Interesse an Starlink und OneWeb

So wie es aussieht werden beide Netze Regierungsorganisationen als Nutzer haben, das wurde in den letzten Tagen bekannt. Bei Starlink ist es das US-Militär. Das DoD betreibt schon seit Jahren Nachrichtensatelliten nur für den Funkverkehr der Streitkräfte. Allerdings bisher im geostationären Orbit. Das Interesse an Starlink liegt auf der Hand – das Netz ist überall verfügbar, anders als bei geostationären Satelliten die Probleme mit nördlichen Breiten oder bei geografischen Hindernissen wie Bergen haben. Zudem entfällt ein Großteil der Verzögerung durch die Signallaufzeit. Diese Gründe führten auch dazu, dass nachdem Iridium insolvent war und sich unter Chapter 11 flüchtete, dass das Militär die Satellitenkontrolle übernahm und das Netz weiter betrieb, denn unter den Nutzern waren eben auch die Streitkräfte welche es für Telefonate nutzen. So gab es auch schon Tests der Datenübertragung von einer C-128 zu einem Starlink Satelliten, obwohl der System noch lange nicht für die Öffentlichkeit zur Verfügung steht und es keinerlei Hardware für die Userterminals zu kaufen gibt. Auch einen 28 Millionen Dollar Auftrag um durch Tests den militärischen Nutzen des Netzes zu erproben gab es schon.

Das wäre nur eine Randnoitiz, nutzt das Militär auch sonst zivile Systeme. Doch die Trump-Regierung wird aber wohl Starlink noch einen gehörigen Schub verleihen.

Nachdem das Militär die von Obama gestarteten Kampfeinsätze von Drohnen zunächst belächelt hatte, entsprachen diese Flugzeuge doch in keiner Weise ihren Anforderungen und wären in einem echten Krieg nur leichte Ziele, hat sich in den letzten Jahren geändert. Zum einen erwiesen sich die so durchgeführten Killereinsätze als sehr effektiv, zum anderen war das Militär bei den anderen Einsätzen mit sehr viel negativer Publicity konfrontiert. Der Öffentlichkeit war es nicht zu vermitteln, warum amerikanische Soldaten im Irak und Afghanistan sterben, obwohl beide Kriege schon seit über einem Jahrzehnt offiziell beendet sind. 2016 legte das Verteidigungsministerium eine Studie vor, die den Einsatz von Drohnen auch als primäre Waffe, nicht nur zur Unterstützung in den Streitkräften vorsah, gestaffelt in drei Stufen

  • Forschungsphase: Umbau bestehender System, Tests der Kontrolle, Anforderungen und Fähigkeiten
  • Umrüstphase: Umrüstung bestehender Systeme zu unbemannten Kampfdrohnen
  • Ersatzphase: Entwicklung neuer Drohnen, die bestehende bemannte Systeme ersetzen

Bei Flugzeugen ist bzw. wäre dies z.B. Folgendes:

Forschungsphase: bestehende Jets werden so umgerüstet, dass sie auch ferngesteuert werden können, ein Pilot ist bei den Tests jedoch am Anfang noch an Bord. Die Drohnensteuerung ist eine zusätzliche Fähigkeit. Es folgen Tests wie bei normalen Flugzeugen wie Abfangmanöver, Dogfight, Bombenabwurftraining. Später werden diese dann unbemannt durchgeführt.

Umrüstphase: bestehende Flugzeuge werden um alle Systeme erleichtert, die für einen Piloten nötig sind wie Cockpit, Cockpitpanzerung, Schleudersitz, Sauerstoffflaschen, Cockpitinstrumentierung

Ersatzphase: Entwicklung neuer Kampfflugzeuge, die nur unbemannt eingesetzt werden können, auch neue Konzepte wie Tochterflugzeuge, die von größeren Flugzeugen ins Einsatzgebiet geschleppt werden.

Richtig teuer und das über einen längeren Zeitraum ist die letzte Phase. Es wurde ja schon gewitzelt das wäre SDI: Strategic Drone Initiative.

Das war im letzten Amtsjahr von Obama und er wollte dafür oder dagegen keine Entscheidung fällen und hinterließ diese seinem Nachfolger. Trump hatte andere Prioritäten und so blieb die Vorlage in der Schublade. Als Trump aber wegen eines Giftgaseinsatzes einen Angriff auf Syrien plante und die Militärs ihm wegen der zu erwartenden Verluste und der negativen Publicity davon abrieten, haben seine Berater die Vorlage wieder auf die Tagesordnung gebracht. Gerüchten zufolge soll alleine die „Kriegsmüdigkeit“ der Amis Trump bisher von einem Militäreinsatz gegen den Iran und Nordkorea abgehalten haben. Bisher blieb es daher immer nur bei kleinen Luftschlägen wie 2018 in Syrien oder diesen Monat beim Iran.

