Schweine im Weltraum erobern das All

Eine Frage die sich mir bei der Lektüre von Eugen Reichls Buch über die N-1 stellte, ist die ob Russland jemals das Wettrennen zum Mond gewinnen konnten. Es war ja in Wirklichkeit kein Wettrennen. Offiziell hatte Russland nie ein Mondprogramm. Die NASA hatte die Deadline von Kennedy als Fristvorgabe und sie konnte nicht wissen, wie weit Russland ist. Wenn also irgendjemand ein Wettrennen hatte, dann Russland, die immer unterrichtet waren wie weit die NASA ist. Reichl baut über das ganze Buch hinweg einen Spannungsbogen auf indem er NASA-Leistungen und russische Leistungen vergleicht. Das geschieht ihm auch recht gut, obwohl man wenn man objektiv sich die Fakten ansieht man sagen muss das Rennen war aus bevor es begann.

Kurze Antwort weil ich keinen Spannungsbogen hinbekomme, wenn ich mich nur auf Tatsachen beschränke: Das Rennen war gelaufen bevor es begann und zwar aus folgenden Gründen:

Zeit: Das NASA Programm begann nicht mit Kennedys Rede. Ab Finanzjahr 1962 flossen die Mittel richtig, in dem Jahr wurden dann auch die Hauptaufträge vergeben. Die Saturn I befand sich aber damals schon in der Entwicklung und hatte den ersten Testflug in Block I Konfiguration (funktionierende Erststufe, Ballast als Zweitstufe) hinter sich. Auch das F-1 befand sich bei Kennedys Rede schon in einem frühen Entwicklungsstadium. Auf russischer Seite gab es erst den Beschluss am 3.8.1964. Damit hatte Russland schon vom Start  weg 3 Jahre verloren. Das ist insofern unverständlich, als dass man sehen konnte das die NASA das Mondprojekt auch anging. Die NASA machte Öffentlichkeitsarbeit. Fortschritte und Details fanden ihren Niederschlag in Fachaufsätzen. Groß wurden zwei neues Astronautengruppen präsentiert, die 1962/63 rekrutiert wurden und die ja auch irgendwann mal starten mussten. Selbst wenn man das alles nicht glaubt: die NASA hat einen Haushalt, der wird veröffentlicht und das drastische Ansteigen dessen muss selbst ungläubige vom Mondprogramm überzeugt haben. In einer Dokumentation die ich sah, hat der Geheimdienstchef nachdem er die Apollo 11 Landung in (nur für eingeweihte verfügbaren) Fernsehen gesehen hat, den Auftrag gegeben. alles aus den Archiven rauszusuchen was man der Regierung über das Apolloprogramm weitergeleitet hat. Es kommt ein großer Stapel zusammen. Nicht umsonst: wenige Tage kommt die Anfrage von ganz oben was denn der Geheimdienst über das Programm wüsste und berichtet hatte – er legt den Stapel vor und es gibt keine Fragen. Die Regierung hat die Tatsachen einfach viel zu lange ignoriert.

Organisation: Die NASA etablierte ein strenges Management dass das Projekt überwachte. So etwas gab es in Russland nicht. Stattdessen gab es verschiedene Kombinate geleitet von „Chefkonstrukteuren“ welche miteinander rivalisierten. damals waren Jangel, Tschelomei und Gluschko ebenso mächtig wie Koroljow. Koroljow hatte die erste ICBM konstruiert, doch die folgenden stammten nicht von ihm. Gluschko war der wichtigste Triebwerkskonstrukteur. (Alle Bezeichnungen in dem Sinne, dass sie Manager von Betrieben waren die diese Produkte fertigten – natürlich entwickelt eine Einzelperson keine ICBM) Auch diese Rivalitäten verhinderten lange Zeit dass man die N-1 konstruierte. Es gab zu viele rivalisierende Projekte anderer Konstrukteure wie die UR-700 oder R-56 und die Führung konnte sich nicht für eines entscheiden. Die NASA handelte zudem klug. Sie verteilte die Last. Das Apollo-Programm wurde von verschiedenen Firmen durchgeführt. Die Saturn wurden vom MSFC konstruiert, die Produktion erfolgte später durch Boeing, North American und McDonnell-Douglas gefertigt, ebenso der Mondlander von Grumman und das CSM von North American. So waren viele Luftfahrtfirmen beteiligt, die Last verteilt und auch der Erkenntniszuwachs verteilt zudem gab es nicht die in Russland üblichen Rivalitäten. dagegen fertigte das OKB von Koroljow den größten Teil des Mondprojektes. Reichl führt dann noch die Heimlichkeiten in Russland an (niemand durfte wissen wo das Teil eigentlich landet), demgegenüber wüsste in den USA (angeblich) jeder wie wichtig seine Arbeit für die Sicherheit der Astronauten ist. Das würde ich nicht als Argument übernehmen. Zum einen fertigte Russland ja auch sehr zuverlässige Trägerraketen mit dieser Heimlichkeit – R-7 und Zyklon übertrafen damals westliche Muster an Zuverlässigkeit wie die Delta, Atlas und Titan. Zum zweiten erinnere ich mich noch an eine Szene in den Memoiren von Kelly wo der Grumman-Manager für den Mondlander einen Unterauftragnehmer besucht und entsetzt sieht wie dort Batterien von angelernten Hilfskräften montiert werden. Sie rauchen bei der Arbeit und die Asche wird in den Batterien mit verbaut …

