Schlechte Zeiten für die bemannte Raumfahrt

Es ging in den letzten Jahren hin und her bei der bemannten Raumfahrt in den USA: Das Shuttle wurde eingestellt und Constellation geboren. Nach fehlender Finanzierung wurde auch dieses eingestellt, ohne das die eigentlichen Projekte aber so richtig aufgegeben wurden – Aus der Ares V wurde das SLS. Aus dem Orion das MPCV. Was fehlt ist eigentlich nur ein Ziel – sowie die gesamte Technologie auf ihm zu landen. Daneben gibt es Finanzierungsprogramme für kommerziellen Crewtransport und Versorgung, Technologieforschung ohne konkrete Vorgabe und robotische Vorläufermissionen ohne Missionsziel. Natürlich gab es in den letzten Jahren noch ein paar Nebenkriegsschauplätze, weil jede Lobbygruppe versucht noch was für sich rauszuholen. So wurde als die Entlassungen beim Auslaufen des Shuttles kamen, dann plötzlich vorgeschlagen das wieder zurückzunehmen, obwohl bei vielen Komponenten 2-3 Jahre vergehen würden, bis sie erneut zur Verfügung stehen würden. Oder es wurden völlig unbekannte Firmen beauftragt die Versorgung der ISS zu übernehmen.

Die NASA ist seit Jahren Spielball der Politik. Das Hauptproblem von Constellation war, dass es keine vernünftige Finanzierung hatte. Wir reden von einem Programm das teurer als die ISS war. Doch während sich deren Finanzierung über rund 30 Jahre erstreckt, bekam Constellation nicht mal die Hälfte der Mittel und sollte in der Hälfte der Zeit ablaufen – wie soll das gehen?

Es ist zu befürchten, das dies so weitergehen wird, weil es schon in der Vergangenheit immer schwieriger wurde ein Großprojekt durchzuziehen. An der ISS wurde 10 Jahre lang geplant und wäre die Zusammenarbeit mit Russland nicht auch gerade in das richtige politische Klima gefallen, dann wäre die ISS bald darauf eingestellt worden. Das letzte Projekt davor, die Shuttles wurden nur bewilligt, weil es massive Unterstützung seitens des DoD gab und man sich von Ihnen Wunderdinge versprach. Als sie später operationell waren und weder die Versprechungen, noch die militärische Bedeutung gegeben war, dann waren sie immerhin noch ein Statussymbol – sie standen für Fortschritt, fliegen wie in einem Flugzeug mit größerer Besatzung und passten damit zum Bild der USA von sich selbst als Hochtechnologienation. Die frühen Projekte Amerikas – Mercury, Gemini und Apollo waren die Resultate eines Wettlaufs mit Russland, einem Technologiewettlauf, stellvertretend für die politischen Systeme. Da diese Konfrontation wegfällt fällt auch die Triebfeder für bemannte Projekte weitgehend weg, die ja nicht anders rechtfertigbar (Forschung, wirtschaftlicher Nutzen).

Ich wage aber zu behaupten, dass nachdem sich die Station so verschlechtert hat und jeder Präsident was neues beschließt, das dann vom Kongress wieder zerfleddert wird, dann wird sich auch daran nichts ändern.

Gehen wir weiter zur nächsten Raumfahrtnation Russland. Hier ist die Situation: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war die Raumfahrt erst mal am Ende. Russland gelang es nicht mehr die Mir aufrecht zu behalten und die Beteiligung an der ISS wurde aufs mindeste beschränkt. Von wissenschaftlichen Missionen war gar nicht mehr die Rede. Nun gibt es seit Jahren bedingt durch steigenden Rohstoffpreise gute Einnahmen, doch an der Situation der Raumfahrt hat sich nichts geändert. Alle Projekte die es im Laufe der Zeit gab wurden eingestellt. Neue Weltraumbahnhöfe, Trägerraketen, Raumfahrzeuge (Kliper)? Eingestellt oder nur mit minimalen Aufwand weiter betrieben (Angara). So glaube ich kaum, dass Russland wieder ein größeres bemanntes Programm anstreben wird – schließlich verdienen sie derzeit mit 40 Jahre alter Technologie (Proton, Sojus (Rakete und Raumschiff) und Progress sich eine goldene Nase. Im wesentlichen hat auch Russland das Stadium hinter sich gelassen wo sie bemannte Raumfahrt betrieben, weil sie sich als Supermacht präsentieren müssen oder einfach aus Prestige.

Zu Europa ist nur wenig zu sagen: Das Budget der ESA ist nicht mal ein Drittel der NASA, also damit reist man nicht viel (trotzdem bewegt sie noch mehr als die NASA welche derzeit die Milliarden in Projekte reinschiebt welche wieder eingestellt werden).