2018 wurde die erste Phase genehmigt, die im Vergleich zum Gesamtprojekt noch wenig kostet. Seitdem finden mit umgebauten F-15, F-16 und F-18 Flugzeugen Tests in den USA statt. Auch gepanzerte Fahrzeuge sollen umgerüstet worden sein. Nur bei der Marine sind in Phase 1 keine Schiffe dabei (in Phase III soll es aber unbemannte U-Boote und Schnellboote geben). Tests mit Teams ergaben, das im Luftkampf schon die zeitliche Verzögerung über einen geostationären Satelliten, wie er entstand, wenn das Kontrollteam an der Westküste war und das Flugzeug an der Ostküste, nicht tolerierbar war. Ansonsten sind die ersten Ergebnisse positiv: die Teams haben mit mehreren Leuten und etlichen Kameras mehr Rundumblick als der Pilot, die Aufteilung der Arbeit (einer fliegt, einer kümmert sich um die Waffen, ein dritter überwacht die Bildschirme von bis zu sieben Außenkameras) führte zu weniger Stress und schnellerer Reaktion und nicht zu vergessen – ohne Pilot waren Wenden mit hoher G-Belastung möglich die vorher unmöglich waren. Gute Rückmeldungen gab es auch beim Erproben gepanzerter Fahrzeuge, diese kamen auch mit der Signalverzögerung besser zurecht. Zumindest in Phase I und II sind keine autonomen Waffen geplant, sondern fernkontrollierte.

Eine der Empfehlungen für Phase II ist aber trotzdem der Aufbau eines Netzwerkes, welches zumindest im Kriegseinsatz zur Verfügung steht, logischerweise aber auch unabhängig davon existieren muss, denn auf die Schnelle kann man kein Netzwerk ad hoc aufbauen. So hat man auch Tests mit Starlink durchgeführt. Über den Kontinent hinweg war die Verzögerung kleiner, aber immer noch nicht ausreichend, aber wenn das Steurerteam bis zu 700 Meilen von dem Flugzeug entfernt war, so war die Reaktionszeit nicht schlechter als bei Piloten. Das würde bei dem US-Militär, solange es nicht um einen Angriff auf Russland geht, vollkommen ausreichen, denn zum einen haben die meisten Kampfflugzeuge keine viel größere Reichweite und zum anderen gibt es in allen Fällen von potenziellen Gegnern US-Basen in den Nachbarländern (beim Iran in Saudi Arabien Türkei und dem Irak. Bei Nord Korea in Süd Korea und Japan. Notfalls ginge das auch von fliegenden Einsatzzentralen wie es sie heute schon in den AWACS-Flugzeugen gibt aus möglich. Das US-Militär präferiert Starlink, logisch, denn bisher wurden ja auch alle militärischen Starts nur von US-Trägern durchgeführt (bisher, weil heute Morgen startete eine Electron erstmals einen NRO-Militärsatelliten). OneWeb wird aber vor allem von Sojus gestartet daneben auch Ariane 6, aber keinem US-Träger. Vor allem aber ist die Firma auch in England ansässig. Die letzte Entscheidung ist aber nicht getroffen, OneWeb hatte einfach zu wenige Satelliten für Tests im Orbit und weil beide Netze ja nicht wegen dem Militär entstehen, ist die strikte „US-Only“ Politik gelockert – das ist ja bei Basen im Ausland genauso. So hat auch Oneweb einen 2,5 Millionen Dollar Auftrag zusammen mit SpaceX bekommen – aber wie schon gesagt, bei SpaceX waren es 28 Millionen,

Onweb ist nicht aus dem Rennen, hat aber einen anderen Befürworter. Denn es gab auch eine Vorlage der EU. Um die Infrastruktur in benachteiligten Regionen zu verbessern wurde geprüft, ob die Nutzung dieser neuen Netze von Vorteil wäre. Das Ergebnis wäre, das so ein Teil der Strukturnachteile für Unternehmen aber auch Privatpersonen abgebaut werden könnte. Die ESA zur Beratung hinzugezogen, gab auch eine Empfehlung ab. Dort wurde vor allem hervorgehoben, das man bei einer europäischen Beteiligung zur Auflage machen könnte, die Satelliten mit der Ariane 6 zu starten, was diese Rakete auslasten würde, die ESA hat ja Probleme die der Industrie 2014 zugesagten Starts auch einzulösen. Es würde so ein Zuschuss für die Produktion entfallen. Auch Gespräche mit Oneweb gab es. Oneweb plant ohnehin eine Erweiterung der Konstellation, aber nicht so stark wie Starlink. Doch immerhin weitere 1.260 Satelliten, also fast doppelt so viel wie bisher. Bisher stockt das weil die FCC (US-Behörde) seit zwei Jahren den Antrag für Frequenzen nicht bearbeitet hat, während SpaceX innerhalb von Monaten die Erweiterung von 4.400 auf 12.000 und dann sogar 31.000 Satelliten genehmigt bekam. Oneweb war offen, die Hälfte dieser Satelliten in einer zweiten Fabrik in Europa zu bauen. Die ersten zehn wurden ja auch in Toulouse gebaut und die Technik stammt von europäischen Firmen. Man benötige sowieso eine zweite Fabrik, will man den Zeitplan einhalten. Dafür sollte sich die EU mit der Hälfte der Kosten von geschätzt 2,5 Mrd. Euro beteiligen. Die EU möchte als Gegenleistung, dass der Service nicht teuerer angeboten wird als vergleichbare terrestrische Verbindungen mit ähnlichen Datenrate. Wie teuer beide Services werden weiß noch keiner, SpaceX hat 80 Dollar pro Monat als Preisvorstellung genannt, was verglichen mit europäischen terrestrischen Tarifen relativ teuer ist.

