2 Millionen Klicks und Asterix

Beim letzten Feiertag strahlte der Bayrische Rundfunk die Nokia Night of the Proms aus. Wer es noch nicht kennt: Künstler deren Karriere schon etwas weiter zurückliegt singen in der Vorweihnachtszeit zusammen mit einem Orchester und einem großen Chor. Dazwischen gibt es auch einige klassische Stücke. Das ist durchaus sehenswert, vor allem wenn die Sänger gut sind – es gibt auch einige die treffen live durchaus nicht immer die richtigen Töne und viele der Hits bekommen mit einem Orchester einen durchaus interessanten Sound. Dauergast ist John Miles, dessen einzige Hit „Music“ ja auch ein Orchester beinhaltet und da auch der Höhepunkt der Konzertreihe ist und jedes Jahr gespielt wird.

Diesmal trat als Newcomerin Madeline Juno auf, die mir weder vom Namen noch von den Titeln was sagte. Von der Stimme her hat sie so einen Akzent wie ich ihn von schottischen Gruppen wie Runrig kenne, doch sie ist Deutsche. Als Grund für ihre Beteiligung wurde genannt das ein von ihr gepostetes Musikvideo 2 Millionen Klicks auf Youtube bekam und sie durch diesen „Erfolg“ bei dem Soundtrack zu einem Film mitmachen dürfte. Ich dachte da so bei mir – „2 Millionen Klicks sind nicht viel“. Wenn man mal dran denkt wie viele Seiten jeder von uns täglich ansurft und 2 Millionen Klicks sind nicht 2 Millionen Zuschauer, da sicher nicht alle zu Ende anschauen und andere wieder öfters kommen. Ich habe mich mal an Lynne und Tessin erinnert, die vor neun Jahren mit Lipsync-Videos, also nicht mal was selbstkomponiertem oder auch nur als Karaoke nachgesungenem auf die vorderen Plätze von Google Video kamen. Die haben innerhalb weniger Tage 4 Millionen Klicks gehabt und nach ein paar Monaten um die 11 Millionen.

Nach Wikipedia hat die 2008 bei Nokia Night of the Proms aufgenommene Version von „Music“ im Juni 2014 1,96 Millionen Aufrufe und heute sind es 2,51 Millionen, also 600.000 mehr in einem Jahr – das ist bei einem Promi, einem bekannten Lied, doch eine eher kleine Zahl. Es scheint so zu sein, dass mit immer mehr Videos sich die gleichbleibende Benutzermenge auf immer mehr angebotene Videos verteilt und jedes so immer weniger Klicks bekommt. Was wäre aus Madeline Juno wohl mit 11 Millionen Klicks geworden? So gesehen kann ich froh sein, meine Webseite hat seit Jahren relativ konstant um die 900.000 Besucher pro Jahr und schwankt im Alexa Ranking immer so um den Platz 30.000 in Deutschland herum.

Die beiden Mädchen haben damals übrigens eine Show bekommen, relativ spät ein Jahr nach Hype und nur eine Ausgabe auf RTL2. Das dies floppte, war zum einen dem Sendeplatz an Pfingsten zur Hauptsendezeit wenn überall Spielfilme laufen und dem Konzept geschuldet: Sie sollten Clipfish promoten und Videos von dort vorstellen. Die waren qualitativ so schlecht dass man selbst bei Fernsehauflösung die Klötzchen sah und sie waren noch dazu von einem Rand umgeben der sich selbst bewegte sodass man kaum von einem Augenschmaus sprechen kann.

Asterix

Dann habe ich mir nach langer Zeit sowohl den „aktuellen“ Asterix, wie auch drei Bände gekauft die ich nicht kannte und die man wohl auch nicht so zu den normalen Zählen kann: „Asterix plaudert aus der Schule“, „Wie Obelix in den Zaubertrank gefallen ist“ und „Asterix und Obelix feiern Geburtstag“. Ich hatte nach dem letzten regulären Band „Gallien in Gefahr“ Asterix komplett vergessen.