Die fehlende Organisation zeigt sich auch daran dass Russland drei Projekte parallel durchführte: das einer bemannten Mondumrundung (Zond), anspruchsvollen Mondsonden als „Alibi“ man hätte nie ein bemanntes Programm gehabt (Luna 15-24) und eben das N-1 LOK/LK Projekt. Es wäre besser gewesen eines richtig zu machen.

Dazu wäre auch zu erwähnen das es in dem Sinne nie ein ziviles Weltraumprogramm gab. Die ersten Projekte wie Sputnik und Wostok konnte Koroljow  noch als „Dual-Use“ dem Militär schmackhaft machen (Wir müssen die R-7 sowieso testen warum nicht mit einem kleinen Satelliten?). Am Mondprojekt hatte man kein Interesse, es gab keinen militärischen bedarf für eine Rakete mit der Nutzlast. Selbst die Proton entstand ursprünglich um eine 25 MT Bombe zu transportieren. So fehlte auch die politische Unterstützung. Das ist bis heute eigentlich so geblieben. Es gibt eigentlich nur ein ziviles Programm wenn es öffentlichkeitswirksam ist. So startet Russland kaum wissenschaftliche Satelliten. Planetensonden auch kaum noch seit es da keine Erstleistungen mehr erbringen kann und nur das bemannte Programm ist öffentlichkeitswirksam und wird weiter verfolgt.  Selbst Buran/Energija entstanden als militärische Projekte und sollten mal Weltraumwaffen stationieren.

Finanzierung: Das Apolloprogramm war nicht wie heutige Programme durch das Budget begrenzt sondern von der Zeit. Es galt die Deadline einzuhalten. Geld gab es in Masse. So wurden anfangs mehrere Entwicklungen parallel gestartet und später die beste Vorentwicklung ausgewählt. Es entstanden enorme Teststände um alles vor dem Flug zu testen. Um Zeit zu sparen gab es enorm viele Tests die parallel erfolgten. So wurden Unmengen an Testtriebwerken gebaut um die Tests parallel abzuwickeln. Das N-1 Programm war dagegen immer unterfinanziert. gerade die komplexe erste Stufe wurde gar nicht getestet obwohl man alleine durch die Interaktion von 30 Triebwerken etliche Probleme erwarten konnte.