China könnte angesichts seines Wirtschaftswachstums und seiner Einwohnerzahl ein durchaus großes Raumfahrtprogramm auf die Reihe bekommen. Sie starten immer mehr Satelliten und haben nun auch den Sprung von reinen Anwendungssatelliten zu wissenschaftlichen Satelliten gemacht und fangen gerade an bemannte Raumfahrt zu treiben. Derzeit ist aber nicht sichtbar, dass aus dem recht bescheidenen Programm eines werden könnte das über den Erdorbit hinaus führt. Was China antreibt, dürfte auch der Antrieb von Indien sein: Prestige. Eine eigene bemannte Präsenz im Weltraum mag für uns unwichtig sein, aber für diese sich entwickelnden Ländern mit einem höheren Anteil einer Bevölkerung mit niedriger Bildung ist bemannte Raumfahrt noch immer ein Statussymbol. Eine Möglichkeit zu zeigen, dass man mit den Industriestaaten der ersten Welt mithalten kann. Trotzdem werden beide Nationen schlau genug sein, ein Programm zu vermeiden dass recht teuer ist. In den Erdorbit kommt man mit einer kleinen Kapsel. Eine Raumstation kann man auch aus zwei kleinen Modulen aufbauen. Das geht alles noch mit überschaubarem Mitteleinsatz und man braucht nur Trägerraketen dazu die man auch für größere Kommunikationssatelliten braucht. Doch Expeditionen zu den Planeten oder Mond werden um den Faktor 10 teurer werden.

Daher sehe ich schwarz für größere bemannte Unternehmen. Vielleicht wird die ISS mal durch eine chinesische Raumstation abgelöst oder eine indische. Aber Expeditionen zu Mond, asteroiden oder Mars? Das ist was für Hollywood, nicht für die Wirklichtkeit.

6 thoughts on “Schlechte Zeiten für die bemannte Raumfahrt

  1. Moin,

    den Russen gehts doch gut. Die Sojus ist ein erprobter Traeger, und mit den fuer Russen typischen Qualtiaet und Tolleranzen einen neuen Traeger man rated zu bekommen wuerde mindestens 20 Jahre dauern, bis alle Kinderkrankheiten ausgemerzt sind.

    ciao,Michael

  2. Ist doch genau das gleiche was ich sage: ein Prestigeprogramm. Die Raumstation die dort skizziert wird, ist in etwa so groß wie die Mir und wird Ende des Jahrzehnts, also nach 10 Jahren im Orbit sein. Nutzen? Primär Prestige. Mehr nicht. Weitergehende Pläne? Keine.

  3. Was bei den Russen noch anzumerken ist: die Angara dümpelt zwar dahin wird aber wohl Proton und Sojus mal ersetzen. Was anderes ist aber grad eingestellt worden: die RUS-M und das betrifft wieder mal die bemannte Raumfahrt, v.a. weil man den Sojus Nachfolger PPTS damit starten wollte. Ob man das Ding eine Sojus Kapsel auf die Angara setzen wird, die ja nicht für bemannte Flüge ausgelegt hat? wohl eher nicht.
    Also wird wohl die Sojus Rakete weiter fliegen (müssen) und eine wichtige Motivation für die Angara wegfallen, da man ja die billige, erprobte Rakete für die mittleren Nutzlastbereiche weiter betreibt. Und der Kreis schließt sich.

  4. Ich bin skeptisch was die angara angeht. Zum einen gibt es kein Modell in der Nutzlastklasse Progress/Sojus. Selbst wenn, dann muss sie erprobt sein für diese Versorgungseinsätze, was sicher erst nach zahlreichen Flügen der Fall ist (ein URM ging ja schon bei dem zweiten Start der Naro verloren).

    Zum zweiten muss die Sojus schon weiter produziert werden, weil Starsem sie vermarktet.

    Das gleiche gilt für die Proton. ILS hat jeden Hinweis auf die Angara aus ihren Users Guide gestrichen und wird weiterhin die Proton vermarkten.

    Diese beiden Linien werden also weiterhin produziert werden. Ob dann die angara noch sinn macht? der Erststart hat sich ja schon um mindestens 2-3 Jahre verschoben.

  5. >Michael K: den Russen gehts doch gut.
    denen geht gar nicht gut, nach einer Serie peinlicher Fehlstarts wurde Roskosmos Chef Anatoli Perminow gefeuert
    und Durch Vladimir Popovkin ersetzt
    Roskosmos arbeite auf Sparflamme weil Duma und Regierung das Geld in Modernisierung der Russische Arme steckt.
    Dazu kommt das der russische Raumfahrt Industrie Es an fähigen Techniker fehlt.
    weil seit 1991 deren Ausbildung wegfiel, Techniker abwanderten in Ausland oder in Pension gingen.

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