 99 % Wichtigtuerei. Dazu braucht man keine „Wissenschaft“, ein Mindestmaß an gesunden Menschenverstand reicht schon aus. Aber gerade der ist diesen „Wissenschaftlern“ recht gründlich verlorengegangen, wie sie mit der Bankenkriese auf drastische Weise demonstriert haben.

    Zur Frage, wie sinnvoll diverse Fächer beim Studium sind: Das hab ich mich auch schon gefragt. Ich hab 72 Informatik studiert, zu einer Zeit als es noch nicht all zu viel Leute gab, die schon mal einen Computer von Nahem gesehen haben. Besonders wohl im Bildungswesen. Also hat man sich gefragt, auf welchen Gebieten die Dinger eigentlich eingesetzt werden. Die klassischen Anwendungen waren vor allem Statik, Statistik, wissenschaftliche Berechnungen, Lohn und Gehalt.
    Also kamen dann die Fächer Technische Mechanik = Statik, Mathe = Statistik, Physik = wissenschaftliche Berechnungen, Betriebswirtschaft = Lohn und Gehalt. (Auch wenn in der gesamten Betriebswirtschaft nicht vereraten wurde, wie Lohn und Gehalt eigentlich berechnet werden.) Dazu noch Elektronik, da die Kisten ja alle elektrisch funktionieren, Russisch und Englisch, und so ungeheuer wichtige Fächer wie ML (Marxismus Leninismus) und Sport. Für Informatik blieb dann nicht mehr viel übrig.

  4. Mit dem Wirtschafts Nobelpreis ist es vielleicht wie mit dem Friedensnobelpreis. Da kenn ich Jassir Arafat und Obama. ich halte sie beide nicht für besonders friedfertig…. Es ist wohl ehr ein Apell oder der Versuch des Komitees Einfluss zu nehmen.
    BWL und VWL bedienen sich exakter Wissenschaft zur Beschreibung einzelner Phänomene. Wirtschaftswissenschaften haben wirklich wenig mit der Praxis zu tun. Und was nutzt es Zusammenhänge zu erkennen, Epfehlungen auszusprechen, wenn die Verantwortlichen sich nicht danach richten. Noch schlimmer: es gibt oft nicht DEN Verantwortlichen, den man zur Rechenschaft ziehen kann. Das ist ja grad der Witz an einer Marktwirtschaft.

  5. Na ja ich kenn einige mehr, Ossietzki, Albert Schweizer, Linus Pauling, Brandt, Gorbatschow, Mutter Theresa, Ärzte ohne Grenzen, Desmond Tutu, Nelson Mandela ….

    Die Frage ist ob man mit exakter wissenschaften etwas beschrieben kann was in Wirklichkeit vom menschlichen verhalten abhängt. Das ist eben ein Grundunterschied zu Naturgesetzen. Ich kann dort Prognosen anstellen, etwas experimentell nachprüfen. Das ist so nicht bei menschlichem verhalten möglich, also auch nicht bei Psychologie oder Soziologie um ähnliche Wissenschaften mit dem gleichen Problem zu nehmen. Daher passt der Nobelpreis nicht zu den anderen beiden (das tut auch der Friedensobelpreis nicht, aber der kam ja auch erst später dazu).

  6. Moin,

    dann mag ich auch meinen Senf dazugeben:

    Der „Sveriges Riksbanks pris i ekonomisk vetenskap till Alfred Nobels minne“ ist !KEIN! Nobelpreis, sondern ein Preis der erst seit 1969 zufaellig am gleichen Tag vergeben wird, und der von der Schwedischen Reichsbank gestiftet wird.

    Peter Nobel bezeichnet ihn als einen „PR-Coup von Wirtschaftswissenschaftlern, um deren Ansehen zu verbessern“.

    Meiner Meinung nach sind Wirtschaftswissenschaften durchaus interessant, aber auffaellig ist, das 69% der Preise in die US gingen, und nur einer in ein Land der 2ten Welt, und ein weitere in ein Land der 3ten Welt. Da Wirtschaftswissenschaften politisch sind, ist dieser Preis also ein politischer Propagandapreis.

    ciao,Michael

  7. Zum „Wirtschaftsnobelpreis“ sollte man aber auch wissen, das er nicht von Alfred Nobel gestiftet wurde, sondern von der schwedischen Reichsbank und das auch erst seit 1969.
    Wenn ich mir die Liste der Preisträger (auf Wikipedia) so ansehe, dann fallen mir 4 Stück auf, die irgendwas mit der derzeitigen Wirtschaftspolitik zu tun haben: Friedrich Hayek (bzw. Friedrich August von Hayek) und Milton Friedman. Ersterer erschuf das Theoriegebäude mit, das man heutzutage oftmals als Neoliberalismus bezeichnet und gilt als einer der „Stammväter“ der Marktradikalen Wirtschaftspolitik, wonach der Staat sich aus der Wirtschaft grundsätzlich heraus zu halten hat, weil die Märkte (angeblich) alles besser können. Und Milton Friedman war einer der ersten, der diese Theorien erweiterte und in der Praxis erproben lies (in Chile unter Pinochet, Stichwort „Chicagoboys“).

    Dann wären da Joseph E. Stiglitz und Paul Krugman, die man heut zu Tage zu den bekanntesten Kritikern der aktuellen Wirtschaftpolitik zählen kann. Und sie machen meisst Vorschläge zum beheben der Krise, die den meissten Leuten aus Politik und Wirtschaft insbesondere in Deutschland nicht gefallen.
    Amartya Sen schliesslich als fünfter Name, den ich schon mal gehört habe, ist der Erfinder der „Mikrokredite“ in Entwicklungsländern. Soweit mal mein Senf dazu.

    „Wirtschaftswissenschaften“ als solche können sinnvoll sein, wenn man sich bei der vielen Statistik aufs beschreiben von Sachverhalten beschränkt, und sie vor allem von der Politik und ihren Wünschen trennt. Dann gilt es, Betriebswirtschaft von Volkswirtschaft zu trennen, weil eine Volkswirtschaft kein Betrieb ist und umgekehrt. Aber wenn man sich die führenden Geister der Politik (die ein Matheprof auch scherzhaft mal als Beispiel eines Nullvektors bezeichnte) so ansieht, wird man den Eindruck nicht los, das viele davon gar nicht wissen, dass es diese Unterscheidung überhaupt gibt.

    Zur Elektronik: Warum man Informatiker die Dotierung von Halbleitern berechnen lässt, ist mir auch Schleierhaft! – Das war in meinem Elektrotechnikstudium (!) an der FH ein Wahlfach, weil man es nicht braucht, wenn man nicht gerade in der Halbleiterentwicklung/-fertigung arbeiten will. Im Fach Werkstoffkunde, wozu dieser Stoff gehört, haben wir nicht mal die Gleichungen dafür zu sehen bekommen. Und das lag nicht nur daran, das es in den ersten zwei Semestern gelehrt wurde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.