Foodwatch

Vor zwei Wochen bekam ich eine Anfrage eines Foodwatch Mitarbeiters. Ob ich den Informationen über Separatorenfleisch hätte. Diesbezügliche Anfragen bei Herstellern würden nämlich nicht beantwortet. Das habe auch ich vorgezogen, denn ich halte von dem Verein nichts und deswegen greife ich ihn mal auf. Fangen wir mal an mit dem Separatorenfleisch. Ich kann gut verstehen, warum die Hersteller da keine Auskünfte vergeben. Zum einen ist das Thema schlecht besetzt, früher war Separatorenfleisch durch die Herstellungsweise von der Qualität minderwertig. Das ist heute nicht mehr der Fall und es gibt selbst für die Lebensmittelüberwachung keine Möglichkeit es nachzuweisen, wenn erst mal das Produkt erhitzt ist. Vorher hat man noch eine Chance bei mikroskopischer Untersuchung.

Da der Verein, so die Aussage von Aigner „skandalisiert“ kann ich mir gut denken, dass man darauf nicht antwortet. Ich halte nichts von Fr. Aigner. Sie war eine miserable Verbraucherministerin, aber sie hat ausnahmsweise mal recht, denn das trifft es genau. Es geht dem Verein nicht primär um den Verbraucher oder bessere Lebensmittel. Es geht um Skandale, um wie es dort heißt, „Kampagnen“. Es geht darum im Rampenlicht zu erscheinen. Wenn das nicht möglich ist, wird man sogar angerufen, so habe ich mal im Blog geschrieben dass ich eine Mail von TerraXPress bekommen hatte in der ich mitarbeiten sollten und wo sie auch schrieben das sie mit Foodwatch zusammenarbeiten. Keine drei Stunden später hatte einen Anruf eines Mitarbeiters dieses Vereins. Dabei wurde mir auch klar warum es geht, nämlich nicht um Verbraucheraufklärung viel mehr geht es darum von dem Verein, wahrscheinlich aber einer kleinen Vereinsspitze, festgelegte Ziele politisch durchzusetzen. Sie sehen es vielleicht als Gegenstück zur Industrielobby, ich es als einen weiteren Mitwirken der mir vorschrieben will was ich zu essen habe oder die Verpackungen mit noch mehr Hinweise zupflastern wollen.

Am deutlichsten ist es wenn der Vereinsvorsitzende Thilo Bohde im fernsehen auftritt. Da hat er nämlich meist denselben Gegenpart einen norddeutschen Wursthersteller, der die Industrie vertritt. Er „brandmarkt“ dann immer das diese Firma unter anderem auch Schwarzwälder Schinken vertreibt, die Schinken aber aus Norddeutschland stammen. Das ist seiner Ansicht nach Täuschung und muss geändert werden. Das steht sogar bei den Zielen „Dass Verbraucher beim Essen das Sagen haben und wissen, was in Lebensmitteln drin ist. „. Wobei Foodwatch in Anspruch nimmt für alle Verbraucher zu sprechen. Gerade das Beispiel dieses Produktes zeigt aber, das dem nicht so ist. Schwarzwälder Schinken steht für eine bestimmte Herstellungsweise und nicht für eine bestimmte Region. Das wäre bei Parmaschinken der Fall. Es gibt im Schutz von Bezeichnungen verschiedene Abstufungen und da hat Schwarzwälder Schinken die zeithöchste und Parmaschinken die höchste. Das ist auch nicht neu, schon immer gab es Schwarzwälder Schinken der nicht aus dem Schwarzwald stammt. Was Thilo Bohde will, ist das der Schinken nur aus dem Schwarzwald stammt, also die komplette Erzeugung in dieser Region liegt.

Das verbessert zwar nicht das Produkt, aber es verknappt es enorm. Anders als Parma gibt es im Schwarzwald kaum Schweinezucht. Der Schinken würde dann extrem teuer werden, wahrscheinlich teurer als Parmaschinken der schon bis zu 50 Euro/kg kostet. Das ist für das 5.800 Euro Gehalt das Thilo Bohde einstreicht, sicher kein Problem, aber für andere schon. wer sich beim „Team“ umschaut wird dort bei den Beschreibungen was die Leute machen, nur Medienjobs finden, am häufigsten Kampagnen aber kein Fachresort wie „wissenschaftliche Beratung“ etc. Wenn man sich dann die Ausbildung der Personen ansieht, sofern sie nicht ein „soziales Jahr“ absolvieren, findet man dann Abschlüsse im Bereich Geisteswissenschaften oder Medien wie Theaterwissenschaft, Medientechnik, Politologie. Ich habe nun mal die dumme Vorstellung das man von dem was man bewirken will auch eine Ahnung haben muss. Natürlich wird man in einem Verein nicht nur Fachpersonen finden, aber ein paar sollten es schon sein. So läuft es drauf hinaus das das Team sich was raussucht was ihnen nicht gefällt und sie eine Kampagne dagegen machen. Die mangelnde Fachkenntnis zeigt sich auch in den Fernsehauftritten., So hat in einer WDR Sendung eine ausgebildete Kulturwissenschaftlerin gemeint, sie könne auf einer Packung Cornflakes nicht erkennen wie viel Zucker drin ist, weil neben Zucker es Glucosesirup enthält. Offensichtlich ist sie auch unfähig die Nährstoffkennzeichnung zu lesen, dort stand der Zucker nämlich in Gramm. Nach Ansicht von ihr sollte wohl ganz dick auf der Verpackung stehen „enthält x g Zucker“, noch besser aber keiner enthalten sein. Das es auch Cornflakes mit weniger Zucker gibt oder ungesüßtes Müsli ist ihr egal, es geht nur darum bestimmte Dinge die sie nicht möchten, müssen verschwinden. Das ist noch schlimmer als die Industrie, da kann ich wenigstens wechseln wenn es mir nicht gefällt, doch wenn einem von oben vorgeschrieben wird was in Lebensmitteln drin sein soll und was nicht, dann hat man keine Auswahl mehr. Dann gibt es nur noch Cornflakes ohne Zucker und Schwarzwälder Schinken für Premiumpreisen.

