Was sind sekundäre Pflanzenstoffe?

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Unter diesem sperrigen Begriff fassen Ernährungswissenschaftler und Chemiker eine ganze Reihe von Substanzen zusammen. Sie werden seit etwa zwanzig Jahren genauer untersucht. Wie der Name schon aussagt, sind es nicht die Hauptinhaltsstoffe von Pflanzen (dies sind Stärke, Zucker und Ballaststoffe).

Es handelt sich nicht um eine Stoffklasse, sondern sehr unterschiedliche chemische Substanzen. Sie dienen Pflanzen als Abwehrstoffe gegen Fraßfeinde oder als Wachstumsregulatoren. Bekannt sind rund 8.000 sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die Gesamtzahl wird auf über 100.000 geschätzt. Die Aufnahmemenge ist aber gering und liegt bei allen Substanzen zusammen unter 1 g/Tag.

Die Forschung steht hier noch am Anfang. Einige Pflanzeninhaltstoffe wie Polyphenole und Carotinoide sind Radikalfänger und haben eventuell anticancerogene Wirkung im Körper. Andere wirken im Darmtrakt und verhindern schon dort die Bildung krebserregender Substanzen. Phytosterine senken den Cholesterinspiegel. Andere Substanzen stimulieren das Immunsystem, wirken entzündungshemmend, senken den Blutdruck oder den Blutglucosespiegel.

Die Studienergebnisse sind jedoch noch in vielen Fällen widersprüchlich oder noch zu wenig abgesichert. Viele Beobachtungen stammen aus Zellkulturen oder dem Tierversuch und sind so nicht direkt auf den Menschen übertragbar. Bei den Studien, die dieses Manko nicht haben, wurden in der Regel keine Lebensmittel, sondern die daraus isolierten Stoffe eingesetzt. Damit gibt es Unterschiede in der Zusammensetzung (gibt es andere Pflanzeninhaltsstoffe oder Nahrungsbestandteile die wechselwirken?) und vor allem der Konzentration – so ist zwar bewiesen, dass Polyphenole, wie sie unter anderem in Rotwein vorkommen, das Risiko an KHK (koronale Herzkrankheiten) zu erkranken, senken, doch um die Mengen aufzunehmen, die in Studien eingesetzt wurden, müsste man jeden Tag literweise Rotwein trinken. Umgekehrt scheint die im Kaffee enthaltene Chlorogensäure die Homocysteinkonzentration im Blut zu erhöhen, dies ist ein Risikofaktor für KHK. Daran sieht man auch, dass diese Stoffe (wie andere auch) gesundheitsschädlich sein können. Dass isolierte Stoffe völlig anders wirken als in der natürlichen Matrix, weiß man inzwischen von Antioxidantien. Nach einer Auswertung von 49 Studien durch dänische Wissenschaftler erhöhte die Antioxidantiengabe die Mortalität um 5 Prozent. Dabei steigerte die Einnahme von Vitamin A die Sterberate um 16 Prozent, Beta-Carotin um 7 Prozent und Vitamin E um 4 Prozent. Diese Werte waren alle signifikant. Vitamin C schien überhaupt keine Effekte zu haben. Sportmediziner der Universität Jena zeigten, dass Antioxidantien in isolierter Form die Zuckerverbrennung bei Sport stoppen. All diese negativen Folgen wurden nur bei isolierten Antioxidantien (Vitamine A, C, E und Beta-Carotin) beobachtet, nie in beim Konsum natürlicher Nahrungsmittel, oder wie ein Wissenschaftler sagte „Gemüse ist gesund, obwohl es Antioxidantien enthält“. Daher sollte man nicht den gleichen Fehler begehen und isolierte Stoffe aus Pflanzen aufnehmen, sondern vielmehr mehr von den Pflanzen selbst essen.

So gibt es derzeit keine Empfehlung für die Zufuhr von sekundären Pflanzeninhaltsstoffen, jedoch kommen sie vor allem in Obst und Gemüse und den Randschichten stärkehaltiger Nahrungsmitteln vor, also Lebensmitteln, die auch so empfohlen werden. Auf die Zufuhr von speziellen Präparaten kann nach derzeitigem Stand der Wissenschaft verzichtet werden.

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