Der neue knüpft wieder an alte Traditionen an. Es geht wieder an die Grenzen der damals bekannten Welt, nun nach Schottland (die meisten anderen Länder hat man ja schon in den ersten Bänden besucht) und auch textlich ist eine deutliche Besserung zu beobachten. Asterix wurde von Goschini und Uderzo kreiert. 1977 starb Goschini und Uderzo machte alleine weiter – meiner Ansicht nach ein großer Fehler. Zum einen war es an der nun stark abnehmenden Frequenz der Comics zu sehen – 1959 erschien die erste Geschichte in Pilote, der erste Band 1961, als Goschini 1977 starb war man bei Band 23 genkommen und die Hälfte von Band 24 geschafft. Dieser erschein erst drei Jahre nach Band 23, seitdem gab es neun weitere Bände in mehr als drei Jahrzehnten, einer alle vier Jahre, vorher waren es eineinhalb Bände pro Jahr gewesen. Was fehlte war der Witz und die tragende Story der früheren Bände. Stattdessen gab es immer mehr Anspielungen an Heute. James Bond taucht auf, Kirk Douglas als Komikfigur. Es wird immer grotesker und immer weniger erinnert an die Antike. Im letzten Band von Uderzo tauchen sogar Außerirdische auf. Uderzo war der Zeichner, Goschini der Texter (nicht nur für Asterix, sondern auch für Isnogoud und Luky Luke). Es war klar, dass Uderzo nicht das Talent für eine Story und humoristische Seitenhiebe hatte, wenn es welche gab, dann nicht als Seitenhieb sondern dann warfen die grobschlächtig und ganze Breitseiten. Drei der Bände, die ich nun kaufte waren Restverwertung. Einer mit Kurzgeschichten „Asterix plaudert aus der schule“, die durchaus lesenswert sind, auch weil viele noch von Goschini stammen, eine Erzählung mit Bildern (kein Comic) „Wie Obelix in den Zaubertrank gefallen ist“ und bei „Asterix und Obelix feiern Geburtstag“ gratulieren Figuren aus den Alben den beiden zum Geburtstag (50 Jahre Asterix) wobei Uderzo weitgehend die alten Zeichnungen recycelt hat.

Der „neue“ Band (eigentlich auch schon 2 Jahre alt, ein neuer Aserix soll im Oktober erscheinen) ist zwar nicht der gleiche wir früher, aber er ist deutlich besser als bei Uderzo. Nur eines fiel mir auf: Ein eingefrorener Schotte leidet unter BorBorrygmen – er singt Lieder anstatt zu reden. Denn Sinn dieser wie auch des Volkszählers habe ich nicht so verstanden.

Meiner Ansicht nach machte Uderzo einen großen Fehler als er alleine weitermachte. Das er alleine mit dem Comic überfordert war war offensichtlich. Ohne ihm nahetreten zu wollen: Zeichen ist ein Handwerk, das können auch andere, doch der Text machte den Comic zu was besonderem. Er hätte schon früher einen Texter hinzunehmen müssen. Er hat sich ja auch lange geweigert Asterix abzugeben und wollte keine weiteren Abenteuer mehr haben. Verständlich wenn man es als sein „Kind“ betrachtet aber nicht im Sinne der Leser.

Beim Recherchieren bin ich dann auf die Tatsache gestoßen, dass in Deutschland Rolf Kauka zuerst die Comic in deutscher Übersetzung veröffentlichte. Die muss ziemlich missglückt gewesen sein und machte aus den Galliern politische Figuren. Das etwas passiert sein muss hätte ich schon mal an der Einleitung des deutschen Verlegers in einem Jublläumband ersehen können – er erwähnte das er bevor er den Auftrag bekam ein Heft eindeutschen musste und Goschini/Uderzo von der sorbonne rückübersetzen ließen. Offensichtlich waren sie von der ersten Übersetzung entsetzt. Ich habe mal im Internet geschaut ob man einen der „Kauka-Asterix“ kaufen kann aber keinen gefunden, wahrscheinlich sind sie heute auch teure gefragte Sammlerstücke und damit nur zum Lesen zu teuer.

One thought on “2 Millionen Klicks und Asterix

  1. Und ich dachte beim ersten Lesen der Überschrift an „Asterix“ den ersten französischen Satelliten. Aber so kann man sich täuschen.

    Auf jeden Fall interessant, wie immer.

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