Fragen zum Kaffee

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An dieser Stelle kurz zusammengestellt, einige Fragen zum Kaffee.

Entwässert Kaffee?

Das im Kaffee enthaltene Coffein wirkt harntreibend, indem es als pharmakologische Wirkung die Rückresorption des Primärharns in der Niere hemmt. Allerdings besteht Kaffee, je nach Sorte zu 97,8% (Espresso) bis 99,2% (Filterkaffee) selbst aus Wasser.

Die Wirkung tritt nur auf, wenn man Kaffee nicht regelmäßig trinkt. Dann muss man schneller zu Toilette und scheidet auch mehr Harn aus, als man zu sich genommen hat. Das gilt aber nur für Gelegenheitstrinker. Wer regelmäßig Kaffee trinkt, bei dem gibt es eine Gewöhnung und man scheidet nicht mehr Wasser aus und wenn man Gelegenheitstrinker ist, so bekommt man das Wasser aus anderen Getränken. Der Kaffeekonsum kann also voll auf die tägliche Wasseraufnahme angerechnet werden.

Der Gehalt an Coffein ist bei Kaffee und Tee vergleichbar. Früher nahm man an, in Tee stecke „Thein“ oder „Teein“. Letzteres sollte langsamer wirken und dauerhafter. Doch es handelt sich um dieselbe Substanz und sie wirkt auch in Tee in gleicher Weise, wenn er genauso viel Coffein enthält. Meistens wird Tee aber nicht so stark aufgebrüht, dass er genauso viel Coffein wie Kaffee enthält. Eine Tasse Kaffee enthält je nach Stärke und Koffeingehalt des Kaffees 50 – 100 mg Coffein. Tee etwas weniger. Natürlicherweise ist Coffein auch im Kakao enthalten, dort dominiert aber vor allem das Theobromin, das längerfristig wirkt. Coffein wird Colalimonaden und Energydrinks zugesetzt. Für letztere gibt es einen Grenzwert, der verhindern soll, dass man mehr Coffein als über eine Tasse Kaffee aufnimmt. Hier der Coffeingehalt einiger Getränke:

Getränk Coffein in der Trockenmasse / Zudosierung Mittlerer Coffeingehalt Streubreite
Kaffee 1,3 – 2,4 % im Pulver 100 mg 50 – 150 mg
Tee 3,0 – 4 % in den Teeblättern 50 mg 25 – 90 mg
Coca Cola 6,5 – 12 mg/100 ml 40 mg 35 – 55 mg
Energy Drink < 32 mg/100 ml 80 mg 80 mg
Kakaogetränk 0,1% im Kakaoanteil 5 2 – 5 mg
Vollmilchschokolade (Tafel) 0,1% im Kakaoanteil 15 3 – 35 mg
Zartbitterschokolade (Tafel) 0,1% im Kakaoanteil 90 50 – 110

Man sieht, dass die mit einer Portion aufgenommenen Mengen bei einem Energydrink vergleichbar dem von Kaffee sind.

 

Macht Kaffee süchtig?

Coffein ist der wichtigste pharmakologisch wirksame Stoff des Kaffees. Er hat vielfältige Wirkungen. So kann es die Blut-Gehirnschranke passieren. Es gibt aber sehr unterschiedliche Wirkungen. So regt Koffein die Herztätigkeit an, steigert Blutdruck und Körpertemperatur, stimuliert die Muskeltätigkeit, erweitert Bronchien und Blutgefäße und regt die Verdauung an.

Die für die meisten wichtigste ist die zentralnervöse. Das Coffein hat eine ähnliche chemische Struktur wie ein Botenstoff, das Adenosin. Adenosin überträgt Signale zwischen den Nervenzellen. Es koppelt dabei an einen Rezeptor an. Solange es dort angekoppelt ist „feuert“ die Nervenzelle und ein Signal wird übertragen. Wenn wir müde sind, so bildet der Körper weniger Adenosin, die Nervenleitung geht schlechter und dies empfinden wir als Müdigkeit. Durch seine chemische Ähnlichkeit zum Adenosin besetzt Coffein diese Rezeptoren und dies bewirkt, dass man sich wacher fühlt. Bei höheren Dosen hemmt auch Coffein die Bildung eines weiteren Stoffes, c-AMP, das für Stoffwechselvorgänge notwendig ist. c-AMP ist schon bei Bakterien ein Indikator, wie viel Energie die Zellen zur Verfügung haben und daher dämpft Coffein auch das Hungergefühl. Aufgrund der Bekämpfung der Müdigkeit, aber auch weil höhere Dosen von Coffein die Verbrennung von Fettsäuren forciert und so beim Sport eventuell leistungssteigernd wirken können, ist Coffein ein verbotenes Dopingmittel.

Wie bei anderen Stoffen gibt es aber eine Gewöhnung: Wer regelmäßig Kaffee trinkt, bei dem bildet der Körper mehr Adenosinrezeptoren aus, um die Wirkung zu kompensieren. Es ist eine Anpassung aber keine Sucht, denn anders als bei echten Drogen beeinflusst Coffein nicht unser Gehirn. Es gibt weder eine physische oder psychische Abhängigkeit, noch löst die Aufnahme Signale im Glückszentrum aus. Das Betroffene trotzdem unter „Entzug“ leiden, Kopfschmerzen und Depressionen haben, liegt daran, dass nun viel mehr Adenosinrezeptoren vorhanden sind als nötig, das normale Adenosin wirkt also schwächer. Diese Symptome klingen aber nach einigen Tagen ab und die Rezeptoren werden auch wieder abgebaut. Damit zusammenhängend ist auch ein anderes Phänomen: das Kaffeetrinker, nach dem Genuss von Kaffee meinen sie sind leistungsfähiger. Bei motorischen Tests, aber Prüfungen verschiedener Leistungsmerkmale unseres Gehirns zeigte sich, dass dem nicht so ist. Mit Kaffee sind sie nicht besser als eine Vergleichsgruppe von Nicht-Kaffeetrinker, aber ohne ist ihre Leistung deutlich schlechter. Auch dies ist ein Gewöhnungseffekt.

