Teuer ist auch nicht immer besser ….

Ihr erinnert euch ja vielleicht noch an den Blog wo ich über die „Geiz ist Geil“ Mentalität mich ausgelassen habe. Am Ende habe ich ja auch gefragt ob „teuer“ besser ist als „billig“. Und ich habe auch erwähnt dass nun ein Kauf ansteht, nämlich der eines neuen Fahrrads. Die Erfahrungen daraus will ich weitergeben. Dass ich es im Fachhandel kaufen würde stand fest, nur welches Modell nicht. Stiftung Warentest war auch keine Hilfe, so waren als gut getestete Fahrräder von 2010 schon nirgendwo mehr verfügbar. Super, Fahrräder haben nun die gleiche Lebensdauer wie Computer. Dafür bemängelte Stiftung warentest, dass die Gestelle im Belastungstest bei 5.000 bis 12.000 km brachen, aber das ALDI Fahrrad von 2007 hielt 24.000 km durch – spricht nicht gerade für die Markenqualität.

Okay, so bin ich also in den ansässigen Fahrradshop gegangen und zuerst ging auch alles gut. Das was ich wollte – ein Cityfahrrad gibt es (dort) kaum noch. Sechs Stück gab es in einer ganzen Halle voller Fahrräder. Zitat des Ladeninhabers – „heute werden nur noch Pedelec Fahrräder verkauft“ (bezogen auf den Einsatzzweck also kurze Strecken und Einkäufe). Ich habe da meine Zweifel. Erstens weil diese 2.000 bis 3.000 Euro kosten und zweitens, weil ich die noch nicht in der Menge auf der Straße sehe. Aber das war Wurst. Ich wollte ja nur eines und sechs Modelle reichen auch zum Auswählen aus.

Schnell war ich bei einer Probefahrt eines Geräts, das auch recht gut war, aber am rechten Pedal eierte. Wie ich erfuhr, kann das Passieren bei bestimmten Gewinden. Tröstlich das das auch den Profis so passiert – mir ist es nämlich auch so beim ALDI Fahrrad und dem Selbstaufschrauben gegangen. Das war der einzige Mangel. Das Fahrrad war auch im Preis in Ordnung (550 Euro) und ich sagt noch dass das auch meine Preisvorstellung (500 bis 600 Euro) war. Aber weil das Pedal eierte, habe ich dann noch das zweite probiert. Es fuhr genauso gut aber ohne eiernde Pedale und hatte nach Angaben des Verkäufers auch einen leuchtkräftigeren Dynamo. Da ich zweimal in der Woche in den Nachbarort nachts fahre, nicht ganz unwesentlich. Aber so wie es eingestellt war, ging es nicht. Also zuerst die Bremse weniger stark anziehen, dann den Sattel höher. Trotzdem war für mich der Lenker zu weit weg. Beim Inspizieren meines alten Fahrrads war klar, dass ich die City-Lenker mit aufrechter Haltung gewöhnt war und ich bekam dann einen City-Lenker. Die letzte Testfahrt war okay, nun war der Lenker zu hoch, und die Bremse zu leicht. Da ich mit dem Fahrrad kam, sagte ich dass man das bitte noch bis Mittwoch korrigiert, dann würde ich es abholen und ich ging ans Bezahlen.

Nun erst stellte sich heraus dass dieses Modell 799 Euro kostet, also 250 mehr als das andere. Da das eigentlich völlig okay war, nur ich eben keine eiernden Pedale haben wollte (was ja schon ein Mangel ist, der nicht akzeptiert werden muss) und mich keiner auf den Preisunterschied aufmerksam gemacht hatte und auch niemand darauf einging, dass ich vorher als Preisziel 500 bis 600 Euro genannt hatte, war ich verärgert. Wenn nicht schon eine Stunde lang an dem Rad rumgeschraubt wurde, ich hätte wahrscheinlich gesagt, ne so teuer will ich es nicht und das anderer genommen – (zumindest nach Korrektur des offensichtlichen Mangels). In der Retroperspektive wäre das besser gewesen, für den Shop und für mich, aber ich bin eher der „Frisst was in sich hinein“ Typ als jemand, der aufmuckt.

