Die Energiewende – jenseits des Stroms Teil 1

So, der heutige Beitrag ist etwas lang geworden. In Libreoffice sind es 5 Seiten. Ich teile ihn daher in zwei Aufsätze auf und bitte euch Kommentare, erst nach dem zweiten Teil, der morgen erscheint zu verfassen.

Im ersten Beitrag habe ich mich nur mit der Energiewende beim Strom beschäftigt. Wenn es auf das Thema kommt ist meist auch nur vom Strom die Rede. Klar, hier ist Versorgungssicherheit wichtig und es ist mehr oder weniger eine staatliche Aufgabe. An den meisten Stromkonzernen wie EOn, EnBW, RWE ist auch noch der Staat beteiligt. Aber es ist nur ein Teil des Energieverbrauchs. Während nach Angaben des Bundesumweltamtes zwischen 2014 und 2018 beim Strom der Anteil erneuerbare Energien von 27,8 auf 38,6 % gestiegen ist, sank er bei der Wärmeproduktion von 14,2 auf 13,9 und beim Verkehr blieb er mit 5,6 % gleich hoch.

Gemessen an absoluter Energie ist Strom aber nur ein Teil der Gesamteinenergie. Aufgeteilt nach Energiequellen sieht es 2017 so aus:

  • Kraftstoff: 29,3 %
  • Gas: 26 %
  • Strom: 20,1 %
  • Heizöl: 7,5 %
  • sonstige Energieträger: 7,6 %
  • Fernwärme: 4,4 %
  • Steinkohle: 4,1 %
  • Braunkohle: 1 %

Klar ist, dass die Wende beim Strom nur eine Säule sein kann. Er macht gerade mal 20 % der Energie aus. Was mich bei der Recherche am meisten verwunderte ist das Kraftstoff, also Verkehr den größten Anteil an den Energieträgern hat. Ich bin von meiner eigenen Erfahrung (ich habe kein Auto) vom Heizen ausgegangen. Gut, wenn man beiden Kohlearten, Gas und Heizöl noch dazu zählt ist es mehr, aber ein Teil dieser Energieträger wird auch für industrielle Prozesse benötigt.

Gerade in diesen Bereichen ist der Anteil an erneuerbaren Energien aber noch klein.

Verkehr

Ebenso wird man niemals mit Raps und Sonnenblumen genügend Kraftstoff für die verbleibenden Kraftfahrzeuge gewinnen können. (selbst wenn man es hinbekommt einen Großteil des Individualverkehrs auf Elektroautos umzustellen). Sowohl Berufskraftfahrer wie auch Transportwesen werden mit Elektroautos und ihrer kurzen Reichweite nicht glücklich werden. Im Transportwesen ist meiner Ansicht nach die beste Lösung, dass man wegkommt vom Individualverkehr, bei denen jeder mit seinem Auto zur Arbeit fährt, und Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel, ebenso beim Transport – man hat in den letzten Jahren und dies politisch gewollt immer mehr Warenverkehr von der Schiene auf die Straße verlegt. Das kann man aber wieder ändern. Dazu gehört, dass der Staat etwas Selbstverständliches tut: alle Verkehrsteilnehmer gleich zu behandeln. Das tut er derzeit nicht. Fahrradfahrer müssen sich mit Autos oder Fußgängern einen Weg teilen. Beides ist nicht optimal. Während die Gefahr bei Autos und Radfahrern auf demselben Weg für jeden einsichtig ist, hat man bei Fußgängern ein anderes Problem: Fußgänger halten sich nur zu einem kleinen Teil an Verkehrsregeln – laufen auf der falschen Seite oder nebeneinander oder halten ein Schätzchen. Kein Problem solange es nur Fußgänger gibt. Daher sollte man Fahrradfahrer von Fußgängern trennen. Zu der Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer gehört auch, das Autos das einzige Verkehrsmittel sind, die die Straße zum Parken, also als Stellplatz nutzen dürfen. Manchen reicht das ja nicht mal und sie brauchen auch noch den Bürgersteig oder Fahrradweg. Meiner Ansicht nach würde sich die Situation sogar sofort verbessern, wenn man einfach bundesweit das Parken auf der Straße verbietet und den freiwerdenden Platz als Fahrradweg nutzt. Der Staat legt die Rahmenbedingungen fest, damit auch, ob es für den einzelnen attraktiv ist anstatt mit einem Auto (egal ob kraftstoffbetrieben oder ,mit Strom) zur Arbeit zu fahren oder mit einem Pedelec oder einem E-Mofa (die es ja auch schneller als E-Bikes mit bis zu 45 km/h gibt). Ich denke, wenn man damit genauso schnell oder schneller ans Ziel kommt, wird das Auto für die kurze Strecke weitestgehend überflüssig. Dazu gehört natürlich auch ein ausgebautes Angebot an Alternativen für die längere Strecke, sprich öffentlicher Verkehr, aber auch Carsharing, wenn ich mal was Sperriges transportieren muss. Dazu gehört natürlich auch eine Rahmenregelung bei der Geschwindigkeit. Mit autonomen Fahrzeugen wird die sogar noch wichtiger. Die können sich nämlich synchronisieren, also in Kolonne fahren und gleichzeitig beschleunigen und abbremsen. Das spart Sprit, da der Luftwiderstand für die hinteren Fahrzeuge geringer ist und vermeidet Spontan-Staus (also ohne Unfall als Ursache) die vor allem durch unterschiedliche Geschwindigkeiten entstehen.