Untersuchungen der technischen eidgenössischen Hochschule in Zürich bei Kaffeetrinkern, die keinen Kaffee bekamen, dafür aber Coffein, zeigten, dass diese genauso ein Bedürfnis nach Kaffee hatten wie Kaffeetrinker, die kein Coffein erhielten. Wenn es also eine Suchtwirkung gibt, dann hängt sie wahrscheinlich nicht am Kaffee.

In jedem Falle ist die „Kaffeesucht“ nicht mit der Abhängigkeit von anderen Drogen zu vergleichen, da selbst bei starken Kaffeetrinkern die „Entzugserscheinungen“ nach wenigen Tagen abklingen.

Ist Kaffee krebserregend?

Wie bei allen Stoffen, die wir mögen, geht dann gleich die Suche los, ob er nicht doch gesundheitsschädlich sein könnte, oder wie es in einem Sprichwort heißt „Alles was Spaß macht, macht dick, ist krebserregend oder illegal“.

Was man weiß, ist das Kaffee magenreizend wirkt. Wer Magenkrebs oder -geschwüre hat, sollte weniger davon trinken, oder speziellen „Schonkaffee“. Die magenreizenden Stoffe sind vor allem die organischen Säuren im Kaffee, nur zu 10-20% das Koffein. Daher ist entkoffeinierter Kaffee für diese Personen weniger gut geeignet, da dort die magenreizenden Stoffe noch vorhanden sind.

Ungefilterter Kaffee enthält noch das Fett des Kaffees, die sogenannten Kaffeeöle. Nach einer skandinavischen Studie sollen diese den Cholesterinspiegel steigern. Allerdings nur temporär und nach Absetzen des Kaffees verschwand der Effekt. Filterkaffee, wie er bei uns üblich ist, hält die Kaffeeöle (vorwiegend Terpen) im Filter zurück. Bei der Herstellung von Espresso gelangen sie jedoch in die Tasse.

Der Verdacht, dass Kaffee krebserregend sein könnte, lag daran, dass natürlich durch seine Magenreizung er kontraindiziert ist, wenn jemand Magengeschwüre hat. Er verursacht aber keinen Magenkrebs, das haben zahlreiche Untersuchungen bewiesen.

Wir wissen das beim hohen Erhitzen organischer Substanz krebserregende Substanzen entstehen können, am bekanntesten sind die polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK), die beim pyrolysieren jeglicher organischer Substanz entstehen, so z.B. auch beim Räuchern. Allerdings sind die Temperaturen, die beim Rösten erreicht werden, (je nach Röstverfahren 220-250 °C) dazu zu gering. Es sind Temperaturen, die auch bei anderen Reaktionen in der Pfanne, Fritteuse oder Backofen erreicht werden. Die braune Farbe kommt nicht dadurch, dass die Bohnen verkohlen, sondern dass sie karamellisieren. PAK können dabei nicht entstehen. Allerdings kann ein anderer Stoff entstehen, von dem man seit einigem Jahrzehnt weiß, das er nicht nur krebserregend ist, sondern auch in Lebensmitteln vorkommt: Acrylamid. Acrylamid entsteht bei praktisch allen kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln, wenn sie hoch erhitzt werden. Es entsteht ab einer Temperatur von 120°C, oberhalb von 170°C steigt die Bildungsrate stark an. Betroffen sind vor allem Chips, Pommes, aber auch Lebkuchen, Knäckebrot und geröstete Nüsse.

Eine Tasse Kaffee enthält je nach Sorte und Röstung bis zu 4 Mikrogramm Acrylamid, eine Tüte Chips dagegen rund 90 Mikrogramm. Die Belastung durch Kaffee ist daher relativ gering. Die durchschnittliche Aufnahme von Acrylamid beträgt bei uns 70 µg Körpergewicht. Bei einem durchschnittlichen Konsum von 4 Tassen Kaffe pro Tag ist dieser mit 8 µg oder 11% beteiligt. Der durchschnittliche Gehalt beträgt seit 2002 zwischen 200 und 300 µg/kg Kaffeepulver. Vorher waren es bis zu 500 µg gewesen. Zum Vergleich: Kartoffelpuffer enthalten rund 500 µg/kg und werden in weitaus größerer Menge verzehrt (man rechnet mit 6,5 g Pulver pro Tasse). Hauptquelle der Belastung sind nach wie vor Gebäck und Kartoffelprodukte. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte hell geröstete Kaffeesorten bevorzugen.

Es gibt im Gegenteil aber Hinweise, dass die Chlorogensäure, eine der organischen Säuren die man im Kaffee findet, die sogenannten Kaffeesäuren als natürliche Antioxidantien wirken, also vergleichbar Vitamin A+C oder den Polyphenolen die man im Wein fand. Damit könnte sie vor Krebs schützen, doch sollte man sich mit solchen Urteilen zurückhalten. Die Forschung zeigte, dass die antioxidativen Wirkungen, die sich bei zahlreichen Stoffen in der Zellkultur zeigten, bisher nicht im Körper so auftritt, zumindest nicht bei isolierten Einzelsubstanzen.

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