Wie beim US-Militär steht eine Entscheidung noch aus, in der EU hofft man vor allem auf Deutschland, das so ihre „Digitalisierungsprobleme“ mindern könnte. Das Oneweb den Sitz in England hat, seit heute ja kein EU-Mitglied mehr spielt keine Rolle. Zu verflochten sind inzwischen zahlreiche europäische Institutionen mit England, so werden auch die europäischen Wetterdaten in Reading verarbeitet. Zudem bleibt England in der ESA, welche von der EU mit der Durchführung betraut werden wird, wenn es dazu kommt, ähnlich wie dies bei Galileo oder dem Copernicus Programm der Fall war. In beiden Fällen dürften die Investoren aber so aufatmen, denn das die Netze so pleite gehen, selbst wenn man die Nachfrage stark überschätzt hat, dürfte so ausgeschlossen sein. In beiden Fällen wird dann der Staat eingreifen.

2 thoughts on “Interesse an Starlink und OneWeb

  1. https://www.geekwire.com/2020/spacex-ceo-elon-musk-touts-starlink-satellites-robotic-fighter-jets-air-warfare-symposium/

    Ich habs ja schon in den anderen Kommentaren gepostet. Aber mittlerweile hat mir jemand in einer Diskussion auf Reddit ünber das Thema das hier erzählt (Ich übersetze mal:)

    „Es sollte beachtet werden, dass die F-35 nicht mehr wirklich so umstritten ist, zumindest nicht in militärischen Kreisen.

    Ein modernes Kampfflugzeug wird fast nie einen traditionellen Luftkampf austragen. Es handelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Bomben-/Raketenlastwagen, bei denen das Hauptziel darin besteht, heimlich einzufliegen und die Nutzlast der Waffe auf das zu entfalten, was man zerstören soll. Im Idealfall werden sie nie erfahren, dass Sie überhaupt kommen. Den Feind zuerst zu entdecken und dabei selbst der Entdeckung zu entgehen, sind die beiden wichtigsten Kriterien, wobei die Manövrierfähigkeit bestenfalls ein entferntes Drittel ausmacht.

    In der Diskussion um die aufkommenden Kampfjets der 6. Generation soll diese Idee auf die Spitze getrieben werden. Keine Seite wird die anderen Flugzeuge auch nur sehen, und alle Kämpfe finden außerhalb der Sichtweite statt. Welche Seite auch immer die andere entdeckt, wird fast sofort einen Treffer erzielen. Der Gewinner wird also fast immer die Seite mit der besseren Kombination von Sensoren und Tarnkappentechnologie sein.

    Die Idee, dass Drohnen einen großen Vorteil gegenüber bemannten Kampfflugzeugen haben, ist also nicht sehr überzeugend. Drohnen sind zwar immer noch sinnvoll als Späher, Lockvögel oder Verweilflugzeuge, aber in offenen Schlachten haben sie keine sinnvollen Kampfvorteile. Sie haben auch einen großen Nachteil, nämlich, dass sie gehackt oder gestört werden können, was sie unbrauchbar macht.

    Im Großen und Ganzen tritt hier also Musk, wieder nur seiner dämlichen und meist uninformierten Meinung auf. Es ist eindeutig mehr eine „Popkultur“-Analyse als eine ernsthafte militärische Analyse. Wie Sie erwähnt haben, könnte er dies auch sagen, weil er persönlich davon profitiert, da er Starlink braucht, um in großem Stil abzuheben.“

    1. Drohnen bieten schon den nicht zu unterschätzenden Vorteil des verschmerzbaren Verlusts. 20 Abgeschossene Drohnen interessieren kaum, baut man hald 20 neue. 20 abgeschossene Piloten die ggf. gefangen genommen und öffentlich vorgeführt werden sind ein Albtraum im Kampf um die Hoheit der öffentlichen Meinung. Und diese kann darüber bestimmen ob ein Einsatz politisch weiterhin gewollt ist.

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