Nun ist unbestritten, das ein Verein der nach eigenen Aussagen Druck ausüben will Leute hat die von Medien und Werbung etwas verstehen, aber wenn die gesamte Führungsetage nur aus solchen Leuten besteht dann kommt die Kultur der „Möcht i“ raus. Also das gefällt mir nicht, das möcht i haben und das auch und selbiges natürlich auch noch. Es gibt ja niemanden der die Grenzen aufzeigt, Sachverstand einbringt oder nur mal die Grundgedanken des Lebensmittelrechtes verstanden hat. Ich brauche nur auf die aktuelle Homepage schauen und schon sieht man das – derzeit haben sie etwas gegen Genhonig. Nur bezweifele ich dass es keinen Honig ohne Gene gibt, außer vielleicht Kunsthonig, doch wie der Name sagt ist das kein echter Honig. Das mag noch ein Sprachschnitzer sein, der Politologen und Kulturwissenschaftlern nicht auffällt, aber es gibt keinen Honig bei dem man 100% ausschließen kann das keine Bestandteile aus gentechnisch veränderten Pflanzen enthalten sind (das ist wohl gemeint). denn dazu müsste man jeder einzelnen Biene vorschreiben welche Pflanzen sie besuchen darf und welche nicht, etwas was kaum möglich ist.

Was passiert wenn so was um sich greift? Dann machen bald Köche Sendungen über gesunde Ernährung, schreiben Betriebswirtschaftler Bücher über Raumfahrt oder regieren Physiker Länder. Man wagt nicht vorzustellen zu welchen Katastrophen das alles noch führen kann….

4 thoughts on “Foodwatch

  1. Ich habe nun mal die dumme Vorstellung das man von dem was man bewirken will auch eine Ahnung haben muss.

    Damit bist Du nicht allein, denn das sehe ich genau so.

    Und wenn man diesen Beitrag jetzt mal unabhängig vom Thema betrachtet, dann könnte er auch von Florian Freistetter stammen, obwohl der meisst gegen Verschwörungtheorien anschreibt. Jedenfalls sofern er nicht gerade versucht, die Menschen von der Wissenschaft zu begeistern.

  2. Das haben diese Vereine alle an sich. Die wollen für etwas eintreten aber meistens bleibt es nur beim profilieren. Die meisten dieser Vereine finanzieren sich zum geringen Teil aus Mitgliederbeiträgen, der größte Teil kommt von irgendwelchen Spenden. Um diese Spendengelder weiter zu erhalten haben viele die Angst weiter zu gehen als sich ins Rampenlicht zu rücken. Denn im Rampenlicht findet man vielleicht den ein oder anderen der sich mit den Grundsatz einverstanden erklärt und die Spende überweist. Am Ende ist es nur eine Form von Geldverteilung und Propaganda. Das ist auch das Problem in der heutigen Zeit. Die meisten glauben das man die Welt mit Geld verändern kann. Veränderungen treten durch die Menschen ein, nicht durch das Geld. Wer es nicht glaubt gehe in eine Schule und spricht einfach mal über ein Thema was er bei irgendeinen solcher Vereine findet. Er wird Symphatien finden und dann fragt er mal was man machen kann. Die meisten werden mit Geld spenden kommen.

  3. Hm… irgendwie muss ich da an eine mehr als 10 Jahre alte Fernsehdiskussion über gentechnischveränderte Nahrungsmittel und deren gesundheitliche Folgen denken.

    Da bekamen die Diskutierenden nämlich von einer angereisten Gentechnikgegnerin etwas ganz besonderes als Snack serviert:

    „Eine deftige Brettljause“, wo einiges Geräuchertes dabei war.

    Mehr muss ich glaub ich nicht sagen…

  4. Die Medien funktionieren leider zunehmend so: Mit abwägenden Positionen kommt man nur selten in die Talkshows oder zu Interviews in die Nachrichtensendungen. Gefragt ist die einseitige Extremposition, egal ob „Foodwatch“ („Separatorenfleisch“ ist „sch….“, als ob selbst die seriöse Küche nicht seit Jahrhunderten schon Hackfleisch einsetzen würde), „Alice Schwarzer“ („Alle Prostituierten sind Zwangsprostituierte“) oder eben Greenpeace. Ja, die Diskussionskultur leidet darunter.

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