Irgendwie sind ja die Deutschen besonders geschwindigkeits- verrückt. Unter den Industrienationen sind wie das einzige Land ohne Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen und das scheint ein Sakrileg zu sein. Ganz alleine erklärt das aber nicht alles. Denn auch wenn man praktisch nie die Spitzengeschwindigkeit erreicht, verkaufen sich die Autos mit hoher Motorisierung doch gut und das nicht nur in Deutschland.

Elektroautos haben noch einen weiteren Vorteil: man kann sie als Speicher nutzen. Vor allem kann man so den Stromsektor so weiter umgestalten ohne den Automobilsektor zu regulieren und das scheint ja zu klappen. Man sollte sich aber nicht täuschen lassen. Wenn es dann wirklich viele E-Autos sind benötigt man auch viel mehr Strom:

Nehme ich nur mal den Verbrauch an Benzin – damit habe ich sicher das Transportwesen für Waren und öffentlichen Nahverkehr ausgeklammert – dann sind das 2017 25.309 Millionen Liter. Rechne ich mal mit 6 l/100 km pro PKW so sind das 422 Mrd. Kilometer. Ein Tesla Model 3 in der Basisaustattung hat eine Batterie von 50 kWh für 350 km Fahrtstrecke. Der Benzinverbrauch entspricht also 60 Millionen kWh. Derzeit werden 654 Mrd kWh erzeugt. Das wäre also zusätzlich zu wuppen. Wobei das natürlich nur eine Schätzung sein kann, da es vom mittleren Treibstoffverbrauch der Flotte abhängt. Man müsste auch noch einen Teil des Diesels dazurechnen, der ja auch von PKW verbraucht wird. Was mich erstaunt ist, das E-Autos dasselbe Paradigma haben wie normale Autos. Der erwähnte Tesla hat schon in der kleinsten Variante einen 191 kW Motor mit 209 km/h Spitze. Wozu? Ich schreibe diesen Aufsatz gerade in meinem Ferienhaus. Das existiert seit ich lebe. Früher sind wir in einem Opel dahin gefahren, mit 140 km/h Spitze und haben 2 Stunden gebraucht. Vorletztes Jahr war ich mit meinem Bruder und seinem BMW mit 280 km/h Spitze und es dauerte 1 h 45 min. Doppelte Spitzengeschwindigkeit und nur 1/8 schneller – das lohnt sich nicht. Liebe Autobauer entwickelt wieder Autos die nur 140 bis 160 km/h Spitze haben. Das ist immer noch schneller als die Richtgeschwindigkeit auf Autobahnen mit etwas Luft zum Überholen. Sicher sind Elektromotoren nicht so schwer wie Benzinmotoren, aber es senkt das Gewicht und das ist bei Elektrofahrzeugen ja entscheidend, denn die Batterie wiegt schon viel.

Offen bleibt woher der Biotreibstoff für die restlichen Fahrzeuge kommt. Dazu noch im nächsten Kapitel mehr.

Wärmeproduktion

Es muss auch geheizt werden. Da verwendet man heute Holz als erneuerbare Energie, doch das ist kaum ausbaufähig, ich denke ein Großteil des Holzes was wir heute verbrennen, stammt nicht aus Deutschland.

Bei der Heizung kann man die Abwärme der Gaskraftwerke für die Stromerzeugung sinnvoll nutzen, die dafür natürlich dezentral sein müssen. Man muss sie nicht neben der Biogasanlage bauen, sondern kann Methan leicht durch das Erdgasnetz oder als Flüssiggas transportieren. Rein theoretisch kann man aus Methan auch höhere Kohlenwasserstoffe gewinnen, indem man es in einem Reaktor unter geeigneten Bedingungen erhitzt. Doch das ist eigentlich nicht nötig. Erdgas kann man unter Druck leicht verflüssigen. Es gibt schon Fahrzeuge die mit Flüssiggas betrieben werden. Selbst mit einem Druckgastank wiegt es noch weniger als eine Batterie mit derselben Nutzenergie. Für die Heizung muss man nur jeden an das Gasnetz anschließen, was bei einem Großteil der Bevölkerung nur ein Anschluss vom Keller bis zur Straße ist. Biogas ist daher zu wichtig um es nur zur Stromerzeugung zu nutzen. Es ist die einzige Alternative die wir heute haben, wenn wir heizen wollen oder für den Verkehr einen Energiespeicher mit hoher Reichweite brauchen.

Immerhin, das Biogas so zu nutzen ist effizienter als aus Wasser Wasserstoff zu bilden. Da man ihn verflüssigen muss und Brennstoffzellen nur einen Wirkungsgrad von 40 bis 60 % haben kommt nur 22 % der Primärenergie in Form von Antriebsenergie an, wenn er für Fahrzeuge genutzt wird. Bei Strom in Batterien sind es 73 %. Der Verkehr dürfte bei einer Energiewende ein Problem sein. Immerhin: alleine das ungenutzte Stroh reicht für Biogas für 4 Millionen PKW aus. Nach der Heute-Show von gestern sogar für 7 Millionen (wobei diese Quelle natürlich nicht die zuverlässigste ist). Das dürfte vielleicht für die reichen die wirklich viel fahren und das täglich, aber wohl kaum für alle Lastwagen.

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