Daheim ging das Ärgern weiter. Ich bin auf die Herstellerseite gegangen und habe festgestellt, dass dort das Modell (Feldmeier FC54) für 749 Euro steht, also 50 Euro billiger. Also auch noch mehr als den vorm Hersteller empfohlenen Preis bezahlt…

Heute habe ich es nun abholt. Anders als bei einem dreimal billigeren ALDI Fahrrad bekomme ich nichts mit – keine Garantiekarte, keine Anleitung (insbesondere wichtig für die Schaltung wenn man mal einen Platten wechseln muss) und als ich fragte, „wo ist der Ersatzschlüssel für das Schloss?“ stellte sich raus, dass ein 799 Euro Fahrrad kein Schloss hat! Super – vielleicht druckt ihr noch den Preis mit auf den Rahmen? Eine fehlende Türklingel hatte ich schon beim Besichtigen angemahnt, die gab es immerhin.

Was es gibt ist ein Fahrradpass mit vier Servicedaten – nach 300 km, 1 Jahr, zwei Jahren und drei Jahren. Jeweils mit Raum für den Stempel. Also frage ich nach, in dem Irrtum, für diesen kräftigen Preisaufschlag zum Herstellerpreis sind dann diese Servicetermine kostenlos. „Nein das ist der vorgeschriebene Service, damit die Garantie gilt. Wenn sie ein Auto kaufen müssen sie ja auch die Inspektion zahlen“. Ah ha, also das sind bei den Preisen des Fahrradshops dann nochmal 4 x 40 Euro die ich bezahlen müsste, nur damit die Herstellergarantie greift (beim ALDI Fahrrad gibt es einen solchen Passus nicht und dort gilt sie auch drei Jahre). Wenn ich dass zusammenrechne und das so machen würde, dann würde mich das Fahrrad also 959 Euro kosten. Nur mal so als Vergleich: Mein ALDI Fahrrad kostete 229 Euro. Es ist nicht so schick, einige Kilogramm schwerer, hat einen Gang weniger und weder einen guten Standfuss noch einen guten Gepäckträger. Aber das war’s schon an Unterschieden. In einigem ist es sogar besser: Es hat keine Kunsstoffverkleidungen bei den Rädern, es hat ein Schloss und es hat eine leicht ohne Werkzeug verstellbare Kupplung für den Sattel – der Schaft war bei meinem von mehreren Verstellungen schon zerkratzt und die Leuchtkraft der Beleuchtung ist auch vergleichbar: Für 799 Euro gibt es Halogen, keine LED! Eine 10 Euro LED Taschenlampe (ratet mal woher) die ich bisher zusätzlich montiert habe, ist um einiges besser. Mein letztes Fahrrad hat 12 Jahre gehalten, wobei ich allerdings die ersten 6-7 Jahren es nur für kurze Strecken gebraucht habe. Die letzten beiden davor, die regelmäßig längere Strecken zurücklegten waren 6 und 7 Jahre in Gebrauch. Wenn ich 8 Jahre mal als Durchschnittsalter ansetze, dann könnte ich mir also alle zwei Jahre ein neues ALDI-Rad leisten für das was ich nun für dieses Modell ausgegeben habe und würde imer noch Geld sparen, weil ich da weniger Service brauch, denn in 2 Jahren verschleißt es weniger.

Tja, werden sie sich nun fragen: worüber regt sich der Bernd auf. Sekundär, darüber das das Fahrrad 200 Euro mehr gekostet hat als ich veranschlagt habe. Primär, weil ich für einen höheren Preis mehr erwarte – mehr Service oder eine höhere Qualität und bei beidem hapert es. Es gibt eben nicht nur billig als abschätziges Wort oder hochwertig als Gegensatz zu Discounterware. Es gibt auch noch die Worte überteuert und Service endet wenn das Geld über die Theke wandert. Das war das letzte Fahrrad, dass ich beim ansässigen Händler gekauft habe.

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