Postfaktisch und das schwarze Jahr für die FDP

„Postfaktisch“ ist das (Un)Wort des Jahres 2016. Ich kannte postfaktisch als Wort nicht vorher. Als ich mit meinen bescheidenen Latein-Kenntnissen es zu „Nach den Tatsachen“ übersetzt hatte, wurde mir auch nicht klarer, was damit gemeint war. War das die Aktion, die folgt, wenn etwas auf dem Tisch liegt? Oder die Schlussfolgerung, die man daraus zieht? Nein es geht darum, dass man nicht nach den Fakten oder Wahrheit handelt, sondern nach Gerüchten oder falschen Fakten. Man könnte aber auch sagen: „Nach Gefühl“, oder „nach Gerüchten“ und das ist nun doch nicht so neu. Das gab es schon immer. Ganze Branchen, wie die Werbung leben davon, dass Leute z.B. nicht nach Notwendigkeit Dinge kaufen, sondern nach Gefühl, oder weil andere es toll finden oder es „in“ ist. Continue reading „Postfaktisch und das schwarze Jahr für die FDP“

John Glenn, Weihnachtsbräuche und die Weihnachts-Deadline

Irgendwie fallen mir in letzter Zeit keine großen Sachthemen mehr ein. Daher fülle ich mal den Blog mit etwas aus der Rubrik „Vermischtes“. Fangen wir mit dem Tod von John Glenn an. Dazu gibt es von mir nichts. Das hat zwei Gründe. Das eine ist, das ich nicht empfänglich für Personenkult bin. Das ist auch unabhängig von der bemannten Raumfahrt, so wird man bei mir auch keine Seiten über Wernher von Braun, Ziolkowsi, Oberth oder Godddard finden, obwohl die mehr für die Raumfahrt geleistet haben als jeder Astronaut. Vielleicht ist das auch so ein Grund, warum es bei der Konfrontation mit SpaceX-Befürwortern so rasselt. Für mich ist Elon Musk ein Spinner, der die Bodenhaftung verloren hat. Als ich als ich heute mal sahen wollte, wie viele Startaufträge die Falcon Heavy noch hat, sah haben sie ja ihre Webseite umgestaltet. Nun verkaufen sie keine Raketen mehr, sondern die Vision von „multiplanetary life“. Continue reading „John Glenn, Weihnachtsbräuche und die Weihnachts-Deadline“

Gravitationsverluste bei Niedrigschubbahnen

Ich habe nun mein Programm für Bahnberechnungen um einen Punkt erweitert, um auch Niedrigschubbahnen für Satelliten zu berechnen. Ich hatte zwar schon einen für Ionentriebwerke, doch der hat zum einen spezifische Eingangsparameter, die man nur für Ionentriebwerke braucht und nicht für Satelliten, zum andern wird man Ionentriebwerke wegen ihrer langen Brennzeit dauernd betrieben. Satellitentriebwerke dagegen nur kurz. Auf die Idee kam ich eigentlich durch meine Ergänzungen zum Vega Buch.

Eine der Dinge, die vor allem die DLR immer wieder betonte war, ja die Abhängigkeit von deinem ukrainischen Triebwerk. Deswegen gab es auch zwei Studien in Auftrag, ob man nicht eine eigene Stufe bauen könnte, die das AVUM und den Zefiro 9 ersetzen könnte. Ich wollte wissen, ob nicht auch ein 400-N-Satellitenantrieb anstatt dem 2.500 N-Antrieb reichen würde. Resümee: Bei vielen niedrigen Bahnen reicht, wie bisher, eine Zündung im Apogäum aus, um eine kreisförmige Bahn innerhalb der im Users Manual angegebenen Toleranzen zu erreichen. Bei höheren Bahnen können zwei nötig sein, sonst rutscht das Apogäum zu stark hoch. Das verlängert dann die Mission um rund 100 Minuten.

Doch wenn man die Routine schon mal hat, kann man die Frage von Gravitationsverlusten in Erdumlaufbahnen auch mal für Satelliten beleuchten. Und da bin ich beim heutigen Blogthema.
Zuerst mal: Warum geht es? Unter dem Begriff „Gravitationsverluste“ tummeln sich einige Dinge. So gibt es beim Aufstieg einer Rakete zwei Typen von Gravitationsverlusten. Zum einen, dass die Erde permanent die Rakete anzieht und so ein Schub, der die vertikale Geschwindigkeit aufbaut, verloren geht. Zum Zweiten auch die Hubarbeit, die eigentlich kein echter Gravitationsverlust ist, weil eine Umlaufbahn mindestens 150 km Höhe erreichen muss, sonst würde die Atmosphäre den Satelliten sofort wieder abbremsen. Continue reading „Gravitationsverluste bei Niedrigschubbahnen“

Noch ein europäischer Rekord: die Vega

Gerade erst hat Ariane 5 einen neuen Rekord aufgestellt über 75 erfolgreiche Flüge in Folge. Nun auch die Vega. Sie hat heute GÖKTÜRK-1 in die Umlaufbahn gebracht. Zwar stellt dieser achte Start der Vega keinen neuen Rekord an erfolgreichen Flügen in Serie ein, doch dafür einen anderen: Die Vega hat acht Starts seit dem Jungfernflug in Folge absolviert ohne Fehlstart. Damit ist sie bei den europäischen Raketen einzigartig. Ariane 1 und 5 hatten schon Fehlstarts bei den ersten zwei Flügen. Analog sieht es bei der Europa und Black Arrow aus. Lediglich die Diamant konnte bisher wie die Vega mit sieben fehlerfreien Starts bis zum ersten Fehlschlag aufwarten. Selbst wenn man die Liste auf Submodelle erweitert, so hat die Vega die Ariane 4 überholt, die einen Fehlstart beim achten Einsatz hatte. Continue reading „Noch ein europäischer Rekord: die Vega“

Mit Ionentriebwerken zum Mond

Während man inzwischen die Eignung von Ionentriebwerken für den Mars untersucht, scheint sich keiner für den Einsatz für Mondmissionen zu interessieren. Zeit sich darüber Gedanken zu machen. Um es vorwegzunehmen: Es geht in diesem Blog vornehmlich um den nicht bemannten Teil einer Expedition. Das liegt daran das noch mehr als beim Mars die lange Betriebsdauer der Ionentriebwerke in keinem tolerierbaren Verhältnis zur Reisedauer mit chemischen Triebwerken steht. Bei der Dauer einer Marsexpedition von fast 3 Jahren sind 200-300 Tage mehr Reisezeit verkraftbar, beim Mond ist das aber unverhältnismäßig, wenn man in weniger als 4 Tagen beim Mond sein kann. Es gibt jedoch eine Ausnahme, dazu am Schluss noch eine Bemerkung. Continue reading „Mit Ionentriebwerken zum Mond“