Konstruktion: Die N-1 scheiterte wegen der vielen Triebwerke in der ersten Stufe. Wie bekannt, weigerte sich Gluschko schubstärkere Triebwerke konstruieren zu lassen. Doch auch hier der Punkt: übergeordnete Organisation fehlt. Diese hätte ihn dazu zwingen können oder austauschen können – Gluschko ist schließlich Manager und legt den Kurs fest, die Konstruktion übernehmen tausende anderer in seinem Kombinat. Die NK-Triebwerke von Kusnezow waren weder zuverlässig noch schubstark genug. Das haben sie inzwischen auch bei der Antares beweisen. Auch wurden sie nicht mal vor dem Einbau getestet – es wurde nur von einem Los zwei Triebwerke getestet, der Rest ohne Test eingebaut. Das Steuersystem KOORD brachte weitere Unfallursachen hinzu, anstatt die Sicherheit zu erhöhen und zuletzt war die N-1 zu klein. Ihre genaue Nutzlast ist nicht ganze bekannt, aber mit den veröffentlichten Daten liegt sie in etwa um ein drittel unter der Nutzlast der Saturn V. Das ergab weitere Probleme, zumal ansonsten russische Raumschiffe eher schwerer als die westlichen Gegenstücke waren. So wurde Gewicht eingespart wo es ging und es gab sehr riskante Lösungen. Die riskanteste war der Abstieg. Der sollte durch Block D erfolgen, der dann in geringer Höhe (2-4 km über dem Boden) abgetrennt wurde und dann erst würde das Mondlandertriebwerk ein erstes Mal gezündet. Ich finde diese Vorgehensweise haarsträubend. Selbst wenn die N-1 erfolgreich geflogen wäre, so hätte es da noch einige Überraschungen gegeben. Nicht anders war es ja im Apolloprogramm: die Saturn V war nach zwei Testflügen im April 1968 qualifiziert. Gelandet ist man aber erst ein Jahr später weil vor allem der Mondlander noch nicht soweit war. Wenn ich im Zeitrückstand bin hätte ich eher eine noch größere Rakete gebaut, dann habe ich mehr Reserven bei der eigentlichen Nutzlast und kann mich hier gegen Überraschungen durch Redundanz oder Treibstoffreserven absichern und so die Testflüge bis zur Mondlandung abkürzen. Die N-1 hatte in der ersten Version nicht mal die Nutzlast für die Mondlandung. Diese hätte knapp die N-1F erreicht, vor Einstellung des Projektes überlegte man sogar ob man diese nicht in zwei getrennten Starts starten sollte.

Kurzum: Es war schon vom Start weg klar, dass die Russen nie siegen konnten.

Sie stecken in der Scheisse,und sie wälzen sich.

2 thoughts on “Schweine im Weltraum erobern das All

  1. Hallo Bernd,

    Du hast Recht mit Deiner Analyse der Russischen und Amerikanischen Raumfahrt bis zum Apollo-Erfolg.

    Danach begannen aber die Amerikaner die Tugenden, die sie bis Apollo pflegten zu verlassen und begannen dann eher wie die Russen zu agieren.
    Ergebnis Challenger und Columbia..

    Die Russen begannen (meiner Meinung nach) mit Sojus, Saljut, Mir und auch ISS einen Weg bei der bemannten Raumfahrt zu begehen, der sie zu einigem Erfolg geführt hat. Trotz der
    Rückschläge bei der Marsforschung. (Da waren sie wieder zu schlampig).

    Ich hab mal gelesen, daß bei der NASA der Niedergang durch die
    Entlassung „der Deutschen“ begonnen hat, die immer wieder auf Tests bestanden und organisierten.
    Die Russen haben „nur“ das Wissen der deutschen Ingenieure abgeschöpft und dann auf russische Art weitergemacht….

    Bei den „Schweinen im Wetall“ sieht man einen egomanischen
    Captain und eine geile Maus, äh Sau die sich gegenseitig nur anfetzen….und es kam danach eine Stimme aus dem OFF: „Wenn Sie XYZ das nächste mal sagen hören wollen. „…“ dann schalten Sie auch nächstes mal wieder ein bei Schweine im Weltall

    Bei „zwei Bayern im Weltall“ gab es nur die Gebrüder Painteneder als Komanda und Stellvertretenden Komanda, die sich über Weißwürste, verschwundene Joghurts und graue Haare und das fehlende Haarfärbemittel stritten. Und die Zentrale im Raumflughafen Holzkircha hat dann immer geholfen. Verpassen Sie nicht die nächste Folge 1045 mit dem Titel: Eine neue Obstzüchtung….

    (Auweh, ich hab jetzt erst gesehen, daß Du das unter Raumfahrt gelegt hast und nicht wie den vorherigen Blog unter Satire)

    Nix für ungut…
    Ralf mit Z

  2. Hallo Ralf,

    Wie ich zu Anfang der Reihe geschrieben habe, stammen die Titel jetzt immer aus meinen Lieblingsliedern. Manchmal auch die letzte Zeile. Du und die anderen könnte ja mal raten wie der Titel heißt und von wem er ist (bei diesem ists sehr einfach …)

    Sie sitzen auf der Bombe und amüsieren sich ….

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