Buchkritik: T.A. Heppenheimer: Development of the Space Shuttle 1972 – 1981

Wer sich mit dem Space Shuttle beschäftigt kennt sicher T.A.Heppenheimers Buch über die Entstehung des Space Shuttles, das er im Auftrag der NASA geschrieben hat und das auch online einsehbar ist. Nun gibt es von ihm das Anschlusswerk. Während sich die NASA Ausgabe mit dem Zeitraum von 1969 bis 1972 beschäftigte, als man mehrmals das Konzept verfeinerte, abänderte und schließlich wegen des Sparzwanges zu der heutigen Konfiguration entschied, setzt das Buch History of the Space Shuttle: Development of the Space Shuttle, 1972-1981 nun 1972 an. Es gliedert sich in einzelne Kapitel die jeweils einzelne Aspekte genau beleuchten. Das erste beleuchtet die Entstehung des Programmes, den Kampf um das Budget und die Rangeleien wer was beim Shuttle macht, schließlich war es nun ein Gefährt (bei Apollo war das Manned Space Flight Center in Houston für die Raumfahrzeuge zuständig und das Marshall Space Center für die Saturn Trägerraketen). Das zweite beleuchtet die Welt und Situation als das Shuttle entstand. Der Wunsch der ESA mit dem Spacelab beteiligt zu sein, und trotzdem als eigenständiges Trägersystem Ariane zu entwickeln. Die Air Force die es nutzen wollte, aber nichts zur Finanzierung beitragen und wie die Aufträge für die Komponenten vergeben wurde.

Kapitel 3 befasst sich mit den unbemannten Flugtests und der Enterprise wie mit der Auseinandersetzung ob das Shuttle eigene Düsentriebwerke haben sollte. Es gibt dann zwei Kapitel über den Antrieb. Eines nur über die SSME, das andere über OMS, RCS und SRB und den Tank. Das sechste Kapitel beschäftigt sich mit dem Hitzeschutzschild, das siebte mit der Innenausrüstung, also alles was für die Besatzung wichtig ist. Ein weiteres Kapitel hat nur die Computer im Shuttle und am Boden sowie die Software zum Inhalt. Damit ist das technische System beschrieben. Kapitel 8 beschäftigt sich mit den Kostenproblemen und Diskussionen über Oberstufen, das vorletzte leitet über zum Jungfernflug: Es geht um die Startvorbereitungen, die Selektion von Astronauten und ihr Training und das letzte Kapitel ist dann eine kurze Einsatzgeschichte des Shuttles.

Kurzum: das Buch ist ziemlich komplett. Das einzige was ich an „ziemlich“ einschränken muss ist das zu kurze (12 Seiten) letzte Kapitel. Ich hätte vom Titel des Buchs her erwartet, dass das Buch wenigstens den Jungfernflug genau beschreibt, die Probleme die auftraten, vielleicht was man gemacht hat und was gelernt. Wenn man es vollständig machen will, sollte man die ersten vier Flüge mit beschreiben, die als Qualifikationsflüge galten. Das erfolgte nicht. Einen, zwei Sätze pro Qualifikationsflug – das war’s. Stattdessen geht das Buch weiter bis etwa zum Jahr 2000, es ist 2002 erschienen, also noch vor dem Verlust der Columbia 2003.

Das Buch ist kein technisches buch. Viele Schreiber die sich mit Technikgeschichte beschäftigen lassen diese komplett weg. Heppenheimer versucht den Spagat etwas zu erklären. Er geht nicht arg in die Tiefe und man wird auch technische Tabellen vergeblich suchen, aber es gibt einige Daten und man kann anhand der Beschreibung verstehen wie etwas funktioniert, auch wenn man keine Ahnung hat. Ich sehe das als positiv, denn wenn ich nur mich über die Technik informieren möchte dann schaue ich auf dem NASA nach Dokumenten, nur wird man dort schwerlich viel über die Entwicklungsgeschichte finden. Es liest sich sehr leicht, jedes Kapitel ist zudem in sich abgeschlossen, sodass man auch springen kann.

Was mir negativ auffällt, das ist dass er etwas zu optimistisch mit dem System umgeht. Wie bekannt wurde das Shuttle zu teuer, sowohl im Unterhalt wie auch bei der Entwicklung und es flog zu spät und zu wenig oft. Heppenheimer erwähnt die Fakten, aber findet Entschuldigungen – Nach seinem Inflationsindex hatte das Programm kaum Kostensteigerungen, das die Startpreise und Frequenz utopisch niedrig bzw. hoch waren, begründet er mit der fehlenden Erfahrung. Sicher, das ist ein Grund, aber dass man damit um den Faktor 3-4 falsch liegt, ist doch etwas happig und da hätte man die Ursachen auch ansprechen müssen.

Ich pflege Bücher auch nach einem Kriterium zu beurteilen – was kann ich für mich daraus ziehen, kann ich daraus nutzen um meine Aufsätze zu verbessern oder neue zu schreiben und da ist Heppenheimers Buch sicher das beste das ich in den letzten Jahren in den Händen hatte, denn es wird die Basis von drei Aufsätzen werden. Einer über den Shuttle Hitzeschutzschild ist schon erschienen, zwei weitere über die GPC und die SSME werden noch kommen.

Trotz des leichten Schwächelns mit dem Fehlen der Qualifikationsflüge und der etwas rosaroten Brille denke ich hat das Buch 5 von 5 Amazon Sternen verdient.

One thought on “Buchkritik: T.A. Heppenheimer: Development of the Space Shuttle 1972 – 1981

  1. @Rosabrille: Ist wohl damit zu erklären, daß er immer noch ein bemannte Raumfahrtenthusiast ist.

    Sein in Ende frt 70er Jahre verfasstes Buch „Colonies in Space“ fasst ja imo. sehr gut zusammen wie sich viele bei der NASA und Co. die nahe Zukunft der Raumfahrt vorstellten. Doch auch hier waren viele Visionen aus heutiger Sicht sehr naiv.

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